Montag, 14. März 2016

Gemüse für Selbstversorger mit wenig Platz oder kleinem Balkon - Ernte über viele Monate garantiert

Google sagt es mir in regelmäßigen Abständen: Die Suchanfragen zum Stichwort "Garten" steigen ständig. Auch ich habe den Eindruck, daß wieder ein größeres Interesse vorhanden ist, einfach selbst ein Stückchen Land zu bestellen. Die Einen lieben Stauden oder Rosen, andere wollen einfach einen Beitrag zum täglichen Essen selbst beisteuern. Mit eigenen Händen herangezogenes Gemüse und Obst mit gutem Gewissen genießen.

Das gefällt mir, bin ich doch auch nach und nach zum Hobby-Selbstversorger geworden. Wenn man die Qualität und den Geschmack von selbst  Angebautem erst einmal zu schätzen weiß, kann das beinahe eine Sucht werden mit dem Selbstversorgen.  Oder eben ein Hobby mit sehr praktischem Nutzen, wie es bei mir der Fall ist, denn das Selbstversorgen sehe ich niemals 100%ig und absolut.

Gerade jetzt  - Mitte März - ist wieder die Zeit, sich um zum Beispiel  die  Tomatenanzucht zu kümmern. Scheinbar sät gerade jeder Tomaten aus. Manche auch Gurken, was aber eigentlich zu früh ist. Die Chillies, die immer mehr im Kommen sind, sollten mittlerweile schon kleine Pflänzchen sein.

Die Tomaten allerdings sind es, warum ich diesen Beitrag schreibe. Es scheint mir gerade so, als ob die Tomaten, so schwer sie mittlerweile anzubauen sind (Braunfäule, Klimaveränderungen, Wetterunbilden), die Pflichtpflanzen in jedem grünen Fleckchen Erde und Balkon sind. Da werden die schönsten Pflänzchen selbst gezogen oder dann riesige Pflanzen mit Fruchtbehang fertig gekauft und eingepflanzt. Hauptsache Tomaten stehen im Gemüsebeet oder  Naschbalkon. Vor lauter Tomaten wird vergessen, daß das Gartenjahr 12 Monate hat und es neben Tomaten noch andere Gemüse gäbe, die gegessen werden könnten.

Ich überlege, woran das liegen mag? Zu einem Ergebnis komme ich allerdings nicht. Eines aber wurde mir dabei klar. Würde ich mein Augenmerk nur auf Tomaten und vielleicht noch Gurken oder Zucchini setzen, hätte ich weniger  Arbeit und auch (fast) nichts zu essen.

Als Selbstversorger kann man fast rund ums Jahr etwas im Garten ernten. Baut man nur Tomaten an, so beschränkt sich das Erfolgserlebnis und der Genuß eigenen Gemüses auf 2, vielleicht 3 Monate maximal. Was ist mit den Beeten, in den restlichen 9-10 Monaten? Und was ist, wenn die Braunfäule just vor der Ernte zuschlägt? Dann hat man ein ganzes Jahr Totalausfall beim Ernten. Selbst bei guter Tomatenernte wäre mir das zu wenig effizient. Ich will mein Stück Land besser nutzen, sprich viel länger ernten. Immerhin gefällt mir doch das Selbst-Versorgen.

Ich möchte heute einmal über ein paar Gemüse oder Gemüsesorten reden, die jeder zumindest einmal probieren sollte, der gerne Zutaten fürs Mittagsmahl selbst anbaut.

Was ist so besonders an diesen Sorten?

Ich habe mir ein paar Gemüsearten zusammengesammelt, die leicht anzubauen sind. Leichter als Tomaten und Gurken! Die eine möglichst lange Erntezeit haben, ganz sicher immer zur Ernte kommen und dabei noch wenig Arbeitseinsatz fordern. Schließlich sollten sie natürlich auch in der Küche vielfältig einsetzbar sein. Schließlich möchte ich auch darauf aufmerksam machen, dass es wirklich mehrere sehr unterschiedliche Sorten eines Gemüses gibt und es sich manches Mal durchaus lohnt, sich eine Sorte ganz bewusst auszusuchen. Eine Sorte, die genau zu den eigenen Bedürfnissen passt. Das wiederum geht nur, wenn man die Pflanzen selbst aus Samen heran zieht. Diese Mühe ist es wert, wenn man dann genau seine passende Sorte anbauen kann. Greift man nur auf fertige Pflanzen zurück gibt es so gut wie keine Auswahlmöglichkeit. Vielleicht noch Früh- und Spätsorten.


