Mittwoch, 8. Februar 2017

Was hat Minestrone mit Kindheitsträumen zu tun?

Es ist noch ziemlich  kalt draußen. Im Garten gibt es, wie fast rund ums Jahr, immer etwas zu tun. Um möglichst  lange arbeiten zu können und nicht unnötig Zeit bei den Pausen zu verlieren, hat er natürlich seine Mahlzeit gleich mit dabei. Genau wie all den Kleinkram, den er immer wieder direkt vor Ort bei der Gartenarbeit benötigt. 

Im Köfferchen sind vom Bindedraht über Rosenschere oder Handschuhe und Zollstock alle Kleinteile verstaut. Wie das eben bei den Gärtnern der großen und traumhaften Landgärten englischer Adelsgüter so gemacht wurde. Schließlich kann man nicht immer zurück zum Gerätschuppen, wenn man etwas braucht. Die Wege dafür waren einfach zu lang. 

Zum Mittag gab es heute Minestrone und Kräutertee. Beides schön heiß aus den entsprechenden Warmhaltebehältern. Die Temperaturen verlangten nach einer heißen Mahlzeit. 


wärmendes Mittagsessen bei der Gartenarbeit (c) by Joachim Wenk
wärmendes Mittagsessen bei der Gartenarbeit (c) by Joachim Wenk

So sitze ich also auf meinem Bänkchen im Gemüsegarten und träume. Oder träume ich gar nicht? In letzter Zeit denke ich viel nach über früher. Viel früher. Über meine Kindheit und wie mich das Gärtnern und Kochen und selber-machen schon immer begleitet. Ich erinnere mich an meine Träume vom großen Garten am Land, so wie in England vor allem die mit adeligem Landsitz. Oder vom Cottagegarten. Jedenfalls ein großer Garten und das Haus mittendrin. Und so kommen diverse Wünsche, Hoffnungen, Enttäuschungen und kleinere Schritte in Richtung meiner Träume in mir auf.

Wenn ich nun so darüber nachdenke stelle fest, daß sich so viel von dem ich träumte sich verwirklicht hat.

Schon komisch. Ein Leben lang träumt man von verschieden Dingen. Lebt dabei sein Leben. Erlebt viel. Schönes, trauriges und viele Enttäuschungen. Die Umstände ändern sich und man merkt nicht einmal dass gerade das real ist und realer wird, wovon man immer träumte!

Was, wenn einem dieser Umstand einmal gar nicht bewußt wird? Man merkt gar nicht, dass Träume war wurden und verpasst somit sein Glück. Ich bin mir sicher, daß genau das öfter vorkommt, als man meint.

Die eigenen wahr gewordenen Träume nicht erkennen? Unrealistisch? Könnte mir nicht passieren? Gebt es zu, ihr denkt das zuerst einmal. Und haben sich eure Träume nie erfüllt? Wenn ja, wann und wie habt ihr genau das realisiert?

Die meißten Träume erfüllen sich schließlich nicht von heute auf morgen, wie ein Lottogewinn, der einem endlich zu Geldsegen verhilft. Das kann man dann wohl wirklich nicht übersehen.

Aber denken wir an andere Wünsche, auch nicht materielle Wünsche. Sie werden vielleicht langsam wahr. Veränderungen, die sehr langsam vor sich gehen, nimmt der Mensch eben nicht so leicht war.

Auch verwirklichen sie sich nicht immer 1:1. Ich habe weder einen Landsitz in England oder bin plötzlich adelig und "finanziell unabhängig".  Aber ich habe ein wundervolles Häuschen mitten in einem großen Garten auf dem Lande.

Erwarte ich die schnelle und direkte Traumverwirklichung, muß ich enttäuscht sein, weil ich es nie erreichen werde und unendlich weit von meinen Träumen entfernt bin. Sehe ich aber was ich wirklich und eigentlich wollte damals in meinen Träumen und sehe, was ich habe, dann bin ich überglücklich, weil sich das fast alles verwirklicht hat.

So, meine Suppe ist aufgegessen. Eine Schluck blumig duftenden Tee hinter her getrunken und weiter geht es. Der Gärtner  muß dann wieder auf die Ländereien zurück und an die Arbeit.

Minestrone aus getrocknetem Gemüse (c) by Joachim Wenk
Minestrone aus getrocknetem Gemüse (c) by Joachim Wenk







Die Minestrone ist eine meiner kürzlich beschriebenen Fertigsuppen für Selbstversorger. (Weitere Rezepte gibt es hier: Fertigsuppen .)

Minestrone aus getrocknetem Gemüse (c) by Joachim Wenk
Minestrone aus getrocknetem Gemüse (c) by Joachim Wenk




Im Herbst habe ich Pastinaken, Möhren, Sellerie, Lauchgrün, Tomaten und Petersilie aus dem Garten getrocknet. Das Gemüse wird dazu klein gewürfelt und dann gedörrt. Wenn es trocken ist, vermische ich es und gebe es in dicht schließende Behälter. So hält es sich mindestens ein Jahr.

Für die Zubereitung nehme ich pro Person 2 Eßlöffel vom getrockneten Gemüse, ein paar trockene Petersilienblätter und etwa 3 gehäufte Eßlöffel Reisnudeln. Alles in 500 ml kochendes Wasser geben und 10 Minuten leicht köcheln lassen. Danach mit etwas Olivenöl und Salz abschmecken.

So lange die Minestrone gart, habe ich den Kräutertee gebrüht. Heute ist es eine Mischung aus den Blättern von meiner Rosengeranie, den verblühten Blütenständen vom Lavendel und Zitronenverbenenblättern. Alles Erinnerungen an den letzten Sommer.

Und heute wärmen sie den leicht fröstelnden Gärtner in der Mittagpause.

Gegen Nachmittag kam dann sogar die Sonne heraus, schaffte aber nur 5°C dort, wo sie direkt hin schien.
keine 5 Grad in der prallen Sonne (c) by Joachim Wenk
keine 5 Grad in der prallen Sonne (c) by Joachim Wenk



Ich habe mich dann neben der Mittagspause und heißem Tee um die Bewässserungsschläuche gekümmert. Sie müssen jetzt unbedingt in die Beete. Wenn erst die Zwiebelblumen zu treiben beginnen, wäre es nicht mehr möglich, ohne zu viele davon ab zu brechen.

So schnell wird es aber wohl noch nicht gehen. Der Boden ist noch gefroren. Um zwei  Beete zu verbinden muß ich unter der Grasnarbe einen Verbindungsschlauch verbuddeln.

den Schlauch wollte ich vergraben (c) by Joachim Wenk
den Schlauch wollte ich vergraben (c) by Joachim Wenk


Frisch den Spaten gezückt und rein damit ins Gras. So dachte ich jedenfalls, daß es gehen könnte. Aber mal wieder war kurz unter der Oberfläche ein Stein. Also daneben rein gestochen. Ups, der Stein ist größer. Nochmal und nochmal in den Rasen gegraben und immer das Gleiche. Ein so großer Stein? Witzig ist ja, daß ich wirklich zuerst dachte, mal wieder auf Steinbrocken im Boden gestoßen zu sein. Erst als dieser "Stein" viel zu groß zu werden schien, um wirklich da zu sein, schaltete ich mein Gehirn ein. Klar, der Boden ist einfach noch nicht aufgetaut. An manchen Stellen aber schon und darum eben dieser anfängliche Irrtum mit dem Stein. Bei den weiteren Arbeiten in den Beeten merkte ich es noch oft. Die Erdspieße mit denen die Schläuche am Boden befestigt werden ließen sich nicht immer dort in den Boden drücken, wo ich es eigentlich wollte.



diesen Sommer wird das Gießen einfacher (c) by Joachim Wenk
diesen Sommer wird das Gießen einfacher (c) by Joachim Wenk


Nach etlichen Stunde heute daußen in meinem großen Landgarten, allein mit meinen Träumen, der Ruhe und dem wieder beginnenden Leben im Garten, freue ich mich nun auf einen frischen Kaffee und den Flammen im Ofen im Wohnzimmer. Oder ist es der Kamin im Gartenzimmer?

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