Samstag, 17. Dezember 2016

Einfach herrlich, diese nebeligen und dunklen Tage

Noch vier Tage, dann ist Wintersonnenwende. Wir sind in der dunkelsten Zeit im Jahreslauf angekommen. Die Sonne scheint gerade etwa 8 Stunden und 16 Minuten am Tag. In einem halben Jahr stehen wir schon wieder vor einer Sonnenwende und sind dann in der hellsten Jahreszeit mit 16 Stunden und 9 Minuten Sonnenschein. 

Das sind natürlich alles nur errechnete theoretische Werte. Heute gegen Mittag, draußen bei den Weihern, sah das so aus. Schnell wird klar, heute schafft die Sonne noch nicht einmal ihre winzigen 8 Stunden. Abends habe ich dann die Gewißheit. Es waren volle Null Sonnenstunden. 

Nebeltag am Weiher in Dezember (c) by Joachim Wenk
Nebeltag am Weiher in Dezember (c) by Joachim Wenk

Den ganzen Tag blieb es sehr nebelig und die Temperaturen lagen knapp unter oder um den Gefrierpunkt. 

Ein Wetter für Depressionen, Frust, Angst. Ein Wetter das einen hoffen lässt, es möge doch endlich wieder heller und wärmer werden. Bis dahin einfach Augen zu und durch! Bald geht das Leben wieder los. 

Stop! Ja,  ich kenne sehr wohl diesen Unmut gegen die jetzige Jahreszeit, die Angst und den Blues, wenn es im Herbst spürbar los geht mit mehr Dunkelheit und weniger Sonne. Am liebsten nimmt man jetzt gar nichts wahr, hat gedrückte Stimmung,  macht eine Mauer um sich und erwacht dann wieder im Frühjahr. Jetzt wird nicht gelebt, erst wieder im Frühling. 

All das kenne ich und bin darum so unheimlich glücklich, daß sich das bei mir geändert hat! Eine totale Wende fand in den letzten Jahren statt! 

Ich will euch erzählen, wie das vor sich geht. Und ich wünsche so vielen, sie könnten es auch so wahrnehmen und hätten so viel mehr Freude am Leben. Besser, sie würden dadurch dann auch im Winter leben und nicht nur wartend vegetieren, bis sie wieder leben können. Monate des Lebens gehen so Jahr für Jahr nicht-gelebt vorüber.  

Ich führe diesen radikalen Wandel in mir auf meine innige Verbundenheit mit dem Garten, dadurch mit der Natur und somit mit den Jahresläufen und Rhythmen in der Natur zurück. 

Im Frühjahr schon beizeiten sähe und pflanze ich. Kümmere mich um die Beete, die Pflanzen Ich gieße, dünge, pflanze um, schütze vor Frost , Hitze und Trockenheit oder Krankheiten. Das Leben explodiert in der Natur und im Garten. Ich komme kaum hinterher mit Kümmern und umsorgen. Morgens stehe ich an freien Tagen, die ich ja im Garten verbringe schon um 6 Uhr auf. Das macht mir nichts, es ist hell, die Vögel singen und ich will raus. Ich bin ausgeschlafen und voller Tatendrang. 

Das geht einige Wochen so. Aus den Wochen werden Monate. Wer meinen Blog über die Jahre verfolgt, sieht, was für ungeheure Mengen Arbeit in so einem Gemüse-Garten stecken. Als  Selbstversorger  muß man die Stunden in der Küche und Vorratskammer noch addieren. 

Und schließlich wird es dann immer Herbst. Jedenfalls stoppt auf einmal das Rennen im Garten. Plötzlich muß alles nicht mehr unbedingt gleich gemacht werden. Vieles ist einfach da und gedeiht, vieles ist erledigt. Es wird später im Jahr und nun ist alles geerntet. Die Dringlichkeit der einzelnen Arbeiten, die ja nie aufhören, nimmt aber ab. Mache ich es heute nicht, kann ich das auch nächste Woche noch machen. 

Es wird kühler, dann kälter. Das Licht wird weniger. Man fährt runter. Ich spüre es, wie ich ruhiger werde. Wie ich mich der Jahreszeit und Natur angleiche. "Wer jetzt kein Haus hat, der baut auch keines mehr". Die Arbeiten sind erledigt, jetzt ist statt Pflicht nur noch Kür angesagt. 

Eines aber ist die unabdingbare Voraussetzung für die zunehmende Entspanntheit und das Zurücklehnen.  Man muß sich darauf einlassen! Man darf sich nicht gegen diesen Naturrythmus wehren, ihn bekämpfen oder ablehnen.  Weihnachten ist die stade Zeit, nicht die Hektik und der Streß, das Rennen und hinterher-Rennen. 

Schaut die Bilder an. Es ist Ruhe eingekehrt draußen in der Landschaft und im Garten. Ich ziehe mich zurück nach drinnen. Das Ofenfeuer wärmt und überall leuchten Lichterketten und verbreiten warme, wohlig warme, weiche Wohlfühlstimmung. 

Um Himmels Willen! So denke ich mir immer, wenn ich wo diese zuckenden und blinkenden Lichtinstallationen sehe. Dabei zur Ruhe kommen? Unmöglich! 

Aber vielleicht brauchen manche Menschen diesen ewigen Streß, das Gejammere, wie man im Streß ist. Das beweisen müssen, wie viel mehr Streß man im Vergleich zu seinem momentanes Gegenüber im Gespräch. Wenn man das braucht, dann helfen  einem sicher diese Lichtblitze. Aber Vorsicht, epileptische Anfälle können ebenfalls dadurch ausgelöst werden. Auf jeden Fall aber, wenn man so über die Jahre lebt, Herzanfälle, Schlaganfälle und sonst streßbedingte Erkrankungen. Über die man dann aber wieder so schön jammern und mit dem Gegenüber wetteifern kann, wen das Schicksal (?) schlimmer verfolgt. 

Bei mir ist es mittlerweile so, daß ich im Sommer, wenn die Hitze mich plagt und noch so viel im Garten zu tun ist, oft an genau diese ruhigen Tage jetzt im Winter denke. Die Ruhe, das Alles-Erledigt-Haben. 

So ist es im Herbst, genau genommen im September, wenn man die kürzer werdenden Tage spüren kann, nur noch ganz kurz ein weinig traurig, daß es zu Ende ist mit Sommer. Schnell stimme ich mich ein auf das Ruhig werden, den Herbst, den Winter und die Dunkelheit. Mehr und mehr freue ich mich dann auch an nebeligen Tagen ohne Sonne. Da mache ich mir es dann besonders gemütlich daheim. Irgendwann muß der Körper und der Geist Ruhe finden. Sonst fehlt die Kraft dann im Frühjahr. Immer durchschaffen, immer auf vollen Touren laufen laugt aus. Ruhe ist Erholung und Erholung bringt den neuen Schwung. Fehlt der, nützt einem das schönste Frühjahr nichts. 

Ich habe meinen Herbst und die Vorweihnachtszeit genau so vorausschauend geplant, wie den Garten. Geplant ist vielleicht ein wenig zu hoch gegriffen. Aber da ich ja weiß, daß Weihnachten kommen wird, begann ich rechtzeitig mit der Bäckerei, die Geschenke sind gekauft und die Wohnung dekoriert. So kann ich die Adventszeit genießen und habe keinen Streß. Vielleicht immer wieder einfach viel zu tun, aber eben keinen Streß. Auf diesen Unterschied lege ich sehr großen Wert.

Und nein, ich bin nicht ein vom Glück Verfolgter, ein Ausnahmemensch bei dem das ja klar ist, daß der keinen Streß hat. Das ist ja für einen normalen Menschen nicht machbar. Weihnachten ist Streß. Das denken viele und sicher auch mancher, der das hier lesen sollte. Ich habe auch einen Job, mein Arbeitsweg ist einfach 160 km. Wir haben einen Haushalt zu führen, was auch Arbeit macht und pflegen soziale Kontakte. Wie andere normale Menschen eben auch. 

Eine Deko habe ich heute dann noch nachgeholt. Ich habe  den Christbaum geschmückt. Eigentlich ein ganz klein wenig  zu früh. Denn die Lichter an ihm sollen uns ja am dunkelsten und kürzesten Tag (eigentlich Wintersonnenwende, als fast der 24. 12.) erinnern, daß das neue Licht geboren ist und nun wachsen wird, um es einmal sehr symbolisch und bildlich auszudrücken. 

Daran denke ich jedenfalls immer, wenn ich die Lichter am Weihnachtsbaum an knipse. Es wird wieder Licht. Das neue Licht und die Hoffnung sind geboren und werden wachsen und wachsen. 

Mit dem zunehmenden Licht werden wir, werde ich, auch wieder wacher und tatkräftiger. Schluss  mit Aufstehen um 8 und noch müde sein dabei. 

Das ist ein ganz normaler Vorgang in unserem Körper und der Psyche. Dunkelheit schläfert uns ein und Licht macht uns wach. Das gilt für den Tag- und Nachtrhythmus und genau so für den Jahreszeitenrhythmus. Es fasziniert mich, wie man das spüren kann. Jeden Tag mit dem sanften Erwachen durch meinen Lichtwecker und jedes Jahr im Herbst beim Ruhigwerden und im Frühjahr beim  Erwachen. 


Probiert es doch einmal aus. Lasst euch auf das Nebelige und Düstere ein. Spürt, wie ihr zur Ruhe kommt. Wehrt euch nicht gegen Jahrmillionen alte biologische Gegebenheiten in Euch. 

Ich wünsche allen meinen LeserInnen bewusst gelebte, ruhige und friedliche Tage. Sammelt Kraft für das Licht im Frühjahr und freut euch jetzt, wenn die Natur uns so automatisch auf alles einstimmt.




vom Nebel umzingelt (c) by Joachim Wenk
vom Nebel umzingelt (c) by Joachim Wenk






Maulwurfshaufen (c) by Joachim Wenk
Maulwurfshaufen (c) by Joachim Wenk

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