Mittwoch, 30. Mai 2018

Winterharte Sukkulenten im Garten: bunt, pflegeleicht und vielfältig

Das Gegenteil von Wasser im Garten ist?


Vielleicht erinnert ihr euch? Zum Bloggeburtstag Anfang Mai schenkte ich dem Blog einen Beitrag überall das Wasser bei uns im Garten.

Jetzt, Ende Mai, zu meinem Geburtstag, schenke ich mir einen Artikel zum genauen Gegenteil. Es ist heiß und sehr trocken wieder einmal. Was wächst da besser, als die Sukkulenten?

Die winterharten Formen haben es mir angetan. Farbe und Form, genau wie die Blüten, sind so vielfältig und bunt. Die Pflanzen selbst sind wahnsinnig pflegeleicht, gerade was das Gießen angeht.

Sie erobern so langsam den ganzen Garten. Auf Schritt und Tritt begleiten sie uns. Neugierig geworden? Dann begleite mich doch auch einmal auf der Sukkulenten-Tour durch das Grundstück.



Verschiedene Gewächse für heiße und trockene Standorte


Welche dieser trockenheitstolleranten und winterfesten Genossen findet man also bei mir?

Da sind etwa als größte Gruppe die Semperviren oder Dachwurze zu nennen.



Hinzu kommen winterharte kleine Kakteen.



Sedum wächst ebenfalls hier.




Es gibt auch sehr robuste kleine Stauden für Steingärten oder eben als Begleiter der Sukkulenten. Sie haben ähnliche Standortansprüche.






Von Urlauben mitgebracht habe ich nicht-winterharte Feigenkakteen und eine Aloe von den Kanaren.





Am schrillsten, wenn es um die Blüten geht, sind einfach die winterharten Mittagsblumen.







Pflanzgefäße für die Sukkulenten


Ausgepflanzt in den Garten habe ich bis jetzt noch keine der Sukkulenten. Es fehlt der passende Platz. In den Beeten stehen natürlich erst einmal meine Stauden. Ein reines Sukkulenten-Beet würde mir optisch nicht so gut gefallen. Außerdem ist das Unkraut zu mächtig. Bedrängt es doch sogar größere Stauden. Da hätte ich keine Lust, es aus den Stacheln der Kakteen zu zupfen.

Ein paar wild aufgegangene Trockenheitstollerante wachsen hier und da trotzdem frei im Garten. Dort, wo sie sich eben selbst angesiedelt haben. 

Dazu gehört das Zimbelkraut, 



Mauerpfeffer, 

Walzenwolfsmilch 


und ein anderes Gewächs, dessen Namen ich (noch) nicht kenne.




Bleiben also nur Pflanzgefäße für meine Lieblinge in der Sukkulenten-Sammlung. Und gerade das finde ich so reizvoll.

Sie brauchen kaum Platz im Topf. Da sie naturgemäß wenig Wasser benötigen, reichen auch kleine Pflanzgefäße oder dazu umfunktionierte Behältnisse.

Kleine Pflanzgefäße haben den Vorteil, mobil zu sein. Überall dort, wo ich gerade meine, dass eines hin passen würde, kann ich es auch aufstellen.

Sind die Gefäße etwas größer, werden kleine Landschaften gepflanzt.

Ich verwende als Pflanzgefäße:

Kleine Tontöpfe.



Bunte Übertöpfe (mit Ablußloch im Boden).



Deko-Nippes (mit Abflußloch im Boden).



Eine gebrochene Wasserschale aus Beton für die ehemaligen Hühner.




Eine Rinne aus Ton, gefunden am Parkplatz beim  Gassigehen.




Ein alter Mühlstein mit dem Loch in der Mitte für die Antriebsachse kann auch bepflanzt werden.




Für Bastler und sonst Kreative sind Dachwurze ideal. Hier habe ich mich, angesichts der vielen Ideen im Internet, mit dem Betonguss versucht. Dafür gibt es fertige Mischungen im Bastelfachhandel, die nur mit Wasser angerührt werden müssen. Dann kann man kreativen Formen aus Backformen oder Blumenübertöpfen selbst herstellen.



Sollen zum Beispiel Semperviren gepflanzt werden, muss man darauf achten, dass das Endprodukt frostfest ist! Ich experimentierte mit den Kunststoffübertöpfen aus dem Blumenladen. Zwei unterschiedliche Größen habe ich ineinander gesetzt. Das Ergebnis ist ganz gut, wenn auch schief geworden. Ich habe fest gestellt, dass das nicht zu meinem neuen Hobby wird. Und doch wollte ich den Topf nicht irgendwo ungenutzt in die Ecke stellen.



Selbstverständlich kann man auch fertige  Blumenkübel oder Kästen bepflanzen. 




