Samstag, 21. Februar 2015

Jedes Beet hat seinen Namen.

Meine Beschwerden haben etwas genutzt! Der Hochnebel mit seinem kalten Kumpanen, dem Dauerfrost, hat noch ein paar Tage überlegt und ist dann verschwunden.

Freitag war es endlich so weit. Die Temperaturen kletterten bei Sonnenschein deutlich über Null Grad. Heute am Samstag schien die Sonne immer wieder, auch wenn der Himmel noch bewölkt war. 4°C hatten wir tagsüber. Jetzt kann der Boden langsam auftauen. Die oberste Schicht von vielleicht einem Zentimeter, ist an manchen Stellen schon weich. Darunter ist noch Eis.

Die Wetterprognosen bleiben für die nächsten Tage bei diesen Temperaturen. Nachts nur knapp unter Null Grad.

Ich war heute auch zwei Stunden im Garten. Auch wenn mir das Arbeiten mit Winterjacke und Mütze nicht so viel Spaß macht. Unbeweglich wird man. Die Mütze rutscht immer ins Gesicht. Aber einen richtigen Gärtner hält das nicht ab, endlich etwas im Garten zu machen.

So stehe ich vor meinem Palmenübewinterungshaus, blicke in den Garten und sinniere. Mit was fange ich an?

Im Gewächshaus entferne ich das Vlies über dem Spinat und dem Feldsalat, damit sie etwas haben von der Frühjahrssonne. Gut richtig Gartenarbeit war das jetzt nicht. Was kann ich noch sinnvolles machen?

Spinat und  Feldsalat im  Gewächshaus (c) by Joachim Wenk
Spinat und  Feldsalat im  Gewächshaus


Die Unordnung stört seit  einiger Zeit. Vielleicht kann hier und da etwas aufgeräumt werden.

In den Staudenbeeten kommen überall die grünen Spitzen der Frühlingsblüher hervor. Ich werde damit beginnen, die alten Stauden abzuschneiden. Astern, Eibisch oder Pfingstrosen stehen wie unansehnliche und von den Winterstürmen zerzauste Besen in der Landschaft. Vorsichtig steige ich in die Beete. Würde ich noch länger warten, wäre die Gafahr noch  größer, daß ich die zarten und heiß ersehnten Tulpen, Osterglocken oder Hasenglöckchen zertrete.

Rasch vergrößert sich der wilde Haufen im hinteren Teil des Gartens. Die bereits abgeschnittenen Wildrosenbüsche, Fliedergestrüpp und Baumschnitt liegen bereits seit ein paar Wochen dort. Jetzt türmen sich Asternäste oben drauf. Wenn dann noch die Haselnußhecken geschnitten sind, wird es höchste Zeit das Gestrüpp zum Osterfeuerplatz zu fahren. Dafür ist es jetzt in den Beeten wieder aufgeräumter. Den herbstlichen Blätter- und Rasenmulch den die Amseln in die Umgebung geschleudert hatten, reche ich einfach wieder auf die Beete.

Damit wir uns daheim bei Diskussionen zum Garten auch eindeutig verständigen können, haben meine Staudenbeete ihre eigenen Namen.

Da ist zum Beispiel "das Staudenbeet". Mein erstes komplett neu angelegtes und mit Stauden bepflanztes Beet. Vom Haus und den Sitzplätzen aus ist es vom Frühjahr bis zum Herbst ein Blickfang von etwa 15 Quadratmetern Größe.

Staudenbeet im Februar (c) by Joachim Wenk
"das Staudenbeet" nach dem Frühjahrsputz





Seit jeher gab es im Garten das "Mäuerchenbeet". Ein schmaler Streifen hinter der Stützmauer zur Garageneinfahrt. Als wir den Garten übernahmen war die Mauer nicht mehr zu sehen und das Beet auch nicht. Dennoch war alles schön begrünt. Nun, das "schön" wurde kurz diskutiert und ich hatte das letzte Wort. Schließlich habe ich auch die Arbeit mit dem Garten! Das "schöne" Grün bestand aus einem undurchdringlichen Dickicht von Cotoneaster. Einzig eine meiner nun an anderer Stelle blühenden Asternbüsche und ein paar große Storchschnäbel konnten sich dem Strauch zur Wehr setzen. Alles andere war überwuchert.

