Dienstag, 17. Juni 2014

Ein Selbstversorger im Gemüsegarten

Vor ein paar Tagen hat mir jemand einen Kommentar zu  einem Gemüsegartenfoto von mir gegeben. Das steht aber alles schon schön bei dir, oder so ähnlich lauteten die Worte. Ich habe mich sehr gefreut über das Kompliment. Allerdings bin ich ja ein ehrlich Mensch und berichte in meinem Blog hier über Erfolge und Misserfolge gleichermaßen. So wie sie sich eben ergeben. 

Kohl und Salat (c) by Joachim Wenk
Erfolgsfoto
weiße Fliege am Kohl (c) by Joachim Wenk
Misserfolgsfoto
Daher habe ich als Antwort geschrieben, daß ich auch (fast) nur die schönen Pflanzen und Gemüse veröffentliche. Es gibt schließlich genügend Misserfolge ebenso. 
Ja die gibt es und noch mehr, wenn man einen Garten neu übernimmt, Gemüsebeete neu anlegt oder einfach der Boden nicht gut ist. Sehr viel Arbeit und Mühe ist jedes Jahr umsonst. Krankheiten und Schädlinge laben sich an meinem Gemüse. Mir bleibt viel zu oft nur der Ausweg über den Zukauf von Gemüse. Eigentlich noch immer zum größten Teil. Vom Selbstversorger bin ich noch weit weg. Auf vom Teilweise-Selbstversorger. 




Mit all den Gedanken im Kopf habe ich begonnen meine Geburtstagsgeschenke zu lesen. 


"Das große Biogartenbuch" von Andrea Heistinger und "Biodünger selber machen" ebenfalls von Andrea Heistinger und Alfred Grand. Zwei ganz excellente und empfehlenswerte Bücher übrigens. 

Einleitend zum Biogartenbuch wir so einiges geschrieben über den Garten und die "Selbstversorgung". Genau mein Thema im Moment und die Gedanken und Einstellungen decken sich absolut mit meinen. 

Ist es denn überhaupt heutzutage nötig Selbstversorger zu sein? Also finanziell, wie es vor einigen Jahrzehnten noch hilfreich war, eigenes Gemüse zu bauen, sicher nicht. Wir leben auch nicht in abgelegenen Erdteilen und können uns täglich mit - sogar Bio-Gemüse - versorgen oder bekommen es gar geliefert.

Gesundheitsoase und Lebensfreude Gemüsegarten im Morgenlicht (c) by Joachim Wenk
Gesundheitsoase und Lebensfreude
Gemüsegarten im Morgenlicht
Was wir aber nicht kaufen können oder was nicht mitgeliefert wird bezeichne ich als das Erfolgserlebnis selbst etwas angebaut und geerntet zu haben. Es ist irgendwie ein ganz archaisches und daher sehr tiefgreifendes Gefühl und eine Freude für sich und seine Lieben selbst gesorgt zu haben. Wir bekommen mit gekauften Gemüse und Obst nicht die Arbeit in und vor allem mit der Natur dazu geliefert. Selbstfindungsseminare oder -literatur werden überflüssig. Der Blick auf Lebensmittel und auch auf Zusammenhänge in der Natur ändert sich. Der Umgang mit Lebensmitteln und der  Ernährung ändert sich. Lebensmittel zu Punkten addieren und dann entscheiden ob ich es esse oder nicht verkommt zur Karikatur, wenn man auch nur Teile seiner Lebensmittel selbst anbaut und verzehrt. Das schafft keine Biokiste oder Gemüseabteilung im Einzelhandel. 






Ich sprach aber auch von Misserfolgen. Schnell hat vielleicht der eine oder andere den Entschluss gefasst, Selbstversorger zu werden. Es ist gerade ganz modern und klinge nach dem oft ersehnten Landleben. So leicht ist es aber nicht. Man braucht einen Garten mit gutem Boden und die innere Haltung dazu. Sonst hält man das nicht lange durch. Vielleicht nicht einmal so lange, bis sich sehenswerte  Erfolge im Garten und der Küche einstellen. 

Ich selbst hatte nicht einmal vor, Selbstversorger zu werden. Das Gärtnern ist und war seit jeher meine Leidenschaft. Und eine gesunde Ernährung ebenso. Ich esse gerne Gemüse, was das Ganze Unterfangen nur unterstützt. Daher habe ich bereits durch meine ersten Erfahrungen im neuen Garten schon ein paar Dinge organisiert. Und wenn ich so in dem Buch lese, stelle ich fest, daß ich auf dem besten Wege bin ein (teilweise) Selbstversorger zu werden. 

