Montag, 16. November 2015

Du, die Wanne ist voll, juhuhu....

Kennt ihr das Liedchen von Dieter Hallervorden und Helga Feddersen? 

Wir haben es am vergangenen Samstag mehrmals angestimmt. Wanne für Wanne füllte sich bis zum Überschwappen. Nach dem niederschmetternden Erlebnis vor ein paar Wochen war das ein voller Erfolg. Wir freuen uns darüber. 



Karpfenfischen (c) by Joachim Wenk
noch sind sie leer die Wannen


Aber jetzt erst einmal der Reihe nach. Sicher habt ihr anhand der location bereits erkannt, um was es sich handelt. Weiherfischen stand auf dem Programm. Ende November haben wir mit unseren Mitarbeitern die Weihnachtsfeier bei uns. Es gibt typisch Fränkisches. Klar, daß dabei die Karpfen aus eigener Aufzucht dazu gehören. Weil nur noch zwei Wochen bis zur Feier sind, drängte jetzt wirklich die Zeit. Immerhin müssen die Fische noch ein paar Tage in klarem Wasser verbringen. Sonst schmecken sie, als hätte man sie gleich nach dem Fischen genüsslich abgelutscht: nach  Modder und Schlamm.

Vergangenes Wochenende war schon alles geplant und organisiert. Doch dann verknackste sich Volker seinen Fuß derart, daß an Fischen nicht zu denken war.

So hatten wir also diesen Samstag einen schönen aber sehr kalten und vor allem sturmgepeitschten Tag an den Weihern.

Gegen 9 Uhr wurde der Mönch - so nennt sich der Stöpsel im Weiher - gezogen und das Wasser begann abzulaufen .

Karpfenfischen (c) by Joachim Wenk
da fließt es fort, das so wertvolle Wasser

Nun ist genug Zeit, die Wannen heraus zu holen und mit  Wasser zu füllen. Ein Stromaggregat und eine Elektrowasserpumpe helfen dabei.


Karpfenfischen (c) by Joachim Wenk
Vorbereitungen zum Karpfenfischen

Das sind klassischer Weise Volkers Aufgaben. Ich stehe derweil daheim und koche Kaffee und heißen Früchtetee mit Honig. Im Tiefkühler fand ich noch eine Portion gekochter Nudeln und etwas Mitternachtssuppe. Beides waren Reste der Helferverköstigung beim Pflastern im Garten. Ich liebe das wirklich, wenn immer etwas in der Speisekammer zur Verfügung steht.

Alles Heiße wird in die entsprechenden Thermobehälter sicher für die Reise verpackt. Plastikgeschirr kommt dazu und ein bisschen Kuchen und Kekse. Auf dem Weg zu den Weihern halte ich noch schnell am Lebensmittelladen im Dorf und besorge mir noch Lebkuchen. Meine ersten diese Saison! Das Wetter ist jetzt passend dazu!

Draußen bei den Weihern packe ich aus und mache erst einmal einen Kontrollrundgang. Vielleicht klingt aber Informationsrunde angenehmer? Sinn und Zweck bleiben ja erhalten, ich mache gern auch mal zum Gassigehen hier draußen meine Runde. Sind die Dämme noch dicht? Ist mit dem Wasser alles in Ordnung? Welche Wildpflanzen wachsen gerade? Oder einfach nur um einen Blick in die herrliche Natur und Landschaft zu werfen. Im Herbst komme ich sogar zum Ernten her. Da sind dann die Hagebutten reif. Auch Schlehen könnte ich ernten, überlasse sie dann aber doch jedes Jahr auf Neue den Vögeln. Ich finde einfach keinen sinnigen Verwendungszweck für sie. Und Schlehenlikör trinkt  wieder keiner. Genau wie den Walnuß-Schnaps oder Haselnußlikör, den ich im Keller habe. Wir sind einfach keine Schnapstrinker. 


Karpfenfischen (c) by Joachim Wenk
Karpfenweiher mit Fischerhütte


Jetzt im Herbst sieht man auch langsam wieder unsere Benjes-Hecke. Beim Aufschichten türmen sich die Erlenbäumchen immer  hoch. Dann geht eine Jahreszeit darüber und weg sind sie. Verschwunden unter hohem Gras, in sich zusammengesackt. Da können wir noch oft neuen Wildwuchs von Erlen, die ja überall an den Weihern wachsen, darauf schmeißen.


