Sonntag, 4. November 2018

Vom begrabenen Sonnenhirsch, nächtlichen wilden Geistern und meinem Garten

Wir sind  im November und im Spätherbst. Halloween ging schrill, gruselig und mit viel Zucker in den Naschereien an uns vorüber. Halloween, von den Christen verteufelt, weil heidnisch. Vom Einzelhandel geliebt, weil verkaufsträchtig. Und der Gärtner? Wie steht er dazu? 


Halloween, der heilige Abend oder Abend vor Allerheiligen. (all Hallows eve = aller Heiligen Abend) ist ein markanter Punkt im Jahrsverlauf der Natur. Die alten Völker, gern als Heiden und Primitive bezeichnet, beobachteten derlei Dinge sehr genau in der Natur. Der Natur von der sie lebten und von der alles abhing. 

Und wenn man jetzt nach draußen sieht und ein wenig offen ist für die Phönomene und Zyklen der Natur, dann versteht man es. Der Sonnenhirsch wird erlegt und seine Gatting die Vegetationsgöttin in die Unterwelt entführt. Was für Bilder, welche die momentane Situation im Garten beschreiben. 

Und ab jetzt, da die Ernten eingebracht sein sollten, ist alles, was noch draußen wächst für uns tabu. Es gehört den wilden Geistern die nachts über das Land ziehen. Vielleicht auch den Wildtieren, die im Winter ebenfalls Nahrung suchen? 


Willkommen in der düsteren Hälfte des Jahreskreises. Mit Halloween ist sie endgültig vorbei die helle Jahreszeit. Es herrscht der schwarze Gott, der den Sonnenhirsch erlegt hat. Ich finde die Beobachtungen und Deutungen aus Zeiten, da wissenschaftliches Allgemeinwissen über diese Zyklen noch weit, weit entfernt war, einfach nur wunderschön und so einfühlend, lebenserfüllt und detailliert. 



Und mal ehrlich! Wer war an  Halloween abends noch mal draußen? So zeitig ist es dunkel. Trotz mildem Herbst ist es neblig und kalt.  Ruhig ist es draußen und gespenstisch. Mir ist es jedenfalls nicht suspekt, dass genau an diesem Abend oder eben zu dieser Zeit die einfühlenden und sehenden Menschen leichter Kontakt finden können zur Anderswelt. 

Nur zu meiner Verteidigung als Christ möchte ich hier eine Passage aus einer Form des christlichen Glaubensbekenntnisses  (Glaubensbekenntnis von Nicäa) zitieren: 

"Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat. Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt".

Und auch im Christentum gibt es einen besonderen Tag zu dieser Zeit, den Martinstag.  Auch hier wurde früher ausgelassen gefeiert (Verzehr von Vieh, das nicht über den Winter gefüttert werden konnte, Vorbereitung auf dein vorweihnachtliche Fastenzeit in der Schmalz oder Eier verboten waren und somit verderben würden, wenn man sie nicht auf ißt)), er markierte einen wichtigen Einschnitt im Jahr der Bauern. Der neue Wein war probierfertig, das Vieh musste von der Weide (Almabtrieb), der Zehnte wurde entrichtet, "Personal" eingestellt oder entlassen. 

Es ist einfach nicht von der Hand zu weisen, dass wir jetzt eine Phase des Jahres beenden und etwas Neues beginnt. Ein Einschnitt im Jahreslauf. Egal wie man ihn nennt. Von der Hand zu weisen ist er nicht. Und der Gärtner ist neben dem Bauern natürlich einer, der es hautnah mit erlebt. Zumindest wenn er mit und in  und für seinen Garten lebt. Und das ist nicht immer der Fall, denn nicht jeder lässt sich so auf die Natur und ihre Rhythmen ein. Nicht jeder kann das auch, ich verstehe das. Dennoch weise ich immer wieder darauf hin, möchte animieren sich einzulassen auf natürliche Rhythmen. Nicht auf die Rhythmen der immer lauten und immer beleuchteten und immer gleichen Welt unserer Konsumgesellschaft, der Welt von Geld und Macht. 

Ich lasse mich jetzt ein auf die dunkle und ruhigere Zeit mit Rückzug in Haus und Hof. Mit langen Nächten und der Gewissheit, dass in wenigen Wochen zur Zeit der Wintersonnenwende (21.12.) etwas Hoffnungsvolles geschieht. 

Die Erdgöttin oder Totengöttin gebiert tief unten in der Unterwelt das neue Leben, das Licht, die Sonne. Schwach wird es sein, das Neugeborene.  Aber dann wird es von Tag zu Tag stärker,(ab der Wintersonnenwende werden die Tage wieder länger!) gewinnt an Macht und zieht in immer höher werdenden Kreisen über unsere Erde. Es bringt Wachstum und Fruchtbarkeit für uns mit. So sahen es "die Alten" bevor dann ein neuer Glaube kam in diesem am 24.12. dieses neue Leben, das erst schwach ist und dann allmächtig wird, geboren wurde. 

Mir zeigen die vielen Parallelen der einzelnen Glaubensansätze, dass die Zeichen der Natur, ihre Rhythmen und Fakten  eben so einschneidend, so prägend und so wichtig für uns sind, dass sie auf egal welche Weise, auch heute noch im Kalender zu finden sind. Es gibt eben nicht die Natur und den Menschen, was viele Glauben. Nein, es gibt die Natur und der Mensch ist ein winziger Teil davon. Daran wird und kann sich nie etwas ändern. 

Wie schön diese Natur jedenfalls auch trotz dunkler Jahreshälfte für den sein kann, der sie wahr zu nehmen bereit ist, zeigen meine Aufnahmen von Gestern. Interessierte Leser können gern einmal den Beitrag vom  August zum Vergleich anschauen. Darin sind etliche Perspektiven wie heute, aber eben im August dargestellt. Damals regierte der Sonnenhirsch, der nun begraben ist in unvorstellbarer Macht. 

Die Bilder vom Wochenende enthalten alles vom blühenden Leben bis hin zum Verfall. Morbide Schönheit im November-Garten:





















Die Ernte mag, bis auf wenige Gemüse eingefahren sein. Ganz alles, was draußen ist kann und möchte ich noch nicht den wilden Geistern überlassen. Der toscanische Grünkohl wird jetzt noch geerntet, der Endivien, Winterlauch, Meerrettich und ein wenig Blaukraut. 

Fast alle Kübel sind zum Schutz vor den wilden Geistern schon eingeräumt. 

Die Hanfpalme bleibt wieder draußen und muss demnächst noch ihr Häuschen bekommen. 



Die Washingtonia bleibt nicht draußen, da der letzte Winter sie fast umgebracht hat. Es war einfach nicht zu beheizen, sprich frostfrei zu halten ihr spezielle  Häuschen. Sie kommt in die unbeheizte Scheune und wird darin noch umbaut. Wie aber bringt man einen Corten-Stahl-Kübel von 80x80x80cm Größe, bepflanzt mit einer großen Palme durch den Garten, bergauf zur Scheune? 

Hier seht ihr es. Diesmal ganz ohne  Bulldog vom Nachbarn. 



Zumindest steht sie jetzt schon mal vor der Scheune.  Von da ist sie schnell eingeräumt.   Aber erst wollen wir noch die Folien-Konstruktion dafür bauen. Hoffentlich bleibt es noch ein  wenig mild, denn  im Moment herrscht doch ein wenig Unruhe und Beruf und Gesundheit.