Samstag, 26. Juli 2014

Hacken ist wie Düngen und Gießen in einem

Ich lese gerade in meinem Geburtstagsgeschenk "das große Biogarten Buch" von Andrea Heistinger. Ein herrliches Buch, das ich jedem Biogärtner empfehlen kann. Umfassend und sehr praxisnah, ein Standardwerk!

Im Kapitel über das Düngen habe ich zwei sehr interessante Dinge gefunden.

Da geht es zum Einen um das Hacken im Gemüsegarten. Eine Tätigkeit, um die ich mich nie viel gekümmert habe. Eigentlich habe ich es fast garnicht gemacht. Das hat sich mit sofortiger Wirkung geändert.

"Gärtnerinnen und Gärtner können die natürlichen Nährstoffquellen im Boden auch durch regelmäßiges, oberflächliches Hacken, Scheren oder Lockern mit einer Grabegabel aktivieren: In humusreichen Böden werden dabei vor allem in den Monaten Juni bis Oktober große Mengen an pflanzenverfügbarem Stickstoff freigesetzt. Zusätzlich wird durch das Hacken auch Wasser besser im Boden gehalten. Hacken ist also Gießen und Düngen in einem Arbeitsgang."
Das hat mich hellhörig werden lassen. Ist es bei mir nicht immer zu trocken und den Pflanzen fehlt Stickstoff? Witziger Weise habe ich auch unlängst wo anders über die Vorteile regelmäßigen Hackens gelesen.

Es gibt ja diverse Möglichkeiten zu hacken. Ich habe einen Sauzahn, der  zwar lockert, aber das Unkraut nicht entfernt. Dann habe ich noch eine Hacke, mit einem breiten Blatt, die man durch den Boden zieht. Dabei schneidet sie knapp unter der Oberfläche das Unkraut ab. Und schließlich habe ich noch eine Art Haue, mit der man sprichwörtlich hacken muß. Die lockert und Entfernt auch das Unkraut.

Dann habe ich noch von einer Pendelhacke gelesen. Deren Blatt ist schwingend befestigt. Man kann mit ihr ziehen und schieben. Beide Male schneidet sie das Unkraut ab und lockert den Boden oberflächlich. Durch die Möglichkeit des Ziehens und Schiebens wird die Hack-Zeit verkürzt und die Arbeit erleichtert. Die fand ich interessant und überlegte mir schon, so eine  zu kaufen.

Scheinbar soll es so sein, daß ich regelmäßig hacken sollte. Wie sonst erklärt es sich, daß ich innheralb kurzer Zeit ein paar Mal über das  Hacken gelesen habe und - jetzt passt auf - ich hinter dem  Schuppen, wo vom  Vorbesitzer noch immer so Einiges herum gammelt, ich eine Pendelhacke gefunden habe?

Pendelhacke (c) by Joachim Wenk
Pendelhacke


Heute war es so weit, ich habe sie getestet. Angespornt von meiner abendlichen Lektüre im Biogartenbuch gestern.

Ich bin begeistert. Die Pendelhacke ist zwar - von mir liebevoll als Spielzeugvariante bezeichnet -recht schmal (die von mir ausgesuchte im Katalog ist doppelt so breit) und der Stil ist für mich zu kurz. Aber sie funktioniert so wunderbar, dass ich heute meinen ganzen Gemüsegarten gehackt habe. Nur zwischen den Tomaten konnte ich nicht hacken, weil dort Rasenmulch liegt. Ansonsten habe ich dieses Jahr ja nicht oder nur in homöopathischen Dosen gemulcht, um den Schnecken das Leben schwer zu machen.

frisch gehackter Gemüsegarten (c) by Joachim Wenk
frisch gehackter Gemüsegarten


frisch gehackter Gemüsegarten (c) by Joachim Wenk
frisch gehackter Gemüsegarten

frisch gehackter Gemüsegarten (c) by Joachim Wenk
frisch gehackter Gemüsegarten 


Die Hacke ist  mein neues Lieblingswerkzeug und ich weiß, gehackt wird jetzt regelmäßig. Das Unkraut wir so schön abgeschnitten dabei und die  Arbeit geht  wirklich leicht von der Hand. Und wenn es dem Boden auch nützt, dann habe ich ja mehrere Fliegen sozusagen mit einer Hacke geschlagen.


Und noch etwas habe ich heute gemacht. Das bedeckte Wetter dazu war gut und zweimal hat es sogar ein wenig geregnet.

Ich habe gedüngt. Brennesseljauche hatte ich ja noch vorrätig.

Wieder in dem genannte Buch las ich auch vom Mulchen. Ich war immer ein fleißiger Mulcher und das tat den Pflanzen auch gut. Nur dieses Jahr habe ich mich dazu durchgerungen, nicht zu mulchen, um irgendwie der Schneckenplage Herr zu werden. Rasenmulch, von dem wir regelmäßig große Mengen haben ist sehr gut geeignet. Beim Verrotten in den Gemüsereihen werden die Nährstoffe frei, die sofort wieder von den Gemüseplanzen aufgenommen werden können. Der Unkrautwuchs wird unterdrückt und der Boden feucht gehalten. Das sind wesentliche Vorteile des Mulchens im Gemüsegarten.

Mulchen, das eine Art Flächenkompostierung an  Ort und Stelle ist, kann man mit verschiedenen Materialien. Rindenmulch ist heute sehr in. Vor zwei Jahren, als wir den Garten anfingen zu bewirtschaften, haben wir viel Strauchwerk wie zum Beispiel riesige Haselnußbüsche ausgelichtet oder abgeschnitten. Was nur ging, habe ich gehäckselt und - das war wohl ein Fehler - in das Beet beim Flieder und auch später in mein neues Staudenbeet als Bodenbedeckung und Unkrautunterdrückung gestreut. Als Rindenmulch-Ersatz.  Zu allem Schaden habe ich genug davon gehabt und konnte eine schöne Schicht davon auftragen.

Wenn man über das Kompostieren liest stößt man auch immer auf Zahlen über das Kohlenstoff-Stickstoffverhältnis im Kommpostmaterial.  Das muß passen, sonst verrottet es nicht und der Kompost wird nicht in fruchtbare Erde umgewandelt. Gleiches gilt nun wohl auch für die Flächenkompostierung, das Mulchen. Eigentlich ist das nur logisch, aber ich habe es nicht bedacht.

Wenn ich den  Ausführungen im Buch  und meinem eigenen Wissen folge, schadet so eine Mulchschicht eher als dass sie nützt. Zum Verrotten braucht das gehäckselte Astzeugs Stickstoff, den sich die  Mikroorganismen aus dem Boden holen.

Die Folge kann sich jeder ausmalen. Die Pflanzen brauchen den Stickstoff zum Wachsen. Unter so einer Mulchschicht wird er aber immer knapper.  Die  Pflanzen leiden Mangel und wachsen nicht. Sie werden krank und schwächeln. Im Text stand sogar, daß auf überdüngten Böden so für einen Ausgleich gesorgt werden kann, damit Pflanzen wieder normal wachsen können. Scheinbar entzieht dieser Mulch wirklich viel Stickstoff. Wenn ich mir die so "versorgten" Beete in meinem Garten ansehe, verstehe ich langsam, warum meine Stauden nicht richtig wachsen und auch der Flieder letztes Jahr gelbe Blätter schon vor dem Herbst bekam.

Ich habe heute also gleich einmal Brennesseljauche gegossen. Diese ist ja ein Stickstoffdünger. Zu den Rosen habe ich auch ein wenig getan.  Eigentlich sollte man sie glaube ich jetzt nicht mehr größer düngen, damit sie für den Herbst und Winter ausreifen können. Sie sollen ja nicht abfrieren, was aber geschieht, wenn sie mit zu frischen Trieben in den Winter gehen.

Auch in meinem Sonnenbeet haben die Lilien zwar schöne große Knospen aber so gelblich helles Laub, genau wie der Eukalyptus. Dort habe ich im Frühjahr ein wenig Kompost hin und sonst nichts mehr. Das war scheinbar auch zu wenig. In dem Teil des Beetes mit der Banane und dem Baumspinat habe ich ein paar mal gedüngt, weil ich weiß, daß beide gut Dünger brauchen. Der Baumspinat ist herrlich grün und über 2m hoch. Die Banane wächst prächtig. Also habe ich den Rest auch noch mit Brennesseljauche versorgt, damit die Pflanzen wieder grün werden und nach der ersten Blüten und dem Rückschnitt vielleicht noch einmal blühen.

Baumspinat (c) by Joachim Wenk
Baumspinat

weiße Lilie (c) by Joachim Wenk
weiße Lilie


Nach dieser  Jauchenverteilung nützen auch die bereits blühenden und duftenden Lilien nichts. Im Garten riecht es.... Ich mag gar nicht sagen wie. Aber vielleicht hilft es. Ich bin gespannt.

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