Totholz Benjeshecke (c) by Joachim Wenk
Totholz - Benjeshecke

So ein Rundgang macht hungrig. Oder ist einfach die Tatsache, daß es mittlerweile 12 Uhr ist .

In der  Fischerhütte machen wir es uns gemütlich. Draußen tobt der kalte Sturm und innen heizen wir das Gasöfelchen an. Das tut gut. 

in der Fischerhütte (c) by Joachim Wenk
heißer Eintopf an einem stürmisch kalten Tag im November


in der Fischerhütte (c) by Joachim Wenk
der Wärmespender


So wohlig warm es drinnen wäre, müssen wir doch wieder hinaus an die Arbeit. Das Mittagessen war lecker aber eine richtig dumme Idee. Jetzt soll ich mit vollem Ranzen ein Loch ausheben, um meinen Zwetschgenbaum einzugraben. 

Der Boden ist hart und staubtrocken. Er rieselt zwischen den Fingern hindurch. Ich grabe ein hinreichend großes Loch und dann kommt der Baum hinein. Die lockere Erde hat jetzt wieder den Vorteil, sich leicht um die Wurzeln verteilen zu lassen. Der Baum wurde ja wie erwähnt wurzelnackt, also ohne Erdballen, geliefert. 

Gut, daß wir ein paar Tage zuvor in einer Gartensendung folgenden Tipp bekamen. Da ging es zwar um Rosen, was aber für so einen Baum auch gilt: 

Man soll beim Einpflanzen die Erde ja gut naß machen und festdrücken. Wichtig ist aber die Reihenfolge! Erst die Erde wieder ins Loch füllen. Schicht für Schicht festdrücken, daß sie guten Kontakt zu den Wurzeln hat. Erst wenn das Loch mit Erde gefüllt ist, soll ausgiebig gegossen werden. Wenn man beim Einfüllen schon gießt oder einschlämmt und dann wieder Erde auffüllt, um sie anzudrücken, so verfestigt man den geschlämmten Boden zu einer steinharten und undurchdringlichen Schicht. Die jungen Wurzeln können darin nicht wachsen. 


junger Zwetschgenbaum in der Landschaft (c) by Joachim Wenk
mein Zwetschgenbaum

So steht mein Bäumchen jetzt allein in der großen und gerade sehr unwirtlichen Landschaft.

Der Stamm und untere Kronenteil ist mit Hasendraht geschützt. Hier draußen sagen sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht, sondern der Hase nimmt auch sein Nachtmahl ein. Rinde Junger Bäume wäre da lecker. Dumm finde ich nur, daß mir kein Schutz für die Äste eingefallen ist. Rehe hat es auch hier draußen und die reichen da locker hin.

junger Zwetschgenbaum in der Landschaft (c) by Joachim Wenk
junger Zwetschgenbaum in der Landschaft 

Und wenn wir schon dabei sind. Es gibt noch ein Lebewesen im und unterm Wasser hier draußen. Nachts verlässt es das Wasser und macht solche Sachen hier.

gefällte Eiche (c) by Joachim Wenk
gefällte Eiche

Biberspuren (c) by Joachim Wenk
Biberspuren


Bei uns war es nur ein Eichensämling, der ohnehin bald hätte abgesägt werden müssen. Wenn das aber meinem teuer gekauften Zwtschgenbaum passiert, fände ich es fürchterlich. Bei den Nachbarn war ein ausgewachsener Baum dran, der müsste jeden Moment umfallen, so stark wie er schon angenagt ist.

Persönlich gesehen habe das Getier noch nicht, aber seine Burg haben wir entdeckt. Sicher ist er jetzt stinkig, dass er sie nicht mehr verwenden kann und mäht daher alle Bäume ab, die im in den Weg kommen.
Biberbau (c) by Joachim Wenk
Biberbau

Wir sind auch stinkig! Ich habe ja eingangs bereits ein unschönes Weiher-Erlebnis vor ein paar Wochen angesprochen. Jetzt sind wir beim Thema. Erstens ist dieser Weiher bei der  Trockenheit und Gluthitze des Sommers umgekippt. Tote Karpfen schwammen auf der Oberfläche. Die Wasserlinsen taten den Rest und beim Fischen haben wir nicht einen einzigen Karpfen "ernten" können. Der Weiher war tot. Dafür haben wir die Biber-Burg entdeckt. Jetzt ist klar, warum der Weiher immer wieder Wasser verlor und nicht richtig voll wurde. Der Eingang liegt unter Wasser und  dahinter ist ein nur wenige Meter dicker Weiherdamm. Den hat der Biber unterhöhlt und dort ist dann auch das Wasser versickert.

