Dienstag, 29. April 2014

Hier kann man den Arbeitsalltag hinter sich lassen. Hier kann man sein.

Heute mache ich etwas früher Feierabend. Ich freue mich auf zuhause. Das Wetter ist eigentlich schön. Zwar bedeckt und nur etwa 15 Grad warm. Aber irgendwie mild. Der Regen vom Sonntag und die kühleren Temperaturen haben dem Garten und der Natur wahnsinnig gut getan. Wir haben ja auch noch immer April und in anderen Jahren würden wir Freundensprünge machen über so ein Wetter wie heute. Dieses Jahr sind wir fast schon verwöhnt mit Sonne und Wärme.

Daheim angekommen mache ich in aller Ruhe eine ausgedehnten Gartenrundgang.

Könnte man doch diese Jahreszeit irgendwie konservieren. Fotos sind eine sehr schöne Möglichkeit. Die Sinneseindrücke, die zu den optischen Eindrücken noch dazu kommen, sind so umwerfend.


Gundermann und Vergissmeinnicht (c) by Joachim Wenk
Gundermann-Vergissmeinnicht-Arrangement vom Gärtner "Zufall"

Clematis alpina in voller Blüte (c) by Joachim Wenk
jetzt ist sie aufgeblüht,
die Bergclematis
Clematis alpina in voller Blüte (c) by Joachim Wenk
und hinter ihr kommt der
weiße Flieder


riesiger Weißdorn in voller Blüte (c) by Joachim Wenk
Prachtexemplar eines Weißdorns (im Hintergrund sieht man das
Dach des Hüttenzaubers, immerhin auch über 2m hoch!)

riesiger Weißdorn in voller Blüte (c) by Joachim Wenk
und jede einzelne Blüte duftet honigsüß und nicht enden wollend
und das summiert sich bei der Fülle an Blüten!

















Die Gerüche sind irgendwo zwischen betäubend und berauschend einzuordnen. So schwer und so beinahe klebrig süß riecht der Weißdorn zusammen mit dem gerade aufblühenden Flieder. Die leicht feuchte Luft und der fehlende Wind sorgen dafür, daß er durch den ganzen Garten wabern kann. Egal wo ich stehe oder gehe ich muß unentwegt tief einatmen und dabei die Augen schließen. Ich glaube so kann ich ihn am besten konservieren, den Moment. In meiner Erinnerung.

Und überall  hört man das Leben. Es summt und brummt in jedem Quadratzentimeter. Die Bienen und so viele andere Insektchen arbeiten auf Hochtouren. Sie nutzen den überreich gedeckten Blütentisch. Und das Gezwitschere, Geflirte und Gemackere der vielen Vögel in den Büschen und Bäumen und der Wiese. Der erschreckte Ruf der Amsel, die einmal wieder von mir erschrickt und aus ihrem Nest im Carport heraussticht, ab in den Apfelbaum im Gemüsegarten. Hier und da fauchen und zischen zwei konkurrierende Kater im Nachbarsgarten.


Wie ein Blitz zischen sie an mir vorbei, weiter in den anderen Nachbarsgarten.

Ich rupfe ein wenig Bekraut aus dem Gemüse, binde meine Ramblerrose am Walnußstamm fest. Die Erde ist feucht und riecht frisch. Die Blätter der Rose Marie Vieaud sind samtweich, auch ihre Stacheln sind eher flexibel und verletzen die Haut nicht. Anders die Zweige der Paul's Himalayan Musk. Ihre Stacheln oder Stachelchen sind irgendwie wie spitze Wiederhaken. Bis man ihre dünnen Zweige im Geäst des Walnußbaumes umdrappiert haken sie sich immer wieder an den Unterarmen fest. Als wollten sie einen festhalten und nicht mehr loslassen. Wie gerne würde ich mich festhalten lassen und diesen Traum an einem Stück Erde nicht mehr verlassen.

Ich setze mich auf mein Bänkchen im Gemüsegarten und blicke vor mich hin. Der Kopf wird frei, leer und gerät in ganz eigene Schwingungen. Hier kann man den Arbeitsalltag hinter sich lassen. Hier kann man sein. Einfach nur sein und genießen. Mehr braucht es nicht zu dieser Jahreszeit.

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