Donnerstag, 6. Oktober 2016

Herbstwetter, Herbsternte und ein Weihnachtselch, der noch keiner ist.

Sieben Grad und ein Hauch von Niesel. Ruhig ist es, totale Stille. Kein Laut ist zu hören und kein Lüftchen bewegt sich. Plötzlich - und mir kommt es wirklich plötzlich vor  - ist die Stimmung draußen eine komplett andere, als noch vor wenigen Tagen. 

Bei unseren Karpfenweihern habe ich nach dem Rechten gesehen und Herbstimpressionen in mich eingesaugt. Mit ihnen kam tatsächlich auch ein wenig genau dieser Ruhe, die da draußen inmitten der Landschaft um sich griff, in mich. 

Ja klar ist noch Etliches zu erledigen, im Garten und hier draußen. Aber das wird nach und nach abgehakt. Der September-blues, der mich jedes Jahr heimsucht, wenn die Tage deutlich kürzer werden und der Sommer zu Ende ist, verblasst. Ich fahre runter und passe mich der Jahreszeit an. Langsam erst, genau wie draußen die Natur auch. Bis dann Ende November und Dezember ganz die Ruhe das Regiment ergriffen hat. Ich freu mich auf die ruhigere Zeit im Garten, die Monate des Rückzuges und des nach innen gerichtet seins. 



Weißdornbeeren (c) by Joachim Wenk
Weißdornbeeren (c) by Joachim Wenk

Hecke um einen unserer Weiher (c) by Joachim Wenk
Hecke um einen unserer Weiher (c) by Joachim Wenk

Unkrautsamen  als Speise für die Vögel (c) by Joachim Wenk
Unkrautsamen  als Speise für die Vögel (c) by Joachim Wenk

Am Nachmittag habe ich dann, eingehüllt in Pullover und Jacke nebst neuer Häkelmütze, im Garten herumgewerkelt. Das Palmenhaus, mein Kübelpflanzenüberwinterungsraum musste frei geräumt werden. Die ersten Pflanzen kamen rein. Cassia und Zitronengras mögen diese kalten Nachttemperaturen nicht. Zitruspflanzen und Drachenbaum (müsste der eigentlich auch schon rein?) stehen erst einmal im Carport. Gott sei dank habe ich fast nur noch Kübelpflanzen, die nicht gleich vor den ersten Frösten ins Haus wollen. Das ist wesentlich entspannter und leichter zu händeln. 

Nach den Kübelpflanzen kamen die Wurzelgemüse an die Reihe. Rote Beete, Möhren und Sellerie sind jetzt fertig fürs Lager. Eine schöne Ernte ist das wieder. Endlich klappt es seit vergangenem Jahr auch mit dem Sellerie. Am Wochenende werde ich sie in die mit feuchtem Sand gefüllten Kisten in der Garage einlagern. Das hat vergangenes Jahr ganz befriedigend geklappt. Die Sellerie hielten sich am besten, die Möhren trieben irgendwann aus. Rote Beete konnten es gar nicht erwarten zu treiben und schoben ganze Büschel an Blättern. Aber die erste Zeit geht das gut und ich werde versuchen, sie einfach vorher zu verarbeiten. 

Rote Beete, Sellerie, Möhren und Kohlrabi, die heutige Ernte (c) by Joachim Wenk
Rote Beete, Sellerie, Möhren und Kohlrabi, die heutige Ernte (c) by Joachim Wenk

Von den Möhren habe ich auch viele Kleine ausgegraben. Neben den sehr kleinen Sellerieknollen, die im Lager ohnehin nicht halten, kommen sie am Samstag mit ebenfalls zu klein geratenem Lauch, der noch im Beet steht,  wieder in den Mixer und nebst anderen Kräutern, die ich noch finde, ergeben sie dann die zweite Portion getrocknete Gemüsebrühe.

Möhren (c) by Joachim Wenk
Möhren (c) by Joachim Wenk

Die grüne Pampe solch gemixten Gemüses, die ich am Wochenende herstellte, ist fertig gemahlen und ergab etwa 380 g  köstliches Gemüsebrüh- und Würzpulver. Keine Geschmacksverstärker, gehärteten Fette, Aromen oder E-Nummern. Einfach nur püriertes Gemüse. Damit würze ich alles vom Auflauf über Suppen und Brühen oder die Bratensauce. 

fertiges Gesmüsebrüh- und Würzpulver (c) by Joachim Wenk
fertiges Gesmüsebrüh- und Würzpulver (c) by Joachim Wenk

Die allerletzten Tomaten kommen in den Keller und können die nächsten Tage dort noch nachreifen. 

unreife Tomaten kommen in den Keller (c) by Joachim Wenk
unreife Tomaten kommen in den Keller (c) by Joachim Wenk

Noch immer sind die Tomatenpflanzen gesund und haben keine Fäule. Bei  Nachttemperaturen deutlich unter 5°C und jetzt tags unter 10°C reifen sie nicht weiter. Ich fange an, die Stöcke heraus zu reißen. Nicht, dass doch noch die Braunfäule zuschlägt. Das könnte mir erntetechnisch dann zwar egal sein, jedoch hätte ich dann wieder Unmengen der Pilzsporen im Garten und Boden. Die lauern dann nur auf neue Pflanzen im kommenden Jahr. Daher entferne ich sie jetzt und entsorge sie, sicher ist sicher, auch nicht über den Kompost, sondern über die braune Tonne. In der werden bei uns Bioabfälle abgeholt. Weil ich ja sonst immer alles über den Kompost wandern lasse, ist sie fast immer  leer. Ab und an blödes Unkraut und sonst kommt ja nichts da rein. Man muß sie aber haben und so nutze ich sie jetzt auch mal wieder. 

die Tomaten kommen jetzt weg  (c) by Joachim Wenk
die Tomaten kommen jetzt weg  (c) by Joachim Wenk

die Tomaten kommen jetzt weg  (c) by Joachim Wenk
die Tomaten kommen jetzt weg  (c) by Joachim Wenk

Sehr ungewohnt und frei ist es plötzlich im Gemüsegarten. Die letzte Reihe Tomaten entferne ich am Samstag. Die  Tonne ist übervoll und wird morgen noch geleert. Dann ist Platz für den Rest meiner Tomaten.

die Tomaten sind jetzt weg  (c) by Joachim Wenk
die Tomaten sind jetzt weg  (c) by Joachim Wenk

die Tomaten sind jetzt weg  (c) by Joachim Wenk
die Tomaten sind jetzt weg  (c) by Joachim Wenk

Manchem Ordnungsfanatiker mag das nicht gefallen. Ich jedoch habe gute Erfahrungen damit gemacht. Die Ernterückstände bleiben zu dieser Jahreszeit gleich im Beet liegen. Heute das Grün von Sellerie, Möhren und roten Beete. So ist der Boden bedeckt. Im Biogarten ein Grundgebot. Bis zum Frühjahr ist von der relativ weichen Biomasse nichts mehr übrig. Der Rest kann gut mit dem Rechen abgerecht werden. Man hat wunderbar lockere Erde. 

Warum sollte ich also erst alles zusammen karren und ordentlich auf den Kompost geben, den ich mehrmals umschlichten muß, bis er anwendefertig ist. Dann muß ich den fertigen Kompost wieder in die Beete schleppen und gleichmäßig verteilen. Mühsam. Leichter ist es, das Zeugs liegen zu lassen, wo der daraus entstehende Kompost quasi  gleich vom Bodenleben ins Beet eingearbeitet wird. Wenn man schon so fleißige Helfer hat, muß man sie doch auch arbeiten lassen, wie sie es gern tun. 

Ernterückstände bleiben als Mulch im Beet liegen  (c) by Joachim Wenk
Ernterückstände bleiben als Mulch im Beet liegen  (c) by Joachim Wenk


Der Rest in den Beeten kann noch stehen bleiben und muß nicht sofort jetzt geerntet werden.

Gemüsebeet im Oktober   (c) by Joachim Wenk
Gemüsebeet im Oktober   (c) by Joachim Wenk


Gemüsebeet im Oktober   (c) by Joachim Wenk
Gemüsebeet im Oktober   (c) by Joachim Wenk

Neben all der schönen Ernte freue ich mich auch nach wie vor noch an den überall blühenden Stauden. Unterm Hausbaum blüht noch sehr üppig der Storchschnabel und die Rose. Sie tun das bereits seit Monaten. Und im Garten verteilt, bekommen die Blütenknospen der Herbstchrysanthemen jetzt Farbe. Das läuft exakt nach Plan. Im Oktober und November noch frische Blüten im Garten. Die Idee faszinierte mich und so pflanzte ich diese Stauden. Bald ist es so weit. Ende Oktober wird es wieder neue Blüten im Garten geben. 

Rose und Storchschnabel unterm Hausbaum   (c) by Joachim Wenk
Rose und Storchschnabel unterm Hausbaum   (c) by Joachim Wenk

Storchschnabel unterm Hausbaum   (c) by Joachim Wenk
Storchschnabel unterm Hausbaum   (c) by Joachim Wenk

Bei so viel Herbst und düsterer Atmosphäre kommen selbstverständlich langsam, ganz langsam, erste Gedanken an die Weihnachtszeit auf. 

Der erste Weihnachtselch wurde jedenfalls im Garten schon gesichtet. 

das wird ein Weihnachts-Elch  (c) by Joachim Wenk
das wird ein Weihnachts-Elch  (c) by Joachim Wenk

Ich weiß, man braucht noch ein bisschen Phantasie dazu, um ihn zu sehen. Der Buchs kam, ich habe darüber berichtet, vor Jahren an die Weiher und wurde ausgepflanzt. Er gehörte der Großmutter und stand schon lange im Topf. Dort wuchs er nicht mehr recht. Etliche Jahre kämpfte er sich durch meterhohes Gras und Brennesseln. Immer wieder kam man mit der Motorsense hin und kappte ungewollt Triebe. Diesen Sommer nun hatte ich es satt. Dort draußen wird das nie was. Ich grub ihn aus und topfte ihn ein. Er soll hochgepeppelt und dann zu einer schönen Figur geschnitten werden. Schließlich bekommt er dann einen angemessenen Platz im Garten. 

Das Umpflanzen hat er gut vertragen und ist im Topf schön angegangen. Jetzt im Herbst wollten wir das Verdorrte und Beschädigte ausschneiden, damit er im Frühjahr munter treiben kann. Wir betrachteten seinen Wuchs, drehten und wendeten den Topf. Dann Griff Volker zu Schere. Die bereits zufällig angedeuteten Umrisse hat er erhalten und betont. Schon ist klar, in welche Form der  Buchs künftig geschnitten wird. Dann hat er  als Weihnachts-Elch künftig jedes Jahr zu Weihnachten seinen großen Auftritt. Wartet ab, wenn sein Geweih erst einmal zu wachsen beginnt....

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