Donnerstag, 26. November 2015

Winterruhe und reich gedeckte Tische

Ist das nicht schön? Draußen ist es kalt, schmuddelig und feucht. Mal nieselt es, dann kommt ein wenig Schnee. Ein Wetter zum Frösteln. Drinnen dagegen knacken immer wieder mal die Holzscheite im Ofen und mir genügt ein T-Shirt, ohne daß ich ans Frieren denke. 

Woran ich natürlich denke, sind  unter anderem die Vögelchen, die  draußen ausharren müssen. Als kleine Gewissensberuhigung, daß ich in der warmen Stube sitzen darf und sie nicht, gibt es natürlich auch wieder leckeres Futter. Das neue Vogelfutterhaus auf der Vogetränke wurde ganz selbstverständlich angenommen. 

Und jetzt fressen sie mir buchstäblich die Haare vom Kopf. Ich muß wirklich irgendein Maß an Futter finden, das ich ins Häuschen und den Schlot, der als Futtersilo dient, gebe. Wenn ich so viel auffülle, wie sie fressen, kann ich das nicht bezahlen. Je mehr ich rein schütte, desto mehr kommen. Und es ist so schön, sie alle so vergnügt zu sehen, am reich gedeckten Futtertisch. In der Hauptsache sind es Spatzen, viele Meisen und ein Kleiber war hinten im Gemüsegarten am Futterhäuschen. Ab und an hängt sich auch der Buntspecht an die Meisenknödel. 

Wer sich erinnert. Im August war der Rasen ja komplett verbrannt. Und wie man sieht, hat er sich bis heute nicht ganz erholt. 



Spatzen am Futterhaus (c) by Joachim Wenk
Vogel-Bande am Futterhaus

Ich finde, auf dem Video sieht man sie besser und ihr könnt euch in etwa vorstellen, wie das hier tagsüber zugeht.





Den Hüttenzauber fange ich auch schon am an herzurichten, sauber zu machen und einzudecken. Am Wochenende kommen über 25 Personen und sind dann unsere Gäste. Nach einem Weihnachtsmarktbesuch im romantischen Rothenburg ob der Tauber gibt es bei uns Kaffee und Kuchen und abends eigene Karpfen. Die Getränke stehen auch schon kühl. Gut dass es kalt ist, da muß ich sie nur in die Werkstatt nebenan stellen. Der Elektroofen soll nur den Raum etwas vortemperieren. Wir schüren am Samstag den Kaminofen und der macht dann richtig mollig warm.

der Hüttenzauber wird für die Feier hergerichtet (c) by Joachim Wenk
der Hüttenzauber wird für die Feier hergerichtet

der Hüttenzauber wird für die Feier hergerichtet (c) by Joachim Wenk
der Hüttenzauber wird für die Feier hergerichtet 

Auch zu den Weihern bin ich wieder gefahren. Der vor kurzem Abgefischte füllt sich erstaunlich schnell. Hier kommen sie her, die Karpfen für Samstag. 

Karpfenweiher  (c) by Joachim Wenk
Karpfenweiher



Wenn ich gerade so durch meinen Garten schlendere, finde ich ihn mittlerweile richtig unaufgeräumt. Oder besser ungepflegt? Naja überall liegt eben Laub, und Ästchen, das Unkraut wächst. Den ganzen trockenen Sommer kam keines, jetzt sprießt es quitschvergnügt, dicht an dicht bei den Beeren und im Kräuterbeet. So viele Stauden sind (absichtlich) nicht abgeschnitten. Mir graust fast ein wenig vor dem Frühjahr. Irgendjemand muß das ja alles irgendwann einmal wieder aufräumen, ordentlich machen und herausputzen. Und ich weiß, wer diese Person sein wird.......

Ne, jetzt bleibe ich lieber erstmal vor meinem Ofen und bereite das nächste Jahr vor. Gerade bin ich dabei die Gemüsesamen zu bestellen. Ich habe den neuen Katalog vom Bingenheimer Saatgut gesichtet und angekreuzt. Jetzt ist markiert,  was ich hatte und wieder will oder was ich Neues probiere, weil ich anderes rauslasse. Auch habe ich bereits meine Restsamenvorräte vom aktuellen Jahr mit dieser Wunschliste abgeglichen, so dass ich jetzt daran gehen kann, das Benötigte zu bestellen. Die Kartoffeln vom Biogartenversand sind dann als nächstes dran.

Und wer meint, daß ich einmal wieder alles überstürze, der sollte sich einmal die Aussaatzeiten in so einem Katalog ansehen. "Aussaat im Dezember für eine Pflanzung im März" steht da bei einem Gemüse, das dieses Jahr so gut gelang wie noch nie zuvor. Warum? Weil ich deutlich früher säte als die Jahre davor. Und jetzt, wo ich das so lese, werde ich wohl wirklich gleich im Januar einmal einen Saatversuch machen. Es handelt sich um Sommerlauch und der hat wirklich sehr sehr lange Vorlaufzeit gebraucht, bis ich ihn pflanzen konnte. Und danach dauerte es wieder lange, bis er gewachsen ist.

Ich will aber die Winterruhe bewusst genießen und so wird der Lauch im Januar und nicht im Dezember gesät und auch eher mal als ein Versuch, ob ich nochmals einen so deutlichen Unterschied in positiver Richtung feststellen kann wie in diesem Jahr mit früherer Aussaat als vergangenes Jahr.

Im März geht  es dann richtig los. Und ich erinnere mich, daß die Zeit nach Weihnachten und bis zur Tomatenaussat, wirklich die ruhigste im ganzen Gartenjahr war. Ich finde es im Moment jedoch auch gerade ruhig. Und das ist so schön. Ich genieße es.

So, jetzt muß ich aber Schluss machen, sonst geht das Feuer im Ofen aus. Nachlegen ist angesagt. Also macht es gut und kümmert euch um eure Vögelchen im Garten.

Montag, 23. November 2015

Wie viel Jahre Gartenarfahrung braucht man wohl?

Wie viel Gartenerfahrung ist eigentlich notwendig, bis man dem Lauf der Dinge vertraut? 

