Montag, 19. September 2016

Herbststimmung

Es ist ein Samstag morgen, mitten im September. Nach ein paar  Tagen in der Ferne auf einem Kongress, erwache ich wieder im eigenen Bett und draußen ist es trübe. 

Es gibt die nächsten Tage keinen Sonnenschein, das sehe ich sofort. Leichter Nieselregen fällt, als gehe einer mit einem riesigen Topfpflanzensprüher übers Land. Wind weht und das Thermometer zeigt knapp über 10°C. Mehr als 13 °C werden aus auch so schnell nicht wieder. 

Es ist traumhaft. Ich merke, wie erleichtert und heiter gestimmt ich bin. Wie dringend war doch der Regen und die Abkühlung notwendig. Nichts hält mich davon ab, mit langer Hose, Pullover und Vliesjacke im Garten zu werkeln. 

Noch immer müssen einige Stauden der letzten Lieferung in den Boden.  Aber trockenheitsliebende Gewächse, die zwangsweise in großen Blumentopfuntersetzern, gefüllt mit Wasser stehen? Das war nötig, damit sie die Tage an denen ich die letzte Zeit immer wieder unterwegs war bei deutlich über 30°C und blauem Himmel überstehen. Wasser im Untersetzer allerdings ist für sie ja auch Gift. Welches Gift wähle ich also, zu viel Wasser oder verdursten lassen? Diese Frage ist nun vorüber. Sie kommen, zusammen mit den gestern auf der Heimfahrt in einem riesigen Gartencenter gekauften Stauden, in den Boden. 

Der Boden ist ein Traum. Locker, braun und voller Regenwürmer. Vor gerade mal einem Tag war er noch hart und trocken und leblos. Die Pflanzen im Garten erholen sich. Die Fliederbüsche entrollen ihre Blätter wieder und sehen grün, statt ockerfarben aus. 

Und ja, es hat jeder Moment im Garten etwas Schönes. Wenn man Garten und Natur liebt, liebt man auch solches Wetter, gerade nach dem vorangegangenen Wetter. 

Wie sehr ich das alles genieße und mit meinen Pflanzen aufatme könnt ihr in den Fotos sehen. Alles naß, trist, kalt und ohne Sonne, aber dennoch schön finde ich. 


Herbststimmung (c) by Joachim Wenk
Herbststimmung (c) by Joachim Wenk

Herbststimmung (c) by Joachim Wenk
Farbe trotz Regen (c) by Joachim Wenk
Das patagonische Eisenkraut hat sich wirklich üppig selbst ausgesät und die Mutterstaude ist selbst auch erfolgreich über ihren ersten Winter gekommen.
patagonisches Eisenkraut (c) by Joachim Wenk
patagonisches Eisenkraut (c) by Joachim Wenk



Herbst im Beet (c) by Joachim Wenk
Herbst im Beet (c) by Joachim Wenk

Regentropfen auf Rosenblättern (c) by Joachim Wenk
wie lange hatten wir solche Bilder schon nicht mehr im Garten.... (c) by Joachim Wenk


Das Zimbelkraut gab es auch als Staude im Gartencenter. Ich mag es sehr.  Es samt sich leicht selbst aus und ist dann überall. Keine Mauerfuge, wo es nicht noch Lebensraum finden würde. Und die Blüten sind zwar wirklich winzig, aber wenn man sich zu ihm hinab kniet und Aug' in Aug' mit seinen Blüten ist, kann man sie wirklich ob ihrer Farbgebung, Farbverlauf und Form bewundern.

Es kommt mir sehr wenig an Nahrung und Wasser aus. Bekommt es mehr davon, wächst es auch mehr. Hier zum Beispiel im Topf der Washingtonia.

Zimbelkraut erobert Washingtonia Palme (c) by Joachim Wenk
Zimbelkraut erobert Washingtonia Palme (c) by Joachim Wenk

Zimbelkraut erobert Washingtonia Palme (c) by Joachim Wenk
Zimbelkraut erobert Washingtonia Palme (c) by Joachim Wenk


Manche Blüten sehen aus, als würde ihnen die nasse Dusche nicht wirklich gefallen. Aber das ist nur eine Momentaufnahme. Sobald man sich wegdreht und sie unbeobachtet sind, schütteln sie sich kurz, wie mein Hund nach dem Bad im Weiher, und stehen im nächsten Moment aufrecht strahlend im Beet. Seht ihr nicht, wie sie einen anschielen und darauf warten, dass man wegguckt?

regennasse Herbstblüten (c) by Joachim Wenk
regennasse Herbstblüten (c) by Joachim Wenk


Mit den Herbstchrysanthemen, im Frühjahr gepflanzt, habe ich meine Blühsaison noch einmal deutlich verlängert. Oben die  hübschen altrosa-farbenen sind frühe Blüher und liefern bereits jetzt Farbe in die Beete. Dann habe ich noch ein paar wirklich späte genossen gepflanzt. Blütezeit Oktober-November. Also mal ehrlich, es gibt nicht viele Stauden, die diesen Aufdruck am Etikett haben. Über und über sind sie mit Knospen besetzt und warten wirklich bis sonst alles um sie herum verblüht und vergangen ist. Dann werden sie auftrumpfen und noch einmal für Farbe im Grau und Nebel sorgen.

gewappnet fürs  Blühen im ganz späten Herbst, die Herbstchrysanthemen (c) by Joachim Wenk
gewappnet fürs  Blühen im ganz späten Herbst, die Herbstchrysanthemen (c) by Joachim Wenk


Ihre Saison hingegen geht bald zu Ende. Die Kübelpflanzen werden nicht mehr all zu lange draußen bleiben können. Die Cassia allerdings kümmert sich da nicht drum. Sie blüht und blüht und leuchtet und leuchtet. Eine wirklich sehr pflegeleichte und ausdauernde Blüherin in erstaunlichem Gelb.


Cassia in voller Blüte (c) by Joachim Wenk
Cassia in voller Blüte (c) by Joachim Wenk

Im großen Staudenbeet habe ich erste Stauden verpflanzt (die großen Stockrosen, die vorne statt hinten im Beet standen) und neue gepflanzt. Der Boden auch hier ist schön locker, jetzt feucht und belebt. Es fehlte eben das Wasser. Nach dem Beginn meines intensiven Gießens sproß auch hier vieles und jetzt mit dem Regen wird noch mal richtig geblüht.

Dahlienblüte (c) by Joachim Wenk
Dahlienblüte (c) by Joachim Wenk

Das ist schon komisch, wie man manches erst am Foto so richtig sieht und nicht schon direkt im Garten. Während ich diese Zeilen schreibe merke ich, daß mein Farbschema für das Beet ja tatsächlich auch jetzt im Herbst noch voll eingehalten wird.

rose-weiß-farbenes Staudenbeet im Regen (c) by Joachim Wenk
rose-weiß-farbenes Staudenbeet im Regen (c) by Joachim Wenk

rose-weiß-farbenes Staudenbeet im Regen (c) by Joachim Wenk
rose-weiß-farbenes Staudenbeet im Regen (c) by Joachim Wenk


Die Kletterrose bringt mir doch tatsächlich, wegen dem Gießen, nicht nur neue Triebe sondern auch ein paar weitere Blüten.

Rosenknospe an der Kletterrose (c) by Joachim Wenk
Rosenknospe an der Kletterrose (c) by Joachim Wenk

Die Strauchrose Parfum de l'hay , im Frühjahr gepflanzt, zweimal geblüht, schiebt auch nach wegen dem Wasser durchs gießen neue Triebe. Ich kann mein erstaunen gar nicht oft genug ausdrücken. Es fehlt "einfach nur" an Wasser. Weder an Dünger noch an sonstigen Bodenveränderungen. Überall, wo ich konsequent anfing zu bewässern, egal wie viel Aufwand es manchmal  machte, fingen die Stauden und Rosen und sogar Säulen-oder Spalierobstbäume an zu treiben und munter zu wachsen. 