Ein ausgedienter „Kochtopf“ aus Ton mit hinein gebohrtem Entwässerungsloch. Es ist das Unterteil einer Tajienne, die auf dem Induktionsherd ihre Funktion verloren hatte. 

Opuntie, Sternwurz und Teppichthymian (Thymus praecox Minor)



Eine alte Zinkbadewanne. Wir haben Löcher hinein gebohrt und sie halb mit Styroporabfällen aufgefüllt. Dann kam ein Mulchvliesrest darüber und schließlich das Pflanzsubstrat. Die Wanne voller Erde, wäre zu schwer zum Transportieren und die Kakteen hätten zu viel Erde.

Zinkwanne mit Sukkulenten bepflanzt (winterharte Opuntien und Mittagsblume, stängelloses Leimkraut, Gräser, Teppichmyrtenaster Snowflurry Aster pansus)


Zinkwanne im folgenden Frühjahr



Ein Geburtstagsgeschenk, die Blechsäule mit Pflanzschale. Wenn man nicht jeden Tag gießen kann und nicht alles an die Bewässerung anschließen will, kann man in so einem begrenzten Pflanzraum kaum etwas andere kultivieren.






Und wo stehen jetzt die vielen verschiedenen Gefäße mit Sukkulenten?


Hat man schmale Fensterbretter in voller Sonne, von denen möglichst nicht dauernd Gießwasser herunter tropfen soll? Kein Problem für Semperviren.





Eine öde Betonplatte auf dem Kanalschacht im Staudenbeet störte mich von Anfang an. Warum nicht eine Sammlung an Dachwurzen darauf stellen?







Die Treppe hoch zum Haus ist breit und steinig. Mit ein paar Töpfen der bunten Dachwurze freut man sich Sommer wie Winter beim Heimkommen über die freundliche Begrüßung.



Die hohe Säule ist ein Deko-Element auf der Terrasse.





Dachwurze in der Tonschale auf eine alten Holzstuhl stehen rund ums Jahr neben der Haustüre. Sie sehen immer schön aus und man muss nicht vom Frühjahr bis zum Herbst ständig neu bepflanzen. Und welche Bepflanzung wäre sonst noch im Januar oder Februar attraktiv?

frisch gepflanzte Dachwurze

Schale mit Dachwurzen zwei Jahre später


Die Landschaft in der Badewanne passt gut auf den mediterranen Platz. Zu sehen links neben dem Seerosenbecken aus Beton-Kanalrohren.



Findet man auf einer Gartenmesse Deko-Nippes, den man unbedingt haben muss, kann man ihm mit solchen Pflanzen eine Funktion und damit Sinn verleihen.





Sedum cyaneum Sachalin




Ich finde gerade vor dem Eingangsbereich machen sie sich sehr gut, weil sie nicht ausladend sind und einfach aufgeräumt aussehen. Hier steht die Tonschale auf einem alten Steinguttopf aus der Scheune. 




Sukkulente sind grün, stachelig und langweilig?


Ist das so? Im Garten stehe ich bekannter Maßen total auf Blüten. Als wir den Garten übernahmen, war er aus Altersgründen pflegeleicht gestaltet. Es gab nichts was blühte. Ein Stock hoher Herbstastern. Zwei oder drei einmalblühende große Storchschnäbel und verwilderte Bartnelken neben ein paar Akeleien im Frühjahr. Fast rund ums Jahr war der Garten grün. Ich wollte Blüten und bin jetzt so weit, dass es rund ums Jahr im Garten blüht. Wirklich rund ums Jahr! So dass ich niemals auf „Blumen“ im Garten verzichten muss.

In dem Konzept stören auch die Sukkulenten nicht. Es gibt wohl kaum schrillere und buntere Blüten als bei diesen Pflanzen.

Kakteenblüte:








Semperviren blühen auch sehr auffällig. Die Pflanze geht danach kaputt, was aber meist überhaupt nicht auffällt. Hat sie doch vorher für ein ganzes Büschel neuer Blattrosetten gesorgt.


Unübertroffen bunt und schillernd sind die Mittagsblumen.













Auch die Steingartenstauden als Begleitpflanzen blühen überschwänglich.

Teppichmyrtenaster Snowflurry Aster pansus

Teppichmyrtenaster Snowflurry Aster pansus

stänggelloses Leimkraut




kriechendes Schleierkraut, Gypsophila repens Knuddel


Nicht nur Blüten bringen Farbe und Abwechslung - auch die Wuchsformen können begeistern


Allein schon die vielen Formen und Farben der Dachwurze sind schon eine eigene  Sammlung wert:






































Ein paar Worte zur Pflege der winterharten Sukkulenten

Mögliche Pflanzgefäße habe ich bereits gezeigt. Wichtig ist immer, daß sie frostfest sind und Wasser gut ablaufen kann.