  • Buschbohnen der Sorte Sanguigno (Sorte ist wichtig)
  • Mangold, am Besten ein Schnittmangold wie Lucullus oder Verde di taglio
  • Schnittlauch
  • Petersilie
  • Asiasalat zum Beispiel Green in Snow
  • Brokkoli
  • Erdbeere zum Beispiel Ostara
  • Wildtomaten rote oder gelbe Murmel



Die Buschbohne Sanguigno steht an erster Stelle, weil sie für den Hausgärtner einfach eine geniale Züchtung ist.


Buschbohne Sanguigno im Beet (c) by Joachim Wenk
Buschbohne Sanguigno im Beet

Buschbohne Sanguigno jung geerntet (c) by Joachim Wenk
Buschbohne Sanguigno jung geerntet

Buschbohne Sanguigno reif geerntet (c) by Joachim Wenk
Buschbohne Sanguigno reif geerntet

Buschbohne Sanguigno als Auskernbohne (c) by Joachim Wenk
Buschbohne Sanguigno als Auskernbohne

Buschbohne Sanguigno sehr reif geerntet als Trockenbohne (vor dem Trocknen) (c) by Joachim Wenk
Buschbohne Sanguigno sehr reif geerntet
als Trockenbohne (vor dem Trocknen)

Buschbohne Sanguigno als Trockenbohne (nach dem Trocknen) (c) by Joachim Wenk
Buschbohne Sanguigno als Trockenbohne (nach dem Trocknen)

Sanguigno ist gesund, wüchsig und robust. Sie muß im Beet nicht ständig gegossen werden. Düngen ist, wie bei allen Buschbohnen im normalen Gartenboden ebenfalls nicht notwendig. Auch im Topf sollte sie nur sehr spärlich Dünger erhalten.

Was sie von anderen Buschbohnensorten unterscheidet, ist tatsächlich die Bohne ansich. Man kann sie schon als ganz kleines und zartes Böhnchen ernten. Bleiben sie länger an der Pflanze, wachsen sie zu großen bis 15cm langen und  1.5 cm breiten Bohnen heran. Die Zeichnung ist sehr hübsch. Auf hellgrünem Grund sind rote Marmorierungen und Flammen zu sehen. Die verschwinden beim Kochen. Auch ältere Schoten sind nicht holzig oder fadig. Sie lassen sich geschnippelt und blanchiert sehr gut einfrieren und einkochen. So hat man sie rasch zubereitet und eine einfache Gemüsebeilage. 

Hat man etwa gerade Urlaub, wenn viele Bohnen erntereif sind, muß man sich nicht sorgen. Die Ernte verschiebt sich dann eben nach hinten. Einfach weiter wachsen lassen, bis dicke Bohnenkernknubbel an der Schote zu sehen und fühlen sind. Wenn man jetzt ernten, so hat man leckere Auskernbohnen. Die Kerne sind noch weich und müssen nicht, wie Trockenbohnen lange gekocht werden. Ich blanchiere sie und friere sie ein. Verwendet werden sie dann bei uns vor allem in Suppen und Eintöpfen, wie Erbsen. 

Hat man mit der Ernte auch diesen Zeitpunkt verpasst, ist es noch immer nicht tragisch. Die Schoten einfach bis in den Herbst an der Pflanze lassen. Sie werden braun und schrumpeln ein oder vertrocknen. Jetzt kann man bei der Ernte wieder die Kerne entnehmen. Sind sie reif, haben sie eine harte Konsistenz. Sie werden  im Zimmer noch restlich durchgetrocknet und in luftdichten Behältern aufgehoben. Diese Trockenbohnen halten sich sehr lange. Vor dem Koche müssen sie allerdings mindestens 12 Stunden einweichen und dann mindestens eine Stunde kochen. 

Für mich eine absolute Freude, diese Sorte kennengelernt zu haben. Ideal für den Selbstversorger mit einer monatelangen Ernte.

