Montag, 24. Oktober 2016

Danke für eure Erfahrungen zum Umgraben. Die drei Wesentlichen habe ich noch mal zusammengefasst.

Umgraben und den Garten fertig haben. Dazu machte ich mir vor ein paar Tagen meine Gedanken und wurde von einem guten Artikel eines Fachmagazins tatkräftig unterstützt. Ich bat um eure Meinung und  Erfahrungen und bekam so viele, interessante Mitteilungen hier und bei Facebook. Wie habe ich mich da gefreut und weiß jetzt auch, wie es bei mir im Gemüsegarten zu diesem Thema weiter gehen wird. 

Eure Erfahrungen haben mich dabei unterstützt. Jetzt bin ich voller Tatendrang, warte auf trockenes Wetter und vor allem  - das ist die Kehrseite der Medaille - warte ich jetzt dann noch ungeduldiger aufs Frühjahr.  Ich will doch sehen, wie sich der Boden dann so entwickelt. 

Wer meinen Beitrag nicht verfolgt hat fragt sich nun wahrscheinlich: Was genau war noch mal der Grund der  Gedanken? Und was bekam ich also an Rückmeldungen?

Nachgedacht habe ich über den passenden Zeitpunkt zum Umgraben im Gemüsegarten.  Bisher ackerte ich, wenn nötig, immer im Frühjahr um. Das geschah,  bevor das Sähen und Pflanzen begann. Weil ich da aber oft erst spät in die Beete konnte mit der Motorhacke, zögerte sich auch die Aussaat hinaus. Lieber wären mir "fertige" Beete schon über den Winter. Jetzt aber, kann ich auch nicht ackern, weil ja noch so viel Gemüse in den Beeten steht. Der Fachartikel kannte das Problem und empfiehlt ohnehin das sehr späte Umgraben, wenn die Bodenorganismen sich zur Winterruhe gesetzt und die Regenwürmer in tiefe Erdschichten abgewandert  sind. Ich wollte nun wissen, wann ihr umgrabt und wie ihr das Fertigmachen der Beete organisiert. 

Es gab im Prinzip drei Erfahrungen: 
  1. Generell bestätigt sich, daß auf leichtem Sandboden das Umgraben sowieso kein Thema ist. Die Arbeit kann man sich dort sparen.
  2. Auf schwerem, lehmigen Boden muß umgegraben werden. Hier stellt sich nicht die Frage, ob das Umgraben nach einigen Bio-Philosophien nun schlecht ist oder nicht. Wenn der Boden so fest ist, bleibt nur der Griff zum Spaten, will man auch etwas ernten.
  3. Und dann gibt es noch sehr viele unter euch, die das Umgraben, egal wie der Boden ursprünglich war,  Dank jahrelanger guter Bodenpflege ad acta legen konnten. Der Rücken freut sich und auch die Regenwürmer sowie die Bodenorganismen und Pilze. Deren positiver Einfluß auf die Gemüsepflanzen soll ja gerade im Biogarten ohne Umgraben genutzt werden. 


Wie nun die gute Bodenpflege aussieht, habt ihr mir dankenswerter Weise auch mitgeteilt. 

Eines ist immer der Fall: Organische Masse wird im Herbst auf dem Boden verteilt und zerfällt über den Herbst und Winter sowie im Frühjahr zu Kompost oder  Humus. Die Arbeit der Würmer und Organismen lockert und belüftet den Boden.  Was nicht zerfallen ist, wird weg gerecht und darunter kommt lockerer Boden zum Vorschein. Hier kann dann sofort oder nach leichter Bearbeitung mit Sauzahn, Grabegabel und Rechen gesät und gepflanzt werden.


Dieses organische Material zur Bodenabdeckung (Mulch) ist dann aber auch höchst unterschiedlich.
  • Einmal besteht es aus einer 10 cm dicken Schicht holzigen Häckselmaterials. 

Das wurde angeliefert und enthielt einen hohen Anteil Grün (Laub). Die Erfahrung in dem Garten mit diesem Material ist sehr gut. Der Boden ist feucht und locker. Mir persönlich ist das suspekt, habe ich doch mit selbst einer dünnen Schicht holzigen Häckselmaterials im Ziergarten äußerst schlechte Erfahrungen gemacht. Weil ich nicht mit Stickstoff zugedüngt hatte, vergilbten und kümmerten alle Beetpflanzen auf Grund des massiven Stickstoffmangels unter dem Holzhäcksel. Bleibt also die Langzeiterfahrung abzuwarten.
  • Ein anderes Mal dient fermentierter Grassschnitt als Mulch

Der Rasenschnitt, wird in einer Tonne fest eingestampt. So wie beim Sauerkrautherstellen. Dann wird die Tonne luftdicht verschlossen und das Gras fermentiert. Fahrsilos der Bauern funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Dieses fermentierte Gras dient dann mit halbfertigem Kompost  und anderen organischen Resten als Bodenabdeckung über den Winter. Durch die Fermentation durch Milchsäurebakterien ist das Gras quasi vorverdaut und verrottet nach den Angaben der Gärtnerin im Handumdrehen. 

  • Oft bleiben einfach die Gemüse- und Pflanzenreste mehr oder weniger zerkleinert an Ort und Stelle im Beet liegen. 

Das mache auch ich im Herbst so. Die relativ weichen Blätter zerfallen schnell. Krautstrünke kommen gehäckselt auf den Kompost. Oder man lässt alles, auch Staudenschnitt, unzerkleinert auf den Beeten. Das bietet immerhin auch einen leichten Schutz. Weiches Material verrottet. Der grobe Rest wird im Frühjahr weggerecht und über den Kompost weiter abgebaut. 

  • Steinmehl, Kompost und der Sand aus den Kisten vom Überwintern der Möhren und Rüben.

Diese Mischung brachte in einem Garten mit sehr schwerem Lehm (und dem anfänglichen Umgraben) über die Jahre den Erfolg. 

  • Laub vom eigenen Garten oder von außen.

Auch das kommt bei mir in die Beete. Laub ist eine gute herbstliche Bodenabdeckung. Leider aber hat es auch etliche Nachteile. Bei mir zum Beispiel bleibt das wenigste Laub in den Beeten, weil wir immerzu starken Wind haben. Der bläst es wieder raus aus den Gemüsebeeten. Hierzu bekam ich den interessanten Tipp, den ich teilweise auch umsetzen werden. "Rillen graben, Laub rein, Rillen zuschütten." Das Laub bleibt an Ort und Stelle und verrottet zu wertvollem Dünger. 
Dann kommt es auf das Laub an. Ich habe viel Laub von drei großen Bäumen im Gemüsegarten. Leider sind es zwei Walnußbäume und eine Eiche. Allesamt haben schwer verrottendes Laub mit wuchs- und keimhemmenden Substanzen. Ob und wie weit es dem Boden tatsächlich schadet weiß ich nicht, weil auch hier die Meinungen auseinander gehen. Meine eigene Erfahrung tendiert ein wenig dazu, daß die Wirkung nicht so negativ ist, wie zu befürchten wäre. Da beobachte ich aber noch weiter. 
Und schließlich übertragen Blätter von kranken Bäumen die Krankheiten. Hier sehe ich aber das geringste Problem. Außer ich habe einen total gesunden Garten und hole mir Laub aus Nachbargärten, mit kranken Bäumen. Die Krankheiten werden dann auch nicht auf das Gemüse übertragen. Kohlhernie, Braunfäule, Knollenfäule sind allerdings Krankheiten, die häufig auftreten. Hier darf das organische Material auf keinen Fall als Mulch verbreitet werden. Man schleppt die Erreger sonst überall hin. 

  • Immer flexibel und niemals starr einer Theorie hinterher eifern.

Das ist eine ebenfalls wichtige Erkenntnis aus meinen Gedanken und euren Erfahrungen. Umgraben ja oder nein? Als Mulch nur Grünabfall oder ausschließlich Häcksel? Es gibt noch viele weitere Ideologien im Gartenbau. Jede hat ihre Berechtigung. Wenn man sie gezielt in Testreihen anwendet, wird immer ein gesteigerter Ertrag und gesündere Pflanzen attestiert werden. Gerade als Hobbygärtner kann man sich da aber auch schnell in Ideologien und Verboten oder Geboten verzetteln, den Überblick verlieren und mit ihm die Lust. Mit der Lust schwindet der Tatendrang. Dabei gilt auch hier, Taten sind wichtiger als (gelesene) Worte. Wenn ich gelähmt von den vielen differierenden Meinungen gar nichts mache, werde ich ganz sicher auch gar keinen Erfolg haben. 
Es ist gut, über diese oder jene Theorie gelesen zu haben. Besser ist es aber, seinen Garten, seinen Boden und seine Pflanzen zu beobachten, zu spüren, zu erleben. Dann erst kann man, oft bereits beim ersten Studieren der einzelnen Anbaustrategien, sofort sagen, was für einen selbst, seinem Arbeitsstil (und der zur Verfügung stehenden Mittel /Arbeitszeit ) und seinen Garten sinnvoll sein könnte. Und dann muß man es einfach probieren. Wenn es diese eine einzige Methode gäbe, die alle und jeden glücklich machte, so würden nach genau der ja bereits alle anbauen. So wie es hundert verschiedene Diäten zum Abnehmen gibt und jeder mit einer anderen Erfolge erzielt oder Niederlagen, so gibt es auch hundert verschiedene Anbautheorien für den Garten.