Strauchrose treibt nach Trockenheit wieder aus (c) by Joachim Wenk
Strauchrose treibt nach Trockenheit wieder aus (c) by Joachim Wenk

Bevor ich in den Gemüsegarten gehe, noch ein Bild vom wieder stark gewachsenen Hausbaum mit Buchsrondell.

Baumhaselnuß mit Buchs-Rondell (c) by Joachim Wenk
Baumhaselnuß mit Buchs-Rondell (c) by Joachim Wenk



Von den beiden Spalierbäumen, die ich im April erst eintriebig gepflanzt habe.

Apfelspalier im ersten Jahr (c) by Joachim Wenk
Apfelspalier im ersten Jahr (c) by Joachim Wenk


Und vom Weinberg, dessen Triebe im nächsten Jahr die ersten Trauben bringen werden.

Weinberg im Herbst (c) by Joachim Wenk
Weinberg im Herbst (c) by Joachim Wenk


Im Gemüsegarten blüht diese vielblütige Sonnenblume.

mehrblütige Sonneblume im Gemüsegarten (c) by Joachim Wenk
mehrblütige Sonneblume im Gemüsegarten (c) by Joachim Wenk

Und im Gemüsegarten sieht es im Moment wirklich sehr ungepflegt und chaotisch aus. Selbst auf dem angrenzenden Weg herrscht Chaos. 



überall verbreiten die Amseln Unordnung (c) by Joachim Wenk
überall verbreiten die Amseln Unordnung (c) by Joachim Wenk

Das hier ist ein Weg aus Waschbetonplatten. Gut der wuchernde Gemüsedschungel ist ja noch ganz hübsch aber der Rest. Jeder Weg ist zugemüllt, als hätte ich den Mulch nicht in die Beete sonder ebenfalls flächendeckend auf alle festen und getrampelten Pfade oder Wege verstreut. 

überall verbreiten die Amseln Unordnung (c) by Joachim Wenk
überall verbreiten die Amseln Unordnung (c) by Joachim Wenk

Ich habe das zusammenkehren längst gelassen, das es wenige  Stunden danach wieder so aussieht. Aber was nützt der ganze Ärger, wenn man weiß woher es kommt. Immerhin sind sie ja auch während meiner Gartenarbeit überall ständig zu Gange. Und ich kann ihnen nicht böse sein. Es sind die Amseln. Sie sehen abgemagert aus, zerzaustes ungepflegtes Geflügel mit kahlen Stellen. Nach monatelanger Trockenheit und unerträglicher Hitze sind sie einfach am Ende. Ausser bei  mir in den Gemüsebeeten finden sie ja weit und  breit kein Fleckchen feuchte Erde, in dem man nach leckeren Würmern scharren könnte. Und erst eine Pfütze zum Trinken? Nichts ist zu finden. Ausser eben bei mir im Garten. Dafür, daß sie mir alles so zerzausen habe ich ihnen auch noch eine Schale mit immer frischem Wasser hingestellt. Wie sollen sie sich da auch was anderes zum Graben suchen? 

Wahrscheinlich ist die Feuchtigkeit in den Beeten auch wirklich der Grund, warum ich so unsagbar viele Frösche aller Größen und Farbgebungen überall im Garten habe. Ich kann in keinem Beet, sogar nicht im Erdbeerfaß oder am Kompost, etwas machen, bewegen, ernten, aufklauben oder sonst etwas, ohne einen Frosch auf zu scheuchen. Letzthin hoppelte einer, als ich mit der Gießbrause im Garten stand, an mir vorbei immer ordentlich auf dem Weg durch die Gemüsebeete. 

Ich erschrecke dummerweise leicht und so auch jedesmal, wenn es wo raschelt und springt, während ich mich gerade bücke oder etwas im Beet schaffe. Heute am verregneten und daher sehr ruhigen Tag im Garten, erschrak ich schon wieder. Ich gieße gerade das Erdbeerfass (es steht unterm Walnußbaum und ist ganz trocken von den letzten Tagen, da muß auch heut bei Regen wieder die Brause her) und wieder raschelt es hinter mir. Boa, was für ein riesiger Frosch. Mindestens 25 cm lang und über und über mit Stacheln bewaffnet. Nein! Natürlich ist es diesesmal eben kein Frosch sonder der Igel, den ich schon immer unterm Brennholzstapel habe grunzen hören, machte seine Runde.  Auch er hat natürlich hohen Bedarf an Wasser und Nahrung für seinen Winterspeck. Nahrung bei der vergangenen Dürre war natürlich sehr knapp. Wasser hatte er ja durch meine aufgestellten mit Wasser gefüllten Blumentopfuntersetzter. 

Und wo ich doch gerade so über die Nahrung der armen Mitbewohner spreche, schwenke ich gleich mal zu meiner Nahrung über. 

Reifendes Obst und Gemüse im Herbst sieht ebenfalls bei Regen schön aus. So kommt die Jahreszeit, eben der Herbst, deutlich zur Geltung. 




reifende Birnen am Säulen-Obstbaum (c) by Joachim Wenk
reifende Birnen am Säulen-Obstbaum (c) by Joachim Wenk


Weißkraut für Sauerkraut im Winter (c) by Joachim Wenk
Weißkraut für Sauerkraut im Winter (c) by Joachim Wenk

Rotkohl wird eingekocht für leckere Bratenbeilage (c) by Joachim Wenk
Rotkohl wird eingekocht für leckere Bratenbeilage (c) by Joachim Wenk

Brokkoli für köstliche vegetarische Gerichte (c) by Joachim Wenk
Brokkoli für köstliche vegetarische Gerichte (c) by Joachim Wenk



Im Erdbeerfaß wird noch immer fleißig geblüht.  Die immertragende Sorte Ostara liefert gerade wieder einen neuen Schwung großer und sehr süßer, aromatischer Erdbeeren. Frische Erdbeeren Mitte September ist nicht üblich und daher genießen wir die Früchte meist gleich frisch vom Beet. 

dauertragende Erdbeeren (Ostare) tragen noch im September (c) by Joachim Wenk
dauertragende Erdbeeren (Ostare)
 tragen noch im September (c) by Joachim Wenk

Gemüsegarten im im September (c) by Joachim Wenk
Gemüsegarten im im September (c) by Joachim Wenk

Gemüsegarten im im September (c) by Joachim Wenk
Gemüsegarten im im September (c) by Joachim Wenk


Gemüsegarten im im September (c) by Joachim Wenk
Gemüsegarten im im September (c) by Joachim Wenk


Chinakohl (c) by Joachim Wenk
mein erster Chinakohl (c) by Joachim Wenk


Diese eine Reihe Tomaten war von Anfang an immer welk. Irgendwas ist hier aber wirklich im Boden, denn die gleich Sorte in der Reihe daneben ist grün und wächst stark. Gegossen sind alle gleich. Jedenfalls hat die Hitze sie gänzlich kaputt gemacht. Ansonsten aber tragen die Tomaten weiter sehr sehr reichlich und mit irre süßen Früchten in diesem Jahr.

Tomaten im September  (c) by Joachim Wenk
Tomaten im September  (c) by Joachim Wenk


Die reifende Blauhilde in blassem Lila mit dem gelblich verdorrten Laub ist doch auch ein typisches Bild des Herbstes. 
Herbstfarben (c) by Joachim Wenk
Herbstfarben (c) by Joachim Wenk



Sattgrün dagegen stehen Winterlauch, Möhren und Sellerie im Beet.

Möhren, Lauch und Sellerie für den Wintervorrat (c) by Joachim Wenk
Möhren, Lauch und Sellerie für den Wintervorrat (c) by Joachim Wenk


Im abgeernteten Kartoffel-Hochbeet wächst die letzte Generation Kopfsalat und Rucola heran. Weil über dem Hochbeet diese Stangen dazu geliefert wurden, nutze ich das gleich, um ein Gemüsenetz-Zelt zu spannen. Vielleicht das einzige Beet, in dem die Amseln nun wirklich draußen bleiben müssen und mir meine zarten Salatpflanzen nicht zerrupfen dürfen.

Außen herum ist Gründünger (Phacelia und Buchweizen) aufgelaufen.

Salat und Rucola (c) by Joachim Wenk
Salat und Rucola (c) by Joachim Wenk



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