Gesät werden Buschbohnen ab Mitte Mai bis Mitte Juli mindestens 3 cm tief. Sie sind sehr frostempfindlich und man muß unbedingt die Spätfröste im Mai abwarten. Sie wachsen sehr schnell und holen eine einwöchige Saatverschiebung mit Leichtigkeit auf. Ein Frost auf die gekeimte Bohne allerdings wäre das difinitive Aus für die Pflanze. Ich empfehle, wenn mehrere Reihen möglich sind mindestens zwei Aussaaten mit ein paar Wochen Abstand. So hat man immer junge Bohnen und kann manche schon größere Schote weiter wachsen lassen.

Buschbohnen werden entweder in der Reihe (Abstand der einzelnen Samen 10-15 cm) gesät oder in kleinen Kreisen mit je   4-8 Kernen mit einem Abstand der Kreise zueinander von  40 cm. Hat man mehrere Reihen, sollten diese 40 - 60 cm auseinander sein. Ich empfehle aber im Sinne der Mischkultur ohnehin, nicht mehrere Reihen des gleichen Gemüses nebeneinander zu setzen. Günstige Nachbarn sind zum Beispiel der hier ebenfalls genannte Mangold, dann natürlich Bohnenkraut. Abgesehen von meinen ausgewählten Sortenempfehlunge hier passen Bohnen gut zu Gurken, Kartoffeln, Salaten, Kohlrabi, Rettich und Radieschen oder Spinat.

Buschbohnen gedeihen auch in einem größeren Topf (Kreissaat) oder Blumenkasten (Reihensaat). Allerdings dann ohne Mischkultur, da sie alles andere Überwachsen würden.


Die Kreis-Aussaat finde ich persönlich nicht so gut weil bei der wüchsigen Sorte hier zu viele beieinander stehen und sich doch nicht gegenseitig stützen. Ich sähe lieber in der Reihe. Sanguigno ist sehr wüchsig für eine Buschbohne. Daher ist das Anhäufeln wichtig. Damit die Pflanzen etwas Halt haben und nicht so wüst auseinander fallen im Beet umgebe ich sie mit einem Rahmen aus ein paar Stecken mit gespannter Schnur. Darin bleiben sie aufrechter, was auch die Ernte erleichtert.

Auch der Ernteerleichterung dienlich ist eine Aussaat am Rand des Beetes. So muß man zum Ernten nicht so oft zwischen den Gemüsereihen hindurchlaufen und den Boden festtreten.

Stützgerüst für Buschbohne Sanguigno (c) by Joachim Wenk
Stützgerüst für Buschbohne Sanguigno



Mangold

Verwendet werden die Stängel oder die Blätter oder beides. Das hängt von der Sorte ab, wie dick und kräftig die Stängel werden. Schnittmangold  oder Blattmangold ist kälteunempfindlicher. Man sät ihn einmal aus und kann dann, wenn er ausgewachsen ist, laufend die äußeren Blätter mit Stielen ernten. Die Pflanze schiebt immer neue Blätter nach. Und das über viele Monate, oft sogar bis weit in den Herbst hinein. Ich habe schon Mangold im Beet stehen gehabt, der im Winter nicht erfroren ist. Aus dem Herz der Pflanze trieben ganz zeitig im Frühjahr bereits wieder Blätter. Die konnten gleich als erstes Frühlingsgrün im Salat verwendet werden. 

Im Herbst oder Frühjahr gibt es den normalen Spinat. Der wächst aber in den Sommermonaten nicht. Daher fehlt hier das Grün der Blätter im Kochtopf. Aufläufe, Gratins, Quiches, Lasagne, Ravioli - oder Cannelloni-Füllungen, Pastasaucen, im Risotto oder Bratlingen, Eintöpfe, als Gemüsebeilage, im Omelette oder Pfannkuchen.

Es gibt so unzählig viele Gerichte, in denen man grüne Blätter benötigt. In den Zeiten ohne Spinat greife ich hier gern auf Mangold zurück. Auch Melde oder Baumspinat und Neuseeländerspinat sind Blattgrün für den Sommer. Die allerdings sind wieder nicht so leicht anzubauen, wie der immer wieder nachtreibende Mangold. 

Lange Ernteperiode und Vielfalt in der Küche. Mangold muß in den Selbstversorgergarten.

Gesät wird Mangold von April bis Juli direkt ins Beet. Auch im Topf oder Blumenkasten lässt er sich ohne weiteres kultivieren.

Gute Nachbarn sind zum Beispiel Bohnen, aber auch Kohlrabi, Radieschen, Rettich, Salat  und Basilikum.

Mangold im Beet (c) by Joachim Wenk
Mangold im Beet (hellgelbe Blätter in zweiter Reihe)




Schnittlauch und Petersilie

Diese beiden stehen hier, weil sie in der Küche einfach unersetzlich sind. Darüber hinaus kann man unentwegt ernten, muß aber kaum etwas dafür tun. Ist der Erntesegen einmal zu übermächtig, lassen sie sich portionsweise hervorragend einfrieren. Gehackt mit etwas Wasser in Eiswürfelbehältern ergeben sie selbst gemachte Kräuterlinge, die ich rund ums  Jahr benötige.



Schnittlauch ist noch einfacher zu handhaben als Petersilie. Man setzt ein paar Pflanzen ins Beet und muß dann nur noch ernten. Viel Dünger benötigt er nicht, dafür aber regelmäßig Wasser. Er bleibt an Ort und Stelle und kann über viele Jahre hinweg geerntet werden. Bei mir treibt er jetzt im März bereits wieder kräftig aus. Bald gibt es das erste Schnittlauchbrot.

Schnittlauch als Beeteinfassung (c) by Joachim Wenk
Schnittlauch als Beeteinfassung

Ein rund ums Jahr gewissenhaft gepflegtes Töpfchen Schnittlauch kann bereits dazu beitragen, die Qualität von Gemüse und dem eigenen Essen besser zu erkennen oder die Mühe und Arbeit schätzen zu lernen, welche zum Anbau unserer Nahrung notwendig ist. Der Umgang mit Lebensmitteln kann sich verändern und das nur, weil man als Minimal-Selbstversorger gerade mal eine Schnittlauchpflanze pflegt! Ich will auch erläutern, wie das geschehen kann.

Wer hat sich nicht schon einmal einen Topf Schnittlauch im Supermarkt gekauft? Es wird etwas geerntet und dann geht die Pflanze ein und man kauft eine Neue. Jetzt aber rate ich allen künftigen Selbstversorgern einmal, eine gute Pflanze beim Gärtner zu kaufen und mehr als ein Jahr, gerne im Topf, am Leben zu halten und zu beernten.

Plötzlich merkt man, daß sie einen bestimmten Standort benötigt um gut zu wachsen. Nicht die pralle Sonne und schon gar nicht, wenn sie dabei im Topf wächst. Sie braucht auch einmal Dünger, sonst kann sie nicht mehr wachsen. Was geschieht im Urlaub? Bereits ein paar Tage im Sommer können ohne Pflege den Tod der Pflanze bedeuten. Selbst im Winter kann im Topf das Gießen  von Nöten sein. Aha, da macht sogar ein Schnittlauchtopf Arbeit. Man freut sich aber auch an der schönen Pflanze und den vielen pinkfarbenen Blüten. Die Röhrchen schmecken ungleich intensiver, als die im Topf gekauften aus dem Discounter. Und wenn man welche abschneidet, verbraucht man sie auch, genießt sie bewusst. Wird man die Halme leichtfertig vergammeln lassen oder zu viel Abgeschnittenes von der so mühevoll und ausdauernd gepflegten Pflanze einfach wegwerfen? Wohl eher nicht. Das ist es, was ich meine. Das Bewußtsein für  und die Wertschätzung der täglichen Nahrung und was nötig ist, sie zu erzeugen wird sich verändern. Ebenso das Empfinden für Qualität wird entwickelt sich, selbst wenn wir nur einen Schnittlauch pflegen. Vorausgesetzt, wir nehmen das Ganze ernst! 

Petersilie muß ebenfalls nur einmal gepflanzt werden und kann dann das ganze Jahr  geerntet werden. Das geht auch im Winter, wenn nicht gerade Frost oder Schnee den Garten lahm legen. Allerdings ist bei Petersilie zu beachten, daß sie nur ein Jahr am selben Ort stehen kann. Ihre eigenen Ausscheidungen der Wurzeln machen ihr ein weiteres  Wachsen dort unmöglich. Im Folgejahr muß sie zwangsläufig an anderer Stelle oder neue Erde im Topf frisch gepflanzt werden. Dafür hat man dann wieder viel Monate frische Petersilie. Übrigens ist ein Pesto aus Petersilie mit Walnüssen wirklich eine sehr geschmackvolle Alternative zum allgegenwärtigen Basilikumpesto.





Asiasalat ist eher ein Überbegriff für verschiedene Pflanzen.


überwinterter Asiasalat Green in Snow im Februar im Beet (c) by Joachim Wenk
überwinterter Asiasalat Green in Snow im Februar im Beet

Der aid-Infodienst  beschreibt ihn wie folgt
"Als Asia-Salate werden in Deutschland verschiedene, meist als Blatt genutzte Gemüsearten bezeichnet, die aus dem asiatischen Raum stammen. Bei den meisten von ihnen handelt es sich um Blattsenfarten, hinzu kommen aber auch Kreuzungen verschiedener Brassica-Arten wie Chinakohl, Pak Choi, Senf oder Raps. Asia-Salate haben in den letzten Jahren hierzulande sehr an Beliebtheit gewonnen."

Ich spreche beispielhaft hier vom Asia-Salat "Green in Snow" der laut Katalog bis -10°C winterhart ist. Dieses Jahr hatten wir Nächte in denen es noch kälter war und er stand ungeschützt im Beet. Es hat ihm absolut nichts gemacht, nicht einmal ein Blatt war bechädigt. Das Foto ist übrigens vom Februar, nachdem im Januar Temperaturen unterhalb -10°C herrschten.

Gesät wird im Garten von Juli bis August, 1-2 cm tief in einer Reihe. Oder im Blumenkasten und Blumentopf. Im Gewächshaus oder geschützt am Balkon kann man bis in den Winter hinein aussähen. Die Pflanzen entwickeln sich rasch und wie beim Mangold wird immer wieder davon geerntet. Man zupft einfach ein paar der äußeren Blätter ab. Das Herz muß intakt bleiben. So ernte ich schon seit September und er wächst auch den ganzen Winter munter weiter.

Gute Nachbarn  sind zum Beispiel Salat oder Spinat. Nicht gut ist die Nachbarschaft zu anderen Gemüsen der Familie, das sind also andere Kohlarten  und Rettiche oder Radieschen.

Die Blätter sind sehr scharf! Man benötigt nicht viel davon um zum Beispiel einen gekauften Salat aufzumotzen. Man soll ihn auch gedünstet auftischen können, was ich aber noch nicht selbst probiert habe. Oder man verwendet sie im grünen Smoothie. Im Brotaufstrich oder ein Pesto aus den Blättern entfaltet er seine Würze und man merkt die Kraft, die in dieser einfachen Pflanze steckt. Diese Lebenskraft kann sie uns, gerade im Winter weitergeben durch all ihre gesunden Inhaltsstoffe. An erster Stelle ist hier gerade beim scharfen Green in Snow oder dem noch schärferen  Red Giant das Senföl zu nennen. Es hat einen hemmende Wirkung auf Bakterien und  Viren im Harntrakt und Atemsystem auch beim Menschen.






Gut in mein Konzept Gemüse mit wenig Aufwand lange zu ernten, passt auch der Brokkoli.

Brokkoli erntereif (c) by Joachim Wenk
Brokkoli erntereif

Ihn würde ich als beginnender Selbstversorger oder Neu-Gärtner eher als fertiges Pflänzchen kaufen und dann ins Beet stellen. Selber sähen ist eben zeitaufwändiger. Ich verwende die Sorte Calinaro. Gesät wir Ende  Mai bis Juni, gepflanzt ab Mitte Juni bis Anfang August. Die Pflanzen werden recht groß und benötigen etwa 50x50cm Platz. Anders als die bisher genannten Gemüse ist er ein Starkzehrer und benötigt gut gedüngten Boden (Kompost, Brennesseljauch im Vorfeld) oder eine Düngung mit zum Beispiel Brennesseljauche oder einem organischen Dünger während des Wachstums.

So entwickelt sich der Brokkoli relativ rasch und es entsteht in der Mitte die Blütenknospe. Also das, was wir ernten. Man darf sie nicht zu groß werden lassen. Die kleinen Einzelblütchen müssen auf alle Fälle bei der Ernte noch fest geschlossen und Grün sein. Das schöne, warum ich ihn hier erwähne ist, sein Wuchsverhalten. Anders als Blumenkohl muß man die Pflanze nicht nach der Ernte herausreißen. Er bildet schon bald in den Blattachseln erneut kleine Blumen. Die kann man wachsen lassen und ebenfalls ernten. Somit hat man mindestens zwei Ernten von nur einer Pflanze. Beim Blumenkohl ist es immer nur eine Blume, die geerntet wird. Ich schneide vom recht frostharten Brokkoli im Herbst und Winter auch die noch zarteren jungen Blätter in meine grünen Smoothies. Man könnte diese auch dünsten. Also Brokkoli nach der Ernte nicht einfach gleich ausreißen.


