Donnerstag, 5. Juni 2014

Ich mach mich dann mal nackig...

Der Urlaub stand unmittelbar  bevor. Alles hat geklappt und wir waren beizeiten am Flughafen. Nach dem einchecken war genügend Zeit für einen ersten Urlaubskaffee. Fehlte nur noch etwas schöne Lektüre. Gegenüber war der Zeitschriftenladen. Ein Magazin über Landgärten, eines über Rosengärten und die Geo habe ich sehr schnell ausgewählt und dann aufgehört zu blättern. Sonst hebt dann der Flieger nicht mehr ab, wenn ich mit all meinen gewichtigen Magazinen darin sitze.

GEO lese ich sonst nicht unbedingt, aber das Titelbild mit einem Staudenbeet und die Überschrift "Das blühende Leben   Freiheit, Sinn, Entdeckung: was uns Gärten geben" sprachen mich an. Wegen dieses Artikels habe ich die Zeitschrift gekauft und es hat sich gelohnt. Ein sehr schöner und interessanter Bericht von Johanna Romberg über die Deutschen und ihr neues Verhältnis zum Garten.

Ein Zitat gleich zu Beginn des Artikels hat mich zum Nachdenken angeregt. Während des fünfstündigen  Fluges hatte ich ja Zeit und - ganz wichtig - Muße.

Wer einen Garten hat, gibt etwas preis - über sich und seine Zeit
"Zeige mir deinen Garten, und ich sage dir, wer du bist"-diesen Satz hat, vor etwa 120 Jahren, der englische Dichter Alfred Austin geschrieben.

Ist das so? Sofort fallen mir tatsächliche Parallelen zwischen mir, also meinem Wesen und Charakter, und meinem Garten ein. Und sofort wurde mir klar, daß ich hier davon berichten muß. Seither geistert mir einiges durch den Kopf über mich und meinen Garten.

Dieses kleine Zitat hat es in sich.

Ich will mich dann jetzt einfach einmal "nackig machen" und etwas über mich und meinen Garten erzählen. Ich würde mich natürlich wahnsinnig freuen, eine kleine Diskussion bei Euch und unter uns dazu anzuregen. Vielleicht macht sich ja der eine oder die andere von euch auch mal "nackig"? Oder lästert über einen Nachbarn dessen Garten, wenn er was über den Nachbarn aussagt sicher interessant beschrieben wird...

Hier nun meine - beileibe nicht vollständige Aufzählung über mich und meinen Garten:


  • ich bin sehr friedliebend und freundlich. Wie äußert sich das im Garten? Als erstes natürlich begründet das meinen  Hang zum Biogarten. Eigentlich kommt für mich nur dieses friedliche Miteinander mit allen Pflanzen und Organismen als  Anbaumethode in Frage. Bei mir darf vieles sein. Pflanzen die von allein kommen heiße ich willkommen. Schädlinge wie Läuse oder auch  Schnecken oder andere sind ganz normal und werden nicht sofort weggespritzt. Katzen, Marder und Amseln dürfen ihn durchschreiten und benutzen. Der Ball der spielenden Nachbarskinder in meinem Garten ärgert mich nicht, wie man es doch immer wieder von cholerischen  Senioren mit Bluthochdruck im Fernsehen sieht. Die fragen, ob ich ihn zurück werfe, was ich gern tue. Wenn ich nicht da bin klettern sie über den Zaun und holen ihn sich selbst. Es ist schön in Frieden mit den Nachbarn und mit anderen Geschöpfen leben zu können. 


  • ich kann, wenn gereizt, sehr unangenehm werden. Es dauert eine ganze Zeit, bis ich denn explodiere, aber wenn ich es tue, ist es nicht angenehm. Im Garten haben das bisher nur die Schnecken geschafft, mich derart unangenehm werden zu lassen. Sie haben mich und meinen Garten tatsächlich beinahe bedroht und tun es noch immer. Irgendwann ist eine Grenze erreicht, wenn man weiter garteln will. Von Ersäufen, über zerschneiden, gar schnaubend zertreten ist alles drin. Als Wurfgeschoss in die Nachbarswiese oder gefüttert mit leckerem giftigen Schneckenkorn habe ich sie am liebsten.....

  • ich bin ein eher fauler Mensch. Zusammen mit dem friedliebenden und toleranten Anteil in mir, darf so einiges im Garten sein und werden und gedeihen, was ein anderer längst hätte entfernt oder nicht hätte aufkommen lassen. Das macht aber den lockeren und wild-romantischen Eindruck des Gartens aus. 
Wildrosensämling (c) by Joachim Wenk
wild aufgegangener Rosensämling im Staudenbeet ist jetzt
schöner Rosenbusch

  • ich bin wahnsinnig neugierig und immer auf der Suche nach Neuem. Ich höre im Garten von Komposttee und probiere ihn aus. Im Fernsehen bringen sie homöopathsiche Kügelchen gegen Schnecken und ich renne in die Apotheke. Hier bei google sehe ich wahnsinnig tolle grün-pinke Blätter vom Baumspinat und will ihn sofort haben. Genau wie rote Melde, kaukasischen Rankspinat, selten Kartoffeln oder Hirschhornwegerich. Winterharte Banane (wie winterhart ist sie wohl?),  Mammutbaum und vieles mehr. Nicht das, was in jedem Garten wächst, entzündet mein Interesse, sondern das Außergewöhnliche und Andere.

    winterharte Banane (c) by Joachim Wenk
    winterharte Banane nach erstem
    Winter

  • ich will immer alles richtig und ordentlich machen. Niemand soll sagen, der probiert immer und dann macht er nicht weiter oder haut wieder hin. Darum recherchiere ich im Internet und plane meinen Garten. Aussaattabellen fürs Gemüse, Mischkulturpläne, Samen-Ordner, Aufgabenlisten. Über vieles habe ich schon oft hier berichtet. Und wenn ein neues Gewächshaus, dann richtig. Der Schneckenzaun nicht nur über ein Beetlein im Garten sondern über die ganze Fläche. Wenn schon dann richtig. 
Ordner für Gemüsesämereien (c) by Joachim Wenk
Ordner für Gemüsesämereien mit "Datenblatt"


  • Ich bin harmoniesüchtig. Im zwischenmenschlichen so gut wie im optischen Sinne. Es muß für mich einfach passen. Und ich weiß sofort ob es passt oder nicht. Irgendwie habe ich vor meinem inneren Auge eine Vorstellung. Ich kann sie nicht ausdrücken oder als komplettes sehen, aber wenn ich etwas vor mir habe, weiß ich sofort , ob es zu dieser Vorstellung passt oder nicht. Ich sehe eine Pflanze und weiß, ob ich sie brauche oder nicht. Und es passt immer. Sei es eine Pflanze, ein Material für den Garten (ich rede hier jetzt nur von der Verbindung zum Garten!), eine Farbe oder Farbkombination. Selbst wenn es für sich schräg und schrill wäre, ob es nun teuer und gekauft oder alt und gebraucht ist, so passt es doch harmonisch ins Ganze. Was sagen wohl manche Gärten, an denen man vorüber läuft und es einen schauert oder man nur fassungslos mit dem Kopf schütteln kann über den Gärtner? 

 Diese Farbkombination hat sich ergeben, weil mir die einzelnen Pflanzen und Blüten gefielen. Und? passt es nicht hervorragend?




  • ich bin fürchterlich ungeduldig. Oh und manchmal wächst es einfach nicht im Garten und gedeiht nicht. Dann wird besonders gehegt und gepflegt, gedüngt und beschützt. Und ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Pflanze dann gerade das Gegenteil macht. Ich habe dadurch schon einige Pflanzen verloren. Der Garten spiegelt einen nicht nur, er lehrt uns auch. Und dann geht auch das wieder schief. Weil ich nicht so hätscheln und düngen und schützen wollte, habe ich  nicht viel gedüngt im Gemüsegarten. Ein Jahr ging es, das zweite wuchs einfach nichts. Die Bodenproben über die ich berichtete bestätigten mir, daß zu wenig gedüngt ist. Hätte ich doch wie gewohnt die Brennesseljauche gegossen. Diesmal wäre hegen und düngen und umsorgen richtig gewesen. Diesjahr habe ich nach Vorschrift des Institutes  Gedüngt (bin ich also doch perfektionistisch und will immer alles recht machen). Aber es wächst so langsam. Und bis die Rosen aufblühen vergeht so viel Zeit und in allen (?) anderen Gärten ist es viel weiter. Das macht mir Sorgen und ich gräme mich. 

  • Ich bin sehr ordentlich. Nun wer hat in meinem Post zu den beliebtesten Gartengeräten meine extra schönen grüne Besen gesehen, mit dem ich nach jedem Gartentag die Wege im Gemüsegarten kehre? Muß ich da mehr sagen? Oder die exakt mit der Gärtnerschnur gezogenen Reihen an Salat und Kohl oder die Kartoffelbeetchen? Die Schnüre fürs Bohnenzelt werden nicht einfach an den runden Reifen gebunden, sondern absolut symmetrisch, so wie man einen Kuchen aufschneidet. Halbkreis, Viertelkreise, Achtel etc. Sieht sehr schön aus! 
Besen für die Wege im Garten (c) by Joachim Wenk
Besen für die Wege im Garten

  • ich bin ein bescheidener und zufriedener Mensch. Ich freu mich über schöne Dinge die gern klein und alltäglich sein dürfen. Wie eine Wildrose, die aus der Hecke spitzt, eingehüllt in feine weiße Spitze vom Wiesenkerbel. Ich freue mich an meinem neuen "teuren" Gewächshaus. Und ich kann auch aus einfachen Sachen Dinge machen an denen ich mich freue. Aus Haselnußruten ein Stützgestell für die Kletterhortensie oder aus alten Sahnebechern Namensschilder fürs Gemüse. 
Wildrose am Wegesrand (c) by Joachim Wenk
Wildrose am Wegesrand

Kletterhortensie an Haselruten als Gerüst (c) by Joachim Wenk
Haselruten als Klettergerüst
für Kletterhortensie

  • ich bin auch selbstironisch- undogmatisch. Ich muß mich nicht immer an meine eigene oder "die" Regeln halten. Warum nicht  zwischen die gleichmäßigen Reihen im Gemüsegarten eine Dahlie setzen? Hier im Schneckenzaunbeet ist sie wenigstens geschützt. Und bis zur Dahlie sind die Reihen doch auch perfekt...Wer fragt ob der Topinambur ein Gemüse ist und wie er ins Staudenbeet kommt? Die Knolle schmeckt mir eben nicht, aber die Blüten gefallen mir. Die neue schwarze Himbeere mußte ja unbedingt gekauft werden. Platz hat es keinen für sie. Aber warum nicht einfach an das neue Stück Zaun am Eingang zum Gemüsegarten pflanzen. Dahinter ist eh nur Wiese die nur da ist, daß man nicht auf Erde laufen muß. Mittlerweile stehen dort auch Fingerhut, Stockrose und Baumspinat. Ich werde die Ecke als Beet umfunktionieren. 
Mischkultur (c) by Joachim Wenk
Hier verstecken sich auch
 Dahlie und Levkojen


Mir fallen immer wieder noch Dinge über mich ein und wie man sie dem Garten ansieht. Ich befürchte aber, daß eher wenige meiner Leser bis hierher gelesen haben . Es ist wirklich viel Text, heute noch mehr als sonst und die Zeit ist wertvoll. Ich weiß, dass ihr ja auch noch andere Blogs und Posts und Mails lesen wollt. Darum mache ich hier den Schlußpunkt. Aber einmal möchte ich es noch erwähnen.

Ich würde mich wirklich ganz arg freuen, wenn euch auch mal "nackig" lesen würde und ein wenig über euch und eure Gärten auf diese Art erfahren könnte. Wie hab ich oben gesagt? Ich bin neugierig.

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