Als Pflanzsubstrat soll man 40 % Blumenerde mit 60 % Sand mischen. Ich nahm die ohnehin schon magere Anzuchterde und habe aber nur etwa 50% Sand darunter gemischt. Anstatt von Sand kann man auch feinen Kies oder Schotter verwenden.

Dahinein werden die gekauften Pflanzen gesetzt.


Wegen der Optik und den darin herumwühlenden Amseln habe ich immer mit kleinen Steinen abgedeckt. Einmal ist es feiner Split, übrig vom Wegebau. Seit kurzem verwende ich die nicht so grauen und eher cremefarbenen kleinen Steine aus dem Baumarkt. So ein Sack kostet nur wenige Euro und man kann sie auch verwenden, um bei Kübelpflanzen unten im Topf eine Drainageschicht ein zu bauen.


Also Dekoelemente dienen Tonscherben, Rindenstücke, Fundsteine vom Feldweg oder morsche Äste.


Gegossen wir jetzt im Sommer ohne Regen und bei sehr hohen Temperaturen zweimal pro Woche. Manchmal dreimal. Ist es kühler oder regnet es ab und zu, gieße ich schon mal eine Woche oder länger gar nicht. Am „meisten“ Feuchtigkeit brauchen die Steingartenstauden, die ich nie ganz austrocknen lasse. Semperviren kommen auch wochenlang ganz ohne Gießen aus.

Gedüngt wird ab März bis Juni mit Flüssigdünger oder ein wenig sehr hoch verdünnter Brennesseljauche. Empfohlen wird Blaukorn, aber das habe ich natürlich im Biogarten überhaupt nicht vorrätig. Im Moment experimentiere ich mit einem anderen Dünger für alle Kübelpflanzen. Den Sukkulenten bekommt er bis jetzt sehr gut. Aber dazu mehr, wenn ich mehr und nur gute Erfahrungen gesammelt haben werde.

Ganz besonders wichtig ist dann der Winter. Die Pflanzen sind laut Katalog zwischen -18°C und bei manchen Sorten bis unter -20°C winterhart. Meine haben den Winter mit tagelang -15°C ohne Schaden überstanden. Einen Schutz brauchen sie nicht.






Einzig notwendig ist bei den Kakteen und Mittagsblumen ein trockener Standort. Ich habe die Schalen im Carport, wo kein Regen hin kommt stehen gehabt. Bereits im Herbst sollte man mit Gießen aufhören. Ich beendete es im Oktober.

Die Kakteen sind wirklich schlau. Sie merken, dass es Winter wird und fangen an, zu schrumpeln. Dann darf man nicht in Panik verfallen und sie mit Wasser überschwemmen. Das Schrumpeln ist ein gutes Zeichen!



Warum? Nun, was macht Wasser, wenn es gefriert. Es dehnt sich aus und sprengt sich den Weg frei. Wäre das in einem prall mit Wasser gefüllten Kaktus wünschenswert? Wohl kaum. Daher entwässert er sich. Bei Frost dehnt sich das restliche Wasser in seinen Zellen aus, kann sie aber nicht zerreißen, weil genügend Platz vorhanden ist.

Gefährlich ist also nicht der Frost, sondern die Feuchtigkeit. Diese würde auch die empfindlichen Wurzeln faulen lassen. Also stelle ich die Pflanzgefäße immer unter Dach.



Semperviren und Sedum bleiben, wo sie sind. Die haben noch jeden Winter überstanden. Wichtig ist natürlich auch hier, dass das Pflanzgefäß Wasser rasch abließen lässt und keine Staunässe entsteht.

Im Frühjahr, wenn es wieder wärmer wird, die Wiese grünt, dann bekommen die Kakteen auch wieder langsam Wasser. Dort, wo Steingartenpflanzen im Gefäß stehen, habe ich auch im Winter ab und an ein wenig die Erde befeuchtet. Ob das nötig war, weiß ich nicht. Ich meine aber, dass Stauden vielleicht nie vollkommen austrocknen sollten. Geschadet hatte es zumindest nicht.







So das war mein Geburtstagsbericht über die Pflanzen, deren Jahreszeit seit einigen Wochen angebrochen ist. Es ist warm, jetzt sogar sehr warm und absolut trocken. Sie lieben es. Wer weiß, wenn das mit dem Regen bei uns so weiter geht, werde ich doch noch die Beete auch mit diesen Genossen bepflanzen und muss dann nicht dauernd auf Regen hoffen.


Hat der Ausflug in die Welt meiner winterharten Sukkulenten gefallen? Jetzt ist die Zeit der Gartenmessen. Und auf denen gibt es immer auch einen Stand mit diesen Pflanzen. Wer Lust bekommen hat, kann jederzeit einmal mit einem kleinen Kaktus oder Dachwurz seine eigene Sammlung anfangen.  


Ach so? Du hast gar keinen Garten? Das macht doch nichts. Das Gleiche geht auch indoor am Wohnzimmerfenster....