Dienstag, 2. September 2014

Landesgartenschau Schwäbisch Gmünd: 6 Stunden-Spaziergang in heftigem Dauerregen

Vergangene Woche hatte ich es angekündigt. Wir fahren mit dem Obst -und Gartenbauverein zur Landesgartenschau nach Schwäbisch Gmünd. Ich war gespannt auf den Tag. Was sie so bieten in Schwäbisch Gmünd. Ob ich neue Gestaltungsideen für meinen Garten mit heim nehme? Pflanzen in natura sehe, die ich nur vom Katalog her kenne? Kann ich mir als Andenken etwas schönes kaufen - Kunsthandwerk, Praktisches für den Garten oder eine Pflanze? Und einfach so ein netter Tag mit netten Leuten.

Gestern war es dann schließlich so weit. Bereits am Samstag Abend brachten wir den Hund zur Mutter. Leider dürfen ja keine Hunde mit ins Gelände. Sonntag klingelte schon bald der Wecker und wir richteten uns für den Ausflug. Das Wetter war gestern herrlich. Bei Sonnenschein und etwa 22°C. Heute ist alles nass und es regnet. Oh weh!

Um 7.30 Uhr ist Treffpunkt an der Bushaltestelle. 45 Personen kann der Regen nicht davon abhalten zu Ihrer Zusage zu stehen und mit zu kommen.

Die Fahrt zur Autobahn ist dann schon richtig schaurig. Düstere Wolken, tief hängend, Nebelschleiher und kein Fleckchen blau am Himmel. Es regnet stark.

Zwei Stunden später sind wir in Schwäbisch Gmünd, der Shuttle-Bus hat uns zum Eingang gefahren und wir warten gerade auf die Eintrittskarten. Es gießt in Strömen. Wir haben nur einen Schirm dabei, weil wir nicht dachten, daß es ununterbrochen regnen könnte. Der ist uns schon jetzt zu klein. Wir haben die Karten und beginnen auf der anderen Straßenseite. Im Weleda-Garten.

Ankunft Landesgartenschau Schwäbisch Gmünd (c) by Joachim Wenk
Ankunft Gartenschau



Schön angelegt sind die Flecht-Hochbeete. Man muß sich nicht bücken, um die Namensschilder zu lesen. Ganz viele Heil-Kräuter sind hier ausgestellt. Witzig sind überdimensionale Schubladen mit jeweils ganz unterschiedlicher Bepflanzung. Auf dem Schild daneben kann man lesen, um welches frei verkäufliche Arzneimittel von Weleda es sich handelt und in der Schublade wachsen, jeweils genau beschrieben, eben genau die im Mittel enthaltenen Pflanzen.


Hochbeete aus Weidengeflecht mit Kräutern (c) by Joachim Wenk
Hochbeete aus Weidengeflecht mit Kräutern
So ein künstlich angelegter Bachlauf durch oder entlang unserer Wiese wäre ein Traum.
Hochbeete aus Weidengeflecht mit Kräutern (c) by Joachim Wenk
künstlicher Bachlauf 
So könnten wir auch unsere Stütze für den zu pflanzenden Wein konstruieren.
Hopfen an Baumstämmen (c) by Joachim Wenk
Hopfen an Baumstämmen
Eine Blütenuhr. Die schöne Hinweistafel sagt einem, wie spät es in etwa ist, wenn diese oder aber wenn jene Blüte gerade aufgeht oder auch gerade zu geht. Sehr interessant. Wir müssen schon jenseits der Nebel in ein Land fern ab aller Zeiten gerutscht sein, auf unseren Irrwegen durch die Sintflut von oben. Oder warum sind alle Blüten zu?
Blütenuhr (c) by Joachim Wenk
Blütenuhr ohne Blüten wegen Dauerregen


Es regnet immer mehr und wir sind nach nicht einmal einer halben Stunde bis übers Knie durchnässt. Ein Gastronomiezelt gibt uns Schutz. Der  Regen steigert sich zum Wolkenbruch. Wir wärmen uns bei einer Tasse Kaffee und heißen Weißwürsten.

Als der Regen wieder nachlässt (nicht aufhört) gehen wir wieder raus. Ich ohne Schirm, nur mit einer Kapuze der nicht wasserdichten Jacke. Der Handwerkermarkt wäre schön, aber man kann nicht richtig schauen vor lauter Regen. Zudem vergeht mir die Lust etwas anzuschauen, wenn überall Plakete und Zettel hängen, dass es absolut verboten ist, hier ein Foto von den Kunstwerken zu machen, weil die Ideen den Handwerkern gehören. Und wie bemitleidenswert man ist, wenn man keine Billigware anbietet sondern Handwerkskunst (was man aber eigentlich auch erwartet auf so einem Markt) und wie unlustig da drein geschaut wird, wenn man halt nur mal schauen will. Ja sogar was kaufen möchte, aber eben mal schauen muß, was es überhaupt so gibt. Scheinbar war Schauen auch schon zu viel. Wir besuchen zum zweiten Mal heute, den Laden von Weleda. Dort darf man alles schnuppern und testen. Und ich kaufe mir ein Salbei-Deodorant und die Sanddorn-Handcreme.

Dann geht es weiter. Hier im sogenannten Himmelsgarten, dem Teil der Gartenschau oben am Berg, ist das Hauptsächliche und am meisten zu sehen. Leider merkten wir das erst, nachdem wir den Waldweg hinunter und in den unteren Teil vorgedrungen waren. Wir haben bereut, nicht oben geblieben zu sein.

Im Himmelsgarten sind verschiedene kleine Gartenräume ausgestaltet. Ein Senkgarten, ein Gemüsegarten, Wasserfall im Garten, Erdsauna, Gartenküche und ähnliche Themen wurden umgesetzt und beispielhaft aufgebaut. Das war sehr interessant und ich hätte sicher noch viel entdeckt, wenn es nicht ununterbrochen geregnet oder geschüttet hätte. Immer wieder mußten wir in die Gastronomieeinrichtungen zum Wärmen und zum Schutz.



Konservieren (c) by Joachim Wenk
Konservieren

Spalier Zaun Apfelbäume (c)by Joachim Wenk
Spalier Zaun aus Apfelbäumen

Blüten im Gemüsegarten (c )by  Joachim Wenk
Blüten im Gemüsegarten

Blüten im Gemüsegarten (c )by  Joachim Wenk
Blüten im Gemüsegarten 

Blüten im Gemüsegarten (c )by  Joachim Wenk
Blüten im Gemüsegarten

Blüten im Gemüsegarten (c )by  Joachim Wenk
Blüten im Gemüsegarten

Spalierzaun aus Apfelbäumen mit Blütenrabatte (c) by Joachim Wenk
Spalierzaun aus Apfelbäumen mit Blütenrabatte

(c) by Joachim Wenk
Ein Garten-Raum im Regen

Senk-Garten (c) by Joachim Wenk
Senk-Garten

Senk-Garten (c) by Joachim Wenk
Senk-Garten


Sehr gefallen haben mir auch die vielen vielen üppig blühenden Stauden-und Einjahres-Beete in den Wiesen. Immer farblich sehr harmonisch abgestimmt.

farblich harmonische Blütenbeete (c) by Joachim Wenk
farblich harmonische Blütenbeete

farblich harmonische Blütenbeete (c) by Joachim Wenk
farblich harmonische Blütenbeete

farblich harmonische Blütenbeete (c) by Joachim Wenk
farblich harmonische Blütenbeete

farblich harmonische Blütenbeete (c) by Joachim Wenk
farblich harmonische Blütenbeete


Das Thema Urban-Gardening wurde auch aufgegriffen. Allerdings nicht sehr umfangereich.

Hier ein Wandgarten aus gebrauchten Tetra-Packs.


urban gardening mit Tetra Packs (c) by Joachim Wenk
urban gardening mit Tetra Packs


Es gab auch noch sehr kühle, moderne oder architektonische Gärten, die mir aber nicht gefallen. Auch Bambus im Garten kann mich nach wie vor nicht begeistern.

Enten, Gänse, Lamas, Pferdchen und anderes Getier konnte bestaunt werden. Da waren wir schnell durch, haben wir das doch daheim beim direkten Nachbarn oder bei meinem Cousin auch.

Ein weißes Hochzeitszimmer war eingerichtet, aber leider gerade ohne Hochzeit.

Ein Gottesdienst wurde abgehalten und immer mittags finden Gebetsrunden an einem kreuzförmigen Tisch statt. Auch heute, auf nassen Holzbalken. Ich bin ja zwar ein gläubiger Christ und auch Kirchenbesucher. Aber eines mag ich persönlich nicht, wenn diese sanft-verklärten und Gitarren begleiteten Töne und Stimmchen, lobpreisend zum Himmel plätschern und sich leise wabernd durch die Blätter von Bäumen und Büschen zu meine Ohr vortasten. Wenn ich in der Natur und im Garten bin, stehe ich eher anderen Ansichten und Vorstellungen der Welt und der Natur gegenüber. Weniger verklärt und weltfremd umsichjubelnd, als handfest und real. Ein Mitschwingen mit der Natur und im Rhythmus der Natur. Diese beobachtend und von ihr lernend. Diese Einsichten und Ansichten allerdings wurden von der Kirche der ersten Jahrhunderte (bis heute) allerdings, obwohl Gottes Werk, verteufelt und verdammt. Viel Wissen ging damals verloren. Und von einer Demut der Natur gegenüber wechselte der Mensch zu den heute leider fatalen Allmachts , Herrscher- oder Dominanzgefühlen der Natur gegenüber.

Aber gut, ich schweife ab und die sphärischen Lobpreisungslautchen Selbstbeweihräucherungen verstummten auch bald. Es wird doch wohl nicht am Wetter gelegen haben, das der so allmächtige Mensch, der sich die Natur Untertan gemacht hat, doch leicht ändern können sollte. Oder?

Ich jedenfalls herrsche nicht über die Natur sondern bin ein Teil von ihr. Ein fürchterlich nasser und frierender und humpelnder Teil. Du meine Güte, was gehört da für Gartenleidenschaft dazu, sich das heute anzutun....

Wir verlassen den Himmelsgarten und machen uns ab durch den Wald nach unten in die Stadt. Dieser Weg ist ja faszinierend und ich überlege dauernd, wie lange wohl wie viele Menschen daran gearbeitet haben um ihn fertigzustellen. Wir gehen bestimmt eine halbe Stunde immer bergab durch den Wald.

Also für einen Waldspaziergang müsste man nicht unbedingt eine Busreise auf sich nehmen und Eintritt bezahlen, auch wenn die Natur hier sehr schön ist.

Attraktiv macht den Spaziergang aber trotzdem der leicht zu laufende Holzsteg-Weg, die Tatsache, daß man ja immer nur bergab geht und auch für Erwachsene witzig, die begleitende Holzkugel. Etliche Stationen, Infotafeln, Anregungen zum Nachdenken oder Betrachten ließen wir angesichts des Wetters links liegen.

Oben am "Start" kauft man sich für 20 Cent eine Holzmurmel. Die legt man dann in die XXL-Kugelbahn. Sie rollt den Naturgesetzen folgend, bergab. Und wir laufen neben ihr her. Sie nimmt Geschwindigkeit auf und wir müssen fast rennen, um ihr zu folgen.  Kaum haben wir beschleunigt, wird die Kugel wieder durch diverse Einrichtungen in ihrer Bahn gebremst und wir können wieder sehr gut Schritt halten.

Aber leider, und ich weiß nicht, ob ich es schon erwähnte, regnet es ja ohne Pause. Die Rinne für die Kugel, sowie die Auffangbecken  an den Zwischenstationen sind wassergefüllt und so ist dann schließlich die Kugel langsamer als wir. Dennoch macht es großen Spass und man oder Mann wird wieder zum Kind, beim Spiel mit der Murmel.



Hölzner Steg als Weg im Wald (c) by Joachim Wenk
Pfad durch den Wald

XXL Kugelbahn im Wald (c) by Joachim Wenk
Aus Sicht der hölzernen Murmel
Die hölzerne Murmel wird immer wieder auf ihrem Weg bergab sehr einfallsreich durch unterschiedliche Mechanismen gebremst.

Murmelbremse in XXL Kugelbahn (c) by Joachim Wenk
Murmelbremse
Als wir dann  wieder in Schwäbisch Gmünd ankommen, sind wir irgendwie platt. Dieser permanente Regen, alles ist nass, wir frieren. Wir setzen uns zum ich weiß nicht wievielten Kaffee in eine italienische Pizzeria.... mit Eisdiele.....und Bar.....und Lieferservice oder Pizza-to-go am Bahnhof. Mehr muß ich jetzt dazu nicht sagen.

Weiter geht es in das Gartenschau-Areal an der Rems und in der Stadt. Herrliche Blumen und life-Musik (sehr laut). Aber Dauerregen und die Lust hat uns sowieso schon verlassen. Wir retten uns in die Blumenhalle. Nach meinem Geschmack war dort das einzig Schöne die Trockenheit. Die ausgestellten Pflanzen in den Gefäßen langweilten mich ganz schrecklich, da ich alles fürchterlich fand. Und das lag nicht am Regen, sondern an der "Vergewaltigung" der Pflanzen in eiskalter anonymer Atmosphäre und Stimmung. Pflanzen und Pflanzgefäße passend für große Anwalts- oder Notarkanzleien, Zahnarztpraxen oder  Architekturbüros. Kalt und ohne Leben. Keinerlei Ausstrahlung.

Ja und wer sagt es denn? Hier in der Stadthalle oder Congresshalle ist das erste Mal eine Gelegenheit etwas als Andenken zu kaufen. Ich nehme mir ein Fläschchen  Rosensirup mit. Dann flüchten wir uns durch den heftigen Regen in, ja in was wohl? Ins Museumskaffee. Es gibt Kaffee und Kuchen, dann gehen wir raschen Fußes zu unserem Bus, weil die Zeit endlich so weit ist.

Wir fahren noch zum Abendessen und dann nach Hause. Fertig sind wohl alle und naß.

Den ganzen Sommer haben wir keinen Regen abbekommen. Immer mussten wir auf Regen hoffen und dann kommt alles an einem einzigen Tag herunter. Und genau an diesem Tag machen wir einen Ausflug. Das muß uns erst einmal einer nachmachen!

Ich ziehe also Resümee.

Der Regen hat natürlich viel versaut, aber dafür kann weder die Gartenschau noch der Reiseorganisator etwas.

Die Gartenschau ist oben im Himmelgarten interessant, unten in der Stadt eher nicht. Der Weg dazwischen birgt viele Infostationen und andere Möglichkeiten. Aber dann bleibt einem nicht die Zeit beide Gartenteile gründlich zu besichtigen. Also dann eher öfter kommen als nur einen Tag. Mir persönlich hätte ein Tag ausgereicht, hätte auf den unteren Teil verzichtet, oben mehr besichtigt und genossen. Es gab so unzählig viele Sitzgelegenheiten in den lauschigsten Ecken. Aber bei dem Wetter nutzt die niemand.

Schade dass (mir ) zu wenig für den normalen gartelnden Menschen geboten war. Wunderschöne Gartenzimmer und Gestaltungsideen, aber immer von Landschaftsbauunternehmen ausgeführt und auch nur von denen so hinzubekommen. Auch das urban gardening hätte noch mehr präsentiert werden können. Eine Wand mit Tetrapaks und ein paar Säcke am Tisch mit Pflanzen. Das ist noch nicht alles. Ich habe es jahrelang gemacht, da könnte man noch viel mehr zeigen. Auch lehrreiches für den eifrigen Nacheiferer im Großstadtdschungel.

Auch im Gemüsegarten vielleicht Kompostiermöglichkeiten, Anbaumethoden oder unterschiedliche Pflanzenkombinationen hätten viel mehr gezeigt werden können.

Und ganz wichtig. Es gab ja nichts zu kaufen. Keine Blumen oder Samen oder sonst was. Und Produkte für den Garten gibt es doch mehr als genug. Ich würde jedenfalls bei solchen Gelegenheiten gerne das eine oder andere kaufen und als Beute mit Heim nehmen.

Ich finde Gartenschauen einfach zu wenig praktisch und von realem Nutzen. Ich bin einfach zu viel Praktiker und Gärtner und zu wenig Sonntagsausflügler, der action vor allem für seine Kinder geboten haben möchte und Einkehrmöglichkeiten (auch wenn wir sie wegen des Wetters ja ausgiebig genutzt haben).

Da bin ich mal gespannt, welches meine nächste Gartenschau wird. Meine letzte war 2002 in Ostfildern (Stuttgart). Mit dem selben Ergebnis oder Gefühl, nach den Besichtigungen. Allerdings hatte es dort nicht geregnet.

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