Montag, 20. Juli 2015

"bei uns regnet es nie" und das unbekannte Leben in den Bäumen

Ist das nicht wirklich komisch? Seit Wochen jammere ich, daß alles vertrocknet und es bei uns nicht regnet. Dann kündigte sich der seit über einem Jahr geplante Besuch einer lieben Gartenblog-Freundin an.

Im Schweiße meines Angesichts räume ich am Vormittag noch etwas im Garten auf, die Schwitzschlauchbewässerungen geben alles und ich renne mit dem Schlauch durch den Garten. "Freu dich auf eine Wüstenrallye" scherzte ich noch einen Tag zuvor mit Sabine.

Endlich ist es 15 Uhr und Sabine und ihr Mann steigen aus dem Auto, laden noch rasch die schönen Mitbringsel (Taglilie, Neuseeländerspinat, Wildclematissämling, Rosenausläufer) aus und schon fängt es an zu regnen. Ich glaube das doch wohl nicht. Oder?

Aber! Iich behaupte weiter, daß bei mir alles vertrocknet und es nicht regnet. Das Wasser, das von Oben kam war zwar gut, uns die Schirme aufspannen zu lasse,n beim ersten Gartenrundgang. Es reichte dabei aber nicht einmal durch das Laub der Haselnuß, unter der wir dann unseren Kaffee mit frischem Rhabarberkuchen genossen, zu durchdringen. Der Regenmesser zeigte am Ende des Tages wieder etwa einen halben Liter Regen, mehr nicht.

Trotzdem zeige ich hier dieses denkwürdige Foto, von uns mit Schirm(!) im Sommer 2015 im Garten. Und, weil ich es ein sehr schönes Foto von uns beiden Gartenverrückten finde.

Achim und Sabine im Garten (c) by Joachim Wenk
Achim und Sabine im Garten

Wie schön das war, unter der Haselnuß. Wir plauderten und quatschten und die Zeit verflog im Nu. Dann noch ein Rundgang durch den Rest des Gartens und eine Besichtigung bei den Karpfenweihern.

Als wir so unter der Haselnuß saßen, bemerkten wir oberhalb des Tisches, gottseidank aber leicht versetzt ein Nest. Direkt darunter Vogelkot am Terrassenboden.   Im Nest saß eine fast flügge junge Amsel und die Mama liefert fleißig Nachschub für den hungrigen Schnabel. Ich habe sie nicht fotografiert, da wir nicht unnötig für Unruhe sorgen wollten, durch das Beobachten und Fotografieren.  Nicht, daß sie noch einen unbedachten Schritt macht und aus dem Nest hoppst. Das tut sie sicher ohnehin in Kürze, aber im Moment, wo wir alle unten sitzen und der Hund neben uns lieg,t muß es ja auch nicht sein.

Ein schönes Nest, ziemlich weit draußen an den Astenden. Dort hätte ich nicht gedacht, daß eine Amsel nistet. Ich kenne Amselnester eher versteckt in Efeu oder bei uns im Carport auf dem Balken.

Die Amseln zewühlen  mir zwar immer arg den Garten auf der Suche nach Regenwürmern, gerade, wenn Junge da sind. Und doch freue ich mich, daß sie bei uns nistet und sich hier im Garten wohlfühlt.

Wohl fühlt sich ganz offenbar auch dieser eigenartige Genosse. Also ich stehe, wer hätte es gedacht, mit dem Schlauch vor dem Beet und bin am Giessen. Dabei betrachte ich mir ja immer meine Pflanzen und was sehe ich da auf Augenhöhe? Einen Frosch. Ich werd' verrückt. Da sitzt ein riesiger, etwa 15mm großer grüner Frosch auf meinem Baum und sonnt sich. Hab ich selbst zu viel von der Sonne abbekommen, oder sitzt da wirklich ein Frosch?  Also das habe ich noch nie und nirgends bei mir gehabt, einen eigenen Laubfrosch. Ich nehme einfach einmal an, daß es ein Laubfrosch ist, da er ja im Laub sitzt. Wo wohnt der wohl? Wo vermehrt er sich oder findet überhaupt den passenden Partner? Ein Teich ist hier nicht. Wahrscheinlich braucht er den auch nicht.

