Donnerstag, 17. März 2016

Erste Erfahrungen aus den frühen Aussaat-Versuchen im Germüsegarten

Wann ist es sinnvoll im Frühjahr mit der Aussaat des ersten Frühjahrsgemüses zu beginnen?

Diese Frage beschäftigt mich dieses Jahr und ich will eine Lösung finden. Einiges habe ich ja schon darüber geschrieben. Mittlerweile sind die ersten Ergebnisse erkennbar.



Blick ins Gewächshaus im März (c) by Joachim Wenk
Blick ins Gewächshaus im März


Salat keimt ab 2 °C und braucht es nicht warm zum Wachsen und Keimen. Die richtige Sorte ist natürlich Voraussetzung. 

Also habe ich,wie es manchmal angegeben wird, im Januar den ersten Salat gesät. Als Sorte habe ich Briweri.

Die Saatschale stand im völlig unbeheizten Partyraum bei ca. 5 °C. Als der große Frost kam wanderte sie ins Palmenüberwinterungshaus mit 10°C. Der Salat keimte rasch, wuchs dann aber, sagen wir mal vorsichtig "langsam". Aber er wuchs, wurde pikiert (Mitte  Februar) und steht nun wieder im unbeheizten Raum bei momentan etwa 5-8°C. Die Pflänzchen sind ganz schön, wenn man sie momentan sieht. Wenn man berücksichtig, daß sie vor  9 Wochen gesät wurden, finde ich sie eher klein. 


junge Salatpflanzen (c) by Joachim Wenk
Salat im März, gesät Anfang Januar




Weil eben der Salat mit dem Wachsen keine Fortschritte machte, habe ich Anfang März noch einmal Salat gesät. Briweri und Maikönig kamen in die Erde. Die Saatschale stand im Heizungskeller bei 18°C.

Auch er keimte rasch, wuchs aber dann zu rasch. 18°C sind eben doch recht warm. Dazu kommt noch das, was wohl wirklich das limitierende Element bei der Jungpflanzenanzucht ist. Das Licht fehlte, und die Pflanzen vergeilen. Die Sonne hat zu dieser Jahreszeit noch nicht genügend Kraft und Stunden, die sie scheint.

Mal sehen, ob ich diese hier noch pikieren kann und ob da noch etwas daraus wird. Meine Erfahrung der letzten Jahre sagt mir, daß die jungen Salatpflänzchen immer wieder mal recht gakelig gelingen und dann pikiert in  kleine Töpfe, sich gut entwickeln. Im Beet dann  wachsen sie prächtig. Also aufgeben muß ich die Keinen vom März wohl noch nicht.

junge Salatpflanzen (c) by Joachim Wenk
Salat gesät vor 2 Wochen


Es gibt noch eine dritte Aussaat von Briweri-Salat. Ende Januar habe ich  im Gewächshaus direkt in den Boden ebenfalls Salat gesät. Unter dem Vlies konnte er in Ruhe machen, was er für nötig hielt. Im Bild seht ihr, daß die Saaten seit Januar schon ganz schön wachsen. Heute Mitte März sieht der Salat im Gewächshaus so aus.



junge Salatpflanzen (c) by Joachim Wenk
Salat gesät im Januar im  Gewächshaus


Also eines ist für mich schon klar geworden. Die Pflänzchen sind am kräftigsten und gedrungensten. Und ich habe nach der Saat keine weitere Arbeit mit ihnen gehabt. Kein Saatschale hin und hertragen (wie beim Januarsalat im Partyraum), nicht aufs Gießen achten, nicht pikieren. Ich habe ihn sehr dünn gesät und muß nur die noch zu eng stehenden Pflanzen vereinzeln. 

Salat lohnt meines Erachtens nicht, ihn zeitig in Saatschalen vorzuziehen. Ich denke, daß jetzt Mitte März der richtige Moment wäre. Licht und Wärme sind in einem guten Verhältnis. Allerdings, das Wohnzimmer würde ich nicht empfehlen. Das ist deutlich zu warm. 

Ebenfalls seit Januar sähte ich mehrmals Sommerlauch der Sorte Hilari.  Hier finde ich die Anzucht besonders schwierig, weil überall etwas anderes steht, wie diese geschehen muß. Über 20°C zum Keimen, dann kälter. Aber nicht unter 16°C sonst schießt er im Beet. Ein anderes mal heißt es, die Samen müssen ein paar Tage in den Kühlschrank, daß sie den Reiz zum Keimen bekommen. Wieder andere Stellen sagen gar nichts zu alledem und empfehlen ihn im Wohnzimmer zu sähen. 

Eines ist wohl war, er ist wahnsinnig langsam in Kindertagen. Also wenn er zu spät gesät wird, kann er im Sommer nicht erntereif sein. 

Der im Januar gesäte (22°C, dann 16°C) keimte, langsam aber dann doch, und ist mittlerweile kaputt. Alle Pflanzen sind kaputt gegangen. 