Eine gute Frage. Für mich ist das jetzt der fünfte Winter in diesem Garten. Und jeden Herbst aufs Neue überkommt mich diese Ungewissheit und innere Unruhe. Schaffe ich es, die Ernte vor den Frösten einzuholen und doch all  das lange genug draußen zu lassen, was erst spät im Jahr geerntet wird? Bringe ich die Kübelpflanzen rechtzeitig ins Haus? Und jetzt: brrr ist das kalt, meine armen Pflanzen, die erfrieren ja ..... 

Dabei hatte ich in all den  Fragen und Sorgen doch noch nie ein Problem. Es hat immer geklappt und sollte auch dieses Jahr klappen. Wann geht das endlich in mein Bauchgefühl hinein? 

Den letzten Wirsing habe ich vergangene Woche geerntet und eingefroren. Es ist keine Überwinterungssorte und er wird bis Dezember geerntet. Der toskanische Grünkohl ist konserviert. Das waren die letzten Ernten. Winterlauch und Rosenkohl bleiben ohnehin im Beet stehen über den Winter. Der prächtige Endivien verträgt auch leichten Frost. Dennoch habe ich ihn am Samstag ausgegraben und ins Gewächshaus gepflanzt. Ein Vlies darüber sollte zusätzlichen Schutz geben. So bleibt er jetzt bis zur Ernte. Das ist im Moment regelmäßig. Ein Kopf langt für zweimal Mittagsbeilage und am Samstag haben wir viel Besuch. Also dem Endivien wird die Salatschüssel eher zum Verhängnis, als der Frost, der ihn schädigen könnte. 



Endivien im Beet (c) by Joachim Wenk
Endivien im Beet


Endivien im Gwächshaus (c) by Joachim Wenk
Endivien im Gewächshaus


Ebenfalls am Samstag bekam die Palme noch ihre Mütze aus einem dicken Vlies. Somit ist sie auch für den Winter verpackt. Alle anderen Kübelpflanzen stehen im Palmenhaus bei 10°C. Nur die beiden Seerosen sind noch draußen. Je nachdem wie kalt und wie lange frostig der Winter wird, besteht ja jetzt die Möglichkeit, die große Seerose im neuen Seerosenbecken auch den ganzen Winter draußen zu lassen. Die Schmucklilie, Agapanthus muß im Winter mehrere Wochen unter 10°C haben. Daher steht deren Kübel in der unbeheizten Werkstatt, bis Dauerfrost kommt. Durch diese Kälteanwendung habe ich jetzt jedes Jahr schöne Blüten im Gegensatz zu den Jahren davor.

Palme mit Winterschutz (c) by Joachim Wenk
fertig verpackte Palme

Vergangene Woche hat es ja nun auch endlich einmal bei uns geregnet. Es kam an zwei Tagen mehr Flüssigkeit vom Himmel, als in den etwa sechs Monaten zuvor und insgesamt. Herrlich. Der erste Regen, den ich auch Regen nennen kann.

Seht den Teich, hier steigt der Wasserspiegel auch schon deutlich. Und das ausschließlich durch Grundwasser und den Regen von Oben.

Karpfenteich (c) by Joachim Wenk
der Karpfenteich füllt sich nach dem Regen langsam wieder



Trotz all meiner inneren Sorgen und Befürchtungen habe ich es also wieder genau rechtzeitig geschafft. Alles Nötige zur Wintervorbereitung, dem Pflanzen-Schutz und zur Sicherung der Ernte ist erledigt. Alle Ängste waren unbegründet. Die Antwort auf meine bangen Fragen lautete wie jedes Jahr: "du schaffst das (rechtzeitig)".

Ebenso unbegründet sollten die Ängste um die "frierenden Pflanzen" sein. Ich habe bis auf drei Pflanzen (die auch schon etliche Winter im Freien überlebt haben) nur winterharte und robuste Sorten und Arten. Die sind geschaffen für unser Klima, also sind Bedenken hier doch Fehl am Platze. Lediglich bei zwei Geranium-Sorten, die ich vor ein paar Wochen pflanzte, stand am Etikett, daß sie im ersten Winter geschützt werden sollten. Dann macht ihnen Kälte im Winter nichts mehr aus. Die beiden habe ich mit Laub bedeckt und das mit Hasendraht gesichert. Schlechte Erfahrungen mit Herbstanemonen, die eher im Frühjahr als im Herbst gepflanzt werden sollten, ließen mich diesmal auf den Rat der Gärtnerei hören. Die Anemonen sind in beiden Jahren nicht über den Winter gekommen. Dann schütze ich die Storchschnäbel lieber mit einer warmen Laubdecke und freu mich auf sie im Frühjahr.

Staudenbeet im November (c) by Joachim Wenk
Staudenbeet im November (gleiches Beet wie im Blog-Titelbild!)


Der Rosenkohl ist hart genug, auch ohne Schutz über den Winter zu kommen. Jedenfalls wenn es nicht ganz extrem lange extrem kalt wird.

Rosenkohl im November (c) by Joachim Wenk
Rosenkohl mit Schneehaube




Gleiche Stelle, gleiche Besucher, anderer Grund. Vor vielen Wochen badete hier ausgelassen bei Temperaturen weit über 30°C die Spatzenbande mit deren Freunden, den Meisen.

Jetzt bei Temperaturen um die 0°C sind sie immer noch da, aber jetzt schlagen sie sich den Bauch voll mit leckerem Futter. Unzählige sind es die immer wieder aus der Hecke ins Häuschen und vom Häuschen in die Hecke fliegen.

Vogelfutterhäuschen (c) by Joachim Wenk
Vogelfutterhäuschen

Donnerstag, 19. November 2015

Erinnert ihr euch noch?

Zu gern  würde ich hier wieder etwas schreiben und berichten. Nur, die Jahreszeit ist einfach nicht die optimalste für einen Garten-Blogger. Es geschieht zu wenig im Moment.

Turbulent war es allerdings dennoch. Also turbulent, abgeleitet von Turbulenzen. Du meine Güte, was für ein Dauer-Sturm. Vorletzte Nacht hat es mich mehrmals aus dem Schlaf gerissen, so schaurig-gruselig hat es am Haus gerüttelt und gepoltert. Ich hatte wirklich Angst, das Dach wird abgedeckt.

