Sonntag, 20. September 2015

bremsen, bremsen, bremsen - ab jetzt geht's gemächlicher zu im Landgarten

Also wer jetzt noch überlegt, ob es der Spätsommer ist oder gar schon der Herbst, der hat noch nicht nach draußen gesehen.

Bei diesem Anblick weiß ich es. Es ist einfach Herbst.

Herbst im Gemüsegarten (c) by Joachim Wenk
ja, es ist Herbst


Wie immer zu genau dieser Zeit, brauche ich etwas Ruhe und Einkehr. Ein Rückbesinnen und Abbremsen. Seit dem Frühjahr läuft der Gärtner in mir auf Hochtouren. Jetzt wird es ruhiger, gottseidank. Aber wie es nicht gelingt, ein Kreuzfahrtschiff in voller Fahrt von jetzt auf gleich zum Stehen zu bringen, so brauche auch ich immer eine ganze Weile, mich innerlich auch abzubremsen.

Die deutlich kürzeren Tage zwingen mich bei Zeiten den Garten zu verlassen und ins Haus zu gehen. Das hilft beim Bremsen. Im Garten selbst gäbe es viel zu tun, aber da habe ich wohl schon gebremst. Ich greife nicht mehr sofort alles an.

Etwas Unkraut im Gemüsebeet? Ach lass es stehen. Die Gemüsepflanzen sind so groß und kräftig, da ist das Kräutlein keine Konkurrenz mehr. Und bald ist alles abgeerntet, da kann ich dann mit der Hacke großflächig alles jäten. Also nur die Ruhe.

Der Blick in meine Aussaattabelle spornt mich auch nicht mehr so an, wie vor ein paar Monaten. Es ergibt  sich jetzt von allein, daß man bremst und ein paar Gänge herunter schaltet.


Vor ein paar Tagen zeigte ich euch dieses Bild hier und versprach, noch ein paar Worte dazu zu schreiben.
 (c) by Joachim Wenk
Keramik als Dankeschön

Zwei  solche Keramiken sind es, die ich von einer lieben Gartenfreundin bekam. Sie hat mit den selbst gefertigten Stücken Danke sagen wollen, und mir eine riesige Freude damit gemacht.

Danke für die Himbeerableger, die ich ihr per Post zusandte. Und dann hatten wir damit solchen Ärger. Am Wochenende habe ich die Beeren abgestochen und gleich am Montag zur Post gebracht, damit sie noch die gleiche Woche ankommen. Es hatte noch immer weit über 30°C draußen und ich wünschte den Pflanzen eine gute Reise.

Wie anders sollte es kommen! Freitag schreibe ich die Freundin an, da ich noch nichts von ihr hörte.

Hätte ich doch nur  weiter nichts von ihr gehört. Die Pflanzen sind 5 Tage unterwegs und noch nicht angekommen. Sie müssen also das  Wochenende auch noch ausharren im Karton.

Montag schreiben wir uns, Dienstag und Mittwoch, auch Donnerstag wieder. Immer die gleiche Antwort. Sie sind nicht da. Ich bin stinksauer auf die deutsche Post. Freitag kommen sie endlich an.

Die Post benötigte für das Paket innerhalb Deutschlands also 11 Tage! Der Routenplaner nennt eine Strecke von 172 km, die in etwa eineindreiviertel Stunden mit dem Auto zu fahren gewesen wären. Hätte ich doch lieber die Pflanzen persönlich gebracht, als mich auf die Post zu verlassen.

Die Freundin hat die Himbeeren gleich etwas geschnitten und meint, da die Augen noch frisch sind, daß sie wohl treiben werden. Sind wir mal gespannt.

Sie bedankte sich dann bei mir mit den Keramiken für den Garten. Die Erinnerung, mich immer wieder zu freuen, steckte ich gleich zum Eingang beim Gemüsegarten. Dort bin ich einfach am häufigsten und dort erlebe ich auch immer wieder Frust. Wie schön, wenn ich jetzt immer beim Gang in den Gemüsegarten schon von Vornhinein daran erinnert werde, mich zu freuen.



Eingang zum Gemüsegarten  (c) by Joachim Wenk
Eingang zum Gemüsegarten
 Und wenn man den Blickwinkel noch ein wenig erweitert sieht man das herbstliche Staudenbeet vor dem Gemüsegarten komplett

herbstliches Staudenbeet vor Gemüsegarten  (c) by Joachim Wenk
herbstliches Staudenbeet vor dem Gemüsegarten


Das gefällt mir. Gehen wir doch einfach noch ein Stückchen zurück. Jetzt sehen wir das Staudenbeet ganz hinten und haben einen schönen Blick in den Herbstgarten. Das war am Wochenende morgens bei Zeiten. Da lag noch überall Tau und die Sonne wusste noch nicht, ob sie heute scheinen wird oder nicht.

herbstlicher Garten  (c) by Joachim Wenk
der Garten im Herbst


 Mein Alpenveilchen  erfreut mich mit einer Blüte nach der anderen. So ganz im Stillen blüht es munter vor sich hin. Man muß sich schon ganz bewusst daran erfreuen, sonst übersieht man die winzigen, gerade einmal 3cm Triebe mit den leuchtend weißen Blüten in dem großen Garten.

