Samstag, 24. Januar 2015

Gärtnerpanik in den sozialen Netzwerken

Es ist so weit. Weihnachten und Jahreswechsel sind hinter uns und es ist Winter.

Winter, ein Monat der selbst enthusiastische Hobbygärtner wie mich einfach zur Ruhe zwingt. Ich will diese auch noch ein wenig auf mich einwirken lassen. Weiß ich doch nur zu gut, wie arbeitsreich es bald wieder wird, wenn dann beinahe alle Arbeiten gleichzeitig ausgeführt werden können  oder müssen. 

Vorbereitet bin ich jedenfalls. Die Samen für die kommende Saison sind bereits geliefert und sortiert. Die Saatkartoffeln und die Weinstöcke bestellt. Ich habe mir Gedanken gemacht, was ich wo im Gemüsegarten platziere. Der Kompost, der dann dem Gemüse und den Stauden als Futter dienen wird, sackt immer weiter zusammen. Wenn es wärmer wird, ist der rasch so weit, daß ich ihn ausbringen kann. Stickstoffdünger in Form von Hornmehl für meinen aus dem Gleichgewicht geratenen Gartenboden steht bereit. Sogar ein beheizbares Zimmergewächshaus habe ich besorgt, damit die wärmebedürftigen Samen zuverlässig zum Keimen gebracht werden können. 

Draußen ist  zwar kein  Bilderbuchwinter und über lange strecken nicht einmal richtig Winter. Dennoch ist es natürlich zu kalt und bei uns auch viel zu naß, um irgendetwas im Garten machen zu können. Der Garten schläft auch noch. Lediglich ein paar Frühlingsblüher stecken ihre Triebe schon aus der gefrorenen  Erde. 

Jetzt wird es erfahrungsgemäß auch erst noch einmal dauergrau ohne Sonne und kälter. 

Was also tun? Ausruhen! Im Haus etwas räumen und ausmisten, aber insgesamt alles ruhig angehen lassen. 

Wenn da nicht das Internet wäre. Genau genommen die sozialen Netzwerke. 

Da gibt es doch tatsächlich so Unruhegeister, die bereits mit der Aussaat beginnen. Es werden Chillies gesät und Tomaten oder Artischocken. Du meine Güte, bin ich zu spät dran? Muß ich auch schon loslegen? 

Klar möglich ist es. Warme Fensterbänke im Wohnzimmer gibt es. Jetzt weiß ich auch, warum deren Jungpflanzen dann im Frühjahr viel größer sind als meine. Mein Bauch sagt mir "warte noch". Zu trüb und kalt ist es. Selbst am Wohnzimmerfenster würden die Pflänzchen sicher gakelig, weil sie ja viel zu wenig Lichtqualität abbekommen. Und wenn sie wachsen, wo stelle sich sie hin? Am Wohnzimmerfenster ist nur begrenzt Platz. Die anderen Fensterbänke gehen nach Nord-Osten oder stehen voller Zimmerpflanzen. Ich habe gar keinen Platz für die jungen Pflänzchen. Später können sie im Palmenüberwinterungshaus stehen. Dafür ist es aber noch zu kalt. Ich werde sicher kein schönes Gemüse haben und mein Garten wird mikkrig aussehen, während "alle anderen" die größten Tomaten ernten und fotografieren können. 

Das ist ein Dilemma - und weg ist meine Winterentspannung. Gewichen dem Grübeln und Abwägen, dem Zweifeln und Hadern. 

Was soll ich also tun? Nichts werde ich tun. Ich gebe mich noch ein wenig der Winterruhe hin. So, wie wenn man sich am  Sonntag Morgen im Bett einfach noch einmal umdreht, während die Nachbarn vielleicht schon die Rollos hochziehen. 

Das mit dem Gärtnern kann man einfach nicht über einen Kamm scheren. Zu unterschiedlich sind die individuellen Ziele und Möglichkeiten (räumlich und zeitlich), zu unterschiedlich die klimatischen Begebenheiten (selbst innerhalb des einen Bundeslandes wie Bayern). Eine Freunding bereitet gerade das Gemüsebeet vor. Schaufel und Motorhacke flutschen nur so durch den lockeren und trocken Boden, während bei mir das Wasser bis zur Erdoberfläche steht, so vollgesaugt ist der lehmige Boden.

Ich genieße noch ein wenig Ruhe, das freudige Erwarten. Die anderen hole ich schon noch ein. 

Auf den Samentüten steht schließlich nicht "sähen am..." sondern "sähen von...bis...". Ich warte einfach auf das "bis". Oder zumindest so lange, bis mir mein Bauchgefühl, gegründet auf doch schon einige Jahre Gartenerfahrung,  sagt: "jetzt kannst du loslegen". 

Bis dahin beschränkt sich mein Gartenhobby auf das Schreiben über den Garten, die Kontrollgänge bei den Kübelpflanzen oder das Füttern meiner Würmer in der Wurmfarm. Die haben auch noch Winterpause. Bei zwölf Grad fressen sie nicht so, wie im Sommer. Aktiv sind sie dennoch und ich habe einen Eimer fertigen Wurmhumus ernten können. Der wird später dann auch zum Beispiel in die Aussaaterde eingemischt oder soll die ersten Saaten im kalten Gewächshaus ernähren. 

Naja bald geht es ja wirklich los. Ein ganz klein wenig kribbelt es mir dann doch in den Fingern. Darum habe ich heute auch etwas gesät. Aber das läuft außer Konkurrenz zu Tomaten und Co. 

Ich habe mit der Aussaat meiner Kapern begonnen. Ja, begonnen. Das ist ein wirklich längerer Prozess. Sicher spannend und am Ende bleibt es eine Überraschung ob und wie viele keimen werden. 

Morgen folgt der zweite Schritt in der Kapernaussaat, dann schreibe ich hier davon. 

Kübelpflanzen im Winterquartier (c) by Joachim Wenk
alles in Ordnung im Winterquartier. 

Kübelpflanzen im Winterquartier (c) by Joachim Wenk
Rosmarin, Glockenpaprika oder
Grapefruit.
Alle schlafen noch.


Wurmfarm (c) by Joachim  Wenk
nur die fleißigen Würmleins
schaffen immer vor sich hin






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