Samstag, 11. Februar 2017

Jähes Erwachen aus den samstäglichen Frühstücksträumen

Es ist schön, am Wochenende morgens durch die Sonne geweckt zu werden. Und jetzt ist es langsam wieder so weit, daß ich dabei  von morgens reden kann, wenn die Sonne mich weckt. Im Winter kommt sie ja erst am Vormittag oder gar nicht hervor. Heute hat sie mich geweckt und es war die richtige Zeit zum Aufstehen.

Im Sommer  bin ich nach dem Wecken immer sehr schnell im Garten. Jetzt aber bin ich doch nach wie vor im Aus-Ruhe-Modus. Ich war flott aus dem Bett draußen aber das Frühstück zog sich dann wieder ewig hin. Die sozialen Medien mussten schließlich gelesen werden und die beiden Magazine, die gestern geradezu versehentlich in meinen Einkaufswagen gerutscht sind, fesselten mich. Mein schöner Landgarten und Landedition Käseküche. Im Landgartenmagazin ist schon mindestens Vollfrühling. Zusammen mit den Sonnenstrahlen, die durch das Fenster an meinem Frühstückstisch scheinen, lässt das natürlich meine Gedanken entschweifen.

Terrassen für meinen Vorgarten? (C) by Joachim Wenk
Terrassen für meinen Vorgarten? (C) by Joachim Wenk

Oh ja mein Vorgarten müsste umgestaltet werden. Terrassieren möchte ich ihn, mit Stufen in den Terrassenmauern und im Mäuerchen beim Mäuerchenbeet. Herrlich diese Bilder mit solchen Terrassen und Mauern in voller Frühlingspracht in genanntem Magazin. Wir haben über den Vorgarten schon mal gesprochen. Wenn, dann muß da ein Bagger rein und wir gehen auch dabei gleich den Erdkeller hinterm Haus an. Klar, wenn im Vorgarten ohnehin dann alles zerfahren und zerstört wird. Ups. Als ob eine Wolke sich vor die Sonne auf meinem Frühstückstisch drängt, trifft mich der Schatten dieser destruktiven Gedanken vollkommen unvorbereitet.

Alles zerstört? Klar die Stauden aus dem Staudenbeet müssen raus. Der Bagger zerfährt die Blumenwiese. Vielleicht gehen die Blumenwziebeln kaputt im Rasen? Wann macht man das? Im Frühjahr auf keinen Fall. Da blüht die Blumenwiese. Im Herbst. Das ginge, aber dann nicht zu früh, daß die komplette Stauden- und Strauchgesellschaft ausgegraben und zwischengelagert werden könnte. Allerdings auch nicht zu spät, so daß man vor Wintereinbruch fertig wird und alles wieder einpflanzen kann.

Oh weh, so schön diese  Fotos im Magazin und in meiner Phantasie sind. Bei der Vorstellung, wieder großes Gerät im Garten zu haben, stellen sich meine Nackenhaare auf.

Aber Moment! Hallo! Was geht denn jetzt? Bin ich jetzt total daneben oder höre ich Baumaschinen unter meinem Wohnzimmerfenster. Mir bleibt das Brötchen im Hals stecken. Stimmen sind auch dabei. Laute, das Motorengebrumme übertönende Stimmen mit Kommandos.

Ich stehe auf und blicke fast auf das Dach eines stockwerkhohen Radladers unten im Hof.

Ach so! Mein Schwager hat die benachbarte Baustoffhändlerin organisiert, die uns geschwinde hilft. Vor der Garage liegen seit Herbst vier Paletten mit den Betonplatten für unsere neue Terrasse. Den ganzen Winter genierten sie beim Einfahren in die Garage und den Hof. Die wollten wir seit Herbst hoch fahren und in die Nähe der Terrasse lagern. Aber erst war der Radlader nicht zur Hand, dann war keine Zeit und schließlich die Wiese total weich vom Regen. Jetzt im Januar war die Fuhr, hoch in den oberen Garten, gefroren und zu einer Eisschicht zusammen gefahren. Heute war wirklich ein guter Zeitpunkt für die Aktion. In wenigen Minuten hat die große  Maschine die Paletten wie Spielzeug gepackt und hochgefahren. Nicht auszudenken,  ich hätte die Platten einzeln im Schubkarren hoch fahren müssen.

der neue Terrassenbelag (c) by Joachim Wenk
der neue Terrassenbelag (c) by Joachim Wenk


Jedenfalls ist jetzt erst einmal Schluß mit träumen. Traumhaftes Wetter und so viel zu tun. Ich mache mich an die  Arbeit.

Gassi gehen, bei den Weihern nach dem Rechten sehen. Langsam gibt es offene Stellen in der noch immer geschlossenen Eisdecke auf den Weihern. Im kleinsten, dem Loch, ist fast kein Eis mehr. Es ist sehr flach und ständig bringen die Quellen am Grund frisches Wasser. Im klaren und sicher eiskalten Wasser sehe ich sie aber schwimmen, die Karpfen. Ein schönes Gefühl, sie wohlauf wiede z sehen. Die haben schon mal den Winter überlebt. Wenn nicht wieder ein Kormoranschwarm kommt, dann ist alles gut. Ansonsten haben sie den Winter umsonst überlebt.

Am Rückweg noch rasch im Dorfladen eingekauft und dann heim.

Nachmittags gehe ich wirklich in den Garten. Trotz Sonne und bis zu 8°C in der Sonne ist es irgendwie noch kalt. Der Boden in großen Teilen bockelhart gefroren.

Ich schneide den verwilderten Kriechwacholder unter der Korkenzieherhasel aus. Auch die kerzengeraden Triebe an der  Korkenzieherhasel, die unterhalb der Veredelung hervortreiben, müssen entfernt werden. Wachsen lassen kann man sie nicht. Sie stören absolut das Erscheinungsbild des Strauches. Auch können sie die veredelte Korkenziehervariante zum Absterben bringen, wenn sie zu sehr wachsen und nicht abgeschnitten werden. So habe ich es einmal gelesen. Unser jahrzehnte alter und viele Meter hoher und breiter Korkenzieherhaselstrauch ist aber ein besonderer Stolz von mir. Der wird natürlich gepflegt.

Korkenzieherhaselnuß und Kriechwacholder (c) by Joachim Wenk
Korkenzieherhaselnuß und Kriechwacholder (c) by Joachim Wenk


Den Khakibaum habe ich geschnitten. Ob der den sehr strengen Frost, ausgepflanzt im Garten, überlebt hat? Er treibt immer sehr spät aus, so dass ich noch ein wenig warten muß, um hier Gewissheit zu erhalten.

Schließlich verlegte ich noch einen jetzt übrig gebliebenen Spritzschlauch im Beet neben dem Eingangstor . In den  Staudenbeeten sind jetzt überall Tropfschläuche. Das Beet hier, in dem mittlerweile vor allem Strauchrosen und Büsche stehen, muß nicht unbedingt gegossen werden. Da der Schlauch aber übrig ist, lege ich ihn, jetzt wo man noch in die unbewachsenen Beete treten kann, einfach einmal aus. Fixieren im Boden kann ich ihn jedoch nicht. Die Erdspieße dringen in den durch und durch gefrorenen Boden nicht ein.

In diesem Beet steht meine Moosrose "Captain John Ingram". Ein Blühwunder und eine Duftexplosion. Das alles in tiefsten, samtigen Lila. Eine wunderbare und unverschämt wüchsige Rose. Sie hat sogar schon einen neuen Rosenbusch als Ausläufer gebildet. Der wird noch ausgegraben und an den Zaun gepflanzt. Dort wächst die andere Rose nicht. Vielleicht bekomme ich den Captain dort zum Wachsen. Die dortige "Marguerite Hilling" ist nicht einmal kniehoch. Und das nach etlichen Jahren. Sie sollte eine starkwüchsige Strauchrose sein. Die Blüten im Sommer sind wunderschön. Aber sie wächst nicht. Nun werde ich sie dort ausgraben, in das Gebüsch neben dem Weinberg pflanzen und beobachten. Dann muß  ich die Erde dort austauschen und den Captain-Ableger einpflanzen. Vielleicht blüht dann endlich einmal am Zaun eine große Rose.

Ach es ist noch so viel zu tun. Aber immerhin, ist wieder etwas geschafft. Ich bin froh, daß das Frühjahr so nach und nach kommt. Jetzt sagen die Prognosen ständig steigende Temperaturen  und dann kein Frost in der Nacht mehr. Sicher kommt  jetzt langsam - so wie es richtig ist - das Frühjahr. Denken muß ich an diejenigen, die  schon seit Wochen sehnsüchtig nach dem Frühjahr rufen. Also ich habe gerade vor noch nicht mal erst 14 Tagen (Lichtmeß) die letzte Weihnachtsdeko weg geräumt  und fahre mich so langsam erst in den Frühjahrs-Aktivitätsmodus hoch.

Ich habe mir doch gleich gedacht, als ich am Tag nach dem letzten Weihnachtsfeiertag schon las, daß die Weihnachtsdeko endlich weg ist: Was machen die jetzt alle, so lang bis in so vielen Wochen erst das Frühjahr beginnt? Jetzt weiß ich es. Während ich im Rhythums der Natur mich den Jahreszeiten hingebe, haben sie es ungeduldig und eilig, so schnell wie möglich die nächste Jahreszeit herbei zu beschwören. Ich finde, das ist Lebenszeitverschwendung, wenn man zu wenig im Jetzt lebt und das mit seinen charakteristischen Eigenschaften genießt. Und wer über "unsere heutige Hektik" im Gegesatz zur Gemütsruhe vergangener Zeiten klagt, kann ja mal darüber nachdenken, wie wir selbst gerade durch solche Dinge uns in Hektik versetzen.

Ich genieße jetzt  erst einmal den Abend vor unserem Holzofen, das Abendessen und einen schönen und ruhigen Samstagausklang.

Morgen geht es dann wieder in den Garten. Ich werde Gemüse sähen. Gott sei dank ist der Boden noch gefroren. So  bleibt mir das Ausgraben des Fundamentes für die neue Terrasse doch noch etwas erspart. Die Platten direkt vor der Haustüre erinnern mich jetzt ohnehin viel zu eindringlich an die bevorstehende und eher ungeliebte Arbeit.

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