Im ersten Jahr habe mir Pflanzen gekauft und in die  Beete gesetzt. Die Ernte kam und ich freute mich. Plötzlich war es vielleicht Ende Juli oder Anfang August und eine ganze Menge Beetfläche lag brach, weil ich nichts zum Sähen hatte und auch keine weiteren Pflanzen mehr gekauft habe. Das fand ich Verschwendung, wenn das sowieso schon so kurze Gartenjahr so unnütz verplempert wird. 

Im zweiten Jahr habe ich das erste mal Herbstaussaaten gemacht. Winterrettiche, Asiasalate, Schnitttsellerie, Hirschhornwegerich hatte ich als Samen gekauft und in Schalen vorgetrieben. Die Gartensaison hätte somit verlängert werden können. Das war die Theorie. Aber anstatt, der 4  Wochen bis zur Ernte standen meine Asiasalate mehr als das Doppelte an Zeit im Beet ohne zu  wachsen. Ernten konnte ich nichts. Lediglich einmal ein oder zwei Blätter ab zupfen um zu schmecken, wie das mir neue Gemüse überhaupt schmeckt. Dann kam der Spätherbst mit wenig Licht und nichts wuchs mehr. Da mir das unendlich langsame Wachstum bei meinem Gemüse bereits mehrmal auffiel ließ ich im Frühjahr den Boden analysieren und weiß nun, dass es tatsächlich am Boden liegt.

Dieses Jahr ist das dritte Jahr. Die Dinge, die ich beeinflussen kann habe ich beeinflusst.

selbst ausgesäter Salat (c) by Joachim Wenk
3. Generation selbst vorgezogener
Salat dieses Jahr
Ackerbohnen (c) by Joachim Wenk
erste Ackerbohnenernte
Ich habe im Winter sehr viele Samen gekauft und darauf geachtet, daß für jede Jahreszeit etwas dabei ist. Dass ich nichts vergesse zu sähen habe ich mir eine Tabelle angelegt in der für jedes Gemüse ersichtlich ist, wann es wo gesät und wann geerntet wird. Die Samen sind übersichtlich im Ordner verstaut. Mehr dazu findet ihr hier

Und manchmal ernte ich ja sogar etwas im Garten. Was mache ich jetzt damit. So unendlich viele und gute Rezepte habe ich gesehen und gesammelt in wunderschönen Magazinen oder Büchern. Und immer wenn ich ein Rezept sehe, habe ich das Gemüse dazu nicht oder umgekehrt. Also wurde wieder ein Ordner angeschafft und die Rezepte alphabetisch nach Gemüse geordnet. Das funktioniert sehr gut. Mehr hierzu könnt ihr hier lesen. 

Der Boden wird diesmal mit Stickstoff (der ihm massiv fehlt) gedüngt. Hornmehl und Brennesseljauche werden immer wieder verteilt. Und ich sehe die ersten Erfolge mehr als deutlich. Dort wo Hornmehl hin kam und dort wo es zu wenig war. 

Ich habe also gelernt und aus Misserfolgen Erfolge machen können. Die Natur allerdings tut ihres dazu. So ist es im Garten. Da kommen wir auf den Blick für Zusammenhänge und das zweite Büchlein über den Biodünger. Dort wird sehr viel über den Boden geschrieben. Weil der es ist, der umsorgt werden muß. Dann wachsen die Pflanzen "von allein". Meiner ist nicht gut. Humus enthält er fast gar keinen. Durch den Dünger wachsen die Pflanzen jetzt zwar, aber die Schädlinge sind da. In einem guten Boden werden die Pflanzen widerstandsfähiger. Das biologische Gleichgewicht stellt sich ein. Die Pflanzen überstehen Trockenperioden besser und kommunizieren mit dem Boden und mit den Artgenossen. Immer mehr wissenschaftliche Studien kommen da Stück für Stück dahinter. Ich werde also jetzt im nächsten Schritt mich intensiver und mehr um den Boden  kümmern. Das ist ein langer Prozess, aber ohne ihn gestartet zu haben werde ich ihn nicht beenden und Erfolg haben können. Wieder sehe ich manches ein bisschen anders, auch liebevoller (weil ich die Gründe für manchen Misserfolg kenne und nicht mehr denken muß dass ich einfach alles falsch mache). Und hoffnungsvoller. Es wird besser! Mit meinem Kompost muß mich mir was überlegen, Komposttee  habe ich ja schon begonnen anzuwenden und  Wurmkompost wird jetzt auch probiert. Mulchen und Gründünger kommen, im Herbst, auch dazu. Jetzt steht alles zu voll und durch den Mulch würde ich nur die Schneckenplage verschlimmern. 

Ich bin auf dem Weg zum kleinen Selbstversorger. Ein schönes Gefühl. Und ich bin freudig gespannt, wie es von Jahr zu Jahr besser und erfolgreicher wird. Von Jahr zu Jahr, so ist es. Selbstversorger wird man nicht von jetzt auf gleich. Das dauert und auch hier ist schon der Weg das Ziel. 









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