Mittwoch, 28. Januar 2015

Neue Wurmfarm für Wurmkompost eingerichtet

Meinem Hund gebe ich zweimal täglich sein Futter. Damit ist er satt und wenn nicht, gibt er mir das durchaus deutlich zu verstehen.

Aber wie füttert man die Kompostwürmer  in einer Wurmfarm?

Mittlerweile habe ich den Dreh raus und konnte vergangen Woche die ersten 3kg lockeren frischen und geruchslosen Wurmkompost ernten.

Das Problem mit den Würmern ist ihr Freßverhalten. So ein Wurm beißt nicht einfach von den Küchenabfällen ab, die man in die Wurmfarm gibt. Vielmehr müssen diese Abfälle erst vergammeln und vorverdaut werden, bis er sie sich zu nutze machen kann. Von enormer Bedeutung für dieses Vergammeln  sind all die aeroben Bakterien, die so ein Wurm mit sich schleppt. Die zersetzen die organische Masse so weit, bis er sie fressen kann.

Dieser Prozeß dauert natürlich seine Zeit.  Der Wurm möchte aber dauernd fressen. Ich machte am Anfang den Fehler, zu wenig pflanzliches Material in die Farm zu geben.  Man muß da quasi einfach immer wieder nachfüllen. Die Abfälle zersetzen sich und werden dann gefressen. Unterbricht man diesen steten Nachschub, ist irgendwann zu wenig zersetzte Masse vorhanden und die Würmer haben nichts zu fressen.  Somit muß man also immer vorausdenkend füttern und keinesfalls, wie vielleicht bei Hühnern oder Kaninchen immer dann, wenn der Napf leer ist.

Jetzt weiß ich das, hatte im Herbst noch einmal Würmer nachgekauft und die  Farm neu aufgesetzt. Dann kam der Winter mit tieferen Temperaturen. Jetzt fressen die Würmer weniger aber immer noch stetig, da die Farm im Palmenüberwinterungshaus bei 10°C - 12°C steht. Ich freue mich jedesmal, wenn ich die einzelnen Etagen hochhebe und sehe, was für ein reges  Treiben sich meinen Augen darbietet.

Die Flüssigkeit, die unten heraustropft ist ein brauner Saft, der stark verdünnt gegossen werden kann. Er enthält Nährstoffe und auch die wichtigen aeroben Bakterien. Genau die sind für den Gartenboden so wichtig, weswegen der Wurmkompost von so unschätzbarem Wert ist. Bringt man ihn dann auf den Gartenboden aus, impft man diesen sozusagen mit den Bakterien.Vergleichbar mit etwas Hefe oder Sauerteig beim Backen.  Die vermehren sich dann im biologisch geführten Gartenboden weiter und man reichert den Boden immer mehr mit ihnen an.

Ich habe mit der Wurmfarm damals auch gestartet, um meinen "kaputten" Boden wieder zu regenerieren. (Hier habe ich schon ausführlich über die Wirkung gesprochen) Wollte ich all die positiven Effekte von Wurmkompost hier aufzählen wäre der Post viele  Seiten lang. Ein absoluter Glücksgriff und unbeschreiblicher Motivator, mich mit dem Thema zu befassen, war das wunderbare Büchlein "Biodünger selber machen" von Andrea Heistinger und Alfred Grand. Ich empfehle es jedem Biogärtner und auch Hochbeet-Gärtnern, die den Wurmkompost direkt in ihrem Hochbeet machen können. Auch die Themen Kompost, Jauchen oder Gründünger werden in einzelnen Kapiteln besprochen.

Biodünger selber machen (c) by Joachim Wenk
das Buch kann ich jedem Biogärtner
empfehlen!


Ich werde immer wieder gefragt, warum ich mir die Mühe (es ist aber keine Mühe) mache mit dem extra Wurmkompost. Ja, der normale Gartenkompost hat auch diese Bakterien und positiven Einflüsse auf das Bodenleben. Allerdings braucht er länger, bis er fertig ist und die Konzentration der Nährstoffe und Mikroorganismen in ihm ist um ein vielfaches geringer.

Meine 3kg Wurmkompost genügen für etwa 10qm Staudenbeet oder 3qm Gemüsegarten. Mit Kompost käme ich mit den 3kg bei den Stauden auf 2-3qm und beim Gemüsegarten auf 1qm. Mit dem konzentrierten Wurmhumus kann ich mir auch Wurmtee herstellen. Dabei wird der Kompost in Wasser gegeben, mit Luftsprudler aufgewirbelt und etliche Stunden stehen lassen. Das habe ich letzten Sommer bereits getestet (hier könnt ihr das nachlesen).  Die Bakterien sind im Wasser, das wieder verdünnt auf die Pflanzen aufgesprüht werden kann. Jetzt sind die Bakterien auf den Blättern, stärken die Pflanzen, helfen Krankheiten abzuwehren und überall wo es auf den Boden tropft sind wieder die Bakterien als Impfung in der Erde und vermehren sich dort. So bekommt man einfach mehr der fleißigen Helfer in den Boden.

Auch der Anzuchterde kann man den Wurmhumus beimischen und hat so vom Keimen an die positiven und stärkenden Eigenschaften ausgenutzt. Die Jungpflanzen sollen kräftiger sein, gesünder und widerstandsfähiger, wenn sie dann raus ins Beet gepflanzt werden. Und sie wachsen schneller, so die einstimmige Meinung.  Ich werde das dieses Jahr jedenfalls ausgiebig machen und bin auf die Ergebnisse gespannt.

Und damit ich noch mehr Wurmkompost produzieren kann, habe ich mir heute zwei weitere  Behälter "gebastelt". Vor der Wurmfarm habe ich lange versucht Bokashi herzustellen, was mir aber nie richtig gelungen ist. Es stank entsetzlich und verrottete nicht einmal, wenn ich den Inhalt auf den Kompost gab. Das war nicht mein Fall. Aber die Behälter davon hatte ich noch. Ich mußte nur in den Deckel etliche Luftlöcher bohren und schon habe ich aus den anaeroben Bokashi-Eimern aerobe Wurmhumuseimer gezaubert. Sie haben auch unten ein Gitter, durch das die Flüssigkeit abläuft und einen praktischen Ablaufhahn.




ehemaliger Bokashi-Eimer wird Wurmfarmeimer  (c) by Joachim Wenk
ehemaliger Bokashi-Eimer wird Wurmfarmeimer  -  aus
anaeroben Bedingungen müssen earobe Bedingungen werden


ehemaliger Bokashi-Eimer wird Wurmfarmeimer  (c) by Joachim Wenk
ehemaliger Bokashi-Eimer wird Wurmfarmeimer  -  aus
anaeroben Bedingungen müssen earobe Bedingungen werden


ehemaliger Bokashi-Eimer wird Wurmfarmeimer  (c) by Joachim Wenk
ehemaliger Bokashi-Eimer wird Wurmfarmeimer  -  aus
anaeroben Bedingungen müssen earobe Bedingungen werden


Unten habe ich eingeweichte zerrissene Wellpappe hinein gegeben. Dann kam der Inhalt des Kompostsammelbehälters aus der Küche darauf und ein paar Wurmfutterpellets für die schnelle Nahrungsquelle am Anfang. Ich werde das jetzt mit dem Sickerwasser aus der laufenden Wurmfarm beträufeln, damit schon einmal die Bakterien ans Werk gehen. Und nach ein paar Tagen kommen dann aus der anderen Wurmfarm ein  paar Schäufelchen mit verrottenden Abfällen und Würmern darin oben darauf. Und schon kann es losgehen mit der Humusproduktion 2 und 3.

eingeweichte Wellpappe in Wurmfarm (c) by Joachim Wenk
Wellpappe durch den Reißwolf gelassen
und eingeweicht in der Wurmfarm

Küchenabfälle und Wurmfutter-Pellets in der Wurmfarm (c) by Joachim Wenk
Küchenabfälle und Wurmfutter-Pellets in der Wurmfarm


Das waren jedenfalls meine Gartenarbeiten für den heutigen Tag. Man kann ansonsten ja noch nichts unternehmen. Es ist knapp über 0°C, Schneereste tauen überall weg und wenn man neben die Trittplatten oder Wege tritt versinkt man im Matsch. Die Sonne kommt, wenn überhaupt nur ganz kurz zum Vorschein. Aber die Tage sind spürbar länger, das Licht kehrt zurück und mit ihm auch bald die Wärme.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen