Dienstag, 17. Mai 2016

Wetter grau - Blüten braun und trotzdem lacht mein Herz

Bevor ich jetzt aufs Wetter zu sprechen komme und der Sonne in meinem Herzen, stelle ich euch rasch noch meine neu errungene Bastelei vom genialen Schwager vor. 

Seit jeher ziehe ich die Stangenbohnen (seit ein paar Jahren ausschließlich "Blauhilde") am Bohnenzelt empor. Ich bin einfach zu faul, die ganzen Stangen für die konventionelle Anbauweise in den Boden zu rammen und aneinander zu binden.

Ich muß nur einen Stock in die Erde bekommen und daran Schnüre befestigen. Leider aber wurde mein sehr langer Haselnuß-Stock von Jahr zu Jahr kürzer, weil er in der Erde abfaulte. Die Blauhilde wächst unbändig und im Handel erwerbbare Bohnenzelte sind um die Hälfte zu niedrig.  Daran baue ich jetzt die Blauschwokker-Erbsen, die nur etwa 180cm (!) hoch werden. 

Jetzt bekam ich diesen nicht-verrrottenden Bohnenzelt-Stützstab. Wie beim Grill oder dem Tomatenrankgerüst besteht er aus eine verzinkten Wasserrohr. 

Bohnen-Tipi, Bohnenzelt aus Wasserrohren und Schnur (c) by Joachim Wenk
Bohnen-Tipi aus Wasserrohren und Schnur (c) by Joachim Wenk


Ein Rohr von etwa einem Meter Länge habe ich bis auf 30 cm in den Boden geschlagen. Ein zweites Rohr von etwa 3m Länge wurde vom Schwager an einem Ende mit einem inneren Bolzen versehen (den ich leider vergaß zu fotografieren). Der ist fest im Rohr verschweißt und passt vom Durchmesser genau in das andere Rohr im Boden. So sind die beiden Rohre aufeinander gesteckt und halten fest.

Oben am 3 m Rohr hat er ein Lochblech zu einem Kreis ausgeschnitten und verschweißt. Daran kann ich nun meine Bohnenfäden festbinden. Durch die Löcher im Blech bleiben sie auch an Ort und Stelle und verrutschen nicht.


Bohnen-Tipi, Bohnenzelt aus Wasserrohren und Schnur (c) by Joachim Wenk
Stützstange für das  Bohnenzelt aus Wasserrohren
 (c) by Joachim Wenk


 Unten am Boden liegt, wie jedes Jahr, ein alter Metallreifen. Den haben wir in der Scheune gefunden. Es war wohl einmal ein Metallreifen um ein hölzernes Rad. Weil der ein gutes Eigengewicht hat, binde ich die Bohnenschnüre immer an ihm fest. S verrutscht nichts mehr und ich habe ganz automatisch eine schöne Kreisform für das Zelt.

Fertig ist das Gerüst. Wenn es jetzt wieder wärmer wird, kommen die Bohnensamen in die Erde.

Bohnen-Tipi, Bohnenzelt aus Wasserrohren und Schnur (c) by Joachim Wenk
Metallreifen für die gleichmäßige Form vom Bohnenzelt (c) by Joachim Wenk

Bohnen-Tipi, Bohnenzelt aus Wasserrohren und Schnur (c) by Joachim Wenk
Bohnen-Tipi, Bohnenzelt aus Wasserrohren und Schnur
(c) by Joachim Wenk

Und weil es in den Gemüsebeeten noch so leer aussieht, zeige ich hier ein Bild vom Rand des Gemüsegartens. Im Rhabarberbeet sieht es alles andere als leer aus. Herrlich, dieses saftige, lebendige Grün. 

Rahaberaber (c) by Joachim Wenk
Rahaberaber (c) by Joachim Wenk


Wir waren ja am Wochenende die meiste Zeit mit der Vorbereitung, der Nachbereitung und der Durchführung unserer Geburtstagsnachfeier beschäftigt. Daher war es zwar ärgerlich, daß das Thermometer von der 10°C-Marke gerade am Sonntag zur Feier und auch am Montag weit entfernt war. Zudem nieselte es am Montag viele Stunden. 

Grau in Grau und sehr nass war es. Bitter kalt dazu. Und trotzdem lachte mein Herz, wenn ich so vor dem Wohnzimmerfenster stand und gedankenverloren hinaus blickte. 

Die Pflanzen sehen nicht so aus, als würde das Wetter ihnen schaden. "Mai kühl und nass, füllt dem Bauer Scheun' und Faß" heißt es. Alles strotzt vor Leben und Wachstum. Alles ist saftig und grün. Und zu alledem denke ich an das letzte Jahr mit Trockenheit, wie man sie nicht beschreiben kann bei Temperaturen, wie man sie hier in Mittelfranken, nicht gebrauchen kann. Da sah man beim ersten Blick in den Garten, wie das Wetter schadet. 


kalter Regensonntag im Mai (c) by Joachim Wenk
kalter Regensonntag im Mai (c) by Joachim Wenk

Dieses Jahr ist noch alles Gut und bleibt vielleicht normal. Es ist ein Freude alles zu beobachten, zu betrachten und noch viel besser ist es, mittendrin zu stehen und es mit allen Sinnen zu genießen. Herrlich diese Üppigkeit im Frühling.

Als ich dieses Bild hier gerade eingefügt habe, dachte ich mir gleich: "mann,  schreib blos dazu, dass das hinter der Tulpe Stockrosen sind und kein Rhabarber....." Darum auch oben das Rhabarberbild. 

Aber ganz im Ernst, sind die Stockrosenstauden nicht der Hammer? Wenn die wieder so üppig blühen wie letztes Jahr, wird es wieder ein Festmahl für die Hummeln und ein Traum für meine Augen.

Wo diese Tulpe her kommt weiß ich gerade auch nicht. Es ist nur eine einzige in mitten einer Färberkamille. Die Farbe finde ich sehr schön. Scheinbar ist dieses Frühjahr bei mir ein Frühjahr der braunen aber eben nicht langeweilig-braunen Blüten. 

braune Tulpe vor Stockrosenstauden (c) by Joachim Wenk
braune Tulpe vor Stockrosenstauden (c) by Joachim Wenk

Ebenfalls in einem dunklen Braun-Lila blühen einige Flockenblumen in den Staudenbeeten.

braune Flockenblumen (c) by Joachim Wenk
braune Flockenblumen (c) by Joachim Wenk

braune Flockenblumen (c) by Joachim Wenk
braune Flockenblumen (c) by Joachim Wenk

Und ihr erinnert euch vielleicht auch, mein neuer Storchschnabel erfreut mich schon seit ein paar Tagen mit super süßen kleinen braunen Blüten. 

brauner Storchschnabel (c) by Joachim Wenk
brauner Storchschnabel (c) by Joachim Wenk

All das Braun-Lila wäre doch zauberhaft in Kombination mit den wahnsinnig leuchtenden und gelben Blüten der Berberitze. Ich überlege schon, wie ich das zusammen bekommen könnte. Leider steht sie am Zaun in der Hecke und davor ist ein Stückchen Rasen. Aber ich werde mal weiter überlegen, weil diese Farbkombination der Hit sein müsste. Zur gleiche Zeit blühen sie schließlich auch alle. 

gelbe Berberitzenblüten (c) by Joachim Wenk
gelbe Berberitzenblüten (c) by Joachim Wenk

 Nicht dass ihr meint, es wäre jetzt alles braun bei mir im Garten. Auch das zu dieser Jahreszeit so allgegenwärtige Blau ist natürlich ausreichend vorhanden.

blaue Waldhyazinthen (c) by Joachim Wenk
blaue Waldhyazinthen (c) by Joachim Wenk
blaue Flockenblumen und gelber Ranunkelstrauch (c) by Joachim Wenk
blaue Flockenblumen und gelber Ranunkelstrauch (c) by Joachim Wenk


Blaue Alpenwaldrebe Clematis alpina (c) by Joachim Wenk
Blaue Alpenwaldrebe Clematis alpina (c) by Joachim Wenk



Genau wie die lila-Töne.


riesige lila Tulpen (c) by Joachim Wenk
riesige lila Tulpen (c) by Joachim Wenk


Knospen vom lila Zierlauch (c) by Joachim Wenk
Knospen vom lila Zierlauch (c) by Joachim Wenk

überall blau-lila Katzenminze (c) by Joachim Wenk
überall blau-lila Katzenminze (c) by Joachim Wenk



Und weil ich weder die Zeit noch die Lust habe, den Garten steril sauber vom Wildwuchs zu befreien, ergeben sie so schöne Szenen. Wo da überall etwas wächst und blüht und mich erfreut. Und das ganz ohne mein Zutun oder gar meine Mühen und Arbeit.

Akelei in der Gartenbank (c) by Joachim Wenk
Akelei in der Gartenbank (c) by Joachim Wenk


Der Storchschnabel wächst seit, wir das Haus haben (und sicher schon noch viel länger) hier in den Ritzen der Treppenplatten. Der wird nie gegossen (auch letztes Jahr bei der Dürre nicht) und nicht gedüngt. Und doch wächst und blüht so entzückend. Leider blüht er nur einmal im Jahr, aber das sehr üppig und sehr zuverlässig. 

Storchschnabeln in den Ritzen und Fugen der Treppe (c) by Joachim Wenk
Storchschnabeln in den Ritzen und Fugen der Treppe (c) by Joachim Wenk


Zum Abschluss wieder etwas Kurioses. Meine Amaryllis. Vor etwa 18 Jahren bekam ich eine riesige Zwiebel von einer alten Frau. Die hatte sie schon ewige Jahre. Die Zwiebel bekam immer mehr Nachwuchs und ich weiß gar nicht mehr, ob ich die Originalzwiebel noch habe oder nur ihre Kinder. 

Jedenfalls haben alle Zwiebeln vor ein paar Jahren entschlossen, daß sie nicht mehr einziehen im Herbst. Immer taten sie das, auf einmal aber nicht mehr. Umfangreiche Recherchen im Internet ließen mich das Gießen ab September aufhören. Im Dezember waren sie noch immer grün und saftig. Ich stellte sie trocken und absolut dunkel unter den Tisch, auf dem sie jetzt stehen. Im Dezember noch waren sie grün und nichts gelbes daran. Ich schnitt sie einfach im Winter ab. All das ließ die Zwiebeln immer kleiner werden und raubte ihnen die Lebenskraft. Blüten hatte ich schon lange keine mehr. Ich schob es darauf, daß sie keinen Winterschlaf mehr machen wollen. 

Im vergangen Jahr, ließ ich sie einfach im Palmenhaus, dem Überwinterungsraum der anderen Kübelpflanzen, am Fenster stehen. Ab und an ein Schluck Wasser  uns sonst machte ich nichts. Klar eingezogen haben sie wieder nicht, denn das scheinen sie ja einfach auf einmal abzulehnen. Jetzt im Mai, war ich ganz überrascht und baff.  Ganz viele Blütenknospen entdeckte ich im mittlerweile immer dichter gewordenen Grün der Blätter. 

Jetzt blühen sie. Seit Jahren die ersten Blüten und ich freue mich so sehr darüber. Ich muß doch das wertvolle Geschenk der alten Frau, die sich zuvor schon so viele Jahre um die Zwiebeln kümmerte, in Ehren halten. Denn sie wusste, daß ich es tun werde und nur darum schenkte sie mir eine ihrer Lieblinge. Ob die Frau und ihr kranker Mann noch leben, weiß ich nicht, ihre  Amaryllis aber leben mehr als je zuvor. 

Amaryllisblüte im Mai (c) by Joachim Wenk
Amaryllisblüte im Mai (c) by Joachim Wenk


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