Montag, 8. Februar 2016

Aufräumen im Garten und ein wunderbares neues Gartenbuch gibt mir endlich Antworten


Was für ein schönes Wochenende mit Frühlingswetter. Die beiden Tage kamen mir gerade recht, meine letzten beiden Staudenbeete zu säubern. Die Staudenreste vom Herbst waren schon ganz weich und morsch und vergammelt. Schön anzsehen ist etwas anderes. Das galt besonders auch für die großen, tiefschwarzen Stängel und Zweige der Sonnenblumen. Ein gespenstischer Anblick und nicht geeignet, den Frühling herbei zu locken. 

Zudem sprießt es allüberall wirklich wunderbar. Wenn man jetzt nicht die Beete säubert, wird man sich später  bei den anfallenden Aufräumungsarbeiten viele junge Triebe der Frühlingsblüher abbrechen oder zertreten. 

Am weitesten sind bei mir die wild wuchernden Waldhyazinthen. Sie sind immer die Ersten, die treiben. Auch in kälteren Wintern scheinen sie sich von Eis und Schnee nicht bremsen zu lassen.



Waldhyazinthen (c) by Joachim Wenk
Waldhyazinthen treiben jedes Jahr als allereste mächtig durch

Ich bin ganz glücklich über das aufgeräumte Staudenbeet. Immerhin sehe ich das vom Wohnzimmer aus und freue mich jetzt, da alles Alte und Vergammelte abgeschnitten ist, auf  das frische Grün, das jeden Moment  neu hervorbrechen kann.


Staudenbeet im Februar (c) by Joachim Wenk
Staudenbeet im Februar - frisch ausgeputzt und zurechtgeschnitten



Hinter dem Staudenbeet ist die Wiese mit den Narzissen und Tulpen. Die Narzissen sind bereits deutlich zu sehen. Sie machen meinen täglichen Gang zum Vogelfutterhäuschen zum Spießrutenlauf. Beinahe jeder Schritt könnte eine Blattbüschel platt machen. Da gilt es äußerste Vorsicht walten zu lassen.

Narzissenwiese (c) by Joachim Wenk
in der Frühjahrsblüher-Wiese tut sich was


Bei meinen Stauden sind viele dabei, die sich auch selbst aussähen. Darauf lege ich sogar Wert. Kann man sich doch so eine Menge Geld für neue Stauden sparen und hat dennoch viele einzelne Pflanzen. Darüber hinaus finde ich es so schön zu beobachten, wo sie sich hinsähen und dann wachsen. Wie sie sich wohl selbst zusammenfinden?  Nach meinem Geschmack ist das oft viel schöner, als meine eigenen Anordnungen und Kombinationen.

So ist es besonders wichtig, beim Reinigen im Frühjahr oder dem Entunkrauten übers Jahr, ganz besonders auf Sämlingen zu achten. Jäte ich im Gemüsegarten alles aufkommende Unkraut mit der Pendelhacke, so darf die hier nicht zum Einsatz kommen. Wie schnell hätte ich sonst meine neuen Stauden abgemäht.

Bis jetzt sehr erfolgreich selbst aussähen tun sich in meinem Garten besonders die Färberkamillen, Bertram, Bergflockenblume, Katzenminze, Akeleien und seit letztem Jahr die Nachtkerzen.

Jetzt beim Beetreinigen fand ich dann  den hübschen kleinen Neuzugang. Unweit von ihm steht die Walzen-Wolfsmilch. Ich denke, daß der hier ein Nachkomme von ihr ist. Das wäre super. Wo er steht ist es heiß und trocken - genau so, wie er es mag.


Walzen-Wolfsmilch-Sämling selbst ausgesät (c) by Joachim Wenk
Walzen-Wolfsmilch-Sämling


Zur Zeit beschäftigen mich, wie in meinen vergangenen Posts angedeutet, ja ganz besonders die Antworten auf eine Frage: was mache ich wann im Garten?

Dazu später noch mehr. Hier an dieser Stelle passt glaube ich das Foto der vielen, vielen Mohn-Jungpflanzen ganz gut.

Ich habe im vergangenen Sommer mir von einigen Stauden Samen genommen. Dummerweise habe ich sie nicht gleich gesät, sondern reflexartig in Schächtelchen fürs Frühjahr verpackt. Für mich war aussähen mit Frühjahr gleichzusetzen. Wann sähe ich sie denn wohl jetzt im Frühjahr?

Ich jedenfalls habe sie am Wochenende gesät und ins unbeheizte Gewächshaus gestellt. Die Angst, daß die Pflanzen es zu kalt haben könnten, muß ich mir wirklich abgewöhnen.

Das ist doch auch logisch, wenn man über das Ganze einmal nachdenkt.

Was geschieht in meinen Staudenbeeten? Im Sommer blühen die Stauden und setzen Samen an, wenn wir sie lassen. Also, immer sofort Verblühtes zu entfernen, ist hier kontraproduktiv.

Die Samen fallen dann aus, und fangen an zu keimen, wenn  ihnen die Bedingungen passen. Das kann noch im späten Herbst sein. Die zarten Winzlinge überwintern dann bei Eis und Schnee und Kälte. Schadet ihnen das? Nein, tut es nicht. Ganz im Gegenteil.

Mohn selbst ausgesät (c) by Joachim Wenk
Mohn - selbst ausgesät
Seht euch diese Mohnpflanzen an. Vergangenes Jahr habe ich im Frühjahr die gekauften Samen in Topfplatten vorgezogen um sie zur rechten Zeit auszupflanzen. Was hätte ich darum gegeben, wenn meine behüteten Sämlinge im Gewächhaus so kräftige Pflanzen gewesen wären, wie die hier wild aufgegangenen.

Darum sagte ich vorhin, daß ich meine Stauden leider eingepackt habe, statt sie aus zu sähen. Die keimen erst, wenn die richtige Zeit ist. Und sie wissen selbst gut, wann die richtige Zeit ist. Ich hätte sie gleich im Herbst sähen und ins Gewächshaus stellen können. 

Jedenfalls habe ich die Samen jetzt in die Erde und warte, ob sie noch keimen und wie sie sich entwickeln. Zu früh war das sicherlich nicht. Zumindest nicht bei den von mir gesäten, winterharten und mehrjährigen Stauden. 



Und nun komme ich vom Staudengarten in den Gemüsegarten. Meine vor etwa 10 Tagen angesetzte Champignonkultur habe ich jetzt, wie angegeben, kühler gestellt. Man erkennt tatsächlich bereits die ersten winzigen Champignons. 



Champignons selbst anbauen (c) by Joachim Wenk
nach 10 Tagen, die ersten Champignons sind zu erkennen





Au weia. Na hier gehört aber auch einmal aufgeräumt. Ein Vorzeigegarten ist mein Gemüsegarten ja gerade zur Zeit nicht. Der ständige Wind und Sturm bläst das Laub  permanent von einer Stelle zur anderen. Zusammenkehren nützt da nichts. Auf den anderen Beeten steht noch der Gründünger und auch letzte Kohlreste. An Aussaat ist hier noch lange nicht zu denken. Im Frühjahr werde ich hier wieder mit der Motorhacke durchgehen. Doch das dauert noch. Erst danach kann ich aber mit den ganz frühen Aussaaten von etwas Puffbohnen oder Möhren und Pastinaken beginnen.

Gemüsegarten im Februar (c) by Joachim Wenk
hier gehört endlich mal aufgeräumt und gekehrt - der Gemüsegarten im Februar
Jedenfalls muß erst der rechte Moment abgewartet werden, bis ich mit der Hacke in die Beete kann. Trockener muß der Boden sein. Und ab wann wird das sein? Wann ist derartige Arbeit zu empfehlen?

Nach dem Kalender können solche Ratschläge ja schlecht gehen. Denn wenn es bei  mir noch kühl und nass ist, kann es in anderen Regionen Deutschlands schon längst warm sein. Wieder wo anders liegt dann sicher noch hoch der Schnee.