In wirklich mühseliger Handarbeit mit der Rosenschere und einem Spaten entfernte ich alles. Dann kam die  Wahrheit zum Vorschein. Das Beet war hinten zum Rasen mit Rasenkantensteinen begrenzt und  keinen halben Meter tief. Den Cotoneasterausmaßen nach erwartete ich mindestens einen Meter Beetbreite.

Im ersten Jahr blieb alles unverändert. Die  eingesäten Einjährigen wuchsen nicht wie erwartet. Außer Kapuzinerkresse und Malve blühte nichts.

Im nächsten Frühjahr half die Motorhacke, das Beet in Richtung Wiese zu verbreitern. Die ersten Stauden wurden gekauft. schneckenresistent und trockenheitsverträglich mussten sie sein. Die Auswahl war ein schöner Erfolg und bescherte uns im Sommer letzten Jahres deutlich mehr Blüten.

Ein wenig breiter könnte es dann doch noch sein. Und die beiden in die Wiese gepflanzten Sommerflieder sollten auch wieder umgepflanzt werden. Der dort gedachte Sitzplatz wird nicht angelegt. Es sitzt niemand an dieser Stelle im Garten.

Also kommen die Büsche auch noch in das "Mäuerchenbeet". Jetzt ist es mittlwerweile in richtig großes Beet. Neue Stauden werden gepflanzt und die noch immer herumliegenden Begrenzungssteine probehalber als Kontur außen herum gelegt.

Staudenbeet im Februar (c) by Joachim Wenk
"Mäuerchenbeet" nach dem Frühjahrsputz


Ja, so ist es gut. Etwa 20 Quadratmeter Blühfläche erblickt man vom Eingangstor aus oder beim Blick aus Küchen- und Wohnzimmerfenster. Leider kam dann der Winter und die Kante ist noch nicht ordentlich verlegt. Das ist eine Aufgabe fürs Frühjahr.



Dann gibt es noch das 6 Quadratmeter große "Zaunbeet". Auch das gab es seit jeher. Mit einem Kiesweg davor. Eine der unverwüstlichen Astern thront dort noch immer. Pfingstrosen aus Mutters ehemaligem Schrebergarten haben Fuß gefasst. Ansonsten lag das Beet die ersten Jahre brach. Ich wollte warten, bis der Zaun, der auch gemacht werden mußte, fertig ist. Bei der  Demontage das alten Zaunes und dem Aufbau des neuen, wäre ohnehin wieder alles zertrampelt worden. Letztes Jahr dann im Sommer ist es endlich so weit und der neue Zaun steht. Im Herbst habe ich gleich Stauden gepflanzt. Hier müssen die Stauden auch Trockenheit vertragen, für Schnecken unattraktiv sein und, ganz wichtig, groß und hart im Nehmen sein. Jedenfalls sollten sie eine am Zaun auf und abrennenden Labrador überleben.  Bald werde ich sehen, wie meine Auswahl funktioniert.



