Montag, 8. September 2014

Pomp und Gloria oder Fäulnis und Verderb

beides nur getrennt durch einen dünnen  Zaun!

Wie oft in der Welt kommt so etwas doch wirklich vor?

Aber nein, heute will ich nicht philosophieren. Heute möchte ich euch berichten, wie aus einer frustrierten Enttäuschung ganz rasch ein Erfolgserlebnis und neuer Schwung für den Garten der Zukunft (also 2015) wird.

Ein bisschen ausholen muß ich allerdings, um des besseren Verständnisses meines Frustes und der neuen Lust willen.

Fangen wir an mit Pomp und Gloria.

Herbstastern Dahlien und Herbstanemonen in Blüte (c) by Joachim Wenk
Herbststauden in voller Blüte

Mein Staudenbeet zeigt jetzt im Herbst  noch einmal Fernwirkung. Aus großer Ferne schon sieht man die hohen Büsche der Herbstastern leuchten. Der Blutweiderich blüht seit vielen Wochen und die Herbstanemonen haben bereits die Blüten geöffnet. Das üppige Leben in all seiner Pracht.

Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite des Zaunes sieht es so aus:

Braunfäule an Kartoffeln (c) by Joachim Wenk
Braunfäule an Kartofffeln,
nur die ganz links haben sie nicht?


Braunfäule an Tomaten  (c) by Joachim Wenk
Braunfäule an Tomaten
Dieser Sommer war super trocken und schön warm. Nur der August war unter aller Vorstellung. Bitterkalt und öfter mal etwas Regen. Und mit einem mal hatten Kartoffeln und Tomaten die Braunfäule. Im vergangenen unheimlich verregneten Jahr, habe ich die gleichen Kartoffelsorten Ende Oktober mit 100% gesundem Laub geerntet. Ich achte extra auf Kartoffelsorten mit hoher Widerstandsfähigkeit gegenüber der Fäule. Ich weiß nicht, was dieses Jahr schief lief.

Auch die Tomaten sehen entsetzlich aus. Die erste Reihe ist komplett von der Fäule zerfressen. Blätter, Stängel und Früchte. Und das obwohl ich die dagegen recht resistenten Sorten anbaue.

Ich war wirklich frustriert als ich es entdeckte und begann mal wieder die Lust zu verlieren. Oft mißlingt mir ja etwas im Garten und ich weiß dann aber den Grund dafür. Der liegt meistens bei mir selbst, weil ich besseren Wissens, etwas doch oder eben doch nicht gemacht habe. Hier jedoch weiß ich keinen Grund, bin hilflos und daher echt frustriert.

Gestern nun bei herrlichem Herbstwetter machte ich mich an die Ernte der Kartoffeln. Die Fäule soll nicht auch noch runter in die Knollen kriechen.

Was ich da fand entschädigte mich wieder für die Kümmernisse durch die Fäule.

Kartoffeln Setanta und Cara (c) by Joachim Wenk
Setanta links und Cara rechts


Ich habe gigantisch große und gesunde Kartoffeln in hoher Anzahl aus dem Boden gegraben.

Fünf Reihen, also 2 Sorten.  Mehr Zeit war nicht mehr. Und es waren die schon ganz zerfallenen Kartoffeln. Die,  die gar kein Laub mehr hatten. Die letzten Reihen direkt daneben mit direktem Kontakt zu den Fäule-Kartoffeln (Die weit über 2m langen Triebe der Kartoffeln haben sich im Laufe des Sommers miteinander verflochten) sind noch grün und lassen nur schwach Braunfäule erkennen.

Das machte mich nachdenklich und ich holte mir die Sortenbeschreibungen zur Hand. Die heute geerntete Kartoffelsorte Setanta  ist laut Bechreibung "sehr widerstandsfähig gegen Kraut- und Knollenfäule und Schorf", die Sorte Cara kommt sehr gut mit Trockenheit zurecht, was sie dieses Jahr auch mußte.   Sie hat ebenfalls "sehr gute Krautfäulewiderstandsfähigkeit". Und doch haben beide die Fäule dieses Jahr bekommen.

Die noch grüne und am gesündesten wirkende Sorte ist die Sarpo Mira. Und siehe da! Was lese ich bei der Beschreibung im Katalog vom Biogartenversand.de ? " Unser Krautfäule-Testsieger. Sarpo Mira ist die Sorte, die in unserem Versuchsanbau mit Abstand die beste Widerstandsfähigkeit gezeigt hat. Auch einige andere Sorten weisen eine gewisse Krautfäuletoleranz auf, mit Sarpo mira kann jedoch keine mithalten". Wenn das nicht einmal eine Katalogbeschreibung ist die zutrifft? Aber so etwas von genau.
Kartoffeln im Herbst (c) by Joachim Wenk
hier sieht man vorne die befallenen
 und ganz hinten
die noch dunkelgrüne Sarpo mira

Jetzt wurde ich neugierig und untersuchte die Tomaten genauer, die mich so frustriert haben. Beim Pflanzen habe ich an den Fuß immer ein Schildchen gesteckt mit dem jeweiligen Sortennamen.

Auch hier wieder wird der Katalog zu Rate gezogen.

Die erste Reihe sieht in etwa so aus.

Braunfäule an Tomaten (c) by Joachim Wenk
Braunfäule an Tomaten
Das ist die Sorte Hellfrucht. Die Fäule hat die Pflanze und auch die unreifen und halbreifen Früchte erwischt. Schade das waren sehr schöne runde köstliche Tomaten in großer Zahl.  Von Krautfäuletoleranz steht bei ihr im Katalog allerdings nichts! Das Ergebnis sieht man.

Schaue ich in die zweite Reihe, sieht es ebenso aus. Oder? Hat mich da der erste Eindruck getäuscht?

Das ist doch nur die erste Pflanze an der Front, die krank ist. Die anderen haben eigentlich gar nichts.  Ich gehe auf die Knie und rutsche unter meinen Tomaten herum auf der Suche nach den Namenssteckern. Und ich werde fündig. Die erste, also kranke Tomate,  ist ebenfalls eine Hellfrucht.  Die anderen heißen Quadro . Eine Züchtung, die weitgehend Tolerant gegenüber der  Kraut- und Braunfäule ist.

Krautfäule resistente und befallene Sorten (c) by Joachim Wenk
links die erste Pflanze (Hellfrucht)ist  krank,
die anderen (Quadro) sind gesund

Krautfäule resistente und befallene Sorten (c) by Joachim Wenk
lauter gesunde Quadro-Tomatenpflanzen


Es klappt also doch mit den richtigen Sorten. Wie sieht es in der dritten Reihe aus? Sie bekommt hier unterm Walnußbaum und hinter den Stauden am wenigsten Sonne ab. Und sie sind gesund. Wieder suche ich und ich war wohl im Frühjahr wirklich konsequent, diese Reihe sind Dorenia-Tomaten. Im Katalog heißt es, daß sie sehr gesunde Pflanzen sind  mit besonderer Robustheit gegenüber der Braunfäule.

Also kann ich beruhigter ins nächste Jahr gehen. Ich freue mich wirklich, doch wieder Hoffnung haben zu können.  Ich werde einfach wirklich im Freiland keine Sorte mehr anbauen, bei der nicht ausdrücklich diese Toleranz oder Widerstandsfähigkeit gegenüber der Braunfäule genannt ist.

Und ich sah mich schon von Jahr zu Jahr krankere Tomaten anbauen, weil die Sporen ja überwintern und sich im Garten ansammeln. Dann hat man gar keine Chance mehr auf gesunde Tomaten, so sah ich meine Zukunft.

Ein Wermutstropfen bleibt noch. Die letzten beiden Sorten haben zwar keine Fäule aber ziemlich blöde Flecken auf den Früchten, die die Früchte blitzartig verderben lassen. Wenn ich nun noch weiß, wie ich damit umgehen soll, wäre ich glücklich. Gestern wollte ich noch genauer prüfen, welche der beiden Sorten diese Flecken hat. D da habe ich keine Fleckentomaten gefunden. Ich bleibe dem aber auf der Spur.

Im Gewächshaus sind die Tomaten  noch gesund. Dort wächst die die Tica . Sie hat wunderbare kleine runde Früchte in großen Trauben mit sehr guten Geschmack. Sie ist eine frühe Tomaten und wurde mit Abstand als erste rot bei mir im Garten.
Tica und Black Cherry im Gewächshaus (c) by Joachim Wenk
links Tica
rechts black cherry


Tomate Tica (c) by Joachim Wenk
Tomate Tica

Ebenfalls wächst hier die Black Cherry. Sie ist bei mir weit mehr als die beschriebenen 2m hoch. Sie trägt reich, die Früchte sind aromatisch. Die Pflanze soll auch allgemein widerstandsfähig sein.

Black Cherry Tomaten (c) by Joachim Wenk
Black Cherry




Vor lauter Angst wegen der Fäule durfte gestern niemand der im Gemüsegarten  "herumgekrochen" ist ins Gewächshaus, bevor nicht die Hände gewaschen und desinfiziert wurden.  Mal sehen, ob ich das Gewächshaus gesund halten kann.

Jedenfalls bin ich wirklich glücklich, daß die Sorten die der Fäule die Stirn bieten sollten und sollen, das auch wirklich tun. Die Kartoffeln überraschen mich zwar, daß hier nur die allerresistenteste Sorte gesund bleiben konnte, obwohl der ganze Sommer so trocken war. Da ich aber in den letzten Jahren damit sehr gute Erfahrung gemacht habe werde ich diese Sorten wieder anbauen. Die Erträge jedenfalls sind derart überzeugend, daß ich gar nicht anders  kann.

Jetzt beobachte ich noch weiter die Tomaten und ernte kommende Woche die letzten Kartoffeln (oder lasse sie noch etwas). Jedenfalls habe ich alles genau notiert und kann das im Winter bei der Samenbestellung hervorholen. Dann weiß ich, was ich kaufe und wo ich es hin pflanze.

Ins Freie jedenfalls kommen keine anfälligen Tomaten mehr. Auch werde ich das erste mal das Tomatenbeet an eine andere Stelle machen. Bisher las ich, daß Tomaten es sogar mögen an der gleichen Stelle zu stehen. Jetzt habe ich vermehrt mitbekommen, daß man davon nicht mehr ausgeht und auch hier Fruchtfolge nötig ist. Vielleicht bekomme ich dann die Flecken von den Früchten auch noch weg und habe ganz gesunde Tomaten?

Das wäre ja wie im Traum.

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