Montag, 13. Oktober 2014

Im Schweiße meines Angesichtes

Zäher Dunst und bodentiefer Nebel empfangen mich am Samstag  morgen bei meinen ersten Schritten im Garten. Die Sonne gibt falsche Versprechen durch diesen Schleier. Das sind am frühen Morgen die einzigen Strahlen, die ich den ganzen Tag von ihr zu  Gesicht bekommen werde.

Morgenstimmung im Oktober (c) by Joachim Wenk
Morgenstimmung im Oktober


Meine Kartoffelernte werde ich heute verschieben müssen, weil der Boden nach Regen naß ist. Vielleicht wird es nachmittags besser. Jetzt gehen wir erste einmal nach dem Samstagmorgenfrühstück Gassi. Es nieselt, ist aber auffallend mild, beinahe warm.

Also der Nieselregen kommt immer wieder und ich werde daher vormittags meinen Arbeitsschwerpunkt in die Küche verlegen. Es ist an der Zeit wieder die selbstgemachte Instant-Gemüsebrühe zuzubereiten. Meine Vorräte sind erschöpft.

Der Zeitpunkt ist nicht nur richtig, weil nichts mehr in den Vorratsbehältern ist, sondern auch weil gerade die Zutaten reif sind.

Möhren hatte ich dieses  Jahr probiert, hatte keinen Erfolg. Nur ein paar wenige fingerdicke und sehr kurze Möhrchen konnte ich ernten. Schmecken täte sie ganz vorzüglich. Ich entschließe mich, sie und ihr Kraut zu trocknen.

Heute ernte ich noch eine sehr große und dicke Pastinake. Die wachsen bei mir, Möhren nicht. Komisch oder?

Die Sellerie steht wunderbar im Beet, aber ich war zu spät dran oder der kalte August hat sie gehemmt. Jedenfalls sind die Knollen vielleicht so groß wie ein kleiner Apfel. Aber das Kraut ist prächtig.

Vom Lauch ist wirklich bis auf zwei bleistiftdicke Stängel mit Kraut nichts verwertbares vorhanden. Alles verkrüppelt durch die Lauchfliege.

Reife Tomaten sind noch von der kürzlichen Ernte im Keller.Lorbeerblätter sind auch getrocknet im Vorratsschrank.

Somit habe ich doch ein paar gute Zutaten für meine Gemüsebrühe.

Nach der Ernte schleppe ich alles in die Küche. Es wird gereinigt und etwas zerkleinert. Dann kommt es in den Mixer und wird zu Brei verarbeitet. Von der zu kleinen Sellerie auch das Laub und vom Lauch auch. Die getrockneten Möhren nebst Laub genau wie die getrockneten Topinambur kommen auch mit rein.

Immer wieder wird gemsicht, wieder gemixt und gemischt. Bis endlich 2,5kg feiner Gemüsebrei fertig sind. Dazu kommen jetzt 300g Salz. Alles gründlich vermischen, auf die Roste des Dörrapparates und morgen am späten Abend wird es getrocknet sein.

ich glaube, dieses Jahr habe ich ein besonders schönes Aroma zustande bekommen. Der trockenen Brei wird nochmals zerbröselt und trocken im Mixer pulverisiert, nochmal im Dörrapparat durchgetrocknet und fertig ist das eigene Gemüsebrühenpulver.

Und was mich besonders freut: ich habe mein eigenes Gemüse darin, auch die nicht so gelungenen Gemüse können hier verwendet werden.

Und da ist sie wieder die Erinnerung. Ein Gespräch kommt mir in den Sinn, welches vor Kurzem mit Freunden geführt wurde. Ich, so hieß es, schmeiße ja nichts weg, was ich angebaut habe, da wird immer alles restlos verwertet. Klar, konterte ich, wenn ich das im Schweiße meines Angesichtes herangezogen habe, werfe ich es nicht einfach fort. Und nur, so die Antwort, weil du es im Schweiße deines Angesichtes großgezogen hast, muß ich es auch im Schweiße meines Angesichtes essen?

Diese Spötter, wenn wüssten, was in meiner Gemüsebrühe alles (an Schätzen!) verwertet und vor dem Kompost gerettet wurde....

Vielleicht sollte ich noch ein paar meiner sehr scharfen Wild-Chillis mit hineinmörsern. Dann wissen sie woher der Schweiß in ihrem Gesicht beim Essen kommt. Von den Chillies und nicht von meinen Kochkünsten!

Schwamm darüber, es nieselt noch immer und ich könnte doch noch etwas verwerten.