So, wie ich meinen Garten erlebe und spüre und nach den Erfahrungen der letzten Jahre, werde ich in meinem Garten wie folgt vorgehen:

Umgegraben oder eben umgeackert wird spät im Jahr in den Beeten unter dem Walnußbaum. Seine Wurzeln kommen sonst zu sehr an die Oberfläche und bilden ein dichtes Netz, undurchdringbar für die Gemüsepflanzen.

Im restlichen Gemüsegarten grabe ich nicht um. Große Flächen sind schon mit Gemüseabfällen bedeckt oder mit Gründung bewachsen. Ich habe bereits wieder einiges zum Häckseln gesammelt. Das wird gehäckselt und kommt nicht auf den Kompost. Ich werde es auf die noch unbedeckten Flächen im Gemüsegarten (und später auch in die Staudenbeete) veteilen.   Mein neuer Häcksler zerfasert es so fein, daß im Frühjahr davon nichts mehr übrig sein wird. Herbstlaub werde ich "rillenweise" einarbeiten. Im Frühjahr gebe ich Kompost auf die Beete. Da ich schon seit Frühjahr konsequent mit Rasenschnitt mulche, ist der Boden locker. Nur die Trampelpfade alle 120 cm sind festgetreten.

Jetzt warte ich auf einen freien Tag und gleichzeitig trockenes Wetter, dann wird gehäckselt. Staudenschnitt fällt auch bald an, der kommt  zurück in die Staudenbeete. Damit ist der Boden bedeckt und ich spare mir Arbeit. Warum das Zeugs erst auf den Kompost schleppen, diesen dann 2 Mal  umschichten um dann wieder eimerweise schweren Kompost durch den Garten hiefen und auf Beete verteilen. Sollen die Organismen die Arbeit gleich vor Ort erledigen. Die Nährstoffe stehen dann dort zur Verfügung und  der Boden wird von ihnen "umgegraben". Also zumindest die  Effekte des Umgrabens hat die Mikroogranismen- und Wurmtätigkeit vor Ort. Es wird gelockert und durchlüftet.


Vielen vielen Dank also nochmal für eure eifrigen Erfahrungsberichte. Sicher kommt irgendwann im Frühjahr der Tag, an dem ich dann wieder berichten kann zu diesem Thema. Wenn ich die Beete für die ersten Aussaaten bereite. 

Im Moment sieht mein Gemüsegarten so aus: 



Gemüsebeet Ende Oktober mit Gründünger, Mulch und Gemüsepflanzen (c) by Joachim Wenk
Gemüsebeet Ende Oktober mit Gründünger, Mulch und Gemüsepflanzen (c) by Joachim Wenk

Gemüsebeet Ende Oktober mit Gründünger, Mulch und Gemüsepflanzen (c) by Joachim Wenk
Gemüsebeet Ende Oktober mit Gründünger, Mulch und Gemüsepflanzen (c) by Joachim Wenk

Gemüsebeet Ende Oktober mit Gründünger, Mulch und Gemüsepflanzen (c) by Joachim Wenk
Gemüsebeet Ende Oktober mit Gründünger, Mulch und Gemüsepflanzen (c) by Joachim Wenk

Gemüsebeet Ende Oktober mit Gründünger, Mulch und Gemüsepflanzen (c) by Joachim Wenk
Gemüsebeet Ende Oktober mit Gründünger, Mulch und Gemüsepflanzen (c) by Joachim Wenk

Gemüsebeet Ende Oktober mit Gründünger, Mulch und Gemüsepflanzen (c) by Joachim Wenk
Gemüsebeet Ende Oktober mit Gründünger, Mulch und Gemüsepflanzen (c) by Joachim Wenk

Gemüsebeet Ende Oktober mit Gründünger, Mulch und Gemüsepflanzen (c) by Joachim Wenk
Gemüsebeet Ende Oktober mit Gründünger, Mulch und Gemüsepflanzen (c) by Joachim Wenk

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