Montag, 21. Juli 2014

Mein Garten, ein Garten im Fernsehen und ein Garten im echten Leben. Der Vergleich versaut mir einen schönen Samstag Abend.

Es ist Samstag Abend und ich war den ganzen Tag in meinem Garten. Die Sonne brannte und ich erledigte meine Arbeiten. Es gibt so viel zu tun und gleichwohl habe ich in den letzen drei Jahren auch schon viel geschafft. Mittlerweile ist es auch vom tiefsten Bauchgefühl her mein Garten und nicht der Garten der Vorbesitzer, den ich jetzt weiter pflege.

Vor meinem  inneren Auge sehe ich ein über und über blühendes und wucherndes Paradies. Weil vorher fast überhaupt nichts im Garten war, was hätte blühen können, habe ich schon viele Stauden, Rosen und Büsche gepflanzt. Einiges ist darauf hin sofort wieder kaputt gegangen, anderes blüht zu seiner Zeit. Die schönsten Motive und Stilleben fotografiere ich ja seit über einem Jahr. Und ich veröffentliche sie hier für euch zum Mitfreuen.

Aber so richtig rund läuft es leider noch nicht mit dem Wuchern und Blühen.

Und dann kommt der Samstag Abend.

Geschafft von der Gartenarbeit, bereits geduscht und angezogen, sehe ich im Vorbeigehen noch einen Bericht im Fernsehen über einen alten Garten. Das Haus wunderbar und von den jungen Besitzern fachmännisch mit Unterstützung des Denkmalamtes renoviert. Der Garten der absolute Traum. Doppelt so groß wie meiner. Wunderbare buxumrahmte Beete und Wege. Fast ein wenig barock angelegt, uralte Bäume. Überall saftiges Grün und bunte Blüten. Wow, das ist ein Garten und erst seit 2 oder 3 Jahren glaube ich wieder belebt. Es muß fürchterliches Chaos darin geherrscht haben, kein Weg mehr zu sehen, alles zugewuchert. Echt? denke ich? Ich habe meinen Garten ebenso lange und er war nicht zugewuchert. Aber bei mir sieht es nicht so aus.  ( PS hier habe ich den link dazu gefunden http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/zwischen-spessart-und-karwendel/forsthausrestaurierung-hassenbach-100.html )

"Komm wie gehen jetzt" schallt es aus dem Flur. Wir müssen los. Nach einem arbeitsreichen Tag waren wir auf einen 50sten Geburtstag eingeladen. Ich freute mich schon auf einen schönen Abend, mein Fatoush war fertig und köstlich. Mal sehen, was die anderen so an Leckereien mitbringen. Wir brechen auf.

Der Geburtstag fand in einem nahe gelegenen Ort statt.  Dort steht eine umgebaute Scheune für derartige Festlichkeiten. Es ist auch abends noch immer sehr warm und man steht draußen. Ich betrachte die Gärten. Einer fällt mir sofort ins Auge. Mannshohe Rosen brechen beinahe zusammen von der übermäßigen Blütenpracht. Auch sonst scheint dort alles erstklassig zu gedeihen. Der Rasen vor dem Grundstück ist saftig grün und kurz geschoren. Die Bäume dunkel grün und saftig, genau wie das Laub der Büsche.

Gut dass die alle gerade nicht meinen vertrockneten Wüstengarten sehen. Ich schäme wirklich, es noch nicht weiter gebracht zu haben. Ich bin frustriert, dass all die Arbeit zu keinem weiteren Ergebnis geführt hat. Und du, so denke ich, schreibst fürs weltweite Netz über deinen tollen Garten? Wie sieht er schon aus? Was hast du vorzuzeigen? Ich bekomme einen inneren Knacks. Bin traurig und frustriert.

Ich mache mir noch den ganzen Abend so meine Gedanken. Warum ist es bei mir nicht so satt grün mit überall bunten Blüten? Zu wenig Arbeit und Zeit investiert? Also mehr ist faktisch nicht mehr möglich, da ich jede(!) freie Minute im Garten bin. Schlechter Boden? Besonders gut ist er nicht. Ich habe dieses Jahr aber wenigstens geplant und berechnet ihn mit Dünger, zum Teil auch mit Kompost versorgt. Ich dachte kleine Verbesserungen zu bemerken. Wenn man dann aber so einen vor Kraft strotzenden Garten sieht, vergisst man schnell wieder die winzigen Fortschritte im eigenen Beet. Irgendwie ist der Abend für mich gelaufen. Mir ist irgendwie schlecht und schwummrig, ich habe keine Lust mich zu unterhalten. Essen und Trinken schmecken auch nicht.

Also eines steht auf alle Fälle fest. Der schöne Garten hier hat mehr Wasser zur Verfügung. Entweder von Unten (es ist im Grund mit 2 Bächen in der Nähe). Da aber der Ort ist vielleicht 5 Minuten mit dem Auto von uns entfernt ist, kann es dort kaum mehr regnen als bei uns.  So satt grün vom Rasen bis zu den Bäumen kann es nur mit ausreichend Wasser funktionieren.

Ich glaube immer mehr, dass die Trockenheit in meinem Garten ein Problem ist. Erstens regnet es von Jahr zu Jahr weniger und die Sommer werden immer heißer und heißer. Unser Grund ist über dem Dorf in Süd-West-Hanglage. Und er Boden ist eher lehmig als humos und feuchtespeichernd. Im Frühjahr steht das Wasser in der Wiese hinter dem Haus und beim Darüberlaufen patscht es unter den Schuhen. Dann ist es irgendwann weg und kommt nicht wieder. Ich vermutete schon immer eine undurchlässige Lehmschicht unter der Erde. Nicht allzutief, so dass sich Tau -und Regenwasser leicht sammelt, nicht nach unten weg kann. Dafür kann auch keine Grundwasser nach oben durch diese Schicht durch, wenn im Frühjahr und Sommer das Wasser von Oben fehlt. Daher die Trockenheit im Sommer. Selbst große Walnußbäume lassen ihre Blätter hängen. Wie soll dann mein Salat und Kohl an Wasser im Boden kommen mit den kleinen Würzelchen?

Nach der großen Aktion mit unserem Brunnen und der Aussage des erfahrenen örtlichen Elektrikers kann es sogar sein, daß nicht nur eine Lehmschicht, sondern gar Fels unter der Erde ist.

Der Brunnen gibt, wie ich ja jetzt festgestellt habe, ausreichend Wasser. Um den ganzen Garten mit Gemüsegarten, Obst- und Beeren, Hecken, Rasen, Staudenbeete, Solitärsträucher und so weiter  zu gießen, müsste ich jeden Tag damit mehrere Stunden beschäftigt sein. Weil ich aber ja vollzeit berufstätig bin, ist mir das nicht möglich. Und zwei oder dreimal die Woche zu Wässern langt nicht aus. Das merke ich.

Was für ein Dilemma. Ich will viel Grün und  Blüten. Ich habe den Platz dafür und das Wasser. Aber es fehlt die Zeit zum gießen und ohne gießen gedeihen die von mir gesetzten und erwünschten Pflanzen nicht. Kann man aus dem Garten am Ende garkein blühendes Paradies machen? 

Vielleicht macht es ja auch gar keinen Sinn, sich zu ärgern, daß die Zeit zum Gießen nicht vorhanden ist. Wäre es sinnvoll Pflanzen zu setzen und hochzupeppeln, die eigentlich nicht überlebensfähig sind an diesem Standort? Locken die nicht durch die latente Schwächung Schädlinge und Pilze an? Sie werden krank und müssen noch mehr umsorgt werden? Das ist nicht meine Art zu Gärtnern glaube ich. Vielleicht einige wenige Exemplare, die ich aus sentimentalen Gründen unbedingt im Garten haben will, kann ich so umsorgen. Aber nicht alles und überall. 

Die Natur selbst ist doch so vielfältig. Sie wird mir schon Pflanzen geschaffen habe, die meinen Anforderungen und denen des Standortes gerecht werden. Und die glücklich dabei sind. 

Wenn ich also gesunde Pflanzen haben will, die schön Blühen, werde ich nicht nur für das Sonnenbeet, sondern auch für alle andere Beete nach Stauden und Büschen Ausschau halten müssen, die Hitze und Trockenheit vertragen. Und die schneckenresistent sind.

Ich nehme mir vor, im Herbst noch einmal zu investieren und Stauden zu kaufen. Vielleicht finde ich auch Rosen die damit zurecht kommen.

Ich brauche Stauden für das Beet entlang des Zaunes. Jetzt ist er ja fertig und ich kann über die Gestaltung nachdenken.

Die Strauchrose Marguerite Hilling, die über 150cm hoch werden soll, steht seit drei Jahren dort. Auf dem Foto seht ihr den Stand der Dinge momentan. Vielleicht 30cm hat sie geschafft und mehr totes als saftig grünes Laub hängt an ihr.

Marguerite Hilling (c) by Joachim Wenk
drei Jahre alte Marguerite Hilling
Auch er hier steht über ein Jahr an Ort und Stelle. Aus einem früheren Garten habe ich diese Staude wesentlich wüchsiger in Erinnerung


(c) by Joachim Wenk


Ob es wohl Stauden gibt, die groß und robust sind. Das ist nötig, um den am Zaun gelegentlich auf-  und abrennenden Labrador auszuhalten. Zudem müssen sie Trockenheit und Hitze ertragen. Ich lass mich einfach überraschen, wenn ich dann die Kataloge durchforste.

Das ist jedenfalls das Zaunbeet. Fast ohne Blüten und das muß sich ändern. die gelbe Schafgarbe jedenfalls kommt jedes Jahr wieder. Ich werde sie dort ausgraben, teilen und wieder an den Zaun setzen. Ihr gefällt ganz offensichtlich der Standort.

Zaunbeet (c) by Joachim Wenk
Zaunbeet, rechts Marguerite Hilling. 

Zaunbeet



Dann ist da noch ein Beet, welches seit dem Einzug eher vernachlässigt wird. Der Grund ist ähnlich wie beim Zaunbeet. Das konnte ich vor Zaunfertigstellung nicht anlegen. Schließlich sollte ja nicht alles, was dann doch einmal wächst, wieder zertrampelt werden. Das Beet von dem ich nun rede ist das Fliederbeet. Direkt beim Haus. Ein sehr große Weigelie steht darin, gefolgt von Fliedergebüsch und dann eigentlich Fläche für Blühendes.

Der Flieder war einmal ein stattlicher  "Baum". Schließlich aber gefiel er der Vorbesitzerin nicht mehr, weil er wohl unten zu kahl war. Sie beauftragte einen Bekannten, ihn abzuschneiden. Man hatte die Hoffnung, daß er sich dadurch verjüngt und wieder dicht treibt.

Treiben tut er. Wer so eine Aktion schon einmal dummerweise hinter sich gebracht hat, weiß, wovon ich spreche. Der Wurzelstock schoss - und man kann es nicht anders bezeichnen - ab dem folgenden Frühjahr über seine ganze Ausbreitungsgrundfläche Flliedertriebe in die Höhe. Ein Urwald und Dickicht, welchem man nicht Herr wird. Selbst das fast wöchentliche Kürzen mit der Motorsense half nichts. Jetzt lasse ich das Gebüsch wachsen und kümmere mich nur um die Grenze zu der eigentlichen Staudenfläche.

Dort steht die Rose de Resht. Leider voller Rost. Ein große Wildrosenstrauch, ein Storchschnabel und ein Khakibaum. Das Beet ist vollsonnig und wer hätte es gedacht, sehr trocken. Es wird begrenzt von der mediterranen Terrasse und der Fuhr, sowie des Rasens.

Auf der Terrasse stehen meine Kübelpflanzen. Und es sind Kübel! Die bekommen wir immer schwer auf die Terrasse, weil sie ohne Treppen und Stufen nicht erreichbar ist. Um das zu ändern und weil es uns praktisch und optisch ansprechend erscheint, soll sich das  ändern. Der Terrassenbelag hat sich ohnehin gesetzt und ist krumm und schief. Da wird der Unterbau erneuert und dann ein  Weg von der Ecke der Terrasse als Einfassung des "Fliederbeetes" geschwungen bis vor zum Hauptweg laufen. Dieser Weg wird ebenerdig auf die Terrasse führen. Dazu muß aber ein Stück des Beetes weichen. Weil noch nicht feststeht, wie viel genau,  habe ich mich auch hier mit der Bepflanzung zurück gehalten. Dennoch werde ich auch hier im Herbst noch einmal ein paar Stauden setzen.

Meine geliebte Pompon de Bourgogne Rose wird dort heraus genommen. Sie vertrockent dort und wird überwuchert. Sie bekommte einen anderen Platz. Wiesenrauten, die sonst fast 2m hoch wachsen, sind hier blassgelb und kniehoch. Also auch kein sehr guter Standort.

Fliederbeet (c) by Joachim Wenk
links bei der Palme soll der Weg von der
Terrasse starten

Fliederbeet (c) by Joachim Wenk
hinter dem Brunnen und dem Rosenbusch
könnte es blühen, rechts der Flieder, ganz rechts
die Weigelie

In meinem Staudenbeet blüht gerade auch zu wenig. Das  Beet kennt ihr ja bereits. Dort wird auch noch ergänzt und im Sonnenbeet mit Cistus, Zitrone oder Witwenblume soll es auch noch weiter gehen. Letzteres blüht dieses Jahr im Vergleich zu allen anderen am reichsten und am ausdauerndsten. Dort habe ich vergangenes Jahr mit dem Umgestalten begonnen und sehe heuer erste klein Erfolge. Vielleicht wird es ja irgendwann noch etwas mit dem blühenden Paradies vom Frühjahr bis zum Herbst.



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