Alpenveilchen (c) by Joachim Wenk
Alpenveilchen

Ebenfalls weiß und unermüdlich blüht der Stechapfel. Allerdings hat er mittlerweile ein nicht mehr zu übersehende Statur bekommen. Und viele von den faszinierenden werhaften Früchten hängen an ihm. Ich erinnere mich bei seinem Anblick jedes Mal an das zeitige Frühjahr. Ich kramte ein  paar dieser stacheligen Früchte aus einer Kiste mit Dekomaterial. Ein paar Samen waren noch darin und ich wollte versuchen, sie zu sähen und ihn wieder im Garten zu haben.

Kaum dass er überhaupt gekeimt ist, von Wachsen wollen wir garnicht reden, fraßen ihn im Beet dann gleich die Schnecken. Ist für die eigentlich garnichts giftig genug?

Irgendwann im Sommer sah ich dann ihn hier an genau der Stelle aufgehen. Eine kräftige Pflanze und ich ließ ihn stehen. Ohne Mühen mit Sähen und Gießen, mit Pikieren und verpflanzen habe ich jetzt ein prächtiges Exemplar von der Natur einfach geschenkt bekommen.

Stechapfel (c) by Joachim Wenk
Stechapfel

Wiederum von einer Gartenfreundin hier bei Google, bekam ich die Samen für das Patagonische Eisenkraut für mein gelb-lila-Beet. Also ich habe ja lange nicht daran geglaubt, daß ich hier erfolgreich sein könnte. Bis die keimten vergingen ewige Zeiten. Wachsen war auch für sie ein Fremdwort. Dann schoben sie ein paar Blättchen und ich brauchte den Platz. Also pflanzte ich sie einfach aus.

Es dauerte gar nicht lange und sie fingen an zu wachsen. Kräftig wurden sie und groß. Jetzt blühen sie seit Monaten. Eine herrliche Staude. Sie ist wohl nur in milden Wintern ausdauernd. Aber, das lese ich immer wieder, sie säht sich angeblich selbst aus. So wie der Stechapfel. Darauf hoffe ich.

Weder Trockenheit noch Gluthitze und auch die Schnecken konnten ihnen nichts anhaben. Eine wunderbare pflegeleichte Dauerblüherin. Zur Sicherheit nehme ich mir ein paar Samen ab, falls sie sich nicht selbst aussäht. Die muß ich wieder haben.

patagonisches Eisenkraut (c) by Joachim Wenk
patagonisches Eisenkraut


Auch das hier ist das gelb-lila Beet. Und hier passt sogar die Kombination an Blüten. Sommerflieder in den letzten Blühschüben und eine gelbe Wolke von der Zwerg-Goldrute. Etwas Weiß passt immer und wird von der Spornblume beigetragen. Sie blüht irgendwie auch schon seit dem Frühjahr. Immer wieder tauchen ihre Blüten auf.
Zwerg-Goldrute, Spornblume und Sommerflieder (c) by Joachim  Wenk
Gelb-lila-Staudenbeet

Jetzt habe ich aber genug erzählt von bunten Blumen im Herbst. 

Schließlich gibt es ja auch noch die zweite Keramik,von der ich anfänglich gesprochen habe. Und eben den Gemüsegarten. 

Der Oregano-Sticker steht im neuen Kräuterbeet. Und gleich habe ich eine von den im Frühjahr ebenfalls selbst gesäten Oreganopflanzen dort hin versetzt. Die Pflanzen waren anfangs auch eher klein und die Anzucht nicht so leicht wie  etwa beim Basilikum. Sie haben sich im Freien dann aber sehr gut entwickelt. Der griechische Oregano ist quasi eine Aromabombe! Probiert man die frischen Blättchen bekommt man direkt ein Bizzeln auf der Zunge vor lauter ätherischen Ölen in der Pflanze. Und die bleiben auch getrocknet super erhalten. 

Absolut empfehlenswert und jetzt unverkennbar gekennzeichnet und hübsch dekoriert. 


griechischer Oregano (c) by Joachim Wenk
griechischer Oregano
Blick in den Gemüsegarten im September

Gemüsegarten im September (c) by Joachim Wenk
Gemüsegarten im September

Die Beete leeren sich. Bei den Frühkartoffeln fing ich an und führe das dieses Jahr einmal konsequent fort. Auf abgeernteten Beeten sähe ich Gründünger. Also nur auf den Beeten, die dieses Jahr nicht mehr für Nutzpflanzen gebraucht werden. Ich habe jetzt noch Spinat und Feldsalat gesät, da kommt natürlich dann kein Gründünger aufs Beet.

Hier  sieht man links vom Meerrettich Buchweizen. Rechts von ihm habe ich ihn Roggen und Zottelwicke gesät. Ich probiere das mal mit den beiden winterharten Pflanzen. Auf dem Beet werden nächstes Jahr die Kartoffeln stehen und somit läge es brach bis mindestens Mitte April. Das soll der Gründünger verhindern und gleichzeitig den Boden tief durchwurzeln und dadurch lockern.

Den allseits empfohlenen Senf sähe ich nicht mehr aus. Er gehört zur gleiche Familie wie Radieschen, Rettich, Kohlrabi, Brokkoli, Blumenkohl, Grünkohl, Weißkohl, Rotkohl, Palmkohl, Rosenkohl, Mairüben und und und. Ihr seht schon, irgendwie ist fast alles im Gemüsegarten aus der gleichen Familie und man soll ja schon die Nutzpflanzen nicht wieder auf die gleiche Stelle setzen, um Mangelerscheinungen und Krankheiten vorzubeugen. Daher suche ich als Gründünger gezielt Pflanzen aus anderen  Familien.




Der Wirsing ist auch bald erntereif. Er steht nun schon seit so vielen Monaten im Beet, hat sich aber wirklich bilderbuchmäßig entwickelt. Die Sorte heißt Smaragd und kann bis Dezember geerntet werden.
Wirsing Smaragd (c) by Joachim Wenk
Wirsing Smaragd

Zum direkten Vergleich habe ich auch noch einmal die Sorte Winterfürst gesäht. Der kann, im Gegensatz zum Smaragd auch über den Winter draußen bleiben. Allerdings wächst er derart langsam, daß es in meinem Garten, wo ohnehin alles eher langsam wächst, doch Fehl am Platze ist. Jetzt langsam fängt er mit dem Wachstum an. Gut, daß er wirklich draußen bleiben kann.  Aber ich denke ich werde mich künftig nur für den Smaragd entscheiden.

Es gibt da allerdings noch einen ganz anderen Wirsing, der sollte schon im Sommer geerntet sein, schnell wachsend, lockerer Kopf und mild im Geschmack. Vorbote heißt er dann auch passend.

Den werde ich kommende Saison auch probieren. Scheinbar gedeiht Wirsing besser als Weißkraut bei mir. Und da er im Geschmack wirklich toll ist, könnte er das frühe Weißkraut ersetzen. Das Ausprobieren hat eben nie ein Ende.

Wirsing Winterfürst (c) by Joachim Wenk
Wirsing Winterfürst
Endlich einmal rechtzeitig gesät und dann gepflanzt habe ich dieses Jahr den Rosenkohl. Die Pflanzen sind riesig, reichen mir bis zum Bauch. Das sind etwa 120cm Höhe.Und in allen Blattachseln wachsen leckere Röschen heran. 

Rosenkohl Groninger (c) by Joachim Wenk
Rosenkohl Groninger

Nero di Toscana und Kohlrabi wachsen gut.

  Federkohl Nero diToscana (c) by Joachim Wenk
Federkohl Nero di Toscana

Kohlrabi Noriko (c) by Joachim Wenk
Kohlrabi Noriko

Ein paar Liter Tomatensauce habe ich auch wieder eingekocht und im Dörraparat sind ebenfalls nochmal einige gelandet. Von denen, die jetzt noch reif werden, will ich einmal versuchen eine leckeren eigenen Ketchup zu machen.
Tomaten (c) by Joachim Wenk
Tomaten


Monatelange Dürre ließ mich stark zweifeln an einer Kartoffelernte. Jetzt regnet es zwar nach wie vor nicht, der Boden ist bröseltrocken ab einer Tiefe von wenigen Millimetern und unter allen Bäumen und Stauden. Aber die kühlere Luft und der Tau der Nacht ließen die Kartoffeln noch wachsen und wieder grün werden. Vielleicht wächst ja unten dann auch noch etwas dran.

Lagerkartoffeln (c) by Joachim Wenk
Beet mit Lagerkartoffeln

Wirklich nervig sind dieses Jahr die Amseln. Weil seit fast 4 Monaten alles in der Landschaft steinhart und trocken ist, kommen sie in meine gewässerten Beet und wühlen nach Würmern. Leider sehen alle Wege dann so aus. Und das jeden  Tag. Hoffentlich wird das bald auch draußen feuchter, daß sie wo anders etwas zu fressen finden.

(c) by Joachim Wenk
Amsel-Vandalismus

Herbstliche Farbpalette auch im Gemüsegarten

Herbstfarben im Gemüsebeet (c) by Joachim Wenk
Herbstfarben im Gemüsegarten


Endlich kam ich auch dazu meinen Hopfen zu ernten. Sehr spät, ich weiß, aber es klappte einfach nicht eher. 

Ein Gläschen sehr geschmacksintensives Hopfensalz habe ich gemacht (100g grobes Salz mit 20g frischen Hopfendolden im Mixer gleichmäßig zerkleinern, trocknen lassen. Ganz eigener Geschmack), 

Hopfentinktur für die Nerven und eine erholsamen Nacht nach anstrengenden Arbeitstagen angesetzt (Hopfendolden mit klarem Schaps übergießen, 2 Wochen ziehen lassen, abseihen. 30 Tropfen vor dem Schlafengehen). 

Der Rest wird getrocknet für meinen Kräutertee. 

Hopfenernte (c) by Joachim Wenk
Hopfenernte 2015



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