Jedenfalls freut mich das jetzt wirklich, einen neuen Bewohner gefunden zu haben. Oder ist er überhaupt neu? Ich jedenfalls, sah ihn jetzt zum ersten Mal.

Ihr seht, als Gärtner darf man seinen Blick nicht immer nur gen Boden richten. Man sollte sich ruhig auch einmal  aufrichten und nach oben - zum Beispiel in die Büsche und Bäume - blicken. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken.


Laubfrosch im Baum (c) by Joachim Wenk
Ein Frosch im Baum (ja die  Blätter befinden sich etwa 180cm über dem Boden und gehören einem Khaki-Baum)

Der Regen am Samstag hat also wirklich nicht viel geholfen. Die folgenden Fotos zeigen, wie dürr es ist. Im Frühjahr, wenn auf dem Rasenstück mit der Vogeltränke wieder im saftigsten Grün die Tulpen und Narzissen blühen, werde ich mich dann an diese Fotos erinnern und erstaunt den Kopf schütteln.

Dürre im Garten (c) by Joachim Wenk
hier war mal Rasen und im Frühjahr die Tulpen- und Narzissenwiese


Dürre im Garten (c) by Joachim Wenk
die Auffahrt ist dürr

Landgarten (c) by Joachim Wenk
viele trockene Stellen, aber hier sieht es noch eher nach Rasen aus




Sogar die Blätter verfärben sich und fallen. Inklusive vieler kleiner und größerer Äste. Die Bäume sind einfach so stark ausgetrocknet.

Herbstlaub im Juli (c) by Joachim Wenk
bunte Blätter auf dem Rasen - Mitte Juli!




Der Wein hängt auch total erschöpft "in den Seilen", die ja noch immer nicht da sind. Ich weiß garnicht, wie die Winzer das in den Weinbergen bei Neupflanzungen machen. Können die die Hänge auch gießen? Ich jedenfalls muß gießen. Das ist mit die heißeste Stelle im Garten. Eigentlich schön für den Wein. Weil wir ihn ja aber erste im Frühjahr (April?) gepflanzt haben, sind natürlich die Wurzlen noch nicht entwickelt und ich muß ihn unterstützen. Kommendes Jahr sieht es dann sicher schon anders aus, denn Wein wurzelt bis zu 8m in die Tiefe habe ich gelesen. Dann ist er unten auf dem Niveau vom Dorfweiher und hätte Wasser so viel er braucht. Unser Brunnen geht auch 8m in die Tiefe, daher haben wir ja immer ausreichend Wasser zum Gießen.

dürstende Weinpflanzen im ersten Standjahr (c) by Joachim Wenk
dürstende Weinpflanzen im ersten Standjahr

Bei diesem unwirtlichen Wetter gelingt es manchen Pflanzen trotzdem noch so unwahrscheinlich, fast schon unreal zarte Blüten zu formen und sich damit zu schmücken.

zarte weiße Mohnblüten (c) by Joachim Wenk
zarte Mohnblüten
Am Sonntag hat es mehrmals kurz geregnet. Es war endlich einmal wieder angenehm im Garten, weil die Temperatur gesunken ist. Alles in allem kamen kanppe 2l/qm Regen herunter am Sonntag. Immerhin, das ist schon etwas mehr als die 500ml gestern oder vergangene Woche. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Und genau wie befürchtet, hat selbst das bisschen Regen binnen Sekunden unschönen Schaden angerichtet. Die hohe Stockrose in der Auffahrt liegt fast am Boden und vom üppig blühenden Schmertterlingsflieder hat die Windböhe zwei ziemlich große Triebe abgebrochen.


Im Gemüsegarten geht inzwischen die Ernte weiter. Die Himbeeren fangen an, reif zu werden. Heute Nachmittag zum Kaffee gab es frische Hefe-Waffeln mit einem Klecks Sahne darauf. In die Sahne haben wir die noch sonnenwarmen frischen Himbeeren gedrückt. Was braucht man mehr, um glücklich zu sein. Oder?