Jetzt müssen wir mit großem Gerät anrücken und den Damm aufgraben und wieder neu zuschütten lassen. Sonst läuft immer mehr Wasser davon oder wir sacken mit dem Rasentraktor ein und beschädigen ihn.



Mein Baum ist jetzt jedenfalls gepflanzt und mit etlichen Gießkannen Wasser versorgt. Der Schwager zum Helfen müsste auch bald eintreffen. Das ist genau die richtige Zeit, sich wieder in die Hütte zu verziehen. Schließlich gibt es da ja noch die ersten Lebkuchen und heißen Kaffee.

Pause in der Fischerhütte (c) by Joachim Wenk
Pause in der Fischerhütte

Das Wasser ist jetzt fast vollständig heraußen. Wenn dann alles fertig ist, alle helfenden Hände anwesend, kann der Mönch weiter geöffnet werden. Jetzt geht es schnell, denn viel  Wasser ist nicht mehr im Teich.

Karpfen fischen (c) by Joachim Wenk
jetzt ist es bald so weit

Es sollte auch nur so viel rausgelassen werden, daß die Fische noch im Wasser sind. Das muß aber wiederum so flach sein, daß man sie leicht fangen kann .

Bei eisigem Sturm und nichtmal 10°C nicht unbedingt die schönste Arbeit als Teichwirt.

Schon jetzt wird ersichtlich, daß diesmal nicht umsonst gefischt wird. Jetzt müssen immer wieder Bretter und Siebe vor dem Abfluß vorsichtig gewechselt und entfernt werden. Es sollen schließlich keine Fische mit hinausgespült werden.

Karpfen fischen (c) by Joachim Wenk
das letzte Wasser muß noch raus aus dem Weiher

Bevor aber die schönen großen Fische heraus geholt werden können, müssen wir uns um das andere Kümmern. Dabei meine ich jetzt aber nicht das mit der blauen Mütze und gelben Handschuhen, sondern die vielen kleinen weißen Flecken, die im Foto zu erkennen sind.

Durch die hohen Temperaturen im Sommer waren die alten Karpfen  in bester Laune und vermehrten sich prächtig. Allüberall sahen wir weiße Fischlein blitzen.

Karpfen fischen (c) by Joachim Wenk
überall Fischbrut, die es einzusammeln gilt

Endlich sind alle Zwerg-Karpfen eingeklaubt. Jetzt wird es spannend und wir holen die eigentlichen Karpfen raus.

Karpfen fischen (c) by Joachim Wenk
ein herrlicher Anblick für einen Teichwirt

Ach nein, doch nicht. Zuerst noch die Muscheln.

Teichmuscheln (c) by Joachim Wenk
Teichmuscheln




Schon die ganze Zeit habe ich sie beobachtet. Drei wunderbare und sehr große Exemplare an Graskarpfen haben wir also doch noch im Weiher gehabt. Die werden nicht gegessen. Die kümmern sich um das Unkraut. Sie fressen das aufkommende Schilf ab, damit der Weiher nicht zu wächst.

Graskarpfen (c) by Joachim Wenk
Graskarpfen


Hier ein schöner Vergleich. Das ist der umgekippte Weiher mit dem Biberloch. Hier wucherte das Schilf munter vor sich hin.

Schilf im Karpfenweiher (c) by Joachim Wenk
Wenn kein Fisch im Weiher ist, wächst er zu

Das ist der Weiher, den wir gerade fischen. Seht ihr die Stummel vom Schilf  vor allem Rechts in der Bildmitte, stehen? Da haben Karpfen und vor allem die Graskarpfen ganze Arbeit geleistet. Sie haben alles ab gefressen. Über Wasser war nicht ein Schilfstängel zu sehen. 

Karpfenweiher (c) by Joachim Wenk
Weiher mit Graskarpfen und Karpfen, da wird das Schilf kurz gehalten


Und schließlich, endlich, die  Karpfen für die Küche. Was für ein Prachtexemplar hier im Bild. So ein Karpfen ist auf alle Fälle kein "fast-food". In der Zeit, die so ein Exemplar bis zur Genußreife benötigt, könnte man bestimmt 30 oder 40 Masthähnchengenerationen großziehen. Der Karpfen hier dürfte 4 Sommer hinter sich haben. 


