Mittwoch, 23. September 2015

Garten-Therapie "für lau" - da kann man sich dann an anderer Stelle mal etwas gönnen.

Nur knapp über 10°C und immer wieder Nieselregen. Dabei viele Wolken und Wind. So ist das Wetter von heute. Wie anders war es noch vor so kurzer Zeit mit Sonne pur und den unbeschreiblichen Temperaturen des Sommers 2015.

Garten im Herbst (c) by Joachim Wenk
kein gutes Licht für stimmungvolle Gartenfotos


An solchen Tagen stelle ich mir immer vor, wie es wohl Menschen ginge, die unser Wetter erleben und selbst aus Gefilden kommen, in denen es immer warm und sonnig ist. Wir mit unseren Extremen zu den Jahreszeiten. Von 40° im Sommer bis -15° im Winter. Es ist schon beachtlich, an was wir so von Geburt an gewöhnt sind.

Garten im Herbst (c) by Joachim Wenk
Auch die Farben der Blumen leuchten heute nicht


Und dann bin ich doch  wieder froh, dass wir eben diese enorme  Abwechslung haben. Diese großen Unterschiede in der Vegetation und dem Wetter. Auf was würde ich mich sonst im Frühjahr freuen? Gut, die Umstellung von Sommer auf Herbst, die wir gerade haben, fällt mir immer am schwersten.

Der Herbst-Blues kommt jedes Jahr wieder. Aber wenn ich mich dann darauf eingestellt habe,  genieße ich es auch. Nicht unbedingt nur die so oft zitierten schönen Farben des Herbstes, die Wärme der Herbstsonne oder die würzig-erdigen Gerüche allüberall. Das ist toll und ich nehme es bewusst war. Aber es wäre zu flach, zu eindimensional, nur diese Allgemeinplätze auf zu zählen.


Garten im Herbst (c) by Joachim Wenk
bunte Blüten im Herbst


Da sind die zeitigeren Abende, drinnen in der warmen Stube und die Lichter die man mehr und mehr anmacht. Draußen haust das Wetter und ich sitze gemütlich am Sofa oder schreibe an meinem Blog. Da ist das entspanntere Gärtnern, weil nichts mehr so dringend ist, wie noch vor kurzem. Das Essen wird wieder wärmer und herzhafter. Die Vorfreude auf die Weihnachtszeit keimt tief drinnen in mir. Erste Gedanken zu Weihnachtsgeschenken für die Familie sind gereift. Die Ernte ist zu großen Teilen erfolgreich eingeholt und die Speisekammer voll. Und das ist sie wahrlich.

Einiges steht aber noch und wartet auf die Speisekammer. Meine Herbstarbeiten.

Endiviensalat (c) by Joachim Wenk
Endiviensalat

Endiviensalat (c) by Joachim Wenk
Rosenkohl

Palmkohl, Federkohl (c) by Joachim Wenk
Federkohl oder Palmkohl oder ist das beides das Selbe?

Kohlrabi (c) by Joachim Wenk
Kohlrabi

Tomaten im Gewächshaus (c) by Joachim Wenk
Tomaten im Gewächshaus

Paprika im Gewächshaus (c) by Joachim Wenk
Paprika im Gewächshaus


Die Pflanzen im Garten reifen und ziehen sich zurück. Sie haben Kraft für den Winter und  das Frühjahr gebunkert. Sie müssen nicht mehr prächtig sein und blühen und wachsen. Nein, jetzt sind sie einfach. Das bloße Bestehen und Da-sein ist jetzt der Fall.

Ich tue es ihnen gleich. Ich spüre wirklich Ruhe in mir wachsen und Freude am Erlebten und all dem Geschafften. Es ist so schön, wie sich genau das Gefühl jedes Jahr aufs Neue immer wieder einstellt. Ein treuer Begleiter, der jedesmal pünktlich wieder kommt. Und ja, ich gebe es zu. Manchmal im Sommer bei hektischem Treiben und Schaffen im  Garten unter der Hitze der Sonne, denke ich an diese Zeit und das Gefühl. Und freue mich darauf.

Ich liebe es, so mit der Natur, dem Rhythmus der Jahreszeiten, eben mit dem Leben verbunden zu sein. Den Rhythmus aufnehmen und wahrnehmen zu dürfen.

Ist es das, was in  Selbstfindungsseminaren und Naturerlebnisworkshops für sündhaft teures Geld von den Menschen gesucht wird, die durch  den Job und ihr Leben entfremdet sind, gerade vom Leben?

Ich hätte das Geld weiß Gott nicht für derlei Unternehmungen. Aber ich bekomme das kostenlos mitgeliefert bei der Arbeit im Garten und meinem Leben mit dem Garten. Dabei bin ich überzeugt, der Satz "was nix kostet taugt nichts" ist hier absolut nicht angebracht. Ich glaube sicher, daß ich sogar mehr davon habe, als besagte Suchende mit viel Geld und wenig Leben.








So, was habe ich dann also heute im Garten oder wegen dem Garten alles gemacht?

Wie gesagt, der häufige Nieselregen (4l seit gestern, aber der Boden ist noch immer trocken und unter den Stauden oder Gemüsepflanzen sogar bröseltrocken) hielt mich die meiste Zeit im Haus. Also hatte ich Gelegenheit, mich  meiner anderen Leidenschaft, dem Konservieren, zu widmen.

Der Hopfen ist mittlerweile trocken und für Tee in Tupper verpackt. Die Tinktur zieht vor sich hin und das schöne grüne Hopfensalz ist fertig getrocknet.

Hopfensalz (c) by Joachim Wenk
Hopfensalz


Weil noch so viel Basilikum im Gewächshaus steht, muß es auch haltbar gemacht werden. Mehrere Versuche, es zu trocknen, zeigten mir, daß es wahnsinnig lange benötigt, um trocken zu werden. Selbst im Dörrapparat!Aber es behält sein Aroma. Also habe ich einen ganzen Schwung getrocknet und heute nochmal geerntet und Pesto gemacht. Das grüne Basilikum explodiert geradezu vor Aroma, während das Dunkelrote nur gut auszusehen scheint. Das baue ich nicht mehr an.


Ein paar Äpfel habe ich eingekocht und von anderen Saft gemacht. Die Schalen von den einzukochenden Äpfeln habe ich klein geschnitten und auch gleich getrocknet.

Weil der Sommer so unsäglich trocken war, habe ich dieses Jahr viel zu wenig Kräuter für meinen täglichen Tee ernten können. Es ist nichts gewachsen, wo nicht gegossen wurde. Daher kommt mir der Hopfen recht und jetzt die Apfelschalen. Die ergänzen meinen Teevorrat sehr gut.

reife Äpfel am Baum (c) by Joachim Wenk
die Äpfel werden reif



Einen Korb voll Tomaten habe ich abgemacht und ins Haus zum Nach-Reifen geholt. Es ist so kalt, dass es ungewiss ist, ob die draußen noch reif werden. Ich will doch noch ein oder zwei Flaschen Ketchup machen.

Tomaten zum Nachreifen im Haus (c) by Joachim Wenk
Tomaten zum Nachreifen im Haus


Auch der restliche Sommerlauch ist geerntet und eingefroren. Das erste Jahr, daß ich eigenen Lauch hatte. Keine Lauchfliege, die ihn zerstört. Herrlich.


Na und wenn man schon so in der Küche am Werkeln ist, könnte man doch gleich noch einen Kuchen backen. Bei mir ist es ein Hefezopf, in dessen Teig gekochte Kartoffeln enthalten sind. Das lässt ihn saftiger bleiben. Ich liebe Hefegebäck.

Kartoffel Hefezopf (c) by Joachim Wenk
für's Auge und den leiblichen Genuß


Am späten Nachmittag zog es mich dann doch noch hinaus zu meinem "Therapeuten". Die Sonne kam auch ein wenig hervor.

Gemüsegarten im Herbst (c) by Joachim Wenk
meine "Therapie" oder Selbstfindung oder einfach Kraftquelle






Viel habe ich nicht gemacht. Es liegt nichts Besonderes an. In den Staudenbeeten kam das Unkraut weg. Nicht so ordentlich wie im Sommer aber einfach hier und da ein wenig herumzupfen, Verblühtes abschneiden und einfach nach dem Rechten sehen. Die hübschen Blüten genießen.



Blüten im Herbst (c) by Joachim Wenk
Blüten im Herbst


Blüten im Herbst (c) by Joachim Wenk
Blüten im Herbst
Gesund stehen sie da.  Die Hitze und Dürre haben sie verarbeitet. Die Stockrosen schmücken sich nicht mehr mit meterhohen Blütenkerzen, sondern treiben unten an der Basis jeweils ein nettes Büschel frische, kleine Blätter. Sie werden also nächstes Jahr doch wieder kommen. Ich war mir da ja nicht sicher, ob sie im zweiten Jahr, also heuer, nach der Blüte absterben und nur die Sämlinge weiter leben. Dann hätte ich im kommenden Jahr keine Blüten gehabt. Aber ich freue mich, die Pflanzen leben weiter. Flockenblumensämlinge und Färberkamillensämlinge wachsen auch munter im Beet.

Staudensämlinge (c) by Joachim Wenk
Staudensämlinge 

Staudensämlinge (c) by Joachim Wenk
Staudensämlinge 


Die kleinen Muskatellersalbeisämlinge von Sabines Garten, sind angegangen und auch schon kräftig gewachsen. Endlich habe ich diese pflegeleichte Pflanze auch im Staudenbeet.

Muskateller Salbei (c) by Joachim Wenk
junger Muskateller-Salbei


Mein ehemaliges Fliederbeet, das beim Wege- und Terrassenprojekt so grundlegend verändert wurde ist auch bepflanzt und sieht nach so vielen Monaten endlich aus wie ein Beet. Ich habe gleich von den Sämlingen welche hier her verpflanzt. Auch der Rosenableger von Sabine oder die Buchs-Stecklinge vom Friedhof stehen hier. Von der Anna ein paar Schwertlillien und die umgepflanzten Staudenclematis und eine geteilte buntblättrige Staude, von der ich nicht weiß, wie sie heißt.

(c) by Joachim Wenk
kostenlose Stauden für's neue Beet

(c) by Joachim Wenk
kostenlose Stauden für's neue Beet


Sehr schön. Ohne den Geldbeutel in die Hand nehmen zu müssen wird es im Frühjahr  und Sommer hier schön blühen.


Hmmmm :....... Soll ich ehrlich sein? Weil ich so viele kostenlose Blumen hier verwenden konnte, dachte ich mir, ich leiste mir das. Habe ich doch in einem Katalog die Rembrand-Tulpe "Insulinde" gesehen. Die ist ja der Brüller. Ich liebe solche Tulpen und die Farbkombination ist wunderschön. Die mußte her und so habe ich die 10,50€ investiert. Wohlgemerkt für 3 (in Buchstaben : drei) Zwiebeln. Na hoffentlich werden die was. Dann zeige ich euch im Mai die Blüten. Seid schon mal gespannt.....

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