Anfang Februar wieder eine Aussaat Sommerlauch bei etwa konstanten 18°C.  Hier im Bild seht ihr ihn. 


junge Lauchpflanzen (c) by Joachim Wenk
Sommerlauch gesät Anfang Februar (also vor 6 Wochen)




Wieder ein paar Wochen später, also Anfang März, habe ich abermals Lauch gesät. Ich versuche es diesmal gleich in  einzelne Töpfchen, dann muß ich nicht pikieren. Jetzt keimt er.  

junge Lauchpflanzen (c) by Joachim Wenk
Sommerlauch gesät Anfang März also vor einer Woche



Wird der noch? Immer dieses Bangen, anstatt an den Lauf der Dinge zu vertrauen. Ich habe nachgesehen: vergangenes Jahr habe ich ebenfalls Anfang März gestät und dann schönen Lauch geerntet. Sicher entwickelt sich noch alles gut. 

Lauch und Salat waren aber nicht die einzigen Aussaaten. Auch Butterkohl, Sommerwirsing, Kohlrabi, Blumenkohl, Frühkohl habe ich gesät. Alle brauchen es nicht sehr warm um Keimen zu können und taten das dann auch. Seht ihr? Auch hier wieder fehlte das nötige Licht und sie wurden gakelig. Da auch sie im vergangen Jahr zur gleich Zeit gesät wurden, denke ich , daß ich noch etwas aus ihnen machen kann. 


Junge Gemüsepflanzen (c) by Joachim Wenk
junge Gemüespflanzen


Bisher ziehe ich den Schluß aus meinen frühen Saatversuchen, daß die  vor Mitte März für Hobbygärtner nutzlos sind. Etliche Gemüse werden ohnehin erst ab März/April oder noch viel später gesät (Kürbis und Gurken oder Zucchini Ende April ist vollkommen ausreichend!) Egal wie es in Büchern oder im Internet steht. Bestimmt ist das bei Profigärtnern mit all ihren Möglichkeiten (Gewächshaus mit konstant regelbarer Temperatur und Beleuchtung) etwas anderes. Mancher Hobbygärtner hat sicher auch wohl diese Möglichkeiten im Kleinen für sich geschaffen und kann sich damit einen zeitlichen Vorteil verschaffen. 

Ich bin auch immer wieder in Versuchung, doch diese Pflanzenleuchten anzuschaffen oder andere Materialien. Aber wo führt das hin? Hohe Anschaffungskosten, hohe Betriebskosten und, was mir nicht unwichtig ist, bereits noch früher im Jahr wieder richtig Arbeit, Hektik oder Streß im Garten. 

Nein, das will ich nicht. Als Biogärtner weiß man schließlich auch, daß bio nicht nur heißt, keinen Kunstdünger oder Gifte einzusetzen. richtig biogärtnern heißt für mich eben auch, mit der Natur zu arbeiten. Und die sagt: im Januar und Februar ist es zu früh zum sähen. Es juckt wohl in den Fingern und man hat den Winter satt, doch die damit erzielten Ergebnisse sind nicht unbedingt motivierend für ein gerade startendes Gartenjahr. Zumindest empfinde ich es so. 

Also lasse ich das weiter mit den Unterstützungsmitteln und beobachte lieber ein wenig mehr die Natur und meine eigenen Erfahrungen, die es mir eigentlich schon gleich gesagt hatten: Es ist zu früh. Dann steht hier und da wieder etwas anderes und ich zweifle an meiner Erfahrung. Das muß sich auch noch irgendwann ändern.  


Was aber immer früh gezogen werden muß sind Paprika und Chili und bald darauf Tomaten. 

Hier stehen sie, auf dem Wohnzimmerfensterbrett. Im Februar wurden die Paprika gesät und jetzt vor einer Woche Tomaten. 





Gemüseanzucht am Wohnzimmerfenster (c) by Joachim Wenk
Gemüseanzucht am Wohnzimmerfenster


Die Paprika sind schon sehr schön. Die Wildchili eher klein aber wenigstens gekeimt. Die Ananaskirsche ist nicht gekeimt. Leider habe ich dieses Jahr dann keine, weil ich keine Samen mehr habe.


junge  Paprikapflanzen (c) by Joachim Wenk
junge Paprikapflanzen


Zum Abschluß noch etwas für die ganz treuen und regelmäßigen Leser. 

Vor über einem Jahr begann die Aussaat der Kapern. Von dem ganze Päckchen Samen entwickelte sich nach vielen Monaten (!) ein winziges Pflänzchen. Mittlerweile ist es wohl im Leben angekommen und wächst jetzt wirklich ganz entzückend. Was freue ich mich über diesen Erfolg. Gottseidank aber sind nicht alles Aussaaten derart langwierig. Nach über einem Jahr ist das Pflänzchen noch immer kleiner als die Paprika, die gerade einmal seit 4 Wochen keimen und wachsen können. 

junge Kapernpflanze (c) by Joachim Wenk
junge Kapernpflanze

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