Donnerstag, 27. August 2015

Vom Garten in die Speisekammer, ein wundervoller Tag im schon herbstlichen Garten und in der Küche

Und wieder ist es so weit, die nun bereits zweite Ladung Tomaten kann geerntet werden. 

Nachdem es zwischenzeitlich abkühlte und auch zweimal regnete sind viele geplatzt. Heute ist wieder ein sehr sonniger und warmer Tag. Der Himmel ist blau und Wolken keine zu finden. 

Bevor ich aber in den Garten kann, sind noch zwei wichtige Dinge zu erledigen. Einmal braucht mein Hundesenior wieder seine Herztabletten. Der Weg führt mich somit zuerst zum Tierarzt. Auf dem Heimweg machen wir einen Abstecher zu den Weihern. Die Karpfen fressen im Moment sehr viel und so muß zweimal die Woche gefüttert werden. Jeder Weiher wird mit einem Eimer Getreide versorgt und dann geht es Heim in den Garten. 

Der Nachbar ist so begeistert von meinen Tomaten, die immer rot und glänzend zu ihm hinüber leuchten, daß er erst einmal von jeder Sorte ein paar bekommt. Das Basilikum kann ich ja auch gleich dazu liefern. Es wuchert regelrecht im Gewächshaus. Sein Aroma ist unbeschreiblich und intensiv. Vergleicht man es mit einem Töpfchen Basilikum aus dem Discounter , so könnte man auch das Bad in einem Kinderplanschbecken mit einer Wildwasserfloßfahrt vergleichen. 

Für meine Tomaten schneide ich gleich mal einen Schwung des Krautes ab. Dann suche ich noch den überall verteilten Oregano  und füge ihn dazu. 


sonnengereifte Tomaten und Basilikum (c) by Joachim Wenk
vorher: über 5kg sonnengereifte Tomaten
und ein  riesiger Büschel Basilikum


Nachdem er ja lange - nein sehr lange - nichts getragen hat, legt der Pattison nun kräftig zu. Überall schweben weiße Ufos im Kürbisdickicht. Was bin ich froh, diese Pflanze einmal wieder "ausgegraben" zu haben. Der Versuch hat sich gelohnt. Nächstes Jahr baue ich nur noch eine Zucchini an und zwei Ufos. Das Fleisch hat eine ganz andere Konsistenz, als das der Zucchini. Der Geschmack ist aromatisch und man kann sie verwenden, wie Kürbis und wie Zucchini. Dazu kommt noch die aberwitzige Form.

Die wenigen Möhren, die im Frühjahr nach unzähligen   Saatversuchen aufgegangen sind, stehen prächtig in den Beeten. Ob da wohl unten etwas dran ist? Man sieht über der Erde nichts, nur das Grün des Krautes. Ich mach das jetzt einfach einmal. An einem kräftigen Büschel Möhrenkraut ziehe ich. Ja was kommt den da zum Vorschein. Eine Zwillingsmöhre. Die kann sich wirklich sehen lassen. Es wächst also unten auch etwas und das ist erntereif.

Erntereif ist auch mein Sommerlauch, den ich schon laufend in der Küche verwende und etlichen eingefroren habe.

Ufo und Zwillingsmöhre (c) by Joachim Wenk
vorher: Ufos, Zwillingsmöhre und nomaler Lauch


Im Laufe des weiteren  Tages bin ich dann omnipräsent. Also jedenfalls, was die Küche, den Vorratskeller und den Garten angeht. Um alle  Arbeiten zu schaffen wird einiges parallel abgearbeitet.

Schauen wir zuerst auf die Küchenarbeiten. 

Die Ufos werden mit dem Lauch und ein paar Kartoffeln zu Kürbissuppe gekocht, danach gemixt und in Weck-Gläsern eingekocht. So habe ich für das schnelle Mittagessen etwas im Keller. 

So begeistert ich von den Ufos bin, so verflucht habe ich den ersten, als ich versuchte die Schale zu entfernen. Durch die vielen Huppel und Wellen kommt man mit dem Sparschäler fast nicht voran. 

Ich habe mir eine  Methode überlegt, das zu vereinfachen. Das Ufo wird dabei in etwa 1 bis 1,5cm dicke Scheiben geschnitten. Und schon kann ich die jetzt relativ gleichmäßigen Ränder der Scheiben sehr einfach mit dem Sparschäler schälen. Natürlich werden auch hier, wie bei jedem Kürbis oder älteren Zucchinis die Kerne vor der Zubereitung entfernt. 