Das Dach ist noch da und ich auch, zusammen mit ein paar Bildern.

Erinnert ihr euch? Am Samstag haben wir gefischt und den Weiher abgelassen. Weil es ja so entsetzlich trocken ist, daß mancher Hobby-Fischwirt gar nicht fischen kann, haben wir sofort den "Stöpsel" wieder rein gemacht, daß jeder Tropfen Wasser gesammelt wird. So sah es dann vier Tage danach schon wieder aus. Der Weiher hat keinen Zulauf, das ist nur Grundwasser. Jetzt sieht man auch, warum die Teiche dort sind, wo sie sind. Bei mir im Garten der 8m tiefe Brunnen, ist so gut wie trocken und ich kann immer nur ein wenig Wasser heraus lassen. Hier der Teich  ist vielleicht 3m tief und hat schon wieder Wasser.

Ach so, warum kann manch einer  nicht fischen? Wenn jemand nur einen Teich hat, muß er die Fische nach dem Ablassen ja irgendwo hin tun. Wir haben sie dann in den noch gefüllten Teich entlassen. Hätten wir nur einen Teich müsste der nach dem Fischen schnell wieder voll laufen, daß die Fische, die irgendwo "zwischengelagert" werden, wieder in einen Teich kommen. Da aber im Moment kein Teich voll laufen kann, auch mit Zulauf aus einem Graben nicht (die Gräben sind alle trocken), kann manch einer seinenTeich nicht abfischen.


Karpfenteich (c) by Joachim Wenk
der Karpfenteich läuft wieder voll




Erinnert ihr euch noch? Der mediterrane Platz, im Sommer mit Kübelpflanzen dicht bestellt, sieht jetzt verlassen aus. Ganz einsam hält nur sie hier die Stellung. Das elektrische Heizkabel habe ich schon seit längerem montiert, jetzt ist neben dem Topf auch der Stamm isoliert. Fehlt nur noch die Mütze. Die  besteht aus einem 2x3m großen Vlies-Sack. Und es war mir bei dem Sturm nicht möglich, das Ding über die Palmen zu ziehen. Übrigens, das Wohnmobil gehört nicht uns, es ist nur immer über Winter hier untergestellt. Wir hätten ja auch nicht das Geld für so ein Gefährt und ich vor allem auch nicht die Zeit, meinen Garten länger allein zu lassen.....

Palme isolieren (c) by Joachim Wenk
fast fertig isolierte Palme


Erinnert ihr euch noch? Jetzt wird es schwierig. Wer hatte es damals gelesen? Es ist etwa 11 Monate her, daß ich im düstersten Winter endlich etwas sähen wollte. Und ich hatte mir scheinbar eines der schwierigsten Dinge ausgesucht. Ausgerechnet einen Kapernstrauch  wollte ich mal wieder haben.

Im Januar begann alles. (Kapern im Januar.) Lange Zeit, eine ewig lange Zeit, geschah nichts. Im Juni konnte ich wieder berichten. ( Kapern im Juni.) Und jetzt erkennt man doch tatsächlich ein richtiges Pflänzlein. Hoffentlich bekomme ich es gut durch den Winter und die dunkle Jahreszeit.

Kapern Jungpflanze (c) by Joachim Wenk
Kapern-Jungpflanze



Und erinnert ihr euch noch? Vor gar nicht all zu langer Zeit berichtete ich als Selbstversorger, der den Wert der Lebensmittel sieht und nichts wegwerfen möchte. Es gab damals Semmel(n)Knödel(n) von alten Semmeln. Ein paar sind schon verspeist und immer wieder so lecker. Nur immer zu Semmelknödel geht ja auch nicht, vor allem nicht zum Nachmittagskaffee. Der aber ist bei diesem Sturm-Wetter und dem Wenigen, was im Garten geschehen muß, doch erst recht notwendig. Also backe ich eben einen Kuchen aus den alten Semmeln, oder besser gesagt aus ihren Bröseln. Und wie lecker der ist. Mit Lebkuchengewürz und Gelee aus den Johannisbeeren vom Sommer. Wunderbar.

Kuchen aus Bröseln von alten Semmeln (c) by Joachim Wenk
Kuchen aus Bröseln von alten Semmeln


Das "Wunderbar" wird nur noch von einem getoppt. Klar, dass bei solch einem unwirtlichem Klima unbedingt der Ofen geschürt wird. Ich denke, ich setze mich jetzt einfach ins Sofa vor ihm und erinnere mich, was alles so geschah in diesem Jahr.

Kaminofen (c) by Joachim Wenk
tut gut bei dem stürmischen Wetter draußen

Montag, 16. November 2015

Du, die Wanne ist voll, juhuhu....

Kennt ihr das Liedchen von Dieter Hallervorden und Helga Feddersen? 

Wir haben es am vergangenen Samstag mehrmals angestimmt. Wanne für Wanne füllte sich bis zum Überschwappen. Nach dem niederschmetternden Erlebnis vor ein paar Wochen war das ein voller Erfolg. Wir freuen uns darüber. 



Karpfenfischen (c) by Joachim Wenk
noch sind sie leer die Wannen


Aber jetzt erst einmal der Reihe nach. Sicher habt ihr anhand der location bereits erkannt, um was es sich handelt. Weiherfischen stand auf dem Programm. Ende November haben wir mit unseren Mitarbeitern die Weihnachtsfeier bei uns. Es gibt typisch Fränkisches. Klar, daß dabei die Karpfen aus eigener Aufzucht dazu gehören. Weil nur noch zwei Wochen bis zur Feier sind, drängte jetzt wirklich die Zeit. Immerhin müssen die Fische noch ein paar Tage in klarem Wasser verbringen. Sonst schmecken sie, als hätte man sie gleich nach dem Fischen genüsslich abgelutscht: nach  Modder und Schlamm.

Vergangenes Wochenende war schon alles geplant und organisiert. Doch dann verknackste sich Volker seinen Fuß derart, daß an Fischen nicht zu denken war.

So hatten wir also diesen Samstag einen schönen aber sehr kalten und vor allem sturmgepeitschten Tag an den Weihern.

Gegen 9 Uhr wurde der Mönch - so nennt sich der Stöpsel im Weiher - gezogen und das Wasser begann abzulaufen .

Karpfenfischen (c) by Joachim Wenk
da fließt es fort, das so wertvolle Wasser

Nun ist genug Zeit, die Wannen heraus zu holen und mit  Wasser zu füllen. Ein Stromaggregat und eine Elektrowasserpumpe helfen dabei.


Karpfenfischen (c) by Joachim Wenk
Vorbereitungen zum Karpfenfischen

Das sind klassischer Weise Volkers Aufgaben. Ich stehe derweil daheim und koche Kaffee und heißen Früchtetee mit Honig. Im Tiefkühler fand ich noch eine Portion gekochter Nudeln und etwas Mitternachtssuppe. Beides waren Reste der Helferverköstigung beim Pflastern im Garten. Ich liebe das wirklich, wenn immer etwas in der Speisekammer zur Verfügung steht.

Alles Heiße wird in die entsprechenden Thermobehälter sicher für die Reise verpackt. Plastikgeschirr kommt dazu und ein bisschen Kuchen und Kekse. Auf dem Weg zu den Weihern halte ich noch schnell am Lebensmittelladen im Dorf und besorge mir noch Lebkuchen. Meine ersten diese Saison! Das Wetter ist jetzt passend dazu!

Draußen bei den Weihern packe ich aus und mache erst einmal einen Kontrollrundgang. Vielleicht klingt aber Informationsrunde angenehmer? Sinn und Zweck bleiben ja erhalten, ich mache gern auch mal zum Gassigehen hier draußen meine Runde. Sind die Dämme noch dicht? Ist mit dem Wasser alles in Ordnung? Welche Wildpflanzen wachsen gerade? Oder einfach nur um einen Blick in die herrliche Natur und Landschaft zu werfen. Im Herbst komme ich sogar zum Ernten her. Da sind dann die Hagebutten reif. Auch Schlehen könnte ich ernten, überlasse sie dann aber doch jedes Jahr auf Neue den Vögeln. Ich finde einfach keinen sinnigen Verwendungszweck für sie. Und Schlehenlikör trinkt  wieder keiner. Genau wie den Walnuß-Schnaps oder Haselnußlikör, den ich im Keller habe. Wir sind einfach keine Schnapstrinker. 


Karpfenfischen (c) by Joachim Wenk
Karpfenweiher mit Fischerhütte


Jetzt im Herbst sieht man auch langsam wieder unsere Benjes-Hecke. Beim Aufschichten türmen sich die Erlenbäumchen immer  hoch. Dann geht eine Jahreszeit darüber und weg sind sie. Verschwunden unter hohem Gras, in sich zusammengesackt. Da können wir noch oft neuen Wildwuchs von Erlen, die ja überall an den Weihern wachsen, darauf schmeißen.


Totholz Benjeshecke (c) by Joachim Wenk
Totholz - Benjeshecke

So ein Rundgang macht hungrig. Oder ist einfach die Tatsache, daß es mittlerweile 12 Uhr ist .

In der  Fischerhütte machen wir es uns gemütlich. Draußen tobt der kalte Sturm und innen heizen wir das Gasöfelchen an. Das tut gut. 

in der Fischerhütte (c) by Joachim Wenk
heißer Eintopf an einem stürmisch kalten Tag im November


in der Fischerhütte (c) by Joachim Wenk
der Wärmespender


So wohlig warm es drinnen wäre, müssen wir doch wieder hinaus an die Arbeit. Das Mittagessen war lecker aber eine richtig dumme Idee. Jetzt soll ich mit vollem Ranzen ein Loch ausheben, um meinen Zwetschgenbaum einzugraben. 

Der Boden ist hart und staubtrocken. Er rieselt zwischen den Fingern hindurch. Ich grabe ein hinreichend großes Loch und dann kommt der Baum hinein. Die lockere Erde hat jetzt wieder den Vorteil, sich leicht um die Wurzeln verteilen zu lassen. Der Baum wurde ja wie erwähnt wurzelnackt, also ohne Erdballen, geliefert. 

Gut, daß wir ein paar Tage zuvor in einer Gartensendung folgenden Tipp bekamen. Da ging es zwar um Rosen, was aber für so einen Baum auch gilt: 

Man soll beim Einpflanzen die Erde ja gut naß machen und festdrücken. Wichtig ist aber die Reihenfolge! Erst die Erde wieder ins Loch füllen. Schicht für Schicht festdrücken, daß sie guten Kontakt zu den Wurzeln hat. Erst wenn das Loch mit Erde gefüllt ist, soll ausgiebig gegossen werden. Wenn man beim Einfüllen schon gießt oder einschlämmt und dann wieder Erde auffüllt, um sie anzudrücken, so verfestigt man den geschlämmten Boden zu einer steinharten und undurchdringlichen Schicht. Die jungen Wurzeln können darin nicht wachsen. 


junger Zwetschgenbaum in der Landschaft (c) by Joachim Wenk
mein Zwetschgenbaum

So steht mein Bäumchen jetzt allein in der großen und gerade sehr unwirtlichen Landschaft.

Der Stamm und untere Kronenteil ist mit Hasendraht geschützt. Hier draußen sagen sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht, sondern der Hase nimmt auch sein Nachtmahl ein. Rinde Junger Bäume wäre da lecker. Dumm finde ich nur, daß mir kein Schutz für die Äste eingefallen ist. Rehe hat es auch hier draußen und die reichen da locker hin.

junger Zwetschgenbaum in der Landschaft (c) by Joachim Wenk
junger Zwetschgenbaum in der Landschaft 

Und wenn wir schon dabei sind. Es gibt noch ein Lebewesen im und unterm Wasser hier draußen. Nachts verlässt es das Wasser und macht solche Sachen hier.

gefällte Eiche (c) by Joachim Wenk
gefällte Eiche

Biberspuren (c) by Joachim Wenk
Biberspuren


Bei uns war es nur ein Eichensämling, der ohnehin bald hätte abgesägt werden müssen. Wenn das aber meinem teuer gekauften Zwtschgenbaum passiert, fände ich es fürchterlich. Bei den Nachbarn war ein ausgewachsener Baum dran, der müsste jeden Moment umfallen, so stark wie er schon angenagt ist.

Persönlich gesehen habe das Getier noch nicht, aber seine Burg haben wir entdeckt. Sicher ist er jetzt stinkig, dass er sie nicht mehr verwenden kann und mäht daher alle Bäume ab, die im in den Weg kommen.
Biberbau (c) by Joachim Wenk
Biberbau

Wir sind auch stinkig! Ich habe ja eingangs bereits ein unschönes Weiher-Erlebnis vor ein paar Wochen angesprochen. Jetzt sind wir beim Thema. Erstens ist dieser Weiher bei der  Trockenheit und Gluthitze des Sommers umgekippt. Tote Karpfen schwammen auf der Oberfläche. Die Wasserlinsen taten den Rest und beim Fischen haben wir nicht einen einzigen Karpfen "ernten" können. Der Weiher war tot. Dafür haben wir die Biber-Burg entdeckt. Jetzt ist klar, warum der Weiher immer wieder Wasser verlor und nicht richtig voll wurde. Der Eingang liegt unter Wasser und  dahinter ist ein nur wenige Meter dicker Weiherdamm. Den hat der Biber unterhöhlt und dort ist dann auch das Wasser versickert.

Jetzt müssen wir mit großem Gerät anrücken und den Damm aufgraben und wieder neu zuschütten lassen. Sonst läuft immer mehr Wasser davon oder wir sacken mit dem Rasentraktor ein und beschädigen ihn.



Mein Baum ist jetzt jedenfalls gepflanzt und mit etlichen Gießkannen Wasser versorgt. Der Schwager zum Helfen müsste auch bald eintreffen. Das ist genau die richtige Zeit, sich wieder in die Hütte zu verziehen. Schließlich gibt es da ja noch die ersten Lebkuchen und heißen Kaffee.

Pause in der Fischerhütte (c) by Joachim Wenk
Pause in der Fischerhütte

Das Wasser ist jetzt fast vollständig heraußen. Wenn dann alles fertig ist, alle helfenden Hände anwesend, kann der Mönch weiter geöffnet werden. Jetzt geht es schnell, denn viel  Wasser ist nicht mehr im Teich.

Karpfen fischen (c) by Joachim Wenk
jetzt ist es bald so weit

Es sollte auch nur so viel rausgelassen werden, daß die Fische noch im Wasser sind. Das muß aber wiederum so flach sein, daß man sie leicht fangen kann .

Bei eisigem Sturm und nichtmal 10°C nicht unbedingt die schönste Arbeit als Teichwirt.

Schon jetzt wird ersichtlich, daß diesmal nicht umsonst gefischt wird. Jetzt müssen immer wieder Bretter und Siebe vor dem Abfluß vorsichtig gewechselt und entfernt werden. Es sollen schließlich keine Fische mit hinausgespült werden.

Karpfen fischen (c) by Joachim Wenk
das letzte Wasser muß noch raus aus dem Weiher

Bevor aber die schönen großen Fische heraus geholt werden können, müssen wir uns um das andere Kümmern. Dabei meine ich jetzt aber nicht das mit der blauen Mütze und gelben Handschuhen, sondern die vielen kleinen weißen Flecken, die im Foto zu erkennen sind.

Durch die hohen Temperaturen im Sommer waren die alten Karpfen  in bester Laune und vermehrten sich prächtig. Allüberall sahen wir weiße Fischlein blitzen.

Karpfen fischen (c) by Joachim Wenk
überall Fischbrut, die es einzusammeln gilt

Endlich sind alle Zwerg-Karpfen eingeklaubt. Jetzt wird es spannend und wir holen die eigentlichen Karpfen raus.

Karpfen fischen (c) by Joachim Wenk
ein herrlicher Anblick für einen Teichwirt

Ach nein, doch nicht. Zuerst noch die Muscheln.

Teichmuscheln (c) by Joachim Wenk
Teichmuscheln




Schon die ganze Zeit habe ich sie beobachtet. Drei wunderbare und sehr große Exemplare an Graskarpfen haben wir also doch noch im Weiher gehabt. Die werden nicht gegessen. Die kümmern sich um das Unkraut. Sie fressen das aufkommende Schilf ab, damit der Weiher nicht zu wächst.

Graskarpfen (c) by Joachim Wenk
Graskarpfen


Hier ein schöner Vergleich. Das ist der umgekippte Weiher mit dem Biberloch. Hier wucherte das Schilf munter vor sich hin.

Schilf im Karpfenweiher (c) by Joachim Wenk
Wenn kein Fisch im Weiher ist, wächst er zu

Das ist der Weiher, den wir gerade fischen. Seht ihr die Stummel vom Schilf  vor allem Rechts in der Bildmitte, stehen? Da haben Karpfen und vor allem die Graskarpfen ganze Arbeit geleistet. Sie haben alles ab gefressen. Über Wasser war nicht ein Schilfstängel zu sehen. 

Karpfenweiher (c) by Joachim Wenk
Weiher mit Graskarpfen und Karpfen, da wird das Schilf kurz gehalten


Und schließlich, endlich, die  Karpfen für die Küche. Was für ein Prachtexemplar hier im Bild. So ein Karpfen ist auf alle Fälle kein "fast-food". In der Zeit, die so ein Exemplar bis zur Genußreife benötigt, könnte man bestimmt 30 oder 40 Masthähnchengenerationen großziehen. Der Karpfen hier dürfte 4 Sommer hinter sich haben. 


Speisekarpfen (c) by Joachim Wenk
Speisekarpfen


Angefangen hat er wie die vielen, vielen kleinen Kärpfchen, die wir ebenfalls aus dem Weiher geholt haben. Sie  haben nun den ersten Sommer hinter sich. 


Karpfenbrut von diesem Sommer (c) by Joachim Wenk
Karpfen-Brut von diesem Sommer


Wie viele davon den Winter überleben weiß man nicht. Und wie viele dann das dritte oder vierte Jahr erleben, ist mehr als ungewiss.

Karpfenbrut von diesem Sommer (c) by Joachim Wenk
Karpfenbrut von diesem Sommer 

Um die Größe richtig einzuschätzen, hier einmal das entsprechende Foto. Ja, wir haben sie alle einzeln gezählt. Dazu stehen eben die Wannen am Teichrand bereit. Wenn im Teich das Wasser dann weg ist, muß es schnell gehen und die Karpfen müssen raus. Sie werden dann nur rasch in die Wannen gesetzt. Heute hieß es auf Grund der überaus schönen Ausbeute eben einmal nach dem anderen "die Wanne ist voll, juhuhu".

Karpfenbrut von diesem Sommer (c) by Joachim Wenk
soooo kleine Karpfen

Sind alle Fische aus dem Weiher heraus, werden sie sortiert. Diejenigen, die jetzt demnächst gegessen werden, kommen in Transportbehälter und dann mit Heim in den Garten. Hinter dem Haus ist ein Becken mit klarem Wasser, wo sie ihren Modergeschmack nach Schlick und Teichwasser verlieren.

Übrigens, das Becken wollte ich am Morgen mit Wasser befüllen und mußte feststellen, daß unser Brunnen trocken ist. Nachdem es ja seit Juni nicht wirklich geregnet hat und noch immer jeder Regen nichteinmal in Sichtweite ist, gab der 8m tiefe Brunnen kein Wasser mehr. Ich mußte Fernwasser verwenden. Was soll das nur noch werden! Bekommen wir jetzt wohl nie mehr Regen? Wie soll da im Frühjahr etwas wachsen? Wie sollen die Weiher sich wieder befüllen? Sie waren dieses Jahr auch nie ganz voll. Da hat jeweils mehr als ein Meter bis zum Überlauf gefehlt.

Aber heute geht es ja nicht um den Garten, sondern um die Fische. Neben den Karpfen zum  Verzehr gibt es noch die alten riesigen Fische. Die kommen wieder in einen Weiher, sie sorgen für Nachkommen. Und alle Fische, die noch nicht die Verzehr-Größe erreicht haben oder die, die wir jetzt nicht verzehren werden, kommen ebenfalls wieder in den Weiher. Dabei zählen wir jede Größe und notieren das. Sonst weiß man bald nicht mehr,  was  und wie viel in welchem Weiher drinnen ist. Das ist eben anders als bei den Schafen auf der Weide, die sieht man und kann sie jede Nacht zum Einschlafen aufs neue zählen....

Am Ende eines langen und kalten Tages stehen auf der Liste 3 Graskarpfen, 15 Karpfen für den Verzehr, 11 Karpfen zur Weiterzucht, 24 junge Karpfen und dann noch die Kleinen. Die Brut dieses Sommers. Wir haben etwa 3000 Stück gezählt. So viel gab ein Weiher noch nie her. Die sind jetzt alle im einzigen Weiher, der im Moment noch Wasser hat. Im Frühjahr muß der wieder abgelassen und die Fische auf die beiden Weiher verteilt werden. Eigentlich wäre der Dritte mit dem Biberbau auch noch nötig. Wann wir aber wir  den Bagger anrücken lassen können, steht noch nicht fest.

Die Fische müssen verteilt werden, damit der Besatz nicht zu dicht ist. Es würde sonst an Nahrung und Sauerstoff fehlen. Krankheiten entständen und Fische würden sterben. Das wollen wir natürlich nicht.

Für den Moment sind wir erst einmal froh, daß das Fischen für diesen Herbst erledigt ist. Im Frühjahr geht es dann weiter.








Mittwoch, 11. November 2015

Mein neuer Zwetschgenbaum ist heute gekommen.

Also das ist doch  echt zum Mäusemelken. Jetzt habe  ich mir dieses Jahr schon so viele Pflanzen  per Post zustellen lassen. Und immer wieder klappt es genau so, daß es gerade ungünstig ist.

Seit Oktober warte ich auf meinen neuen Obstbaum, einen Halbstamm. Und heute kommt er endlich in einem riesigen Karton. Große Freude mit einem kleinen Aber. Ich komme doch erst am Wochenende dazu, ihn  zu pflanzen. Und mir war nicht klar, daß sie wurzelnackt geliefert wird! 

Ein wirklich wunderbarer kleiner Baum ist meine fränkische Hauszwetschge,  mit keinem  Furz Erde unten dran. Was machen? Ich habe sie jetzt in einen Topf gestellt und mit Blumenerde aufgefüllt und gut gegossen. Jetzt steht sie im schattigen Carport und ich hoffe, das geht gut. Ich freue mich doch schon so auf Zwetschgendatschi, Zwetschgenmuß, Rotweinzwetschgen und rohe süße Zwetschgen direkt vom Baum. 

Naja, jetzt gilt es erst einmal Daumen-drücken, daß ihm die 3 weiteren Tage nichts ausmachen.


fränkische Hauszwetschge (c) by Joachim Wenk
fränkische Hauszwetschge

Montag, 9. November 2015

Start einer neuen Text-Serie: Der Selbstversorger in Küche und Vorratskammer

Im Garten tut sich gerade recht wenig. Gleichzeitig möchte ich nicht schon wieder Herbstlaubfotos hier verbreiten. Genau die richtige Zeit also, etwas zu starten, das schon lange nötig war. 

Mein Blog ist ein Gartenblog, ein Selbstversorger-Garten-Blog in erster Linie. Seit geraumer Zeit erzähle ich von all den schönen und nicht so schönen Dingen, die ein Selbstversorger so im Laufe des Jahres im Garten erlebt. 

Zum Selbstversorgen - und auch wenn es nur ein Hobby- oder Teilzeitselbstversorgen ist, wie bei mir- benötigt man ebenso viel Zeit und Ideen und Organisation in der Küche, wie im Garten. Und dabei rede ich noch nicht einmal von Kochrezepten, die man parat haben muß. Ich denke vielmehr an eben typische Selbstversorger-Rezepte und Methoden zum Konservieren und Verarbeiten beziehungsweise Lagern von selbst angebautem Gemüse oder Obst aus dem Garten. 

Mein Erfahrungsschatz auf diesem Gebiet wächst genau wie meine Punktesammlung und auch die Freude daran, immer mehr selbst zu machen und selbst vorrätig zu haben. 

Genau darüber will ich unbedingt in meinem Garten - und eben auch Selbstversorger-Blog schreiben. 

Rezepte, Tricks, Methoden für die Vorratshaltung, Resteverwertung (denn wer wirft schon mühsam angebautes Gemüse fort, selbst wenn es nur ein Rest ist oder eine kleine geerntete Menge) oder andere Dingen, von denen ich überzeugt bin, daß ein Hobby-Selbstversorger das benötigt. 

Ihr merkt schon, ich sehe das mit dem Selbstversorgen nicht als todernste Angelegenheit ohne wenn und aber. Nein ich selbst habe riesig Spaß daran, Sachen einfach selbst zu erzeugen, anzubauen, zu kochen oder sonst zu verarbeiten und möchte diese Freude am "Handwerk" weitergeben. 

Heute berichte ich über etwas, was für mich seit über 10 Jahren zum Alltag dazu gehört. Etwas, das so einfach und vielfältig ist, daß es hier in diese Rubrik gehört. 

Die Rede ist von meinem Kefirpilzen. Joghurt selbst machen ist bekannt. Aber man braucht immer diese gleichmäßig hohe Temperatur und die Kulturen selbst verbrauchen sich, müssen immer wieder nachgekauft werden. 

Kefir unterscheidet sich hier in einigen Punkten, die aber auch den alltäglichen Umgang damit vereinfachen. Eigener Kefir gehört in den Selbstversorger-Haushalt. 

Während im Joghurt nur Milchsäurebakterien ihren Dienst leisten, teilen sich beim Kefir die Milchsäurebakterien mit Hefepilzen die Arbeit. Beide findet man zusammengeklumpt in kleinen Knöllchen, die unendlich weiter verwendet werden können und die sich immer weiter vermehren. 

Beim Kefir entsteht neben Milchsäure,  aufgrund der alkoholischen Gärung der Hefepilze, auch Alkohol und Kohlendioxid, das entweicht. Der im Kühlregal zu kaufende Kefir ist ein anderer, als der originale, mit den Knöllchen zubereitete! Weil die Knöllchen eben leben und nicht so einfach konserviert werden können. sind sie im Handel nicht (oder fast nicht?) käuflich erhältlich. Man muß jemanden kennen, der sie hat oder im Internet bei privaten Versendern sich welche schicken lassen. Hier werden sie in einer kleinen Mengen Milch verschickt. Da sie immer weiter arbeiten und dabei auch Kohlendioxid entsteht, ist das für den Transport immer heikel. Ich selbst hatte den ersten von einer Arbeitskollegin. Da mir dieser nach ein paar Jahren kaputt ging, habe ich im Internet welche bestellt. Die Nachfahren habe ich nun schon seit vielen vielen Jahren. 

Was benötigt man also zum Kefir zubereiten. 

  • 2 Behälter mit Deckel. Einen für fertigen Kefir und einen für die Milch mit den Knöllchen. Ich habe Kunststoffbehälter mit Trinkhalmdeckel. Durch dessen Öffnung kann Kohlendioxid bei Überdruck entweichen. Es können aber auch andere Gläser oder Schüsseln verwendet werden. Wenn der Deckel dabei aber fest schließt, kann der entstehende Überdruck ihn aufsprengen und herunter werfen. Daher Deckel immer nur lose auflegen. 
  • 1 Sieb aus Kunststoff. Allgemein sollte der Kefirpilz nie mit Metall in Berührung kommen, daher muß auch das Sieb aus Kunststoff sein. 
  • Kefirpilzknollen
  • Milch (jahrelang nahm ich die H-Milch, jetzt nehme ich die frische Kuhmilch mit natürlichem Fettgehalt aus der Milchtankstelle. Der Kefir ist jetzt unvergleichlich besser, als mit der H-Milch.). Die unbehandelte Kuhmilch erhitze ich, wie in der Milchtankstelle angeben auf 70°C und lasse sie wieder abkühlen. 


Die Tätigkeiten: 
  • Bereitstellen der benötigten Gegenstände, Milch zimmerwarm



Zutaten für die Kefirzubereitung (c) by Joachim Wenk
Zutaten für die Kefirzubereitung

  •  "Gärbehälter" bei mir mit Trinkhalmdeckel, daß Kohlendixid entweichen kann.

Gefäß zu Kefirbereitung (c) by Joachim Wenk
praktisches Gefäß für Kefir - mit Strohhalmloch im Deckel

  •  Sieb aus Kunststoff, daß Kefirpilzknollen nicht in Kontakt mit Metall kommen. Der fertige Kefir wird durch das Sieb gegossen. Er hat eine dicke Konsistenz. Manchmal ist er wie geliert. Wenn man ihn durch das Sieb mit dem Löffel hindurch gestrichen hat, ist er trinkfertig. Super leckere feine Säure, ein leichtes Bizzeln wegen der Kohlensäure und dickflüssige Konsistenz. 

Kunststoffsieb zur Kefirbereitung (c) by  Joachim Wenk
unverzichtbar: Sieb aus Kunststoff

  •  Im Sieb zurück bleiben die kleinen an abgebrochene Blumenkohlröschen erinnernde Knöllchen. Das ist der Pilz mit Milchsäurebakterien. Einzelne Knöllchen, die zu groß geworden sind, zerteile ich mit dem Plastiklöffel. Sie sollten  etwas größer als ein Stecknadelkopf sein. Das ist optimal.

    Die Knöllchen werden sofort wieder mit frischer Milch übergossen, daß sie nicht austrocknen. Meine Behälter fassen etwa   700 ml Milch. Dafür nehme ich einen gehäuften Teelöffel der Knöllchen. Haben sie sich zu rasch vermehrt und ich habe mehr, so entsorge ich den Rest. Ein wenig muß man da selbst mit seinem Geschmack und Vorlieben experimentieren. Je mehr Knöllchen drin sind, desto schneller stockt die Milch und wird dann sauerer und nicht mehr  "geliert" sondern von geronnener Konsistenz, das mir selbst nicht so gefällt.

    Sind diese Körnchen übrig, können sie auch an interessiert Mitmenschen zur Kefirbereitung abgegeben werden. 

Kefirknöllchen Kefirpilz (c) by  Joachim Wenk
Die Kefirknöllchen

Kefirknöllchen Kefirpilz (c) by  Joachim Wenk
Kefirknöllchen

  •  Die Knöllchen schwimmen jetzt in der Milch. So bleibt das Gefäß 24 Stunden bei Raumtemperatur stehen. Am nächsten Tag geht die Prozedur von neuem los. Einmal am Tag erntet man so den leckeren Kefir. Welche Menge das ist,  hat man selbst in der Hand. Man muß es für sich herausfinden, wie viel Milch man ansetzt und wie viel Knöllchen man da hinein gibt. 

Kefir (c ) by Joachim Wenk
Kefir fertig zum  "gären"

  •  Ein Glas Kefir gibt es bei mir jeden Tag gleich zum Frühstück. Der Rest wird im Kühlschrank aufbewahrt. Der Kefir mit der Milchsäure ist ja sozusagen konservierte Milch. Man muß ihn also nicht im Kühlschrank aufbewahren, was von seinem Ursprung her ja auch nicht gemacht wurde. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der Kefir nachsäuert da ja, auch ohne die Knöllchen nun noch immer Bakterien und Pilze in der Milch sind. Die Konsistenz und der Geschmack ändern sich rasch. Wer das nicht will, lagert im  Kühlschrank. Auch kann es ein, daß in sehr warmen Sommermonaten das Gärgefäß bereits mit den Knollen am Abend in den Kühlschrank gestellt werden muß, um eine zu starke Umwandlung der Milch zu verhindern. 
  • Wer sich also als Selbstversorger versuchen möchte, kann mit einer Kefirkultur anfangen, Erfahrungen sammeln. Es ist sehr oft beim Konservieren und Verarbeiten der Lebensmittel so, daß  es kein einzig gültiges Rezept oder genau die eine Methode geben  wird. Immer wieder muß man selbst etwas probieren, variieren und seinen eigenen Weg finden. 

fertiger Kefir (c ) by Joachim Wenk
fertiger Kefir

  • Man kann also jeden Tag die gewünschte Portion frischen Kefirs ernten. Wenn das anfänglich faszinierend klingt, so merkt man in der Praxis rasch zwei Dinge, die ich unbedingt noch ansprechen muß. 
  1. Ich bin über das Wochenende fort, beruflich muß ich ein paar Tage in einer anderen Stadt sein oder der Jahresurlaub zieht mich in die Ferne? Was mache ich in der Zeit mit dem Kefir?

    Ich nehme eine Mischung aus halb Milch und halb Wasser, gebe dahinein meine Kefirknöllchen und stelle das Ganze in den Kühlschrank. Eine gute Woche überstehen die Kulturen das gut. Allerdings sind sie danach erst langsam wieder an die Arbeit zu gewöhnen.  Daher gebe ich erst einmal ein wenig Milch zu den Knollen und gieße nach einem halben Tag etwa ab um neue Milch dazu zu geben. Man merkt rasch, wann sie wieder richtig durchstarten und die Produktion normal weiter geht.

    Es ist wohl möglich die Knollen in Milch einzufrieren. Nach dem Auftauen auch wieder langsam an die Produktion gewöhnen. Ich habe es einmal getestet, es hat geklappt, aber dauerte lange, bis sie wieder richtig produzierten. Diese Methode würde ich nur anwenden,wenn ich wirklich ein paar Wochen nicht daheim wäre. 7 bis vielleicht 8 oder 9  Tage habe ich sie schon im normalen Kühlschrank mit Milch aufbewahren können.
  2. Ich habe jeden Tag Kefir, was mache ich mit der Menge?

    Künftig weniger Milch ansetzen.

    Oder wenn, was immer wieder vorkommt, er nicht verbraucht wurde, so mache ich "Quark" daraus. Ich lasse ihn einfach bei Zimmertemperatur stehen, sammle vielleicht sogar von 2 oder 3 Tagen und wenn er richtig schön eingedickt  und geronnen ist, seihe ich ihn durch ein Mulltuch. Die Molke trinke ich und im Tuch verbleibt ein cremiger Quark oder Frischkäse. Den vermische ich mit irgend etwas, das gerade da ist. Mindestens mit Salz. Klar Pfeffer gehört dazu, vielleicht Chili, Piment oder Bockshornklee. Olivenöl oder Leinöl oder Kürbiskernöle wären lecker. Ich liebe auch Kümmel. Gerade im Frühjahr sind eigener Bärlauch oder Schnittlauch lecker oder Zwiebelgrün oder Brennnessel oder oder oder. Ein Rest Paprika liegt herum oder ein Radieschen, Meerrettich oder Frühlingszwiebel. Klein gehackt darunter gemischt ergibt immer einen sehr leckeren  Brotaufstrich und jedes mal in einer anderen Geschmacksnote.

    Dieser Brotaufstrich hält im Kühlschrank ein paar Tage. Achtung, die Gärung geht auch hier weiter und es kommt vor, daß im Kühlschrank der Deckel vom Schüsselchen geploppt wird.

    Ohne weitere Zusätze nehme ich den Kefir-Quark auch zum Kochen oder unter Marmelade und Honig am Frühstückstisch. 
Der Kefir ist für mich auch so praktisch, weil er nicht nur zum Trinken da ist, sonder sonst auch in der Küche verwendet wird. In jedem Rezept, in dem Joghurt verwendet wird nehme ich seit Jahren Kefir. Den habe ich ja zu Hause. Salatsaucen auf Kefirbasis liebe ich besonders (mit Zitronensaft, Öl, Holundersirup, Pfeffer und Salz, oder mit Kefir-Ketchup-Öl-Pfeffer und Salz). 

Der selbst gemachte Kefir, für mich ein typisches Selbstversorger Erzeugnis. Schade, daß wir keine eigenen Milchproduzentinnen haben....


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Übrigens: 

Ihr seht rechts im Bildschirm, folgenden Ausschnitt. 


Labels sind Stichworte unter denen ich immer wieder Texte schreibe. Möchtet Ihr einmal alles sehen oder lesen, was ich unter dem Stichwort "der Selbstversorger" geschrieben habe, so klickt das Stichwort an und schon bekommt ihr die Bloginhalte gefiltert zum jeweiligen Thema. 

Neben der Kefirherstellung eben alles was bereits zum Thema Selbstversorger von mir geschrieben wurde.