Samstag, 7. Oktober 2017

Der Herbsttag

Kennt ihr das? Im Frühjahr ist man voller Enthusiasmus, man platzt vor Elan und Tatendrang. Die Vorfreude wird unerträglich. Eine aufgeregte Wachheit ist der Normalzustand.

Hoffnungen, Ziele Wünsche alles zusammen schwirrt im Kopf herum.  Es zieht einen raus, ans Licht, in die Welt, ins Leben. Da bin ich, was liegt an?

Und dann, dann kommt das Jahr. Jedes Jahr ein Neues. Immer wieder und es gibt kein Ende.
Enttäuschungen,  Erfolge, schöne Momente oder aufregende Momente. Anstrengung, Arbeit, Hektik. Feiern, freuen, genießen, wundern und leben stehen auf der Tagesordnung.

Es ist Sommer. Wir leben und genießen in vollen Zügen, unbeschwert. Sonne, Düfte, Wärme. Eine Kurze Hose und ein Hemd genügen, wenn man raus geht. Alles wächst und gedeiht. Niemand denkt daran, daß das Ende fest programmiert ist. Alles ist so normal, alltäglich. Man gewöhnt sich an die Wärme und Unbeschwertheit. Man lässt sie verfliegen ohne sie wirklich immer wieder und immer aufs Neue bewusst wahr  zu  nehmen. Es scheint, als ginge es immer so weiter.

Aber ja, es geht weiter! Nur eben nicht so. Man hat getan, was getan werden muß und was möglich war. Manchmal sogar was unmöglich war.

Die Zeit vergeht. Man merkt, daß es keinen Sinn mehr macht etwas Neues anzufangen, etwas zu sähen oder zu pflanzen. Die  Zeichen stehen auf Stillstand. Es gibt Umbau, Abbau und Verderb. Genaus so aber Reife, Fülle und Ernte. Die Ernte so vieler Arbeitsstunden und Arbeitsmonate.

Auf alle  Fälle aber gibt es auch Rückzug. Zum letzten mal wird etwas gemacht. Die letzten Tomaten geerntet, die Tücher von der Dörrstation gewaschen gefaltet und verstaut. Das letzte Ingwerbier, die in heißen und aktiven Sommermonaten so genossene Erfrischung, getrunken. Oder der letzte Kaffee in der Hollywoodschaukel auf der Terrasse.

Würze und Aromen der Kräuter sind verflogen.

Obst und Beeren abgeerntet.

Allee von Säulenobstbäumen  (c) by Joachim Wenk
Allee von Säulenobstbäumen  (c) by Joachim Wenk

Herbst und Wintergemüse stehen still im Beet und warten. Sei warten auf die Ernte oder noch letzte Sonnenstrahlen, die Energie bringen. Energie, die gespeichert wird und nicht mehr in erster Linie dem Wachstum dient.

Rosenkohl  (c) by Joachim Wenk
Rosenkohl  (c) by Joachim Wenk

Man will raus und überlegt erst, was man anziehen soll. Wie man sich schützen kann vor dem, was einen dort draußen erwartet. Die Hose wird wieder lang, Schuhe müssen sein, ein Pullover und eine Jacke. Ist die Mütze vielleicht auch schon zu empfehlen. Der Wind bläst stark und kalt. Manchmal ist leichter Regen dabei, der einem ins Gesicht schlägt. Die Finger oft klamm und unbeweglich. Von der vielen Arbeit und von der Kälte und von der wenigen Lust, sie noch zu bewegen.

Wie ein Ohwurm wiederholt sich mir draußen im Garten,  gerade bei den nun vermehrt auftretenden grauen, nassen und kalten Tagen, eine Folge von Worten:

wer jetzt kein Haus hat, baut auch keines mehr.


Ich wollte jetzt dazu schreiben, woher die Worte stammen, weil ich selbst nicht weiß, woher ich sie habe. Sie stammen nicht von mir, aber sie sind exakt meine momentane Empfindung.

Sie entstammen dem Gedicht "Herbsttag" von  Rainer Maria Rielke. Das Gedicht  passt so unverstellbar genau zu meinen momentanten Empfindungen und Beobachtungen, dass ich es für interessierte Leser unten nach meinem Beitrag eingefügt habe.

Beinahe automatisch macht man die Dinge, die erledigt werden müssen. Die Lust und der Eifer vom Frühjahr aber sind verschwunden. Ob sich diese wieder aufladen?

Jedes Jahr immer aufs Neue dieser Kreislauf. Und dann doch immer wieder Frühjahr.
Kommt einmal die Zeit, da kein Frühjahr mehr kommt? Und da es Winter bleibt?

Wir werden sehen. Bis dahin bleibt nur eines, abwarten. Warten und still dastehen, wie das Herbstgemüse im Beet.  Der Rest wird sich zeigen

Bereiten wir uns also vor auf den Winter. Auf noch mehr Rückzug, noch mehr Hüllen aus  Stoff um uns herum, als Schutz vor der Aussenwelt. Einigeln, zurückziehen in die Ruhe und Geborgenheit des Heimes stehen auf meiner Wunschliste ganz oben. Ausruhen und Nichtstun.


Ich wünsche euch allen noch schöne sonnige Herbsttage. Und wenn es doch anders kommt, schaut euch die Herbstfotos an. Sie helfen ein wenig, die düstere Stimmung zu vertreiben. 




rosa Dahlie und gelbe Kapuzinerkresse (c) by Joachim Wenk
rosa Dahlie und gelbe Kapuzinerkresse (c) by Joachim Wenk

Dahlie Twillight (Zwielicht), wie passend der Name hier auf dem Foto doch ist (c) by Joachim Wenk
Dahlie Twillight (Zwielicht), wie passend der Name hier auf dem Foto doch ist (c) by Joachim Wenk


Dahlienblüte  (c) by Joachim Wenk
Dahlienblüte  (c) by Joachim Wenk

Herbstastern und Endivien
Herbstastern im Staudenbeet, wie sie der Endivien sieht  (c) by Joachim Wenk

Die großen Herbstaster-Büsche müssen zusammengebunden werden, sonst fallen sie gnadenlos auseinander.

Herbstastern
die gleichen Herbstastern, wie ich sie sehe (c) by Joachim Wenk

Herbstastern (c) by Joachim Wenk
Herbstastern (c) by Joachim Wenk



Wenn man die Astern nicht anbinden fallen sie auseinander und bilden einen noch breiteren Busch. Gut, daß hier hinter ihnen der Zaun sie aufhält.

Herbstastern (c) by Joachim Wenk
Herbstastern (c) by Joachim Wenk


Und wenn man sie wachsen lässt werden sie immer größer und größer in ihrer flächigen Ausdehnung.
Herbstastern (c) by Joachim Wenk
Herbstastern (c) by Joachim Wenk


Hier das Staudenbeet in der Gesamtansicht.

Staudenbeet (c) by Joachim Wenk
Staudenbeet (c) by Joachim Wenk

Myrtenaster (c) by Joachim Wenk
Myrtenaster (c) by Joachim Wenk

Rose de Rhest (c) by Joachim Wenk
Rose de Rhest (c) by Joachim Wenk






Schokoladenblume und Ringelblume (c) by Joachim Wenk
Schokoladenblume und Ringelblume (c) by Joachim Wenk

Meine Dachwurzsammlung Sempervivum(c) by Joachim Wenk
Meine Dachwurzsammlung - ein Teil davon jedenfalls (c) by Joachim Wenk



Zum Abschluß noch einer unserer Karpfenweiher unter wildem Wolkenhimmel.


Karpfenweiher unterm Wolkenhimmel (c ) by Joachim Wenk





Herbsttag (Rainer Maria Rielke)

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Kommentare:

  1. Ein sehr schöner Beitrag, lieber Achim. Ich kann deine Gefühle sehr gut nachvollziehen. Hoffen wir auf noch viele schöne Gartentage des Jahres 2017!

    Beste Grüße
    Xenia

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    1. Danke Xenia, ja die Woche kommen ja noch mal paar schöne Tage, ansonsten heißt es eben wirklich „auf Herbst umstellen“ ist ja auch ok war sehr schön das Jahr viel geschafft und nun muss mal wieder neuer Schwung geschaffen werden. Freu mich trotzdem darum auf die ruhigere Zeit. Liebe Grüße Achim

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  2. Hallo Achim, dieser Beitrag ist mir sehr zu Herzen gegangen, er hat wehmütig gestimmt und auch meine Gefühle genau beschrieben. Ich denke schon alleine der Herbst erzeugt ein wenig diese Gefühle, er stimmt nachdenklich und zeigt gerade älteren Menschen, so wie auch mir, dass in allem eine Endlichkeit steckt....aber auch ein neuer Anfang...auf den wir Älteren immer wieder hoffen.
    Die Blumenbilder finde ich herrlich, wie wunderschön die letzten Blümchen noch mit voller Wucht blühen.
    Der Herbst ist mir aber auch eine liebe Jahreszeit, ich gehe viel raus und atme die frische Luft mit Freude. Im Hochsommer habe ich mich oft nach dieser Jahreszeit gesehnt.
    Das Rilkegedicht mag ich sehr. Mein Mann hat dieses Gedicht mit ca. Mitte siebzig auswendig gelernt und trägt mir es gerne auf Wunsch wor.
    Herzlichst, HanLo

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    1. Hallo Hanlo das Gedicht ist echt perfekt oder? Wehmut und Endlichkeit ja das geht auch mit wieder im Herbst durch den Kopf. Aber auch das Bewusstsein eben dafür ist wichtig, um dann das schöne wirklich wahrnehmen und genießen zu können. Wie schnell kann alles anders oder zu Ende sein. Daher mitnehmen was geht Leben leben leben und genießen. Jede Minute ist wertvoll und zu schade sie zu verschwenden mit jammern, sorgen oder was oft der Fall ist, mit Warten auf das noch bessere. Wer nicht gewohnt ist, das Gute zu erkennen und wahr zu nehmen , wird dann allerdings auch das „noch bessere“ sollte es je kommen, wahrnehmen können. In diesem Sinn schöne Tage wünscht Achim

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  3. Ach, lieber Achim, wusste gar nicht, dass du so eine poetische Ader hast...
    Ist es nicht seltsam, wie sich das Gemüt des Gärtners dem Rhythmus des Gartens anpasst? Ich meine, warum lässt der Elan eigentlich im Herbst nach? Man könnte ja im Gewächshaus noch eine ganze Weile enthusiastisch weitergärtnern... Aber nein, mit dem langsameren Puls im Garten wird auch der Buddel-Trieb immer schwächer. Ich habe überlegt, jetzt noch Feldsalat nachzusäen und Postelein, aber irgendwie fällt es mir schwer, jetzt nochmal ein Beet vorzubereiten und Saatgut auszubringen. Es fühlt sich gegen den Strich gebürstet an. Und das sogar, obwohl mein Garten ja eigentlich frisch zurecht gemacht und fast unangetastet da liegt.
    Ich bin ein Kopfmensch, deshalb fasziniert mich dieser irrationale "irgendwie gefühlte" Biorhythmus wahrscheinlich so. Aber da wirkt etwas, was sich scheinbar nicht völlig wegzivilisiert hat. Man will einpacken, wegpacken, ausruhen und sich für die Winterpause seinen Kokon bauen. Und dabei kann ich mir gar nicht vorstellen, dass mich im nächsten Frühjahr der Gartentrieb wieder packt (aber das wird er). Komisch. Ganz komisch...
    LG

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    1. Hallo Cécilia oh ja ich befürchte es, es wird sein wie immer der Trieb packt uns mit zunehmendem Licht wieder ganz mächtig. Diese Rhythmen zu spüren und zu leben, ja sich einfach drauf ein zu lassen finde ich seit meiner wirklich intensiven Beschäftigung mit meinem Garten so unwahrscheinlich bereichernd, stressreduzierend, harmonisierend und unbezahlbar. Aber man muss es wollen , spüren, lernen. Das geht nicht von jetzt auf gleich. An Herbstaussaaten muss ich mich auch erst immer mehr gewöhnen. Wohl aus dem von dir genannten Grund. Habe dieses Jahr aber Wintersalat im Versuch. Knoblauch muss ich auch noch stecken. Bin da erst daran mir auch für diese Saison mehr n Sortiment und die Abläufe zu erarbeiten. Spannende Sache mal wieder was Neues zu machen. Wünsche dir viel Spaß beim Einigeln Achim

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  4. Das ist ein sehr Herbst-melancholischer Beitrag, der mir auch gerade sehr nahe gegangen ist. So wie du schreibst, empfinden sicher die meisten GärtnerInnen hierzulande. Den Wechsel der Jahreszeiten zu akzeptieren fällt mir jedes Jahr aufs neue schwer.
    Aber jetzt erfreue ich mich noch an deinen Astern und auch an meinen...das gehört in den Herbstgarten einfach dazu. Ich mag vor allem die hohen Raublattastern, auch wenn sie leicht dazu neigen umzufallen. Aber diese lila und weißen Wolken möchte ich nicht missen.
    Ich werde das schöne Wetter der nächsten Tage endlich mal wieder zum Gärtnern nutzen. Nicht nur Laub zusammenfegen, auch die ganzen geschenkten und gekauften Pflanzen der letzten Zeit warten dringendst aufs Einpflanzen...und dann noch ein Stapel Blumenzwiebeln. Na, wenigstens wird die Erde jetzt weich sein, nach dem vielen Regen....;-)
    Ein sonniges Wochenende,
    LG Sigrun

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    1. Liebe Sigrun , du sagtest es, hierzulande. War gerade paar Tage auf den Canaren. Fast 30 grad und die dritte Generation Kartoffeln dieses Jahr stehen gerade in Blüte, ganz zu schweigen von der anderen Vegetation. In solchen Regionen treffen einen sicher die Jhreszeiten nicht so hart. Aber bei uns gehört es eben zu Kultur und zum Charakter dazu. Oder sicher ist unser Charakter- eben nicht gerade südländisch - genau eben wegen unserer Landschaft und unserem Klima eben so wie er ist. Mir fällt immer die Einsicht im September so schwer, dass es das jetzt im Wesentlichen also gewesen ist. Wenn ich das dann im Kopf habe geht es und ich freu mich auf all die Details und Festlichkeiten und wS eben jetzt als nächstes so ansteht. Hauptsache man hat einfach immer was worauf oder worüber man sich freuen kann im Leben. Und im beschriebenen Zusmmenhang erlangt man das eben nur durch annehmen des Gegebenen und niemals durch Widersetzen. In diesem Sinne freuen wir uns aufs Wochenende und nehmen das an, was kommt. Liebe Grüße Achim

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    2. Da bist du ja zu beneiden....Canaren. ich brauche meinen Knoblauch dieses Jahr nicht neu zu stecken. Er hat beschlossen, noch ein Jahr in der Erde zu verbringen. Die Knollen hatten einfach noch keine Zehen ausgebildet und ich hab ihn im Beet gelassen. Vielleicht lerne ich das ja auch noch..;-) Ein erfahrener Knoblauchzüchter aus dem Vogtland hat mir gesagt, die Zehen müssen ca. bis Ende Oktober rein, dann wird es gut. LG Sigrun

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    3. Oh ja einfach ein Traum. Lanzarote tot und steinig aber la Palma das Paradies auf Erden. Ja Knoblauch ist echt nicht leicht. Meine Erfahrung ist auch so, dass man im Herbst stecken muss. Alles andere kann ich bei mir vergessen. Bin an was interessanten dran. Habe Knoblauch der oben statt Blüten und Samen winzige knöllchen bildet. Habe gelesen und probiere das jetzt, dass man die in die Erde steckt und im nächsten Jahr im Sommer kleine Knollen rund und nicht in Zehen geteilt erntet. Die steckt man im Herbst wieder und hat daraus dann wieder im Folgejahr im Sonmer richtige große Knollen mit Zehen erntet. Wenn man das jedes Jahr mit den Winzlingen macht und weiter kultiviert hat man dann immer im Sommer erntereifen Knoblauch. Habe dieses Jahr die Winzlinge gesteckt und warte nun was geschieht. Habe auch nen spanischen rötlichen Knoblauch zum stecken gekauft. Da bin ich gespannt, soll „der beste“ sein. Und er bildet auch die Winzlinge statt Samen.

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    4. Das ist aber interessant, was du da schreibst. Meiner bildet auch oben die Knöllchen aus (Bulbillen). Der Züchter aus dem Vogtland vermehrt damit seine eigene (ursprünglich ungarische) Sorte, denn er verdient am Verkauf. Ich dachte, dass jeder Knoblauch blüht und die Mini-Zehen bildet, aber offenbar nicht, wie du hier schreibst. Oder gibt es schon F1-Knoblauch? Na, wenn du jetzt steckst, wird er auf jeden Fall. Mein Schwiegervater macht es jedes Jahr so und versorgte uns immer......wäre schön, wenn es mir auch mal gelingt. Knoblauch braucht schönen lockeren humosen Boden. Am besten mit Sand drin.

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    5. Das weiß ich nicht ob es da F1 gibt, bei meiner Sorte stand es jedenfalls ausdrücklich im Katalog dabei. Darum habe ich ihn u. A. auch gekauft. Mal sehen,ob er wirklich do gigantisch gut schmeckt wie angepriesen und vor allem wie es nun mit den bulbillen wird . Die von diesem Jahr sind gesteckt aber noch treibt da nichts. Welche Sorte das war kann ich nicht mehr genau sagen. Den super guten werde ich in diesen Tagen stecken. Muss jetzt mal mich besser um meinen Knoblauch kümmern lief. Usher eher stiefmütterlich mal super Ernte mal keine und Knoblauch brauche ich immer.

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