Mittwoch, 10. Juni 2015

Kohlrabi versus Diätkohlrabi, Diät-Salat versus Null-Diätsalat


Der Rhythmus der Jahreszeiten ist heutzutage gut erkennbar, beim Durchstöbern der Fotos vom vergangen Jahr.

Die erste Ladung an vorgezogenem Gemüse und Blumen oder an vorgetriebenen Knollen ist in der Erde. Und fast ganz genau zum selben Wochenende wie 2014 mache ich mich an die Arbeit, die ganzen Töpfe und Topfplatten, die zum Teil sogar schon mehrfach benutzt wurden dieses Jahr, zu waschen.

Das ist doch wirklich beachtlich, wenn man überlegt, daß da überall Pflänzchen darin waren, die groß gezogen werden mußte, gepeppelt und versorgt und schließlich, als sie groß genug waren, ins Freiland kamen.

gewaschene Pflanztöpfe und Saatschalen (c) by Joachim Wenk
frisch gewaschene Pflanztöpfe und Saatschalen


Und warum die ganze Arbeit? Ganz einfach, daß es im Gemüsegarten so toll aussieht, wie hier:


Der Kohlrabi-Aufmarsch in Reihe zwei.

Kohlrabi Azur Star (c) by Joachim Wenk
Kohlrabi Azur Star



Zwei Reihen weiter stehen die Zwiebeln zackig in Reih' und Glied.



junge Zwiebeln (c) by Joachim Wenk
junge Zwiebeln

Und hier das Beet im Überblick.
Mischkultur im Gemüsebeet (c) by Joachim Wenk
Gemüsebeet mit Mischkultur


Zucchini und Ufokürbis waren zuerst da. Dann hatte ich keinen Platz mehr, also ich die Rosenkohlpflanzen setzen mußte. Also kamen sie hier dazwischen. Mit einem Mal sind alle mächtig gewachsen. 

Zucchini, Ufokürbis und Rosenkohl (c) by Joachim Wenk
Zucchini, Ufokürbis und Rosenkohl in trauter Dreisamkeit



 Die Zucchini werden wohl in den nächsten Tagen mit dem Blühen beginnen.


Zucchiniknospen (c) by Joachim Wenk
Zucchiniknospen


Die Frühkartoffeln legen sich mächtig ins Zeug, oder  wohl eher ins Kraut. Wenn die unter der Erde auch so prächtig gedeihen....
Frühkartoffeln (c) by Joachim Wenk
Frühkartoffeln

 Die Lagerkartoffeln kamen ein paar Wochen später ins Beet und sind noch etwas kleiner. Dafür stehen die ja auch bis Oktober hier.

Lagerkartoffeln (c) by Joachim Wenk
Lagerkartoffeln

 Sogar erste Tomaten hängen schon an den Pflanzen. Hier die Tomaten im Gewächshaus. Aber auch im Freiland hat fast jede Pflanze die ersten kleinen grünen Kügelchen daran hängen.




Tomaten (c) by Joachim Wenk
die ersten Tomaten hängen an den Pflanzen 



Was für ein traumhafter Garten, oder?

Wirklich?

Und was sagt man dann zu diesen Bildern hier?


Leckerer Kohlrabi.

Kolrabi (c) by Joachim Wenk
Kohlrabi
Köstliches Weißkraut

Weißkraut (c) by Joachim Wenk
Weißkraut


Oder hier der gegen Mittag fotografierte "Diät-Salat". Wer den gesehen hat, wird ihn nicht essen und nimmt toll ab dabei.  Wer weiß, wie der im Schutz der kühlen und feuchten Nacht aussieht.

Kopfsalat (c) by Joachim Wenk
Diät-Salat


Das ist die neueste Diät-Salat-Züchtung. Der sogenannte "Null-Diät-Salat". Ich denke er erklärt sich von selbst, beim Betrachten des Fotos.

Salat (c) by Joachim Wenk
Null-Diät-Salat


Beim Stichwort Diät fallen mir auch die Diät-Erdbeeren ein. Da gibt es sogar zwei Diäten zur Auswahl.

Die igitt-Diät ist ganz einfach. Jede der schönen Erdbeeren, die man pflückt, ist  wohl sehr groß und leuchtend rot. Hat man sie in der Hand, ist sie von der Unterseite total ausgehöhlt und es hausen mehrere kleine oder bis zu zwei riesige, fette, spanische Schnecken in ihr. Mit einem lauten IGITT, wirft man die Beere samt Inhalt dann weit fort. Das ist gut für die Figur.

Die andere Diät hat noch keinen Namen, läuft aber folgender maßen ab. Man merkt garnicht, daß überhaupt Erdbeeren da wären, da sie von den Schnecken bereits vertilgt sind. Somit isst man keine Erdbeeren.

Beide Diäten sind sehr effektiv. Keinerlei Kalorien durch Erdbeeren oder gar der Sahne dazu oder dem Eis oder dem Kuchen oder....

Erdbeeren (c) by Joachim Wenk
Erdbeeren
Radieschen (c) by Joachim Wenk
Radieschen


Und damit ihr auch etwas von meinen Diäten habt, weil ihr so schnell wohl keinen Appetit auf etwas mehr spüren dürftet, fange ich einmal an, die Ursachen der Löcher im Gemüse zu zeigen.

Hier gibt es zwar keine Löcher, aber auch hier handelt es sich um eine Diät-Pflanze. Die alte Bauerngartensorte des Diät-Schnittlauches.
Schnittlauch (c) by Joachim Wenk
Schnittlauch

Schnittlauch (c) by Joachim Wenk
Schnittlauch 


Weil aber viele meiner Diät-Sorten den Schnecken natürlich zu magere Kost sind, machen sie sich auf den Weg in Richtung Kompost.

Schnecken (c) by Joachim Wenk
Schnecken


Da gibt es wenigstens was "gescheites" zu fressen und man muß auch nicht warten, bis es Nacht wird. Hier kann man auch tagsüber ordentlich spachteln .


Schnecken am Kompost (c) by Joachim Wenk
Schnecken am Kompost 

Schnecken am Kompost (c) by Joachim Wenk
Schnecken am Kompost
Man muß schon sehr leidenschaftlich Gärtnern und ein großes Bedürfnis nach eigenem Gemüse und Obst zu haben, wenn man angesichts dieser Bilder doch noch zu essbaren Erträgen kommen will.

Aber auch solche Menschen - mich - nervt es unbeschreiblich. Beinahe alles was ich ernte und esse - essen will - muß ich haarklein untersuchen, viel viel angebissenes Wegwerfen und dann zusammenkratzen, was für mich noch übrig ist. Und bei jedem Bissen denke ich daran, wie die Schnecken in die Erdbeere, den Salat oder das Radieschen auch schon hinein gebissen haben. Oder noch schlimmer, ich kaue vorsichtig, aus Angst, eine Schnecke übersehen zu haben. Oft kriechen dann noch welche nach dem Essen in der Spüle, die aus dem Gemüse kamen und die dort entkommen sind.

Manchmal meine ich, wenn ich in einem normalen Garten mir Reste vom Kompost  für die Küche holen würde, wäre es so in etwa die Qualität an Gemüse, die ich in meinem Garten als "Ernte" bezeichne. Ja bezeichnen muß, denn täte ich das nicht als Ernte deklarieren, hätte ich keine Ernte!

Im Gemüsegarten habe ich immer noch Hoffnung. Das Gärtner-Gen ist einfach zu fest und tief in mir drin, auch wenn der Verstand schon lange sagt: "lass es, gib den Garten auf".

Im Ziergarten habe ich schon aufgebeben. Fast komplett. Da kann ich nichts ändern und muß gewähren lassen. Ich habe nicht die Zeit jeden Abend 2-3 Stunden Schnecken abzusammeln. Heute abend war ich eine Stunde allein im Gemüsegarten unterwegs. Der hat etwa ein Sechstel der Gartengröße und selbst hier habe ich bei weiten nicht überall nachsehen und absammeln können.

Und so sehe ich zu, wie die im Herbst erstandenen und seither hoffnungsvoll versorgten Stauden täglich weniger werden und absterben. Färberkamillen, Flockenblumen, Mutterkraut und Brandkraut, Iris und Mohn, Glockenblumen und Witwenblumen, Zierlauch oder Dahlien. Sie werden keine Blüten mehr bekommen und alle in sie investierte Arbeit und Geld und vor allem Hoffnung und freudige Erwartung waren umsonst.

Erst trieben alle prächtig durch und mehr und mehr werden sie nun wieder ab gefressen. Bei manchen geht es schneller, bei anderen beginnt es jetzt.

Flockenblume (c) by Joachim Wenk
Flockenblume, letzter  übrig gebliebener Trieb


Meine Dahlien habe ich in Töpfen vorgezogen, daß sei einen Vorsprung im Beet haben. Das nützte nichts. Sofort klebten sie über und über voll dicker und fetter und riesiger Schnecken. Was tun? Was tun mit den noch nicht gepflanzten? Ich habe diese und zwei der bereits ausgepflanzten in einen Trog. Zwei stehen jetzt noch direkt im Beet und ich klaube und klaube tags und nachts, daß ich möglichst viele Schnecken wegbekomme von ihnen. Im Trog war einfach kein Platz mehr für sie. So, wie wenn bei einem gesunkenen Schiff zwei Passagiere nicht mehr ins rettende Beiboot gelassen werden und im Meer bleiben müssen...

Dahlien(c) by Joachim Wenk
wochenlang vorgetrieben Dahlie im Beet

Dahlien (c) by Joachim Wenk
Dahlienrettungsboot, das leider nicht für alle ausreichte
links die vorgetriebenen und noch nicht ausgepflanzten Dahlien, rechts die gleichen Dahlien, vorgetrieben aber etwa eine Woche in freier Wildbahn. Seht ihr den Unterschied?

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