Das macht es auch schwierig, genau zu sagen, wann nun eben Puffbohnen oder Möhren zu sähen sind.


Für die Vorkultur im Haus mache ich ja bereits seit Anfang Januar meine eigenen Probeaussaaten und Versuche. Ich habe darüber berichtet. Wann die Jungpflanzen dann in den Garten kommen, ist auch wieder abhängig von der Region, in der man lebt.

Jetzt fiel mir ein Buch in die Hände, "Der Selbstversorger - mein Gartenjahr" von Wolf-Dieter Storl, das mich sofort begeistert hat. Ja, es ist schön bebildert und ja ich kenne den Autor und mag ihn. Was aber hat mich wirklich und tiefgreifend daran begeistert?

Zum ersten mal bekomme ich hier Antworten auf die Fragen, wann ich was im Garten tun kann oder muß. Sie sind hier - und das scheint mir, wie für mein "Problem" gemacht - nicht nach Monaten geordnet, sondern nach dem phänologischen Kalender.

Wann bringe ich Kompost aus oder grabe im Garten um beziehungsweise zücke die Grabegabel oder stecke meine Zwiebeln? Eben nicht pauschal "im Februar", sondern, wenn die Palmkätzchen zu blühen beginnen, die Haselnüsse blühen, der Huflattich treibt und das Scharbockskraut sprießt. Seht ihr, wie genial diese Sichtweise zu meinem Problem passt? Die Natur weiß selbst, wann sie was austreiben kann. Oben in den Bergen eben viel später als im Weinbauklima. Das ist es, danach muß ich mich richten und habe  die richtige Zeit für MEINEN Garten gefunden.

Und wenn mir wieder bei Google oder Facebook jemand Hektik macht, was er oder sie schon alles im Garten erledigt hat, während ich mir noch denke, wie das bei dem Wetter möglich sein kann, weiß ich, daß meine Zeit auch noch kommt und warte in aller Ruhe auf die Zeichen der Natur.

Der Selbstversorger mein Gartenjahr Wolf Dieter Storl wann mache ich was im Garten (c) by Joachim Wenk
eine Neuentdeckung dir mir total gut gefällt
Ich jedenfalls bin froh, das Buch gefunden zu haben und freue mich darauf, die entsprechenden Phänomene zu beobachten und dann die Arbeit auszuführen.

Der Selbstversorger mein Gartenjahr Wolf Dieter Storl wann mache ich was im Garten (c) by Joachim Wenk
ab wann mache ich was im Garten? Jetzt wird es für mich leichter.

Der Phänologisch Kalender, also die zu beobachtenden Phänomene in der Natur zu den einzelnen Jahreszeiten (Aufblühen bestimmter Pflanzen, Austrieb anderer Pflanzen oder das Verhalten der Wildtiere von Paarung bis Winterrückzug) sind es, worauf ich mich konzentrieren werde, um zu erfahren, wann ich was im Garten machen sollte. Das Buch gerade jetzt erscheint mir ein Wink dafür zu sein. Zumal ich eigentlich seit ein paar Jahren bereits ein anderes Buch im Regal habe. Auch das Buch hat mir schon immer gut gefallen. Zufälliger Weise ist auch der "Quickfinder Biogarten" nicht nach Monaten gegliedert sondern nach dem phänologischen Kalender. Eigentlich hätte ich also schon früher darauf kommen können mich damit einmal mehr zu befassen und dort meine Antworten zu Saatzeitpunkten und ähnlichem zu bekommen.

Jedenfalls werde ich ab sofort neben dem kalendarischen Zeitpunkt meiner Aussaaten und  Pflanzungen, des Umhackens und Kompostausbringens, die zu beobachtenden Phänomene notieren. Sicher hilft mir das in den Folgejahren bei der Gartenarbeit.

anfallende Gartenarbeiten nach dem phänologischen Kalender sortiert Quickfinder Biogarten (c) by Joachim Wenk
auch hier werden die anfallenden Gartenarbeiten nach dem
phänologischen Kalender sortiert

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