Das vierte Staudenbeet wiederum ist  neu. Beim Eingang standen bis zu unserem Einzug riesige Nadelbäume, Zu eng gepflanzt und nicht schön anzusehen. Wir haben sie gefällt. Ich habe vom Hinterhofgarten mitgebrachte Pflanzen wie eine Kletterhortensie und eine Aronia dorthin gepflanzt.Daher hat das Beet den Namen "Aroniabeet" . Mehrmals im Sommer mußte mit der Motorsense das Unkraut auf der Fläche gemäht werden. Schön war es nicht. Wenn der Zaun steht muß auch hier etwas geschehen. Im Sommer dann wurde die ganze Fläche immer wieder dick mit dem Rasenschnitt bedeckt. Darunter starb das Unkraut ab und die Würmer lockerten den Boden. Dahinein konnte ich im Herbst auch wieder Stauden pflanzen. Ein Ranunkelstrauch fand dort auch seinen Platz. Wenn es jetzt endlich Frühling wird erwarte ich hier auch neue Gesellschaft. Vor allem bin ich gespannt auf die  Staudenklematis, die sich dort ausbreiten sollen. Die Moosrose "Kaptain John Ingram" blühte bereits letzten Sommer in einem unbeschreiblich intensiven und dunklen rot-lila. Sie ist stark gewachsen. Platz ist am Rand des 12 Quadratmeter messenden Beetes vorhanden  und so kann sie wild auseinander fallen. Ein richtig wildromantischer Blütenbusch wird das werden. Der Versuch, ihn ordentlich hochzubinden, weil die dünnen Triebe nicht von allein aufrecht oder annähernd senkrecht stehen können, endete fürchterlich. Es sah aus, als hätte ich einen Reisigbesen dort in die Erde gerammt. Unwürdig dieser herrlichen Rose. Rasch habe ich die Schnüre wieder entfernt.

Staudenbeet im Februar (c) by Joachim Wenk
Aroniabeet im Februar 





Und schließlich gibt es noch ein Beet, direkt neben der Terrasse am Haus. Unser Grundstück ist ein Hanggrundstück und das Beet ist irgendwie...., ich kann es gar nicht beschreiben. Ein weißer Flieder wuchert darin und gab ihm den Namen "Fliederbeet". Die sehr alte  Weigelie ist im Frühsommer immer ein Blütenwunder. Die Form des Beetes ist mehr oder weniger undefiniert. Je nachdem wie ich immer wieder einmal den Rasen absteche. Die freie Fläche zum bepflanzen ist abschüssig, immer trocken und die Erde rutscht runter über die niedrige  Begrenzung auf die Auffahrt. Hier wird im Frühjahr Hand angelegt. Das Beet gehört zu unserem Projekt "Wege und Terrasse" neu machen oder neu anlegen. Dummerweise  hatte ich im Herbst auch hier noch ein paar Stauden gepflanzt. Ursprünglich war das große Projekt noch nicht für 2015 geplant. Weil das Beet und die Terrasse direkt am Haus aber wirklich kein schöner Anblick sind, wird es doch angegriffen. Auch kommt man nur über Stufen auf die Terrasse. Das ist bei der Größe meiner Kübelpflanzen, die nur zu zweit und mit Sackkarre bewegt werden können immer absolut unpraktisch. Hier ist also nicht viel an Blüten zu erwarten. Erste einmal muß ich das dort gepflanzt wieder ausgraben und zwischenlagern.

Dennoch wird es im Garten dieses Jahr noch einmal deutlich mehr Blüten vom Frühjahr bis zum Sommer geben. Und mein Traum vom bunten und blühenden Garten kommt immer näher. Dafür, dass wir ihn wirklich fast vollständig blütenlos übernahmen,  konnte er sich bereits im vergangen Jahr schon sehen lassen.

Auch wenn der große Garten wirklich ein Traum von mir ist, so bringt die Größe für meine Ungeduld doch reichlich Nahrung mit sich. Es kann nicht alles auf einmal gemacht werden. Geld und Zeit als begrenzende  Faktoren spielen eine wichtige Rolle.  Und dann muß man auch noch immer wieder und wieder aufs neue Jahr, das Frühjahr und den Beginn des Wachstums warten, um seine Neuanschaffungen bewundern zu können. Jetzt ist es bald so weit.  Ich freue mich wahnsinnig darauf.

Für heute müssen wir uns noch mit ein paar Schneeglöckchen begnügen.

Schneeglöckchen im Februar (c) by Joachim Wenk
Schneeglöckchen




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