Ja genau, da liegen noch so viele schöne Äpfel im Kren unterm Apfelbaum. Ich denke ich mache gleich noch eine Portion Apfelsaft im Dampfentsafter. Nebenher bereite ich das Abendessen vor Rotkohl mit Pilzen in Pfannkuchen, überbacken mit Käse. Dazu Preiselbeeren. Und keine Reste sind darin enthalten. Das muß auch einmal erwähnt werden. Aber es bleibt vom Rotkohlköpfchen die Hälfte übrig. Bevor es jemand merkt hobel ich das klein, blanchiere es und friere es ein. Also mal wirklich, aus  Samen habe die Pflanzen gezogen, durch die letzten Monate gepeppelt und fast den Kampf velohren. Jetzt stehen sehr sehr kleine aber feste und aromatische Köpfchen Rotkohl im Beet. Diesen kann ich doch nicht einfach wegwerfen, wenn er übrig ist. Und man muß ja den ganzen Kopf ernten und kann nicht nur 200g abschneiden, wie beim Metzger und seiner Wurst. Hier heißt es eben immer: darf's ein bisschen mehr sein?

Kohlköpfe groß und klein im Gemüsegarten (c) by Joachim Wenk
Kohlköpfe groß und klein im Gemüsegarten


Das Wetter wird nicht besser aber ich will hinaus. Ich muß hinaus. Irgendwelche Arbeiten finde ich schon.

Die Strelitzie und die Zitronen mit den gelben statt grünen Blättern topfe ich jetzt um. Die neuen Lechuza -Säulen sind dafür da. Ich hoffe hier das Gießen bei beiden besser in den Griff zu bekommen. Sie sollen nicht mehr so nass stehen. Und ich hoffe dass meine Zitrone wieder grüne Blätter bekommt. Trotzt Zitruserde und Zitrusdünger hat sie diese gelben Blätter mit schwach grünen Adern.

Dann muß noch Brennholz für den Ofen im Winter von einem Raum in den anderen, trockeneren geschleppt werden. Das geht auch bei Nieselregen. Mir macht die Arbeit dennoch Spass, weil es mild ist, weil ich draußen sein darf und weil ich keine Hektik und keinen Streß habe.


Mittlerweile ist es Sonntag, das Wetter ist wieder besser und die Sonne scheint.

Ich ernte meine letzten Kartoffeln. Die Sonne scheint bei blauem Himmel auf mich und die Kartoffeln hinab. Die Luftfeuchte ist sehr hoch, was das Kartoffelnernten wirklich schweißtreibend macht.

letzte Kartoffelernte für 2014 (c)by Joachim Wenk
letzte Kartoffelernte für 2014


Das Beet wird danach eben gerecht, mit etwas Hornmehl bestäubt und mit Haselnußlaub als Mulch zugedeckt. Laub hat wenig Stickstoff, daher  gab ich Hornmehl auf den Boden, damit es besser verrotten kann.  Vor dem Gewächshaus seht ihr das Ecklein mit dem Laub.

Gemüsegarten im Spätherbst (c) by Joachim Wenk
Gemüsegarten im Spätherbst


Dann sammle ich wieder Walnüsse auf. Gestern drei Eimer und heute zwei. Die trocknen im Palmenhaus in den Körben, welche im Sommer meine Kräuter zu Tee werden lassen. Das Palmenhaus muß auch so nach und nach freigeräumt und vorbereitet werden. Das kann jetzt dann sehr plötzlich sein, daß ich schnell die ersten Kübelpflanzen einräumen muß. Und da brauche ich Platz. Wenn ich mir die Grünmasse so ansehe wird mir himmelangst, wie das wieder funktionieren soll.

Kübelpflanzen müssen bald ins Winterquartier (c)by Joachim Wenk
Kübelpflanzen müssen
bald ins Winterquartier

Kübelpflanzen müssen bald ins Winterquartier (c)by Joachim Wenk
Kübelpflanzen müssen bald ins Winterquartier

Kübelpflanzen müssen bald ins Winterquartier (c)by Joachim Wenk
Kübelpflanzen müssen
bald ins Winterquartier


Die Datura hab ich klein geschnippelt und auf den Kompost geworfen. Sie hat nicht geblüht, ist nicht gewachsen und besaß keine Blätter mehr. Seit über 10 Jahren hatte ich sie. Vielleicht hat so eine Pflanze auch ein Alter ab dem sie nicht mehr richtig gedeiht. Ich habe mir aber, weil ich die weißen Blüten mit dem schweren Duft so liebe, einen Steckling gemacht. Der ist gut bewurzelt  und wird hoffentlich über den Winter kommen.

Eine andere Kübelpflanze habe ich auch entsorgt. Sie blüht nie, hat nur grüne lange schiessige Triebe. Ich brauche den Platz, Licht und Luft im Palmenhaus für die Pflanzen, die auch gedeihen und nicht jahrelang kümmern. Mit manchen Pflanzen komme ich eben auf Anhieb zurecht und andere werden einfach nichts. Dann passen wir wohl einfach  nicht zusammen.

Es wird wirklich schon sehr zeitig dunkel momentan. Ich genieße noch ein wenig meinen Garten, die letzten Blüten und auch mein letztes Gemüse in den Beeten, bevor ich ins Haus gehen und mein Gartenwochenende zufrieden abschließe.

Panorama Oktober Gemüsegarten (c)by Joachim Wenk
Panorama Oktober Gemüsegarten









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