Montag, 21. Dezember 2015

Leberblümchen, Erdrauch und ewiger Kohl

Eigentlich bin ich ja zur Zeit im Winterschlaf. Zumindest, was den Garten angeht und das Bloggen. Aber genau, wie mein Igel, der auch nicht zur Ruhe kommt, treibt es mich doch immer wieder um. Peinlichst genau schaue ich hin, durchkämme den Garten nach Neuigkeiten oder einfach Begebenheiten, über die ich schreiben könnte.

Und ich bin fündig geworden. Mein Leberblümchen blüht. Das grenzt für mich fast an ein Wunder. Vergangenes Frühjahr bekam ich zwei Pflänzchen im Topf geschenkt. Sie standen gerade in voller Blüte und ich musste einen Platz für sie finden, der ihnen gefallen könnte und - bei so kleinen Blühern besonders wichtig - der leicht einsehbar ist. Ein Standort, an dem man die kleinen Pflänzchen und Blüten auch relativ leicht aus der Nähe beobachten könnte.

Unter der Moosrose, so dachte ich, wäre es gut. Sie stehen dort nicht in der Sonne, sondern  unter einem Laubstrauch. Zudem ist das Beet an der Stelle etwas erhöht und ich kann die Blüten leichter beobachten.

Es war sehr lange sehr kalt und nichts wuchs im Garten. Der Platz schien mir daher noch eine ganze Weile gut gewählt.

Dann fing es an. Das Wachsen und Wuchern. Die Moosrose quoll schier über, wie ein Hefeteig, der in der Sonne steht. Unbändiges Wachstum und jede Menge Triebe. Im Sommer erinnerte ich mich hin und wieder an die Leberblümchen. Sehen konnte ich sie ja nicht. Davor im Trog standen die Geranien  über 60 cm hoch. Die Rose hing,  niedergedrückt von der eigenen Blattmasse und trotz Stützen bis auf den Boden. "Das war wohl eher nichts mit dem Leberblümchen" waren meine resignierenden Gedanken.

Und jetzt, als ich wieder einmal an die Pflänzchen dachte und auf meinem Gartenrundgang dort vorbei kam, mußte ich vor Entzücken beinahe quietschen. Die haben sich ja prächtig entwickelt und blühen sogar schon. Ich hätte nie gedacht, daß die kleinen Leberblümchen unter all dem Grün den ganzen Sommer und lange in den Herbst hinein mit völliger Dunkelheit haben überleben können.

Was für ein schönes Signal, jetzt - ja gerade jetzt - in der dunkelsten Zeit des Jahres wenige Tage vor der allerlängsten Nacht im Jahreskreis, entdecke ich dieses zarte Zeichen neuen und fortbestehenden Lebens und Wachsens. Wie das Licht, das wir jetzt überall anzünden, als Zeichen der Geburt und Wiedergeburt des Lebens und des Lichtes.

Leberblümchen (c) by Joachim Wenk
blühendes Leberblümchen im Dezember


Leberblümchen (c) by Joachim Wenk
blühendes Leberblümchen im Dezember

Leberblümchen (c) by Joachim Wenk
blühende Leberblümchen im Dezember


Hier auf dem Foto sieht man die Moosrose. Jetzt haben sich die dünnen Zweige wieder etwas vom Boden abgehoben. Das schwere, dichte Laub ist schließlich fast gänzlich abgefallen. Und im Trog stehen ein paar niedrige Winterpflanzen anstelle der wuchernden Geranien. Wenn ihr genau hinseht erblickt ihr im Foto die zwei hellen Pünktchen unter der Rose, die Blüten des Leberblümchens.

Leberblümchen (c) by Joachim Wenk
Standort vom Leberblümchen

Eine andere Pflanze, ebenfalls unwahrscheinlich zart und gleichzeitig so zäh ist der Erdrauch. Er wächst bei mir immer wieder und lange wusste ich nicht was es ist. Die herrlichen lila Blüten über dem filigranen hellgrünen Laub gefielen mir jedoch vom ersten Augenblick. Ich rupfe die Pflanzen nicht aus, sondern lasse sie immer wachsen. Dieses Jahr im wüstenhaft ausgetrockneten Fliederbeet noch vor der Fertigstellung der Granitstelen-Umrandung erschien er wieder, dieser Erdrauch. Dann mussten wir im Beet einiges an Humus auffüllen und so verschwand er unter der Erde. Nicht lange dauerte es, da war er wieder da. Und jetzt wächst er immer noch und blüht. Ich liebe ihn.

Erdrauch (c) by Joachim Wenk
Erdrauch

Im Gemüsegarten selbst ist wenig los. Dafür habe ich Mittlerweile begonnen, meine Saat-, Pflanz- und Erntetabelle zu aktualisieren. 

Zwei Gemüsepflanzen beschäftigten mich gerade ein  und vielleicht hört ihr ja im Laufe des Jahres noch das eine oder andere Mal von ihnen. 

Das sind einmal der ewige Kohl. Meiner hier steht seit ein paar Jahren an dieser Stelle im Beet. Leider habe ich mit Kohl immer große Probleme wegen der weißen Fliege. Die habe ich aber diesen Sommer besiegen können. Spritzungen mit Niemöl haben sie wohl vertrieben. Wie schön wäre es, wenn man sie einmal ganz vertreiben könnte. Jedenfalls finde ich den ewigen Kohl, wenn keine weißen Fliegen daran sind, sehr praktisch. 

Er bildet keine Blüten und keine Köpfe oder Knollen. Er wächst einfach buschig vor sich hin. Triebe, die den Boden berühren bekommen selbst Wurzeln und so wird der Kohl immer größer. Ich habe ihn jetzt im Herbst einmal bodennah abgeschnitten um wieder Ordnung hinein zu bekommen.

Je mehr man von ihm an Triebspitzen oder Blättern erntet, desto mehr wächst er. Gerade kleine Haushalte können von dieser, wie ich finde, tollen Selbstversorgerpflanze profitieren. Man hat fast rund ums Jahr frisches Kohl-Grün. Für Smoothies, in Aufläufe oder Suppen und sonst überall, wo man Weißkraut verwendet, jedoch ein ganzer Kopf viel zu viel wäre. 

Auch für Balkongärtner ist er gut geeignet. 

Die zweite Pflanze, die eigentlich genau dazu passen müsste, habe ich jetzt als Samen und Pflanze bereits geordert. Mit ihr habe ich noch keine Erfahrung, werde es aber rasch nachholen. Es handelt sich um die Winterheckenzwiebel. Auch so ein Gewächs, was ständig beerntet werden und im großen Garten genau wie auf dem kleinen Balkon angebaut werden kann. Zudem, was passt besser zusammen als Kohl und Zwiebeln? 