Erdbeeren, na klar die kann ich nur empfehlen. Zwar mag ich selbst die Marmelade nicht, aber als Kuchen, zum Frischverzehr, Naschen der sonnenwarmen Früchte, mit Sahne zu Waffeln oder klein geschnitten im Quark als Nachtisch sind sie einfach wundervoll. Der Inbegriff von Frühling und Sommer und Sonne und Leichtigkeit und Garten und Lebensfreude.

Erdbeerernte (c) by Joachim Wenk
eigene Erdbeeren, den ganzen Sommer lang


Aber, normale Erdbeeren haben eine recht kurze Erntezeit. Entweder sie sind sehr früh, normal oder eher spät. Aber nach wenigen Wochen ist die Ernte für das Jahr vorüber. Bei begrenztem Platzangebot keine effektive Nutzpflanze im kleinen Selbstversorgergarten oder am Balkon.

Wären da nicht wieder die Sorten, die genau richtig für eben diese Bedürfnisse sind. Es gibt Erdbeeren, die tragen vom Sommer bis in den Herbst laufend neue Früchte. Die einzelne  Ernte ist kleiner als bei den anderen Sorten, dafür kann man aber laufend ernten. Da sind kleinfrüchtige Sorten, die wie Walderdbeeren aussehen und schmecken. Weil deren Früchte aber so winzig sind, ist die Effektivität wieder gering. Gottseidank gibt es auch dauertragende Sorten mit großen Früchten. Die sind ideal für unsere Zwecke und gedeihen sogar im Topf oder der Blumenampel. Eine Sorte will ich nennen, die ich selbst im Garten habe. Es ist die Ostara.

Erdbeeren brauchen nicht viel Dünger, diese wiederholt tragenden Sorten sollten allerdings auch im Sommer, gerade wenn sie im Topf wachsen leichte Düngergaben erhalten. Sonst verfügen sie nicht über die Kraft, ständig neue große und geschmackvolle Früchte zu produzieren. Auch hier würde ich einen organischen Langzeitdünger empfehlen. Der gibt die Nährstoffe langsam  über einen längeren Zeitraum ab. Vergessen oder zu viel Düngen ist hier nicht so leicht möglich. Vor allem im Topf oder der Ampel muß aber gerade im Sommer auf das regelmäßige Gießen ohne Staunässe penibel geachtet werden.

Gute Nachbarn für Erdbeeren sind Salate, Buschbohnen oder Radieschen. Kein guter Nachbar ist Kohl, wie Brokkoli oder der ewige Kohl.

Immerwährender Kohl.

Klingt nicht allein der Name  schon passend? Eine ideale Pflanze für unsere Zwecke. Sie fiel mir zwar als erstes oder zusammen mit der Buschbohne ein und doch habe ich überlegt, ob ich sie nennen soll.

Zuerst einmal was ist denn das überhaupt? Der immerwährende oder ewige Kohl ist ein Kohl-Art die aber niemals blüht und Samen trägt, die keine Köpfe oder Röschen bildet. Sie ist absolut winterhart und wächst jahrelang immer fort. Sie bekommt die Form eines flach-liegenden Busches. Die einzelnen Triebe wachsen zügig und wo sie am Boden aufliegen, schlagen sie Wurzeln. Er ist sehr leicht durch solche Absenker oder im Wasser bewurzelnde Ableger zu vermehren. Geerntet werden die grünen Blätter und zwar rund ums Jahr. Sie erinnern an Spitzkohl, sind aber viel milder. Verwendet werden sie roh oder gekocht. Je mehr man von den Triebspitzen erntet und diese dabei abschneidet, desto mehr wächst und verzweigt sich der Busch.
ewiger Kohl im Sommer (c) by Joachim Wenk
ewiger Kohl im Sommer



ewiger Kohl im Winter (c) by Joachim Wenk
ewiger Kohl im Winter


Die Pflanze gehört zu den Starkzehrern und benötig bei ihrem üpiigen und unentwegten Wuchs viel Dünger und viel Wasser. Sie kann auch gut im Topf gezogen werden. Im Frühjahr schneide ich das ganze Geäst einfach 10 cm über dem Boden ab und so verjüngt sich der Busch immer wieder.

Bohnen, Salat oder Tomaten sind gute Nachbarn für den ewigen Kohl. Wobei der Kohl selbst für Jahre am selben Platz stehen bleibt. Es wechseln damit nur seine Beetnachbarn. Der hier ebenfalls beschriebene Schnittlauch allerdings ist kein guter Nachbar für den Kohl.

Das klingt doch wirklich perfekt oder? Das ist es auch und ich habe meinen Kohl bereits seit 5 Jahren, einen anderen durch Ableger gezogen und in diesem Frühjahr noch eine Sorte bestellt. Warum ich ihn nicht sofort bedingungslos als einfache, dauernd beerntbare, leicht zu pflegende Gemüsepflanze anpreise ist das Problem mit den weißen Fliegen. Ein sehr lästiges Tier, das die Unterseite von Kohlblättern allgemein befällt. Dort siedelt es sich an, legt die Eier dort ab und bildet einen dichten Pelz auf der Blattunterseite. Die Blätter sind so natürlich nicht mehr genießbar.  Abwaschen lässt sich das Ganze ebenfalls nicht. Im Gewächshaus helfen Gelbtafeln, wenn sie rechtzeitig aufgehängt werden, die Fliegen zu fangen. Im Freien kann ich mir da höchstens auf einem geschützten Balkon vorstellen. Für den Garten ist die Methode ungeeignet. Weil ich viel  Kohl anbaue und wirklich viele dieser dummen Fliegen im Garten habe, suche ich seit Anbeginn eine Methode, sie los zu werden. Mischkulturen haben nicht funktioniert. Womit ich aber seit 2 Jahren gute Erfolge erziele ist das Spritzen mit  Neem-Öl. Das Öl ist ein pflanzliches Produkt, also für den Biogarten geeignet. Man muß die Fliegen nicht direkt damit besprühen, was ihre Lebensweise auf der Blattunterseite ohnehin fast unmöglich macht. Der Wirkstoff wird hier vom Kohl aufgenommen und wenn die saugenden Insekten sich vom Kohl und seinem Zellwasser ernähren wollen, werden sie geschädigt. Ich hatte letztes Jahr am ewigen Kohl keine weiße Fliege mehr, nachdem ich vom Frühjahr ab regelmäßig gespritzt habe. Für Menschen ist der Wirkstoff unschädlich. Der starke Geruch des Öles auf der Pflanze ist allerdings beim Verzehr nicht angenehm. Dafür wiederum vergeht er auch wieder und während er so vor sich hin-stinkt vertreibt er ebenfalls sehr erfolgreich den Kohlweißling, der seine  Eier nicht mehr dort ablegt. Dessen Raupen können sehr gefräßig sein.

Also wer bei sich (noch) kein Problem mit der weißen Fliege hat, für den ist der ewige Kohl wirklich eine interessante und empfehlenswerte Pflanze. Ich empfehle ihn einfach einmal auszuprobieren!




Zu guter Letzt will ich doch noch einmal zu den Tomaten zurück kehren. Ein Garten nur mit Tomaten als Gemüse ist für mich kein Gemüsegarten. Aber ein Garten ohne Tomaten wäre ebenso wenig einer. Sie gehören einfach in jedem Garten dazu.

Ihr Anbau wird leider immer schwieriger. Die Braunfäule ist allgegenwärtig und gerade im Biogarten habe ich bisher noch nichts wirklich dagegen Helfendes gefunden. Wenn man Pech hat, und das hatte ich schon ein paar Mal, sät  man ab März die Tomaten, pflegt sie, umhegt sie. Endlich dann Mitte Mai kommen sie in den Garten. Dann wachsen sie, die Freude ist groß. Erste Blüten, schließlich Trauben mit herrlichen grünen Früchten. Jetzt kommt eine Periode mit Regen und kühlen Temperaturen. Im Juli/August, bei uns nichts ungewöhnliches. Binnen 3 oder 4 Tagen kann so die Tomatenzucht vollkommen zerstört sein. Man erntet nichts und muß alles entsorgen. Ein Jahr ohne Tomaten, erste Hoffnung auf eigene Tomaten erst in 12 Monaten. Das sind schlimme Gefühle. Ich kenne sie. Darum ist das mit den Tomaten gerade auch bei Anfängern so eine Sache. Ich würde mich nicht auf sie verlassen und lieber noch anderes Gemüse anbauen. Zuverlässigeres Grün, das immer eine Ernte bringt und  wenig Mühe macht stelle ich ja hier vor.

Schlimm für Tomaten sind Feuchte auf den Blättern vom Regen (also lieber ein Dach darüber, kein Folienschlauch in dem die Pilze erst recht gedeihen können) und die vom Boden emporspritzende Erde auf die Blätter durch starken Regen oder Gießwasser. Mit dieser Erde gelangen die Erreger der Braunfäule auf die Pflanze. Daher immer den Boden bedeckt halten. Mit Mulch aus Grasschnitt, Pappe, eventuell Mulchfolie oder der Unterpflanzung mit bodendeckenden Pflanzen.

Gut als Nachbarn sind Kapuzinerkresse, die auch noch schön blüht. Blüten und Blätter sind essbar! Auch die Buschbohnen könnte man unter die Tomaten sähen. Aber erst, wenn die Tomaten schon deutlich über 50cm hoch sind. Schließlich wäre ideal der Neuseeländer Spinat. Ein Spinat für die Sommermonate, den man immer wieder ernten kann und der sich durch die Ernte immer weiter verzweigt und ein dichtes grünes Polster unter die Tomaten zaubert. Allerdings gibt es dessen Samen nicht überall zu kaufen, die Samen brauchen viele Wochen, bis sie keimen und Pflanzen gibt es ebenfalls nicht zu kaufen. Somit bleibe ich hier bei meinen Empfehlungen bei den Kapuzinerkressen, als Unterpflanzung für die Tomaten. Das gelingt am einfachsten, sieht schön  aus und erweitert die Erntepalette.

Nun geht es nur noch um die richtige Sorte an Tomaten. Ich selbst verwende samenechte Sorten. Darunter gibt es auch Sorten, die eine höhere Toleranz gegenüber der Fäule aufweisen, als normale Sorten. Das klappt meist ganz gut. Immer leider auch nicht. Eine Tipp allerdings habe ich noch. Gerade für die klein anfangenden Gemüsegärtner. Nehmt die Wildtomaten. Rote oder Gelbe Murmel ist eine wunderbare Pflanze. Man braucht sie nicht zu entgeizen. Sie soll einfach wachsen und verzweigt sich unendlich. Im Freien lasse ich sie einfach wachsen und sei bildet einen niedrigen Busch oder Haufen von Ästen. Früchte trägt sie in solchen Massen, daß sie kaum noch zu Ernten und verarbeiten sind. Die Früchte sind kirschgroß. Man isst sie im Büro in der Pause, zum Abend beim Vespern, gibt sie ganz in diverse Sommersalate oder nascht direkt vom Strauch. Sie haben so gut wie keine Säure und sind sehr süß und saftig.
Tomate gelbe Murmel (c) by Joachim Wenk
Tomate gelbe Murmel


Die Pflanzen sind so widerstandsfähig gegen die Braunfäule, dass sie von dieser nicht einmal geschädigt werden, wenn direkt daneben die tötende Fäule tobt. So jedenfalls ist meine Erfahrung.

Wenn ich also einem beginnenden Selbstversorger mit kleinem Garten oder nur einem Balkon eine Tomate empfehlen kann, dann ist es diese. Sie wächst auch im Topf hervorragend. Im Beet und im Topf braucht sie als Starkzehrer aber auf alle Fälle im Sommer noch ein paar Mal eine Düngergabe und mindestens einmal am Tag Gießwasser. Im Topf sollte sie wöchentlich gedüngt werden oder man verwendet organischen Langzeitdünger, den es speziell für Tomaten gibt.


Anhand dieser kleinen Auswahl zeigt sich schon, da geht noch mehr, als nur Tomate. Und die Erntesaison verlängert sich im Handumdrehen um Monate. Wer also "nur" einen Balkon sein Eigen nennt oder im kleinen Schrebergarten ein  Gemüsebeet bewirtschaftet muß seinen Traum vom Selbstversorger nicht aufgeben. Sich selbst mit eigenem Gemüse oder Obst zu versorgen ist befriedigend, beruhigend, ausgleichend, vermittelt ein Erfolgserlebnis ganz abgesehen vom Geschmackserlebnis.

Ich kann jeden nur zu seinen ersten Schritten ermutigen. Und sei es das gut und liebevoll gepflegte Töpfchen Schnittlauch.

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