Speisekarpfen (c) by Joachim Wenk
Speisekarpfen


Angefangen hat er wie die vielen, vielen kleinen Kärpfchen, die wir ebenfalls aus dem Weiher geholt haben. Sie  haben nun den ersten Sommer hinter sich. 


Karpfenbrut von diesem Sommer (c) by Joachim Wenk
Karpfen-Brut von diesem Sommer


Wie viele davon den Winter überleben weiß man nicht. Und wie viele dann das dritte oder vierte Jahr erleben, ist mehr als ungewiss.

Karpfenbrut von diesem Sommer (c) by Joachim Wenk
Karpfenbrut von diesem Sommer 

Um die Größe richtig einzuschätzen, hier einmal das entsprechende Foto. Ja, wir haben sie alle einzeln gezählt. Dazu stehen eben die Wannen am Teichrand bereit. Wenn im Teich das Wasser dann weg ist, muß es schnell gehen und die Karpfen müssen raus. Sie werden dann nur rasch in die Wannen gesetzt. Heute hieß es auf Grund der überaus schönen Ausbeute eben einmal nach dem anderen "die Wanne ist voll, juhuhu".

Karpfenbrut von diesem Sommer (c) by Joachim Wenk
soooo kleine Karpfen

Sind alle Fische aus dem Weiher heraus, werden sie sortiert. Diejenigen, die jetzt demnächst gegessen werden, kommen in Transportbehälter und dann mit Heim in den Garten. Hinter dem Haus ist ein Becken mit klarem Wasser, wo sie ihren Modergeschmack nach Schlick und Teichwasser verlieren.

Übrigens, das Becken wollte ich am Morgen mit Wasser befüllen und mußte feststellen, daß unser Brunnen trocken ist. Nachdem es ja seit Juni nicht wirklich geregnet hat und noch immer jeder Regen nichteinmal in Sichtweite ist, gab der 8m tiefe Brunnen kein Wasser mehr. Ich mußte Fernwasser verwenden. Was soll das nur noch werden! Bekommen wir jetzt wohl nie mehr Regen? Wie soll da im Frühjahr etwas wachsen? Wie sollen die Weiher sich wieder befüllen? Sie waren dieses Jahr auch nie ganz voll. Da hat jeweils mehr als ein Meter bis zum Überlauf gefehlt.

Aber heute geht es ja nicht um den Garten, sondern um die Fische. Neben den Karpfen zum  Verzehr gibt es noch die alten riesigen Fische. Die kommen wieder in einen Weiher, sie sorgen für Nachkommen. Und alle Fische, die noch nicht die Verzehr-Größe erreicht haben oder die, die wir jetzt nicht verzehren werden, kommen ebenfalls wieder in den Weiher. Dabei zählen wir jede Größe und notieren das. Sonst weiß man bald nicht mehr,  was  und wie viel in welchem Weiher drinnen ist. Das ist eben anders als bei den Schafen auf der Weide, die sieht man und kann sie jede Nacht zum Einschlafen aufs neue zählen....

Am Ende eines langen und kalten Tages stehen auf der Liste 3 Graskarpfen, 15 Karpfen für den Verzehr, 11 Karpfen zur Weiterzucht, 24 junge Karpfen und dann noch die Kleinen. Die Brut dieses Sommers. Wir haben etwa 3000 Stück gezählt. So viel gab ein Weiher noch nie her. Die sind jetzt alle im einzigen Weiher, der im Moment noch Wasser hat. Im Frühjahr muß der wieder abgelassen und die Fische auf die beiden Weiher verteilt werden. Eigentlich wäre der Dritte mit dem Biberbau auch noch nötig. Wann wir aber wir  den Bagger anrücken lassen können, steht noch nicht fest.

Die Fische müssen verteilt werden, damit der Besatz nicht zu dicht ist. Es würde sonst an Nahrung und Sauerstoff fehlen. Krankheiten entständen und Fische würden sterben. Das wollen wir natürlich nicht.

Für den Moment sind wir erst einmal froh, daß das Fischen für diesen Herbst erledigt ist. Im Frühjahr geht es dann weiter.








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