Sonntag, 13. Juli 2014

Im Zeichen der Ernte

Freitag Abend, endlich Feierabend und Wochenende.

Ich mache einen abendlichen Gartenrundgang. Geregnet hatte es ein wenig, der Boden ist aber schon wieder abgetrocknet. Es ist warm. Eigentlich sollte doch alles perfekt sein für den Garten. Aber ein wenig erinnere ich mich an den Sommer 2013 in dem mir die Schnecken für Monate den Spass am Gärtnern nahmen und meine gesetzten Pflanzen über Wochen nicht  begonnen zu wachsen.

Nein ganz so schlimm ist es diesem Sommer nicht. Ich hatte mich informiert, überlegt, recherchiert, analysieren lassen. Und, ich habe gehandelt. Der fehlende Stickstoff ist mittels Hornmehl in den Boden gekommen. Ein großer Bereich ist mit Schneckenzaun umrandet. Dieses Jahr habe ich zweimal mit Komposttee gegossen um das Bodenleben anzuregen und Brennnesseljauche habe ich ausgebracht.

Das Gemüse ist auch schön gewachsen und ich habe schon einiges geerntet. Anderes ist den Engerlingen und den Schnecken zum Opfer gefallen. Die weiße Fliege habe ich eindämmen können mit Niemöl.

Aber irgendwie ist im Moment der Wurm drin. Oder eben die Schnecke daran. Überall sind sie. Ein paar Köpfe Salat haben sie schon ab gefressen und einige Kohlrabi.  Im Schneckenzaunbeet am wenigsten. Aber auch da habe sie noch nicht ausgerottet. Wenigstens kommen keine oder fast keine nach. Das beruhigt mich sehr.

Aber wer hat meine etwa eineinhalb Meter lange Kürbisranke am Wurzelhals ab gefressen? Jedenfalls kann ich den vergessen, der ist kaputt und bringt keinen Kürbis. Hoffentlich passiert das nicht mit der zweiten Pflanze auch! Irgendwie frustriert mich das wirklich. Es steckt immer so viel Mühe und Sorge in allem und wird dann einfach so weggefressen.

Ich will mir aber nicht wieder die Lust am Gärtnern verderben lassen und schaue einfach, was ich jetzt ernten kann. Das werde ich dann morgen, am Samstag machen. Mein Entschluss stand fest und weil es doch einiges ist, was ich gefunden habe, steigt meine Stimmung wieder. Letztes Jahr mußte ich auf die Frage, wer das Gemüse denn alles isst, was ich anbaue, antworten: Die Schnecken. Ich habe letztes Jahr nicht eine Kohlrabi oder Salat geerntet, keine Tomate (wegen Kälte), eigentlich bis auf Kartoffeln und hier und da ein paar einzelne Pflänzchen nichts. Diesjahr ist es anders.

reife Erbsen (c) by Joachim Wenk
Erbsen, reif zum Ernten


Als erstes habe ich dann also die Erbsen geerntet. Sie müssen dringend abgenommen werden, bevor sie zu trocken werden. Danach habe ich gleich das Kraut abgeschnitten und auf den Kompost gegeben. Die Rankgitter sind wieder bis nächstes Jahr verstaut. Weil ich jetzt besser ins Beet komme habe ich noch Unkraut gerupft. Das wächst natürlich immer. Trotzdem habe ich das Gefühl, daß es jetzt schon besser wird und ich es gut im Griff habe. Das dauert immer eine Weile, wenn man Wiese oder eben einen Hühnerlauf in Gemüsegarten umwandelt. Zuerst immer sehr viel Unkraut da und es wird dann weniger. Diese Erfahrung habe ich schon einmal gemacht und sie bewahrheitet sich hier auch wieder. Jetzt sieht der Abschnitt schon wieder schön aus. Und ich sehe, das Kraut und sogar ein paar Mörchen die wachsen. Ich gehe bei der Gelegenheit noch durch die anderen Beete und lichte aus. So schön die Malven und Ringelblumen ja sind, wenn sie hier und da aufgehen. Aber es ist alles gerade derart üppig, daß ich etliche einfach heraus reißen muß. Ich will ja nicht nur schöne Ringelblumen sehen, sonder im Herbst auch dicke Pastinaken ernten oder Möhren und Kohl. Jetzt bin ich in der Stimmung, der Anfang ist gemacht. Jetzt wird ordentlich  aufgeräumt in den Beeten. Somit kommt wieder Luft in die Beete und Licht an die Pflanzen.

Gemüsebeet (c) by Joachim Wenk
Erbsen geerntet und wieder Ordnung im Beet
 Die Akeleien vor dem Hühnerhaus haben auch einen Rückschnitt bekommen. Jetzt sieht man meinen Wein recht schön. Der steht auch schon drei Jahre hier und erst dieses Jahr fängt er an zu wachsen.
Wein am Hühnerhaus (c) by Joachim Wenk
Wein am Hühnerhaus



Als nächstes sind die fast zwei Meter hohen gelben Melden dran. Bis jetzt habe ich schon viel von ihnen geerntet. Der Spinat ist ja längst weg und kommt erst im Herbst wieder in die Küche. Mangold ist noch nicht so weit, da waren die Melden willkommener und sehr gut schmeckender Ersatz. Auflauf mit Kartoffeln oder Nudeln, im Risotto zu Pilzen, als Füllung für Canneloni mit Frischkäse oder in der Gemüselasagne. Statt Spinat kam immer Melde ins Essen. Jetzt fangen sie an zu blühen und da wird ja üblicherweise nicht mehr geerntet. Ich schneide sie alle ab, rupfe die noch schönen Blätter vom Stamm und gefriere sie ein. So können sie uns noch ein paar mal leckere Speisen aufwerten. Auch das Beet sieht jetzt wieder vernünftig aus und es ist Platz für die Pflanzen die in den Saatschalen bereits heranwachsen.

Gemüsebeet (c) by Joachim Wenk
hier standen die Melden

Grünkohljungpflanzen (c) by Joachim Wenk
Gemüsenachwuchs
hier Grünkohl

Gemüsenachwuchs Kohlrabi, Salat (c) by Joachim Wenk
Gemüsenachwuchs
Kohlrabi, Salat



Die Frühkartoffeln sind auch gewuchert wie Unkraut. Die ersten sollten jetzt erntereif sein. Ich werde einfach kommende Woche einmal etwas buddeln und mich nach dem Stand der Dinge erkundigen. Ich glaube bei Frühkartoffeln muß man nicht unbedingt warten, bis das Laub eingezogen ist. Außerdem brauche ich den Platz für den Grünkohl und um Schneckenkorn streuen zu können. Im Kartoffelurwald halten die sich ganz gut und ungestört. Von dort wandern sie im Schneckenbeet dann zum Salat. Das muß sich ändern.

Frühkartoffeln (c) by Joachim Wenk
Frühkartoffeln

Und weil ich gerade im Rupf-Rausch war habe ich das Staudenbeet auch einmal wieder vom Unkraut befreit. Hautpsächlich Gundermann, der lässt sich aber ganz gut herausziehen. Zum Kompostumschlichten bin ich dann doch leider wieder nicht gekommen. Das steht aber ganz oben auf meiner Aufgabenliste. Jetzt war es mittlerweile abend und ich sollte eigentlich schon geduscht sein. Der Zucchinisalat muß auch  noch fertig gemacht werden. Dann gehen wir zu einer Geburtstagsparty und haben noch einen schönen und unterhaltsamen Abend.

Staudenbeet im Juli  (c) by Joachim Wenk
Staudenbeet im Juli


Heute am Sonntag regnet es immer wieder ein wenig, daß ich nicht viel im Garten machen kann. Wenigstens die Himbeeren habe ich aber wieder einmal geerntet. Ich dachte die tragen dieses Jahr garnicht viel, was ich so an Fruchtansätzen sah. Aber nun ernte ich seit drei Wochen Himbeeren in großen Mengen. Da sie meine Lieblingsbeeren sind - neben schwarzer Johnannisbeere - stört mich der Erntesegen aber garnicht. Die Zeit ist wieder knapp an so einem Wochenende und so werden sie wieder eingefroren. So kann ich dann in Ruhe einmal noch Marmelade kochen oder leckeren Kuchen backen. Heute zum Kaffee gibt es jedenfalls schnelle Himbeermuffins. Einmal kann ich glaube ich noch ernten und dann ist fast August. Zeit sie zu schneiden und Düngen. Im Himbeerdickicht wird es auch Zeit für einen Rückschnitt.

Himbeere Glen Coe

Himbeere (c) by Joachim Wenk
unbekannte Himbeere

Himbeeren (c) by Joachim Wenk
Himbeeren

Es ist immer wieder interessant, wie man so in die Gartenarbeit hineinwachsen muß. In all die Tätigkeiten die zu bestimmten Zeiten gemacht werden muß. Ich bin mit dem Garten hier im dritten Jahr und es wiederholt sich einiges. Nicht alles, da ich manches ja anfänglich nicht zur rechten Zeit machte  oder nicht wusste, daß es gemacht werden muß. Jetzt sehe ich immer öfter in den Gartenbüchern nach, wie jetzt mit den Himbeeren. Und ich freue mich darauf sie Auszuschneiden, neu anzubinden und die neuen Ruten etwas zu stutzen und in der Anzahl zu reduzieren. Ich bereite den nächsten Sommer vor Diesjahr dünge ich auch zur richtigen Zeit und nächstes Jahr wird wieder ein wenig besser. Nicht nur bei den Himbeeren. Ich lerne einfach immer wieder dazu und im nächsten Jahr weiß ich es und es wird wieder besser und es klappt auch reibungsloser. Ein schönes Gefühl.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen