Donnerstag, 20. Oktober 2016

Umgraben? Das geht doch jetzt gar nicht! Ein Artikel brachte mir wertvolle Informationen dazu.

Als Biogärtner den Gemüsegarten umgraben? Aufgewachsen bin ich mit "Um himmels Willen, niemals". Viel Lektüre während unzähliger Lebensjahre, ja das Garten-Leben selbst und auch unterschiedliche Bio-Philosophien lehrten mich, daß man es nicht pauschalieren kann. Jedenfalls gibt es ein Für und ein Wider. Mein Problem ist hier weniger das Ob, sondern das Wann. Ich bekomme das einfach nicht organisiert im Jahreslauf. Da kommt mir ein sehr aussagekräftiger Artikel in einer wunderbaren Gartenzeitschrift gerade recht. 

Mich würde wirklich interessieren, wie ihr das so macht. Im Frühjahr möchte ich die ersten  Aussaaten machen. Radieschen, Salat, Kohlrabi oder Feldsalat kommen mir da in den Sinn. Aber der Boden ist noch so, wie im Herbst. Unbearbeitet und zum Teil verdichtet. Jedenfalls nicht geeignet, die kleinen Samen dort unter zu bringen. Gleichwohl ist es für die Hacke oft noch zu naß. Immer wieder nehme ich mir vor, im Herbst diese Arbeiten zu erledigen. Im Frühjahr müsste ich dann nur noch mit dem Sauzahn durch und mit dem Rechen darüber. So die Idee. Es ist jetzt Herbst, aber ich kann nicht umgraben oder umackern mit der Motorhacke,weil ja noch zu viel in den Beeten steht. Mein Garten ist noch lange nicht "fertig" für den Winter. Und das liegt nicht, daran, daß ich mit den Arbeiten in Verzug bin, sondern wohl eher in der Natur der Dinge. 

Winterfertig ist mein Gemüsegarten noch lange nicht (c) by Joachim Wenk
Winterfertig ist mein Gemüsegarten noch lange nicht (c) by Joachim Wenk

Diese Gedanken schwirren mir gerade durch den Kopf, da flattert mir "Der praktische Gartenratgeber Die Fachzeitschrift  für Gartenfreunde" ins Haus. Eine fachlich wirklich fundierte Monatsschrift mit einem kurzen aber sehr hilfreichen Artikel über das herbstliche Umgraben. 

Die Überschrift zog sofort meine Aufmerksamkeit auf sich. "Bist du mit dei´m Garten scho´ fertig?"

Genau mein Thema! Und die Antwort wird gleich im ersten Satz geliefert. Man soll sich nicht unter Druck setzen lassen. Entweder man lässt es ganz (was ich aus genannten Gründen nicht immer kann), oder man macht es erst sehr spät im Jahr. Begründet wird diese Aussage natürlich auch. 

Grund 1: wenn man jetzt schon umgräbt, verzichtet man auf die relativ warmen Wachstumswochen im Oktober. Der Garten könnte, wäre er noch bestellt, durchaus weiter frisches Gemüse liefern. Die Rede ist von Zicchorien, Feldsalat, Spinat oder Winterkohl. Das ist genau die eigentliche Ursache meiner Gedanken. Ich kann ja jetzt wirklich noch nicht umgraben. In meinen Selbstversorger-Gartenbeeten stehen noch Rosenkohl, Wirsing, Winterlauch, Grünkohl, Chinakohl, herrlicher Endivien und ein paar Brokkoli und Kohlrabi. Erst heute Mittag machte ich wieder einen kleinen Kohlkopf ab und gestern eine Kohlrabi. Mein Bataviasalat wächst noch. Wegen der Trockenheit im Herbst ist er aber sehr spät dran und ich weiß nicht, ob ich noch ernte. Mit Vlies bedeckt, kann er aber durchaus noch erntereif werden. Als Gärtner mit dem Ziel der Selbstversorgung ist eine möglichst lange Nutzung der Beetflechen ohnehin selbstverständlich. Was ein Groß-Reine-Machen, zum jetzigen Zeitpunkt also ausschließt.

