Samstag, 22. November 2014

Fotosafari im Nebel und ein unauffälliger, schwarzer Verfolger

Es ist Samstag morgen.  Ein Samstag Ende November und der Tag vor Totensonntag.

Das Wetter ist genau so, wie man sich so ein Totensonntagswochenende ausmalt. Die Stimmung ist irgendwie sehr gedämpft, ruhig und doch locker oder entspannt. Diesig ist es, der Himmel wolkenverhangen und unzählige winzig kleine Wassertröpfchen schwängern die Luft. Es ist kalt bei etwa vier Grad. Ich denke an die Wochenende im Sommer. Die sind so ganz anders. Nicht besser oder schlechter, aber eben anders.

Von meinem gemütlichen Wochenendfrühstück hält mich das nicht ab. Nach der Gassirunde fahren wir zum Dorfladen einkaufen. Schlechte Nachrichten empfangen uns dort und unterstreichen nur die Totensonntagsatmosphäre dieses Wochenendes. Die Mutter vom Ladenbesitzer ist ihrem langen Krebsleiden erlegen. Das macht einen betroffen und schweigsam.

Wir setzen unseren Einkauf fort. Ein paar Dörfer weiter hat die dortige Gärtnerei Adventsausstellung. Wir decken uns ein mit Adventskranz, Grabgesteck und einen Türkranz für die Haustür. Ich nehme noch ein paar Erika mit. Durch den milden Herbst habe ich meine Geranien im Steintrog im Vorgarten erst sehr spät heraus gemacht. Danach bin ich nicht mehr dazu gekommen, mich um eine Winterbepflanzung zu kümmern. Jetzt stehen ein paar doch recht verlassen wirkende Erika im Trog. Weil immer noch zu viel alte Erde zu sehen war, habe ich Fichtenzweige darum drappiert. Einen Floristenpreis gibt mir dafür wohl niemand. Aber es sieht wenigstens nicht mehr so ungepflegt und vernachlässigt aus.

vorweihnachtlicher Türkranz (c) by Joachim Wenk
vorweihnachtlicher Türkranz


Erika im Steintrog (c) by Joachim Wenk
"Herbstbepflanzung" im Steintrog


Nach dem Mittagessen ziehen wir uns an für den Garten. Auch das unterscheidet sich deutlich von der Gartenkluft im Sommer. Ich muß selbst schmunzeln, wie viele Schichten an Unterhosen, Hosen, Shirts, Hemden, Pullis und Jacken ich mir überstülpe. Es wird sich als nicht übertrieben erweisen.

Volker macht sich in der Werkstatt an die Arbeit. Die Wand, hin zum Hüttenzauber muß noch isoliert werden.
Isolierung der Werkstattwand (c) by Joachim  Wenk
Isolierung in der Werkstatt

IBei mir ist wieder das Laub dran. Nußlaub wandert in die geleerte Biotonne und Haselnußlaub auf die Herbstanemonen als Winterschutz. Selbst mit Besen und Eimer ausgestattet, auf der wackeligen Leiter balancierend, geht es nur ums Laub. Die Dachrinne am Hüttenzauber gleicht eher einem Laubkomposter als einer Dachrinne. Vor den kommenden Regenmonaten sollte das dringend geändert werden.

Und wenn im  Sommer oft das Wetter gen Nachmittag und Abend besser wurde, die Sonne voll herauskam, sollte sie nicht bereits früh morgens am Himmel stehen, so ändert sich das Wetter heute genau anders herum. Die Wassertropfen in der Luft werden mehr, die Temperatur sinkt und Nebel verschleiert die Sicht.

Ich freue mich, bald rein zu gehen und mit der Weihnachtsbäckerei zu beginnen. Die Zutaten für zwei köstliche Christstollen sind besorgt und warten auf ihre Verarbeitung. Gleichzeitig würde ich euch so gern etwas von meinem sehr kurzen Gartentag im November berichten.

Und los geht's zur Fotosafari.

Richtig frisch und beinahe frühlingshaft im Vergleich zu den anderen Fotos sieht es im Gewächshaus aus.

Spinat und Salat im Gewächshaus (c) by Joachim Wenk
frühlingshaftes Grün im  Gewächshaus


Die Sonnenblume davor allerdings hat den Totensonntags-Blues.


Sonneblume im November (c) by Joachim Wenk
Sonnenblume mit November-Blues

Erstaunt bin ich über das leuchten mancher bunter Blätter. Sie kommen im Foto deutlich strahlender heraus, als sie in Wirklichkeit sind.

leuchtendes Laub im Novembergrau (c) by Joachim Wenk
leuchtendes Laub im Novembergrau


Der Gemüsegarten ist gut gemulcht für den Winter. So sieht er auch aus.

Laubmulch im Gemüsegarten (c) by Joachim Wenk
Gemüsegarten im November mit Laubmulch
Das ist der Grund, warum der Zaun vom Hühnerlauf, der jetzt mein Gemüsegarten ist, noch dran bleibt. Männliche Hunde da gewisse biologische Angewohnheiten, die ich selbst gerade im Gemüsegarten so überhaupt nicht akzeptieren kann...

Hundeschutzzaun am Gemüsegarten (c) by Joachim Wenk
Hundeschutzzaun am Gemüsegarten


Den Hühnern beim Nachbarn macht das triste Wetter nichts aus. Sie scharren ungeniert weiter auf der Suche nach Leckereien.

Hühner im Garten (c) by Joachim Wenk
Nachbars Hühner


Unser viel gelobter Ausblick zum Dorfweiher, findet sicher vorwiegend im Sommer seine Bewunderer. Heute kann man den Weiher und die Häuser gegenüber nur erahnen.

vernebelte Aussicht (c) by Joachim Wenk
vernebelte Aussicht


In der Wiese liegen immer wieder Äpfel die noch vom Nachbarsbaum fallen.

letztes Fallobst in der Wiese (c) by Joachim Wenk
letztes Fallobst in der Wiese


Unermüdlich versuchen die Färberkamillen gegen das Grau des Herbstes anzukämpfen.

Färberkamille (c) by Joachim Wenk
unermüdliche Färberkamille



Ich erlebe immer wieder ganz bewußt diese wirklich krassen Unterschiede der Jahreszeiten. Wie kann es sein, dass dieses triste stachelige Gestrüpp im Mai den ganzen Garten und seine Umgebung mit dem süßesten Duft den ich kenne erfüllen kann? Ausströmend von den wirklich unzählbaren weißen Blütchen mit den roten Staubgefäßen. Es ist ein sehr alter und sehr großer Weißdornstrauch.

Weißdorn ganz links im Bildrand


Und je dichter der Nebel wird, desto mehr habe ich das schaurige Gefühl, von einem schwarzen Schatten verfolgt zu werden. Manchmal berührt er mich unverhofft von hinten, wenn ich versunken in meine Fotomotivwahl am Boden kauere. Kalt ist sie die Berührung und eher wie ein Darüberstreifen, fast ohne Druck ausgeübt. Aber ich spüre den Hauch eines Atems und manchmal höre ich  auch ein kaum wahrnehmbares aber doch ergreifendes Winseln, fast ein Stöhnen um mich herum.

Huch, da kommt er schon wieder hinter den Stauden hervor, der Schatten.

Nein, der Nebel und die Totensonntagswochenendstimmung ist nicht gut für mich. Ich denke ich schnappe mir den Max mit seiner kalten und feuchten Hundenase, dem es langweilig ist und der Hunger hat, und gehe mit ihm ins Haus. In der warmen Küche Stollen backen macht mir heute glaube ich mehr Spaß.

schwarzer Schattenbegleiter mit eiskalter Nase (c) by Joachim Wenk
schwarzer Schatten-Begleiter
 mit eiskalter Nase



Mittlerweile ist es auch fast dunkel und der kurze Gartentag mit nicht allzuviel Arbeit geht zu Ende. Die Bilder zeigen ganz schön die Stimmung des heutigen Tages. Aber immerhin, ich war in meinem geliebten Garten  und habe hier und da ein wenig gewerkelt. Ein schönes Gefühl ist es,  jetzt geschützt, trocken und warm im Haus sein zu dürfen. Für den Schatten und für mich.

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