Zum Abend gab es gestern schon die allerersten beiden roten Tomaten. Es ist so abgedroschen, dieses "die schmecken  viel besser als die gekauften". Aber es ist so! Leute, so eine selbst gezogene, sonnenverwöhnte, in richtiger Erde bei Wind und Wetter wachsende Bio-Tomate  frisch vom Strauch ist so unbeschreiblich ganz anders als die gekauften Tomaten.

Erstaunlich, auch für den Onkel der zu Besuch war, ist die Tatsache, daß die Tomaten im Freiland eher reif sind, als die schon früher gepflanzten Tomaten im Gewächshaus. Hier färben sich die ersten allerdings ebenfalls bereits rot.

Tomaten im Gewächshaus (c) by Joachim Wenk
Tomaten  im Gewächshaus


Paprika und Basilikum stehen schön im Gewächshaus. Ich werde morgen gleich einmal eine Portion Pesto machen. Das Basilikum beginnt zu blühen. Dann knipse ich lieber die Triebspitzen ab, mache Pesto daraus und fördere so das verzweigte Wachstum. Ich brauche doch noch Basilikum, wenn jetzt die Tomaten reifen.
Paprika im Gewächshaus (c) by Joachim Wenk
die Gewächshaushälfte mit Paprika



Wow, genau so sahen sie im Katalog aus. Die Paprika Liebesapfel. Nur eben größer und feuerrot. Aber genau wegen dieser Form wollte ich sie probieren. Die müsste ideal zum Füllen sein. Wegen des geraden Bodens steht sie dann besser in der Auflaufform und kippelt nicht so und dann das schöne bauchig-runde Äußere, dass viel Füllung hinein passt. Bis jetzt ist alles genau, wie ich es mir vorstellte.

Paprika Liebesapfel (c) by Joachim Wenk
Paprika Liebesapfel

Paprika Liebesapfel (c) by Joachim Wenk
Paprika Liebesapfel


Weil sie im vergangen  Jahr so reich trugen und der Paprikaanbau ein Erfolg war, nahm ich Samen von ihnen und baue sie dieses Jahr wieder an. Ich glaube sie hieß  Sommergold.

Paprika Sommergold (c) by Joachim Wenk
Paprika Sommergold


Mittlerweile sieht man selbst auf den Fotos, den reichen Fruchtbehang meiner Tomaten. Die obere Stange vom Rankgerüst ist mittlerweile auch erreicht. Ich denke ich knipse dann  die Triebe kurz darüber ab. Sie würden zwar noch wachsen, aber die Blüten da oben brauchen noch eine lange Zeit, bis reife Früchte daran hängen. Und wir haben bereits Ende Juli. Im August werden die Tage schon spürbar kürzer und im September erst recht, die Sonnenmenge wird deutlich reduziert, die Tomaten werden nicht mehr reif. Lieber soll die Pflanze jetzt die ganze Kraft in die Früchte stecken, die bereits da sind oder gerade noch in Blüte sind. So wie es aussieht wird mir die Ernte auch ausreichen. Es darf nur keine Braunfäule kommen.
Tomaten Fruchtbehang (c) by Joachim Wenk
ein Fruchtbehang, wie im Bilderbuch

Tomaten Rankgestell (c) by Joachim Wenk
die Tomaten sind oben angekommen - eine geniale Konstruktion
mein extra hohes Tomaten - Rankgestell


Jetzt sind es schon drei so herrliche Kohlköpfe, die ich geerntet habe. Einer wurde sofort gegessen, diese beiden konserviert. Aus einem habe ich Bayrisch Kraut gekocht und in drei Portionen eingefroren. Das liebe ich, wenn ich zum Kochen immer schon fertige Teile des Essens aus der Gefriertruhe nehmen kann. Und weil ich nicht nur Bayrisch Kraut essen will, habe ich den anderen Kopf gehobelt, blanchiert, trocken geschleudert und auch in unterschiedlich großen Portionen eingefroren.

Jetzt stehen noch ein paar Köpfe im Beet. So schönes Kraut hatte ich noch nie. Für diese Prachtköpfe habe ich dann doch zu viele Pflanzen gezogen. Früher waren es immer nur mickrige Köpfe und da brauchte ich mehr Pflanzen. Na gut, gibt es halt öfter Kohl zum Mittag. Ist auch gesund.
Weißkraut "Nagels Frühweiß"

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen