Donnerstag, 15. September 2016

Ein paar Gedanken zum Tomaten entgeizen

Ich habe nun schon ein paar Mal in den sozialen Netzwerken darüber gelesen, wie so mancher das Tomatenentgeizen verteufelt, während andere darauf schwören. 

Interessant war einmal eine Diskussion, in der ein Hobbygärtner klagte, daß er sehr pflichtbewusst entgeizte und nun keinen Ertrag hat. Er erwähnte auch, daß er sie rechtzeitig "oben gekappt" hat. 

Das brachte mich dazu, meine eigenen Erfahrungen zu erinnern. 

Zuerst hatte ich die Tomaten an den bekannten Spiralstäben im Beet. Damit ich mehr ernten kann, dachte ich, zog ich sie 2-3 Triebig nach oben. Das wird zuweilen ja auch empfohlen. Nicht bedacht, wird bei diesen Empfehlungen, daß man an einem Spiral-Stab nicht 3 Triebe hoch ziehen kann. Das ergibt ein unübersichtliches Gestrüpp. Man kann nicht mehr ordentlich entgeizen und die Tomatenpflanze wuchert zu einem grünen Monster heran. Der Fruchtbehang leidet darunter und wehe es ist ein auch nur leicht feuchter Sommer. Dann hält sich die Feuchtigkeit in dem vielen Laub und die Braunfäule freut sich. Nicht nur, daß ich die zweiten und dritten Triebe erst gar nicht am Stab fest machen konnte, so wuchsen zu allem Überdruß die Pflanzen auch weit über die Stäbe hinaus. Am Ende konnte ich eigentlich überhaupt nichts ordentlich fest machen und stützen. 

Wie anders wiederum ist es bei den sogenannten Wildtomaten. Rote und gelbe Murmel kenne ich da. Die wird nicht entgeizt, wird zu einem gigantischen Tomaten-Monster-Busch mit ebenso gigantischer Tomatenernte. Ihr macht die Feuchtigkeit im Gestrüpp nichts, weil sie nicht anfällig ist für die Braunfäule. Allerdings benötigt man dazu viel Platz im Beet oder dem Balkon und die Ernte wird in dem Dickicht auch erschwert. Also ab und an ein paar Aste wegnehmen ist hier kein Problem. 

Zurück aber zu den normalen Tomaten und dem Entgeizen und Kappen. 

Ich habe hier, um meine Gedanken anschaulich machen zu können, einmal ein Foto beigefügt. Ihr seht die Tomate Quadro im Freiland. Ich ziehe sie jetzt an Schnüren empor, die oben an der Stange befestigt sind. Die Stange ist in 2m Höhe über dem Beet und wo die Tomate ist, seht ihr ebenfalls. Die Tomatensorte ist stark wüchsig mit langen Internodien (das sind die Abstände zwischen den Blattpaaren am Stamm).

Tomaten Quadro am Rankgerüst im Vergleich zum Spiralstab  für Tomaten (c) by Joachim Wenk
Tomaten Quadro am Rankgerüst im Vergleich zum Spiralstab
für Tomaten (c) by Joachim Wenk

Davor habe ich den klassischen Tomaten-Spiralstab in den Boden gesteckt. Man sieht, wie winzig diese Stäbe sind. Hat man nun also eine stark wachsende Tomatensorte an so einem Stab und entgeizt oder kappt auch noch, wenn sie oben ist, die Spitze, so ist klar, was passiert. Da können ja keine Früchte wachsen. 



Hätte ich das gemacht, wäre nach einer Traube Schluß. Die meisten Früchte hängen höher, als so ein Stäbchen lang ist. 

Tomaten Quadro am Rankgerüst im Vergleich zum Spiralstab  für Tomaten (c) by Joachim Wenk
Tomaten Quadro am Rankgerüst im Vergleich zum Spiralstab 
für Tomaten (c) by Joachim Wenk

An so einem Gestell kann ich die Tomaten auch mehrtriebig ziehen, weil nicht nur senkrecht Schnüre gespannt sind, sondern auch waagerecht. Da kann man die zusätzlichen Triebe gut anbinden. Ich habe das im ersten Jahr gemacht. Aber ich habe gemerkt, daß die Früchte schöner sind und reichlicher und besseren Geschmack haben, wenn eine Pflanze nicht 3 Triebe versorgen muß. So pflanze ich jetzt einige wenige Pflanzen mehr, dafür entgeize ich und ziehe eintriebig. 

Immer wieder hatte ich Blätter an den Tomaten, die sich, obwohl dunkelgrün, total eingerollt haben. Recherchen zeigten mir, daß hier zu viel Stickstoff vorhanden ist (meine Brennessljauche) und die Tomaten den gar nicht verbrauchen können. Sie rollen daher die Blätter ein. Hier komme ich wieder zum Entgeizen. Als ich das bemerkte, wurde ich nachlässiger im Entgeizen, habe auch die Triebe ober über der Stange nicht gekappt. Zwar werden die alleroberstern Früchte nicht mehr reif, doch wollte ich den Pflanzen helfen über die vermehrt gebildete Blattmasse mit dem Stickstoffüberangebot zurecht zu kommen. Es hat funktioniert! 


Also muß man wohl beim Entgeizen auch flexibel sein. Welche Sorte habe ich? Wie viel Platz ist vorhanden und  wie stütze ich meine Pflanzen? Es gibt da einiges zu bedenken. 

Bedenken sollte man auch, daß eine Pflanze mit zwar vielen Früchten aber wenig Blättern, keine geschmackvollen und süßen Früchte produzieren kann. Sie benötigt dazu die Blätter als Fabriken, um das Sonnenlicht umzuwandeln und die Nährstoffe aus dem Boden zu verarbeiten. Es gibt Menschen, die zupfen, wenn die Tomaten voll hängen, alle Blätter ab. Erstens sieht das doch entsetzlich aus und zweitens ist das, wie gerade beschrieben, kontraproduktiv. Diese Früchte reifen dann so, wie im Herbst die letzten Früchte, die man fast noch grün abnimmt und im Keller bis zur vollen Nachreife aufbewahrt. Sei werden rot, das mag sein. Aber der Geschmack ist ein deutlich anderer, als der am Stock vollständig ausgereiften Früchte. Eben wässrig und fad. Eher noch zum Kochen zu verwenden, also für die herzhafte Vesper nach anstrengenden Gartentagen. 

Bei den ausgwachsenen Pflanzen kann man allerdings die unteren Blätter, die ohnehin bald gelb werden, entfernen. Das verhindert, daß der mit Braunfäulesporen verseuchte Boden aus dem Beet auf diese Blätter gespritzt wird. Das passiert beim Gießen oder dem Regen. So gelangen die Sporen auf große Pflanzenflächen und können jetzt angreifen. Sind die untersten Blätter entfernt, daß auch keine mit dem Boden in Berührung kommen, kann das nicht passieren. Es besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, daß die Tomaten länger gesund bleiben. Eine Mulchschicht unter den Tomaten dient ebenfalls auch dem Zweck, daß Boden nicht hochspritzen kann. 



Tomaten Quadro am Rankgerüst im Vergleich zum Spiralstab  für Tomaten (c) by Joachim Wenk
Tomaten Quadro am Rankgerüst im Vergleich zum Spiralstab 
für Tomaten (c) by Joachim Wenk


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