Ich denke die beiden begleiten uns im  Jahr 2016 von Monat zu Monat. 



ewiger Kohl (c) by Joachim Wenk
ewiger Kohl



Mit diesem Blick in den Gemüsegarten im Dezember verabschiede ich mich schon mal für dieses Jahr von euch. Wer weiß, ob sich noch einmal etwas findet zum schreiben. Jedenfalls wünsche ich ein paar friedliche, ruhige und entspannte Weihnachtstage so wie ein freudiges Silvester. Kommt gut rüber ins neue Jahr, dann hören wir sicher wieder voneinander. 

Viele Grüße vom Achim


Gemüsegarten im Dezember (c) by Joachim Wenk
Gemüsegarten im Dezember



Donnerstag, 10. Dezember 2015

ruhiges Genießen im Winter-Garten

Heute Nacht war es recht frisch draußen und sehr nebelig. Der Nebel verschwand erst am Vormittag. So hatte ich genug Zeit noch ein paar Fotos zu machen.

Ich finde sie sehr schön. Zwar ein anderes Schön, als die Fotos, die ich im Mai oder Juni mache, aber doch schön. Und abermals begeistert mich die Tatsache, daß ich sie schön finde. Sehr bescheiden im Vergleich zu den Blütenexplosionen  und Farbbomben im Frühsommer. Aber in der aktuellen Jahreszeit sind wohl auch meine Hormone oder Gefühle oder Empfindungen anders.

Und je länger ich hier für meinen Blog fotografiere und berichte, desto feiner wird meine Wahrnehmung und mein Bewußtsein für Momente. Es ist herrlich, so mit den Jahreszeiten zu leben und jede in ihrer ganz eigenen Charakteristik wahr zu nehmen.

Vielleicht darum sehne ich mich jetzt auch wirklich noch nicht nach Frühjahr. Es bleibt ja noch eine Weile trist, grau und nass. Dann kommt die Kälte und vielleicht der weiße Schnee. Und wenn da dann alles von mir erlebt wurde, wahrgenommen ist, dann - und erst dann, so weiß ich, kommt die Sehnsucht nach dem neuen Wachstum, nach Licht und Sonne und neuen Blumen.

Bis dahin erfreue ich mich an den Blüten, die noch da sind. Irgenwie ja auch ein Lohn der gärtnerischen Arbeiten das Jahr über. Jetzt kann man sich daran freuen, ohne gleichzeitig schon wieder aktiv werden zu müssen. Ein passives Genießen. Einfach schön.

rote Rose mit Rauhreif (c) by Joachim Wenk
kleine rote Rose aus einem Geburtstagsgeschenk-Topf

Austinrose Golden Celebration (c) by Joachim Wenk
Austinrose  Golden Celebration

Austinrose Golden Celebration (c) by Joachim Wenk
Austinrose Golden Celebration 


Löwenmäulchen (c) by Joachim Wenk
Löwenmäulchen
Der Winter kann sogar interessante Formen ins Wasser zaubern.

bizarre Eismuster auf dem Seerosenbecken (c) by Joachim Wenk
bizarre Muster auf dem Seerosenbecken


Und darum lohnt es sich, im Herbst nicht alles Verblühte gleich bodeneben ab zu schneiden. Ich lasse es einfach stehen und habe damit auch gleich noch etwas Struktur und Höhe im Staudenbeet. Ansonsten wäre ja nur noch eine ebene Fläche im Garten.

Samenstände vom patagonischen Eisenkraut (c) by Joachim Wenk
Samenstände vom patagonischen Eisenkraut

Eibischzweige (c) by Joachim Wenk
Zweige vom Eibisch

Samenstände vom Brandkraut (c) by Joachim Wenk
Samenstände vom  Brandkraut


Samenstände der Bergwaldrebe (c) by Joachim Wenk
Samenstände der Bergwaldrebe

Schneebeeren (c) by Joachim Wenk
Schneebeeren
Besonders schön überziehen sich behaarte Blätter mit dem Rauhreif.

Blatt mit Rauhreif vom Muskatellersalbei (c) by Joachim Wenk
Blatt vom Muskatellersalbei

Blätter vom Brandkraut mit Rauhreif (c) by Joachim Wenk
Blätter vom Brandkraut
Oder eben hubbelig - gewölbte Blätter. Aalglatt ist eben auch hier weniger interessant.

Rosenkohl mit Rauhreif (c) by Joachim Wenk
Rosenkohl


 (c) by Joachim Wenk
der bunte Vogel bewacht meine Regenmesser

Montag, 7. Dezember 2015

Das Malheur mit der Lichterkette, Mist im Garten und künftig neue Sorten im Beet

Weihnachten nähert sich mit großen Schritten. Und dieses Jahr, es ist eben allüberall ein komisches Jahr, habe ich wirklich das Gefühl, daß mich alles überrumpelt. Es geht ja dann immer schnell vor Weihnachten und plötzlich ist alles vorüber. Aber so schnell wie dieses Jahr habe ich es noch nie erlebt.

Umso mehr freut es mich, daß ich doch bereits ein paar eigene Plätzchen gebacken habe und Stollen und Lebkuchen. Ich denke die Menge genügt jetzt. Man bekommt ja immer auch etwas geschenkt und wegwerfen möchte ich schließlich nichts Essbares.

Jetzt ist sie also da,  die Zeit, auf die ich mich jedes Jahr im Sommer, wenn es glühend heiß und hektisch ist im Garten, so freue. Man sitzt auf dem Sofa, hat seinen Nachmittagskaffee vor sich, der Ofen knistert und es gibt ein paar selbst gemachte Plätzchen. Dieses Jahr endlich auch einmal ein paar Plätzchen mit ganz vielen Nüssen darauf und die sind aus dem eigenen Garten. Sonst ist ja der Hobby-Selbstversorger nicht so gut ausgerüstet für die Weihnachtsbäckerei. Hier muß man einfach zukaufen.

Weihnachtlich dekoriert habe ich  auch schon. Für mich sind innen und außen immer ganz viele Lichter wichtig. Kerzen, Lichterketten in Form von Sternen aus Weinreben, kleinen orientalischen Metallkugeln die mit schönen Mustern durchlöchert sind, ein großes Glas voll mit bunten Christbaumkugeln und darin eine normale Mini-Lichterkette oder weiterer Lichterkram in jedem Zimmer und Raum oder im Garten. Das fasziniert mich einfach. Diese zeitige und  tiefe Dunkelheit für so viele Stunden am Tag und dann in der Dunkelheit die heimeligen Lichter.

Mit meiner Außenbeleuchtung, im Fliedergebüsch vor der Haustür, habe ich großes Glück gehabt. Als sich der Besuch für Samstag vor einer Woche ankündigte, wollte ich noch rasch die Beleuchtung installieren, damit es abends etwas heller vor dem Haus ist. Die Lichterkette war rasch angebracht und leuchtete dann   Abend für Abend. Leider nicht im Schnee, aber im strömenden Regen.

Und genau dieser Tatbestand lässt mich von Glück reden. Als ich am Wochenende darauf vom Dachboden die Weihnachtsdeko-Kartons holte, fand ich in einem Karton auch die Lichterkette für draußen!

Du meine Güte, fuhr es mir durch die Knochen. Was bitte hängt denn da im Flieder, wenn ich die Außenkette gerade in meinen Händen halte?

Ich eilte sofort vor das Haus und sah mir die leuchtende Kette genauer an. Da war sogar noch ein Zettel von der Verpackung beim Stecker. Man darf die Lichterkette nur innen verwenden und nicht außen! Na ich kann euch sagen, die war aber schnell wieder abgebaut. Was für ein Glück, daß nichts passiert ist. Jetzt hängt die Richtige in den Zweigen und erleuchtet den Platz vor dem Haus sehr schön.



(c) by Joachim Wenk
nächtlicher Lichterzauber, jetzt sogar mit der richtigen Lichterkette....

Weihnachtsbäckerei, Weihnachtsdekoration, Aufräumen nach der ersten Weihnachtsfeier, weitere Weihnachtsfeiern und Treffen. Wie gut, daß an Weihachten im Garten ohnehin nicht viel zu tun ist. Meine Gartenlust schläft zudem noch immer.

Dennoch entdeckte ich auf dem Heimweg vom Gassigehen, daß auf dem Misthaufen draußen auf der Wiese wieder schöner frischer Pferdemist lag. Im Aufgabenbuch steht schon länger, daß ich noch Mist holen will. Jetzt bei dem herrlichen Wetter machte ich das dann auch wahr und schipperte ein paar Schubkarren Pferdemist in meinen Garten.

Vergangen Herbst verteilte ich ihn, allerdings schon deutlich früher im Jahr, auf den Gemüsebeeten. Das war keine gute Idee. Weil alles auch im Winter so trocken war, verrotteten die Bollern nicht. Ja sie zerfielen nicht einmal und lagen noch bis weit in den Sommer auf den Beeten.

Jetzt werde ich sie gleich über den Kompost umwandeln in wertvollen Biodünger. Auf jede Miete habe ich eine Schicht Mist ausgebreitet und den restlichen als Vorrat neben die Behälter gelegt. So kann ich, nachdem wieder Grünmaterial aufgeschichtet wurde oder abgestorbene Stauden, danach wieder Mist aufbringen. Somit ist der Mist dann schon von Anfang an im Kompost etwas verteilt. Beim Umschichten mische ich den Kompost zwar auch automatisch noch etwas durch, was aber nicht sehr gründlich ist.




frischer Pferdemist am Kompost (c) by Joachim Wenk
frischer Pferdemist für den Kompost




frischer Pferdemist am Kompost (c) by Joachim Wenk
frischer Pferdemist am Kompost 

 Am Wochenende habe ich dann noch eine wichtige Aufgabe erledigt. Ich habe mich  gemütlich an meinen Laptop gesetzt und den Samenvorrat für die kommende Saison bestellt. Darüber hinaus die Steckwziebeln, Knoblauch und Saatkartoffeln. 

Welche Sorten sich als gut erwiesen und wieder genommen werden, von welcher Sorte noch Samen da sind und wo neu bestellt werden  muß, habe ich bereits vor einiger Zeit ermittelt. 

Ein paar Sorten begleiten mich nun schon etliche Jahre und ich bin sehr überzeugt von ihnen. Woanders wird neu probiert oder es gibt überhaupt neue Sorten im Sortiment. 

So zum Beispiel einen ganz frühen Wirsing. Er hat lockere Köpfe , ähnlich Butterkohl, und wird schon im Juni und Juli geerntet. Da der Wirsing bei mir besser wuchs als das Weißkraut, werde ich den gerne probieren. Geschmacklich ist mir Wirsing oft auch lieber als Weißkohl.

Neue Salatsorten, Batavia-Salate, werde ich probieren. Mit Salat war ich noch nie so recht zufrieden. Der Maikönig in diesem Jahr war gigantisch, aber ansonsten kam nichts recht hoch. Jetzt probiere ich einmal Batavia-Salate, weil die nicht so ein enges Anbaufenster haben wie etwa der Maikönig und das ganze Jahr gepflanzt werden können. Auch sollen sie reif länger stehen bleiben können. Das ist im Hausgarten immer sehr sinnig, wenn nicht sofort geerntet werden muß. Schließlich hat man oft  genau dann nicht den Bedarf dafür. 

Winterheckenzwiebeln will ich jetzt einmal probieren. Ob sich da wirklich ein paar Jahre immer wieder Grünes ernten lässt? Eine neue Kartoffelsorte wird probiert. Schließlich lasse ich eine andere Sorte, die dieses Jahr noch angebaut wurde, weg. Also kann ich neues Probieren. Oder? Gut, Platz habe ich wahrscheinlich wieder keinen, aber die Beschreibung klingt so passend zu meinen Vorstellungen und Gartenbedingungen. Die muß ich ich einfach testen. 

Ein paar Blumensamen sind auch wieder dabei. Die herrlichen reich verzweigten Sonnenblumen in gelb und braun kommen wieder in den Garten. Diesmal wird eine schrill-bunte Zinnien-Mischung im Garten blühen. Die begeisterten mich schon in Mutters Schrebergarten immer. Färberdistel hat mir gefallen und wird ausprobiert. Immerhin ist sie ja nicht nur Zierpflanze sondern eigentlich auch eine Nutzpflanze. 

Ja, ich liebe es eben bunt und darum werden auch einmal Sommerastern gesät. Vielleicht blühen sie ja so schön, wie auf dem Foto im Katalog. Die Farben würden mir schon sehr zusagen. 

Also ihr seht, erste Vorbereitungen sind getroffen. Jetzt aber werde ich mich  auf alle Fälle bis Weihnachten, erstmal weiter der Garten-Abstinenz hingeben. Und ich finde es tatsächlich noch immer schön, nichts im Garten tun zu müssen. Der Sommer war einfach zu heftig und anstrengend. 


Donnerstag, 26. November 2015

Winterruhe und reich gedeckte Tische

Ist das nicht schön? Draußen ist es kalt, schmuddelig und feucht. Mal nieselt es, dann kommt ein wenig Schnee. Ein Wetter zum Frösteln. Drinnen dagegen knacken immer wieder mal die Holzscheite im Ofen und mir genügt ein T-Shirt, ohne daß ich ans Frieren denke. 

Woran ich natürlich denke, sind  unter anderem die Vögelchen, die  draußen ausharren müssen. Als kleine Gewissensberuhigung, daß ich in der warmen Stube sitzen darf und sie nicht, gibt es natürlich auch wieder leckeres Futter. Das neue Vogelfutterhaus auf der Vogetränke wurde ganz selbstverständlich angenommen. 

Und jetzt fressen sie mir buchstäblich die Haare vom Kopf. Ich muß wirklich irgendein Maß an Futter finden, das ich ins Häuschen und den Schlot, der als Futtersilo dient, gebe. Wenn ich so viel auffülle, wie sie fressen, kann ich das nicht bezahlen. Je mehr ich rein schütte, desto mehr kommen. Und es ist so schön, sie alle so vergnügt zu sehen, am reich gedeckten Futtertisch. In der Hauptsache sind es Spatzen, viele Meisen und ein Kleiber war hinten im Gemüsegarten am Futterhäuschen. Ab und an hängt sich auch der Buntspecht an die Meisenknödel. 

Wer sich erinnert. Im August war der Rasen ja komplett verbrannt. Und wie man sieht, hat er sich bis heute nicht ganz erholt. 



Spatzen am Futterhaus (c) by Joachim Wenk
Vogel-Bande am Futterhaus

Ich finde, auf dem Video sieht man sie besser und ihr könnt euch in etwa vorstellen, wie das hier tagsüber zugeht.





Den Hüttenzauber fange ich auch schon am an herzurichten, sauber zu machen und einzudecken. Am Wochenende kommen über 25 Personen und sind dann unsere Gäste. Nach einem Weihnachtsmarktbesuch im romantischen Rothenburg ob der Tauber gibt es bei uns Kaffee und Kuchen und abends eigene Karpfen. Die Getränke stehen auch schon kühl. Gut dass es kalt ist, da muß ich sie nur in die Werkstatt nebenan stellen. Der Elektroofen soll nur den Raum etwas vortemperieren. Wir schüren am Samstag den Kaminofen und der macht dann richtig mollig warm.

der Hüttenzauber wird für die Feier hergerichtet (c) by Joachim Wenk
der Hüttenzauber wird für die Feier hergerichtet

der Hüttenzauber wird für die Feier hergerichtet (c) by Joachim Wenk
der Hüttenzauber wird für die Feier hergerichtet 

Auch zu den Weihern bin ich wieder gefahren. Der vor kurzem Abgefischte füllt sich erstaunlich schnell. Hier kommen sie her, die Karpfen für Samstag. 

Karpfenweiher  (c) by Joachim Wenk
Karpfenweiher



Wenn ich gerade so durch meinen Garten schlendere, finde ich ihn mittlerweile richtig unaufgeräumt. Oder besser ungepflegt? Naja überall liegt eben Laub, und Ästchen, das Unkraut wächst. Den ganzen trockenen Sommer kam keines, jetzt sprießt es quitschvergnügt, dicht an dicht bei den Beeren und im Kräuterbeet. So viele Stauden sind (absichtlich) nicht abgeschnitten. Mir graust fast ein wenig vor dem Frühjahr. Irgendjemand muß das ja alles irgendwann einmal wieder aufräumen, ordentlich machen und herausputzen. Und ich weiß, wer diese Person sein wird.......

Ne, jetzt bleibe ich lieber erstmal vor meinem Ofen und bereite das nächste Jahr vor. Gerade bin ich dabei die Gemüsesamen zu bestellen. Ich habe den neuen Katalog vom Bingenheimer Saatgut gesichtet und angekreuzt. Jetzt ist markiert,  was ich hatte und wieder will oder was ich Neues probiere, weil ich anderes rauslasse. Auch habe ich bereits meine Restsamenvorräte vom aktuellen Jahr mit dieser Wunschliste abgeglichen, so dass ich jetzt daran gehen kann, das Benötigte zu bestellen. Die Kartoffeln vom Biogartenversand sind dann als nächstes dran.

Und wer meint, daß ich einmal wieder alles überstürze, der sollte sich einmal die Aussaatzeiten in so einem Katalog ansehen. "Aussaat im Dezember für eine Pflanzung im März" steht da bei einem Gemüse, das dieses Jahr so gut gelang wie noch nie zuvor. Warum? Weil ich deutlich früher säte als die Jahre davor. Und jetzt, wo ich das so lese, werde ich wohl wirklich gleich im Januar einmal einen Saatversuch machen. Es handelt sich um Sommerlauch und der hat wirklich sehr sehr lange Vorlaufzeit gebraucht, bis ich ihn pflanzen konnte. Und danach dauerte es wieder lange, bis er gewachsen ist.

Ich will aber die Winterruhe bewusst genießen und so wird der Lauch im Januar und nicht im Dezember gesät und auch eher mal als ein Versuch, ob ich nochmals einen so deutlichen Unterschied in positiver Richtung feststellen kann wie in diesem Jahr mit früherer Aussaat als vergangenes Jahr.

Im März geht  es dann richtig los. Und ich erinnere mich, daß die Zeit nach Weihnachten und bis zur Tomatenaussat, wirklich die ruhigste im ganzen Gartenjahr war. Ich finde es im Moment jedoch auch gerade ruhig. Und das ist so schön. Ich genieße es.

So, jetzt muß ich aber Schluss machen, sonst geht das Feuer im Ofen aus. Nachlegen ist angesagt. Also macht es gut und kümmert euch um eure Vögelchen im Garten.

Montag, 23. November 2015

Wie viel Jahre Gartenarfahrung braucht man wohl?

Wie viel Gartenerfahrung ist eigentlich notwendig, bis man dem Lauf der Dinge vertraut? 

Eine gute Frage. Für mich ist das jetzt der fünfte Winter in diesem Garten. Und jeden Herbst aufs Neue überkommt mich diese Ungewissheit und innere Unruhe. Schaffe ich es, die Ernte vor den Frösten einzuholen und doch all  das lange genug draußen zu lassen, was erst spät im Jahr geerntet wird? Bringe ich die Kübelpflanzen rechtzeitig ins Haus? Und jetzt: brrr ist das kalt, meine armen Pflanzen, die erfrieren ja ..... 

Dabei hatte ich in all den  Fragen und Sorgen doch noch nie ein Problem. Es hat immer geklappt und sollte auch dieses Jahr klappen. Wann geht das endlich in mein Bauchgefühl hinein? 

Den letzten Wirsing habe ich vergangene Woche geerntet und eingefroren. Es ist keine Überwinterungssorte und er wird bis Dezember geerntet. Der toskanische Grünkohl ist konserviert. Das waren die letzten Ernten. Winterlauch und Rosenkohl bleiben ohnehin im Beet stehen über den Winter. Der prächtige Endivien verträgt auch leichten Frost. Dennoch habe ich ihn am Samstag ausgegraben und ins Gewächshaus gepflanzt. Ein Vlies darüber sollte zusätzlichen Schutz geben. So bleibt er jetzt bis zur Ernte. Das ist im Moment regelmäßig. Ein Kopf langt für zweimal Mittagsbeilage und am Samstag haben wir viel Besuch. Also dem Endivien wird die Salatschüssel eher zum Verhängnis, als der Frost, der ihn schädigen könnte. 



Endivien im Beet (c) by Joachim Wenk
Endivien im Beet


Endivien im Gwächshaus (c) by Joachim Wenk
Endivien im Gewächshaus


Ebenfalls am Samstag bekam die Palme noch ihre Mütze aus einem dicken Vlies. Somit ist sie auch für den Winter verpackt. Alle anderen Kübelpflanzen stehen im Palmenhaus bei 10°C. Nur die beiden Seerosen sind noch draußen. Je nachdem wie kalt und wie lange frostig der Winter wird, besteht ja jetzt die Möglichkeit, die große Seerose im neuen Seerosenbecken auch den ganzen Winter draußen zu lassen. Die Schmucklilie, Agapanthus muß im Winter mehrere Wochen unter 10°C haben. Daher steht deren Kübel in der unbeheizten Werkstatt, bis Dauerfrost kommt. Durch diese Kälteanwendung habe ich jetzt jedes Jahr schöne Blüten im Gegensatz zu den Jahren davor.

Palme mit Winterschutz (c) by Joachim Wenk
fertig verpackte Palme

Vergangene Woche hat es ja nun auch endlich einmal bei uns geregnet. Es kam an zwei Tagen mehr Flüssigkeit vom Himmel, als in den etwa sechs Monaten zuvor und insgesamt. Herrlich. Der erste Regen, den ich auch Regen nennen kann.

Seht den Teich, hier steigt der Wasserspiegel auch schon deutlich. Und das ausschließlich durch Grundwasser und den Regen von Oben.

Karpfenteich (c) by Joachim Wenk
der Karpfenteich füllt sich nach dem Regen langsam wieder



Trotz all meiner inneren Sorgen und Befürchtungen habe ich es also wieder genau rechtzeitig geschafft. Alles Nötige zur Wintervorbereitung, dem Pflanzen-Schutz und zur Sicherung der Ernte ist erledigt. Alle Ängste waren unbegründet. Die Antwort auf meine bangen Fragen lautete wie jedes Jahr: "du schaffst das (rechtzeitig)".

Ebenso unbegründet sollten die Ängste um die "frierenden Pflanzen" sein. Ich habe bis auf drei Pflanzen (die auch schon etliche Winter im Freien überlebt haben) nur winterharte und robuste Sorten und Arten. Die sind geschaffen für unser Klima, also sind Bedenken hier doch Fehl am Platze. Lediglich bei zwei Geranium-Sorten, die ich vor ein paar Wochen pflanzte, stand am Etikett, daß sie im ersten Winter geschützt werden sollten. Dann macht ihnen Kälte im Winter nichts mehr aus. Die beiden habe ich mit Laub bedeckt und das mit Hasendraht gesichert. Schlechte Erfahrungen mit Herbstanemonen, die eher im Frühjahr als im Herbst gepflanzt werden sollten, ließen mich diesmal auf den Rat der Gärtnerei hören. Die Anemonen sind in beiden Jahren nicht über den Winter gekommen. Dann schütze ich die Storchschnäbel lieber mit einer warmen Laubdecke und freu mich auf sie im Frühjahr.

Staudenbeet im November (c) by Joachim Wenk
Staudenbeet im November (gleiches Beet wie im Blog-Titelbild!)


Der Rosenkohl ist hart genug, auch ohne Schutz über den Winter zu kommen. Jedenfalls wenn es nicht ganz extrem lange extrem kalt wird.

Rosenkohl im November (c) by Joachim Wenk
Rosenkohl mit Schneehaube




Gleiche Stelle, gleiche Besucher, anderer Grund. Vor vielen Wochen badete hier ausgelassen bei Temperaturen weit über 30°C die Spatzenbande mit deren Freunden, den Meisen.

Jetzt bei Temperaturen um die 0°C sind sie immer noch da, aber jetzt schlagen sie sich den Bauch voll mit leckerem Futter. Unzählige sind es die immer wieder aus der Hecke ins Häuschen und vom Häuschen in die Hecke fliegen.

Vogelfutterhäuschen (c) by Joachim Wenk
Vogelfutterhäuschen

Donnerstag, 19. November 2015

Erinnert ihr euch noch?

Zu gern  würde ich hier wieder etwas schreiben und berichten. Nur, die Jahreszeit ist einfach nicht die optimalste für einen Garten-Blogger. Es geschieht zu wenig im Moment.

Turbulent war es allerdings dennoch. Also turbulent, abgeleitet von Turbulenzen. Du meine Güte, was für ein Dauer-Sturm. Vorletzte Nacht hat es mich mehrmals aus dem Schlaf gerissen, so schaurig-gruselig hat es am Haus gerüttelt und gepoltert. Ich hatte wirklich Angst, das Dach wird abgedeckt.

Das Dach ist noch da und ich auch, zusammen mit ein paar Bildern.

Erinnert ihr euch? Am Samstag haben wir gefischt und den Weiher abgelassen. Weil es ja so entsetzlich trocken ist, daß mancher Hobby-Fischwirt gar nicht fischen kann, haben wir sofort den "Stöpsel" wieder rein gemacht, daß jeder Tropfen Wasser gesammelt wird. So sah es dann vier Tage danach schon wieder aus. Der Weiher hat keinen Zulauf, das ist nur Grundwasser. Jetzt sieht man auch, warum die Teiche dort sind, wo sie sind. Bei mir im Garten der 8m tiefe Brunnen, ist so gut wie trocken und ich kann immer nur ein wenig Wasser heraus lassen. Hier der Teich  ist vielleicht 3m tief und hat schon wieder Wasser.

Ach so, warum kann manch einer  nicht fischen? Wenn jemand nur einen Teich hat, muß er die Fische nach dem Ablassen ja irgendwo hin tun. Wir haben sie dann in den noch gefüllten Teich entlassen. Hätten wir nur einen Teich müsste der nach dem Fischen schnell wieder voll laufen, daß die Fische, die irgendwo "zwischengelagert" werden, wieder in einen Teich kommen. Da aber im Moment kein Teich voll laufen kann, auch mit Zulauf aus einem Graben nicht (die Gräben sind alle trocken), kann manch einer seinenTeich nicht abfischen.


Karpfenteich (c) by Joachim Wenk
der Karpfenteich läuft wieder voll




Erinnert ihr euch noch? Der mediterrane Platz, im Sommer mit Kübelpflanzen dicht bestellt, sieht jetzt verlassen aus. Ganz einsam hält nur sie hier die Stellung. Das elektrische Heizkabel habe ich schon seit längerem montiert, jetzt ist neben dem Topf auch der Stamm isoliert. Fehlt nur noch die Mütze. Die  besteht aus einem 2x3m großen Vlies-Sack. Und es war mir bei dem Sturm nicht möglich, das Ding über die Palmen zu ziehen. Übrigens, das Wohnmobil gehört nicht uns, es ist nur immer über Winter hier untergestellt. Wir hätten ja auch nicht das Geld für so ein Gefährt und ich vor allem auch nicht die Zeit, meinen Garten länger allein zu lassen.....

Palme isolieren (c) by Joachim Wenk
fast fertig isolierte Palme


Erinnert ihr euch noch? Jetzt wird es schwierig. Wer hatte es damals gelesen? Es ist etwa 11 Monate her, daß ich im düstersten Winter endlich etwas sähen wollte. Und ich hatte mir scheinbar eines der schwierigsten Dinge ausgesucht. Ausgerechnet einen Kapernstrauch  wollte ich mal wieder haben.

Im Januar begann alles. (Kapern im Januar.) Lange Zeit, eine ewig lange Zeit, geschah nichts. Im Juni konnte ich wieder berichten. ( Kapern im Juni.) Und jetzt erkennt man doch tatsächlich ein richtiges Pflänzlein. Hoffentlich bekomme ich es gut durch den Winter und die dunkle Jahreszeit.

Kapern Jungpflanze (c) by Joachim Wenk
Kapern-Jungpflanze



Und erinnert ihr euch noch? Vor gar nicht all zu langer Zeit berichtete ich als Selbstversorger, der den Wert der Lebensmittel sieht und nichts wegwerfen möchte. Es gab damals Semmel(n)Knödel(n) von alten Semmeln. Ein paar sind schon verspeist und immer wieder so lecker. Nur immer zu Semmelknödel geht ja auch nicht, vor allem nicht zum Nachmittagskaffee. Der aber ist bei diesem Sturm-Wetter und dem Wenigen, was im Garten geschehen muß, doch erst recht notwendig. Also backe ich eben einen Kuchen aus den alten Semmeln, oder besser gesagt aus ihren Bröseln. Und wie lecker der ist. Mit Lebkuchengewürz und Gelee aus den Johannisbeeren vom Sommer. Wunderbar.

Kuchen aus Bröseln von alten Semmeln (c) by Joachim Wenk
Kuchen aus Bröseln von alten Semmeln


Das "Wunderbar" wird nur noch von einem getoppt. Klar, dass bei solch einem unwirtlichem Klima unbedingt der Ofen geschürt wird. Ich denke, ich setze mich jetzt einfach ins Sofa vor ihm und erinnere mich, was alles so geschah in diesem Jahr.

Kaminofen (c) by Joachim Wenk
tut gut bei dem stürmischen Wetter draußen

Montag, 16. November 2015

Du, die Wanne ist voll, juhuhu....

Kennt ihr das Liedchen von Dieter Hallervorden und Helga Feddersen? 

Wir haben es am vergangenen Samstag mehrmals angestimmt. Wanne für Wanne füllte sich bis zum Überschwappen. Nach dem niederschmetternden Erlebnis vor ein paar Wochen war das ein voller Erfolg. Wir freuen uns darüber. 



Karpfenfischen (c) by Joachim Wenk
noch sind sie leer die Wannen


Aber jetzt erst einmal der Reihe nach. Sicher habt ihr anhand der location bereits erkannt, um was es sich handelt. Weiherfischen stand auf dem Programm. Ende November haben wir mit unseren Mitarbeitern die Weihnachtsfeier bei uns. Es gibt typisch Fränkisches. Klar, daß dabei die Karpfen aus eigener Aufzucht dazu gehören. Weil nur noch zwei Wochen bis zur Feier sind, drängte jetzt wirklich die Zeit. Immerhin müssen die Fische noch ein paar Tage in klarem Wasser verbringen. Sonst schmecken sie, als hätte man sie gleich nach dem Fischen genüsslich abgelutscht: nach  Modder und Schlamm.

Vergangenes Wochenende war schon alles geplant und organisiert. Doch dann verknackste sich Volker seinen Fuß derart, daß an Fischen nicht zu denken war.

So hatten wir also diesen Samstag einen schönen aber sehr kalten und vor allem sturmgepeitschten Tag an den Weihern.

Gegen 9 Uhr wurde der Mönch - so nennt sich der Stöpsel im Weiher - gezogen und das Wasser begann abzulaufen .

Karpfenfischen (c) by Joachim Wenk
da fließt es fort, das so wertvolle Wasser

Nun ist genug Zeit, die Wannen heraus zu holen und mit  Wasser zu füllen. Ein Stromaggregat und eine Elektrowasserpumpe helfen dabei.


Karpfenfischen (c) by Joachim Wenk
Vorbereitungen zum Karpfenfischen

Das sind klassischer Weise Volkers Aufgaben. Ich stehe derweil daheim und koche Kaffee und heißen Früchtetee mit Honig. Im Tiefkühler fand ich noch eine Portion gekochter Nudeln und etwas Mitternachtssuppe. Beides waren Reste der Helferverköstigung beim Pflastern im Garten. Ich liebe das wirklich, wenn immer etwas in der Speisekammer zur Verfügung steht.

Alles Heiße wird in die entsprechenden Thermobehälter sicher für die Reise verpackt. Plastikgeschirr kommt dazu und ein bisschen Kuchen und Kekse. Auf dem Weg zu den Weihern halte ich noch schnell am Lebensmittelladen im Dorf und besorge mir noch Lebkuchen. Meine ersten diese Saison! Das Wetter ist jetzt passend dazu!

Draußen bei den Weihern packe ich aus und mache erst einmal einen Kontrollrundgang. Vielleicht klingt aber Informationsrunde angenehmer? Sinn und Zweck bleiben ja erhalten, ich mache gern auch mal zum Gassigehen hier draußen meine Runde. Sind die Dämme noch dicht? Ist mit dem Wasser alles in Ordnung? Welche Wildpflanzen wachsen gerade? Oder einfach nur um einen Blick in die herrliche Natur und Landschaft zu werfen. Im Herbst komme ich sogar zum Ernten her. Da sind dann die Hagebutten reif. Auch Schlehen könnte ich ernten, überlasse sie dann aber doch jedes Jahr auf Neue den Vögeln. Ich finde einfach keinen sinnigen Verwendungszweck für sie. Und Schlehenlikör trinkt  wieder keiner. Genau wie den Walnuß-Schnaps oder Haselnußlikör, den ich im Keller habe. Wir sind einfach keine Schnapstrinker. 


Karpfenfischen (c) by Joachim Wenk
Karpfenweiher mit Fischerhütte


Jetzt im Herbst sieht man auch langsam wieder unsere Benjes-Hecke. Beim Aufschichten türmen sich die Erlenbäumchen immer  hoch. Dann geht eine Jahreszeit darüber und weg sind sie. Verschwunden unter hohem Gras, in sich zusammengesackt. Da können wir noch oft neuen Wildwuchs von Erlen, die ja überall an den Weihern wachsen, darauf schmeißen.


Totholz Benjeshecke (c) by Joachim Wenk
Totholz - Benjeshecke

So ein Rundgang macht hungrig. Oder ist einfach die Tatsache, daß es mittlerweile 12 Uhr ist .

In der  Fischerhütte machen wir es uns gemütlich. Draußen tobt der kalte Sturm und innen heizen wir das Gasöfelchen an. Das tut gut. 

in der Fischerhütte (c) by Joachim Wenk
heißer Eintopf an einem stürmisch kalten Tag im November


in der Fischerhütte (c) by Joachim Wenk
der Wärmespender


So wohlig warm es drinnen wäre, müssen wir doch wieder hinaus an die Arbeit. Das Mittagessen war lecker aber eine richtig dumme Idee. Jetzt soll ich mit vollem Ranzen ein Loch ausheben, um meinen Zwetschgenbaum einzugraben. 

Der Boden ist hart und staubtrocken. Er rieselt zwischen den Fingern hindurch. Ich grabe ein hinreichend großes Loch und dann kommt der Baum hinein. Die lockere Erde hat jetzt wieder den Vorteil, sich leicht um die Wurzeln verteilen zu lassen. Der Baum wurde ja wie erwähnt wurzelnackt, also ohne Erdballen, geliefert. 

Gut, daß wir ein paar Tage zuvor in einer Gartensendung folgenden Tipp bekamen. Da ging es zwar um Rosen, was aber für so einen Baum auch gilt: 

Man soll beim Einpflanzen die Erde ja gut naß machen und festdrücken. Wichtig ist aber die Reihenfolge! Erst die Erde wieder ins Loch füllen. Schicht für Schicht festdrücken, daß sie guten Kontakt zu den Wurzeln hat. Erst wenn das Loch mit Erde gefüllt ist, soll ausgiebig gegossen werden. Wenn man beim Einfüllen schon gießt oder einschlämmt und dann wieder Erde auffüllt, um sie anzudrücken, so verfestigt man den geschlämmten Boden zu einer steinharten und undurchdringlichen Schicht. Die jungen Wurzeln können darin nicht wachsen. 


junger Zwetschgenbaum in der Landschaft (c) by Joachim Wenk
mein Zwetschgenbaum

So steht mein Bäumchen jetzt allein in der großen und gerade sehr unwirtlichen Landschaft.

Der Stamm und untere Kronenteil ist mit Hasendraht geschützt. Hier draußen sagen sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht, sondern der Hase nimmt auch sein Nachtmahl ein. Rinde Junger Bäume wäre da lecker. Dumm finde ich nur, daß mir kein Schutz für die Äste eingefallen ist. Rehe hat es auch hier draußen und die reichen da locker hin.

junger Zwetschgenbaum in der Landschaft (c) by Joachim Wenk
junger Zwetschgenbaum in der Landschaft 

Und wenn wir schon dabei sind. Es gibt noch ein Lebewesen im und unterm Wasser hier draußen. Nachts verlässt es das Wasser und macht solche Sachen hier.

gefällte Eiche (c) by Joachim Wenk
gefällte Eiche

Biberspuren (c) by Joachim Wenk
Biberspuren


Bei uns war es nur ein Eichensämling, der ohnehin bald hätte abgesägt werden müssen. Wenn das aber meinem teuer gekauften Zwtschgenbaum passiert, fände ich es fürchterlich. Bei den Nachbarn war ein ausgewachsener Baum dran, der müsste jeden Moment umfallen, so stark wie er schon angenagt ist.

Persönlich gesehen habe das Getier noch nicht, aber seine Burg haben wir entdeckt. Sicher ist er jetzt stinkig, dass er sie nicht mehr verwenden kann und mäht daher alle Bäume ab, die im in den Weg kommen.
Biberbau (c) by Joachim Wenk
Biberbau

Wir sind auch stinkig! Ich habe ja eingangs bereits ein unschönes Weiher-Erlebnis vor ein paar Wochen angesprochen. Jetzt sind wir beim Thema. Erstens ist dieser Weiher bei der  Trockenheit und Gluthitze des Sommers umgekippt. Tote Karpfen schwammen auf der Oberfläche. Die Wasserlinsen taten den Rest und beim Fischen haben wir nicht einen einzigen Karpfen "ernten" können. Der Weiher war tot. Dafür haben wir die Biber-Burg entdeckt. Jetzt ist klar, warum der Weiher immer wieder Wasser verlor und nicht richtig voll wurde. Der Eingang liegt unter Wasser und  dahinter ist ein nur wenige Meter dicker Weiherdamm. Den hat der Biber unterhöhlt und dort ist dann auch das Wasser versickert.

Jetzt müssen wir mit großem Gerät anrücken und den Damm aufgraben und wieder neu zuschütten lassen. Sonst läuft immer mehr Wasser davon oder wir sacken mit dem Rasentraktor ein und beschädigen ihn.



Mein Baum ist jetzt jedenfalls gepflanzt und mit etlichen Gießkannen Wasser versorgt. Der Schwager zum Helfen müsste auch bald eintreffen. Das ist genau die richtige Zeit, sich wieder in die Hütte zu verziehen. Schließlich gibt es da ja noch die ersten Lebkuchen und heißen Kaffee.

Pause in der Fischerhütte (c) by Joachim Wenk
Pause in der Fischerhütte

Das Wasser ist jetzt fast vollständig heraußen. Wenn dann alles fertig ist, alle helfenden Hände anwesend, kann der Mönch weiter geöffnet werden. Jetzt geht es schnell, denn viel  Wasser ist nicht mehr im Teich.

Karpfen fischen (c) by Joachim Wenk
jetzt ist es bald so weit

Es sollte auch nur so viel rausgelassen werden, daß die Fische noch im Wasser sind. Das muß aber wiederum so flach sein, daß man sie leicht fangen kann .

Bei eisigem Sturm und nichtmal 10°C nicht unbedingt die schönste Arbeit als Teichwirt.

Schon jetzt wird ersichtlich, daß diesmal nicht umsonst gefischt wird. Jetzt müssen immer wieder Bretter und Siebe vor dem Abfluß vorsichtig gewechselt und entfernt werden. Es sollen schließlich keine Fische mit hinausgespült werden.

Karpfen fischen (c) by Joachim Wenk
das letzte Wasser muß noch raus aus dem Weiher

Bevor aber die schönen großen Fische heraus geholt werden können, müssen wir uns um das andere Kümmern. Dabei meine ich jetzt aber nicht das mit der blauen Mütze und gelben Handschuhen, sondern die vielen kleinen weißen Flecken, die im Foto zu erkennen sind.

Durch die hohen Temperaturen im Sommer waren die alten Karpfen  in bester Laune und vermehrten sich prächtig. Allüberall sahen wir weiße Fischlein blitzen.

Karpfen fischen (c) by Joachim Wenk
überall Fischbrut, die es einzusammeln gilt

Endlich sind alle Zwerg-Karpfen eingeklaubt. Jetzt wird es spannend und wir holen die eigentlichen Karpfen raus.

Karpfen fischen (c) by Joachim Wenk
ein herrlicher Anblick für einen Teichwirt

Ach nein, doch nicht. Zuerst noch die Muscheln.

Teichmuscheln (c) by Joachim Wenk
Teichmuscheln




Schon die ganze Zeit habe ich sie beobachtet. Drei wunderbare und sehr große Exemplare an Graskarpfen haben wir also doch noch im Weiher gehabt. Die werden nicht gegessen. Die kümmern sich um das Unkraut. Sie fressen das aufkommende Schilf ab, damit der Weiher nicht zu wächst.

Graskarpfen (c) by Joachim Wenk
Graskarpfen


Hier ein schöner Vergleich. Das ist der umgekippte Weiher mit dem Biberloch. Hier wucherte das Schilf munter vor sich hin.

Schilf im Karpfenweiher (c) by Joachim Wenk
Wenn kein Fisch im Weiher ist, wächst er zu

Das ist der Weiher, den wir gerade fischen. Seht ihr die Stummel vom Schilf  vor allem Rechts in der Bildmitte, stehen? Da haben Karpfen und vor allem die Graskarpfen ganze Arbeit geleistet. Sie haben alles ab gefressen. Über Wasser war nicht ein Schilfstängel zu sehen. 

Karpfenweiher (c) by Joachim Wenk
Weiher mit Graskarpfen und Karpfen, da wird das Schilf kurz gehalten


Und schließlich, endlich, die  Karpfen für die Küche. Was für ein Prachtexemplar hier im Bild. So ein Karpfen ist auf alle Fälle kein "fast-food". In der Zeit, die so ein Exemplar bis zur Genußreife benötigt, könnte man bestimmt 30 oder 40 Masthähnchengenerationen großziehen. Der Karpfen hier dürfte 4 Sommer hinter sich haben. 


Speisekarpfen (c) by Joachim Wenk
Speisekarpfen


Angefangen hat er wie die vielen, vielen kleinen Kärpfchen, die wir ebenfalls aus dem Weiher geholt haben. Sie  haben nun den ersten Sommer hinter sich. 


Karpfenbrut von diesem Sommer (c) by Joachim Wenk
Karpfen-Brut von diesem Sommer


Wie viele davon den Winter überleben weiß man nicht. Und wie viele dann das dritte oder vierte Jahr erleben, ist mehr als ungewiss.

Karpfenbrut von diesem Sommer (c) by Joachim Wenk
Karpfenbrut von diesem Sommer 

Um die Größe richtig einzuschätzen, hier einmal das entsprechende Foto. Ja, wir haben sie alle einzeln gezählt. Dazu stehen eben die Wannen am Teichrand bereit. Wenn im Teich das Wasser dann weg ist, muß es schnell gehen und die Karpfen müssen raus. Sie werden dann nur rasch in die Wannen gesetzt. Heute hieß es auf Grund der überaus schönen Ausbeute eben einmal nach dem anderen "die Wanne ist voll, juhuhu".

Karpfenbrut von diesem Sommer (c) by Joachim Wenk
soooo kleine Karpfen

Sind alle Fische aus dem Weiher heraus, werden sie sortiert. Diejenigen, die jetzt demnächst gegessen werden, kommen in Transportbehälter und dann mit Heim in den Garten. Hinter dem Haus ist ein Becken mit klarem Wasser, wo sie ihren Modergeschmack nach Schlick und Teichwasser verlieren.

Übrigens, das Becken wollte ich am Morgen mit Wasser befüllen und mußte feststellen, daß unser Brunnen trocken ist. Nachdem es ja seit Juni nicht wirklich geregnet hat und noch immer jeder Regen nichteinmal in Sichtweite ist, gab der 8m tiefe Brunnen kein Wasser mehr. Ich mußte Fernwasser verwenden. Was soll das nur noch werden! Bekommen wir jetzt wohl nie mehr Regen? Wie soll da im Frühjahr etwas wachsen? Wie sollen die Weiher sich wieder befüllen? Sie waren dieses Jahr auch nie ganz voll. Da hat jeweils mehr als ein Meter bis zum Überlauf gefehlt.

Aber heute geht es ja nicht um den Garten, sondern um die Fische. Neben den Karpfen zum  Verzehr gibt es noch die alten riesigen Fische. Die kommen wieder in einen Weiher, sie sorgen für Nachkommen. Und alle Fische, die noch nicht die Verzehr-Größe erreicht haben oder die, die wir jetzt nicht verzehren werden, kommen ebenfalls wieder in den Weiher. Dabei zählen wir jede Größe und notieren das. Sonst weiß man bald nicht mehr,  was  und wie viel in welchem Weiher drinnen ist. Das ist eben anders als bei den Schafen auf der Weide, die sieht man und kann sie jede Nacht zum Einschlafen aufs neue zählen....

Am Ende eines langen und kalten Tages stehen auf der Liste 3 Graskarpfen, 15 Karpfen für den Verzehr, 11 Karpfen zur Weiterzucht, 24 junge Karpfen und dann noch die Kleinen. Die Brut dieses Sommers. Wir haben etwa 3000 Stück gezählt. So viel gab ein Weiher noch nie her. Die sind jetzt alle im einzigen Weiher, der im Moment noch Wasser hat. Im Frühjahr muß der wieder abgelassen und die Fische auf die beiden Weiher verteilt werden. Eigentlich wäre der Dritte mit dem Biberbau auch noch nötig. Wann wir aber wir  den Bagger anrücken lassen können, steht noch nicht fest.

Die Fische müssen verteilt werden, damit der Besatz nicht zu dicht ist. Es würde sonst an Nahrung und Sauerstoff fehlen. Krankheiten entständen und Fische würden sterben. Das wollen wir natürlich nicht.

Für den Moment sind wir erst einmal froh, daß das Fischen für diesen Herbst erledigt ist. Im Frühjahr geht es dann weiter.