Endivien (c) by Joachim Wenk
Der Endivien kommt später ins Gewächshaus mit Vlies als Frostschutz, dort hält er sich wochenlang (c) by Joachim Wenk

der Bataviasalat wächst noch (c) by Joachim Wenk
der Bataviasalat wächst noch (c) by Joachim Wenk
Gründünger Buchweizen und Salat im ehemaligen Kartoffel-Hochbeet (c) by Joachim Wenk
Gründünger Buchweizen und Salat im ehemaligen Kartoffel-Hochbeet (c) by Joachim Wenk


Meerettich und Pastinaken stehen noch im Beet (c) by Joachim Wenk
Meerettich und Pastinaken stehen noch im Beet (c) by Joachim Wenk


Grund 2: der Boden ist noch relativ warm und die Bodenorganismen aktiv. Gräbt man jetzt um, oder bearbeitet mit der Motorhacke, so kommt Sauerstoff in den Boden. Die Organismen werden aktiv und bauen organische Masse ab. Ist der Boden aber offen und unbepflanzt, schreiben sie im Magazin,  bleiben die dabei freigesetzten Nährstoffe (insbesondere der Stickstoff) liegen und werden im Laufe des Winters ausgespült. Wenn also zeitiges Umgraben gewünscht und möglich ist, dann noch zeitiger, als jetzt! Und dann aber sofort darauf Gründünger sähen. Die Pflanzen binden bei  ihrem Wachstum die frei gewordenen Nährstoffe. Viele Gründünger frieren im Winter ab und beim Verrotten im Frühjahr sind dann die Nährstoffe verfügbar für unsere frühen Kulturen. Der Gründünger hat auch den Vorteil, daß aufkeimendes Unkraut unterdrückt wird. Ich sähe im Herbst gern Buchweizen und Phacelia. Von denen ist im Frühjahr nichts mehr übrig und es keimt wirklich kein Unkraut jetzt im Herbst. 

Gründünger Buchweizen und Rasenschnitt als Bodenabdeckung (c) by Joachim Wenk
Gründünger Buchweizen und Rasenschnitt als Bodenabdeckung (c) by Joachim Wenk

Der abschließende Rat der Redakteurin ist also folgender: Den Boden möglichst lange bedeckt und bepflanzt lassen. Mit Gemüse und / oder Gründünger. Wer im Frühjahr fertig umgegrabene Flächen braucht, so schreibt sie, der sollte erst kurz vor dem Wintereinbruch umgraben. Diese fertigen Flächen will und brauche ich eben im Frühjahr. Sie erwärmen sich leichter und sind fast saatfertig. Außerdem trocknen sie rascher ab. Das aber ist in den letzten Jahren nicht mein Problem. Hier ist es bereits im März so trocken, daß ich Möhren durch Gießen feucht halten muß, wenn sie überhaupt  keimen sollen. Das habe ich dieses Frühjahr sehr deutlich gesehen. Der richtige Zeitpunkt ist nach dem  Artikel also oft erst im Dezember. Dann kann sogar bei leicht angefrorenem Boden gegraben werden. Das hat wohl den einleuchtenden Grund, daß Spaten, Motorhacke und Schuhe gerade bei lehmigen Boden nicht so stark mit Erdklumpen verklebt werden. Bei Temperaturen nahe 0 Grad sind die Bodenorganismen nicht mehr aktiv und setzen keine Nährstoffe frei, die ausgespült würden. 

Grund 3 schließlich ist wohl gerade für den Biogärtner wichtig. Mir jedenfalls ist er sehr wichtig. Zu diesem Zeitpunkt und bei den Bodentemperaturen sind die Regenwürmer nicht mehr in der obersten Erdschicht. Sie haben sich nach unten zurück gezogen. Das heißt, dass beim Graben und Hacken keine Würmer mehr getötet oder verletzt werden. Seit ich mich, auch mit meiner Wurmfarm, mehr mit den Würmern befasse ist es mir eine Herzensangelegenheit, sie zu schonen und ihnen ein schönes Leben zu ermöglichen. Ihre Hilfe im Garten ist von unbezahlbarem Wert! In den letzten Tagen habe ich noch hier und da in der Erde gegraben. Stauden mußten gepflanzt und ein paar Büsche verpflanzt werden. Wo ich in den Boden hinein grub wimmelte es von Regenwürmern. Und die würden eine Bodenbearbeitung mit der Motorhacke oder auch nur dem Spaten in großer Zahl nicht überleben. 

Mir hat dieser kurze Artikel sehr geholfen. Ich weiß nun, daß es nicht an meiner Unorganisiertheit liegt, jetzt nicht umgraben zu können. Und ich weiß, daß meine grundsätzlichen Überlegungen richtig waren. Einen Teil der Beete muß ich auch gar nicht umgraben. Wichtig ist es im Schneckenzaunbeet, wo ich so zeitig wie möglich mit Salat, Radies, Blumenkohl, Kohlrabi und solchen Gemüsen anfangen will. Und ganz wichtig ist es in meinem nun völlig verunkrauteten Weihergarten. Dort muß ich erst mit der Motorsense den Bewuchs abmähen, dann kann ich - später im Jahr - noch mal mit der Motorhacke drüber.  Ich weiß jedenfalls jetzt, was zu tun ist und hoffe, dem einen oder anderen auch ein wenig mit diesem Bericht habe helfen können. 

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