Tip zum Schälen von Ufo-Kürbissen (c) by Joachim Wenk
Tipp zum Schälen von Ufo-Kürbissen
So sieht das dann aus. Die Kürbissuppe habe ich nur gesalzen. Sie wird erst vor dem Verzehr abgeschmeckt. Sie hat aber auch so schon ein sehr angenehmes Aroma. Sie erinnert fast an eine milde Mischung aus einer Pilzsuppe und einer Spargelsuppe.

Tomatensugo und Kürbis-Lauch-Suppe (c) by Joachim Wenk
nachher: Tomatensugo und Kürbis-Lauch-Suppe


Die Tomaten habe ich gewaschen, halbiert und ein einen Topf mit etwas Salz gegeben. Mit dem Kartoffelstampfer habe ich sie etwas zerquetscht, daß Flüssigkeit zum Kochen zur Verfügung steht. So werden sie erst einmal gekocht, bis sie alle zerfallen sind. Für den Geschmack habe ich noch etwas Balsamico  und Zucker dazu gegeben.

Nach dem sie zerfallen sind, kommt das grob zerkleinerte Basilikum samt der Stiele dazu. Das lasse ich noch etwas köcheln und passiere es anschließend. Fertig ist die Tomatensauce. Sie kommt zurück in den Topf. Sie wird noch etwas gekocht und dadurch reduziert. 

Ich hatte 5kg Tomaten. Etwa ein Kilogramm habe ich zum Trocknen in den Apparat gelegt. Die 4 übrigen Kilo ergaben etwas mehr als 4 Liter Sauce. Am Ende ist sie auf 3,5Liter eingekocht. Sie kommt so heiß in Schraubgläser,  Deckel darauf schrauben, kurz auf den Kopf stellen und dann abkühlen lassen. Fertig ist der Wintervorrat. 

Eine halbe Kelle voll blieb übrig. Die habe ich sofort verspeist. Was für ein unbeschreiblich intensives und rundes Tomatenaroma mit Basilikum. Einfach köstlich. 

Die Möhre habe ich übrigens gleich roh verspeist. Das absolut gesunde und knackige Möhrengrün kam, wie könnte es bei mir anders sein, natürlich nicht auf den Kompost. Ich habe es fein gehackt und zu den Tomaten in den Dörrapparat gelegt. Es ist rasch trocken und wartet in der Box mit den anderen bereits getrockneten Gemüseresten darauf, zum Gemüsebrühpulver Veredelt zu werden. 


Im Garten selbst habe ich festgestellt, daß jetzt schon ein paar Flächen leer stehen. Vieles ist abgeerntet. Meine Himbeeren sind geschnitten und die alten Erdbeeren davor ausgegraben. Hier werden im nächsten Jahr Kräuter angebaut. Den Rasenschnitt von letzter Woche habe ich als Mulch über den nackten Boden gelegt. Und unter die Johannisbeeren kamen noch ein paar überfällige Kohlrabipflanzen. Wegen der immensen Hitze und Trockenheit konnte man ja wochenlang nichts pflanzen. Der Boden war staubtrocken und steinhart. Vielleicht werden die ja noch etwas. Herbstkohlrabi sind es jedenfalls. 

Gemüsegarten (c) by Joachim Wenk
nach der Ernte im Gemüsegarten


Auf die abgeerntete Flächen der frühen Kartoffeln habe ich Gründünger gesät. Buchweizen und Saatwicken.
Gemüsegarten (c) by Joachim Wenk
nach der Ernte im Gemüsegarten


Beides ist  mittlerweile sehr schön gekeimt. 

keimender Gründünger (c) by Joachim Wenk
keimender Gründünger
Im Ziergarten wird auch weiter fleißig geerntet. Geerntet im Ziergarten? Ja, auch dort kann man ernten. Herrliche Anblicke, wunderbare oder überraschende Blütenszenen. Eine Ernte für das Auge und die Seele eben. 

Sonnenblume in der Abendsonne (c) by Joachim Wenk
Sonnenblume in der Abendsonne





 Geranium sanguineum, ein heimischer Storchschnabel mit tiefreichender Wurzel. Erblüht in voller Sonne noch mehr. 

So steht es im Katalog und recht haben sie. Er stand die glutheißen Monate in voller Sonne auf trockenem und harten, lehmigen Boden.

Das Haus strahlt Wärme aufs Beet und die Sonne wird von der Oberfläche des Dorfweihers direkt in unseren Garten reflektiert. Die Wärme des Südwesthanges steigt auf und fängt sich in unserem Vorgarten. Eine Sauna oder ein Glutofen. Dem Storchschnabel gefällt es. Er kommt ganz schön rum im Beet, streckt seine Triebe weit aus. So erscheinen plötzlich Pflanze in voller Blüte, die ja gar nicht Blühen. Eigentlich. Doch der Storchschnabel schmückt sie mit seinen Blüten auf unwahrscheinlich fragilen Trieben.
 Blut-Storchschnabel (c) by Joachim  Wenk
herumstreunender Blut-Storchschnabel im Staudenbeet




Dem Sommerflieder gefällt die Wärme offensichtlich auch sehr gut. Er blüht nun schon seit Monaten. Der hier vorne hat ein wirklich umwerfendes Lila, während der hintere ein normales bläuliches Lila trägt.
Sommerflieder (c) by Joachim Wenk
Schmetterlingsflieder


Unterm Sommerflieder vergnügt sich wieder ein Blutstorchschnabel mit den Blüten des Mutterkrautes. Von dem habe ich etliche Pflänzchen im Frühjahr aus dem Samen vom letzten Jahr gesät und dann verteilt. Leider hat es immer die scheußlichen schwarzen Läuse gehabt und wollte auch nicht recht wachsen. Ich habe mich dann nicht mehr darum gekümmert und nun finde ich es hier und da, ohne Läuse und voller Blütchen.

Eigentlich sollte es sich ja von selbst aussähen, so daß man sich die Mühe mit dem Vorziehen nicht machen muß.  Das klappte bislang aber noch nicht. Vielleicht sät es sich jetzt selbst aus. Zum Storchschnabel passt es jedenfalls ganz besonders gut, finde ich.
Blutstorchschnabel und Mutterkraut (c) by Joachim Wenk
Blutstorchschnabel und Mutterkraut


Weil es mich eben so freut, kommt nun wieder ein Foto meiner Färberkamille, die in voller Blüte abgestorben war. Jetzt wächst sie wieder prächtig.

Färberkamille (c) by Joachim  Wenk
weil es gar zu schön ist, wieder meine hübsche Färberkamille


Mir sind ja etliche unterschiedliche Färberkamillen plötzlich und wortwörtlich in der "Blüte ihres Lebens" verdorrt und abgestorben. 

Einer großen Anthemis tinctoria erging es ebenso. Nur die gelben Blüten oben an den Zweigspitzen blieben frisch. Hier und da ein grünes Blättchen war zu entdecken im ansonsten strohgelben restlichen Busch. 

Also abgestorben konnte sie noch nicht sein. Schön aussehen tat das Gestrüpp auch nicht. Was machen? 

Warten. Das ist immer gut. Die Blüten verblühten irgendwann und wurden trocken. Das sah ich mir noch eine Weile an und schnitt dann alles ab. Ich hatte einen Hintergedanken bei dem Ganzen. Und der hat sich tatsächlich realisiert. 

Vielleicht sät sie sich ja aus, war meine Idee. 

Heute beim Unkrautrupfen im Beet erblickte ich das hier: 

Färberkamille Sämlinge  (c) by Joachim  Wenk
Färberkamillensämlinge

Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich von hunderten winziger Färberkamillen spreche. Was für eine Freude.  Da werden doch ein paar überleben und groß werden. Die können sich dort in dem Beet ruhig ausbreiten. Das käme mir sogar ganz gelegen.

Färberkamille Sämlingsmama (c) by Joachim Wenk
Färberkamille Sämlingsmama

Naja und wer sagt's denn. Auch die Mutterpflanze war wirklich nicht abgestorben. Sie ist wieder da. 




Nach all den schönen Eindrücken aus meinem Garten setze ich mich noch etwas in  meinen Weinberg (das Rankgestell kommt schon auch noch irgendwann dazu!) und genieße den Ausblick auf den Dorfweiher, an einem wunderbaren Sommerabend. 

Weinberg der "Bucher Weiherblick" (c) Joachim Wenk
mein Weinberg der "Bucher Weiherblick" in der Abendsonne


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