Mittwoch, 26. Februar 2014

Wie in guter Literatur: hehre Ziele und unlösbares Dilemma

Ich habe mir vorgenommen - nein es ist eine Lebenseinstellung von mir - in meinem Garten in Harmonie mit allen darin wohnenden Wesen zu leben. Und ja, es ist ein Garten und kein Brachland. Das heißt, ich baue darin zielgerichtet Pflanzen an. Weil sie schön blühen, schön wachsen oder gut schmecken.

Jemand der keinen Garten besitzt, versteht sicher nicht so leicht welch dramatisches Potenzial diese beiden Ziele bergen.

Letztes Jahr, nach dem nassen und kalten Mai und Juni explodierte in meine Garten die Schneckenpopulation.  Die braunen Mitbewohner meines Garten fraßen einfach alles auf. Ich sage "alles" und sage auch gleich dazu, daß ich hier wirklich nur ein ganz klein wenig übertreibe. Ganz wenig! Das alles geschah in derart angsteinflößendem Ausmass (Bilder findet man hier im Blog vom letzten Sommer) dass - und ich übertreibe wirklich nicht - ich panikartige Gefühle bekam.

Meine beiden wichtigsten Ziele mit meinem Garten schienen unerreichbar.

Blumen, Stauden, Gemüse und Kräuter bis hin zu Sträuchern wie einen Holunder wurden einfach weggefressen, verstümmelt, getötet.

Ich mußte eingreifen. Und was macht der Hobbygärtner in diesem Fall? Schneckenkorn. Aber das von Neudorff. Das ist wenigstens nur für die Schnecken tödlich nicht für Haustiere, Kröten, Igel etc. Und was ist mit meine Ziel der Harmonie? Massenmord um mein anderes Ziel zu erreichen? Diesen Konflikt mußte ich nicht lange ausstehen. Die Entscheidung ob ich das Gift streue oder nicht wurde mir abgenommen. Es hatte den Anschein, als würde das leckere Schneckenkorn nur noch mehr und mehr Schnecken von allen Seiten anlocken. Ich stoppte das Schneckenkorn. Die Schnecken aber stoppten nicht.

Als nächste Lösung, um beide Ziele zu erreichen, schien mir das Absammeln eine gute Möglichkeit. Abends mit Latexhandschuhen bewaffnet streifte ich durchs Gemüse und einen Teil des Staudengartens. Ich sammelte sie auf und transportierte sie eimerweise raus aus dem Garten, über die Straße und dann ab auf dei Pferdeweide. Latexhandschuhe seien jedem empfohlen der so handeln will, wie ich es tat. Der Schneckenschleim geht nicht mehr von den Händen. Zehnmal, Zwanzig mal, Dreißig...... unendendliche Male habe ich Hände gewaschen und der Schleim blieb dran. Wie Blut an den Händen vom Mörder.

Dabei hatte ich da noch garnicht gemordert. Noch! Das Absammeln nützte nichts. Vielleicht kamen immer die selben einfach wieder. Anbauen konnte ich nichts mehr. Es war am kommenden Tag verschwunden. Zum Teil sogar in den Schneckenabwehrringen.

Bleiben wir also beim Mord anstatt der Harmonie. Wenigstens das zweite Ziel wollte ich erreichen. Schöne Blüten und gutes Gemüse.

Ich habe die Schnecken tatsächlich auch schon bequatscht. Abends, allein im Garten, habe ich auf sie eingeredet. Aber sie nahmen es sich nicht zu Herzen. Also Mord. Salz ist qualvoll und man sollte das vermeiden. Ersäufen ist auch langwierig und sicher qualvoll. Ich entschied mich für die Methode des Zerschneidens mit der Schere. Mein Gewissen dabei verkrampfte sich. Ich tat das einige Tage und mein Gewissen wurde nicht besser.

Recherchen im Internet brachten mich nicht weiter. Bis ich mich an den Schneckenzaun erinnerte. Einer aus verzinkten Blech. Dauerhaft. Den hatte ich noch von früher und ergänzte ihn um einige Meter. Wenigstens ein Teil meines Gemüesgartens, der rechteckige Teil, kann damit eingerahmt werden. So mache  ich es!

Weil es aber mittlerweile Hochsommer war, fand ich das Beet besetzt mit zerfressenem Kohl, unberührtem Mangold, ausreifenden Erbsen, abgefressenen Roten Rüben, Rettichen und Kürbis und Zucchini und Stangenbohnen. Ich konnte nur einen Teil einrahmen ohne das wenige kümmerliche und zerfressene Pflanzenleben abzuschneiden. Aber einTeil wurde eingefasst mit dem Zaund.  Darin dann wieder Schneckenkorn gestreut um die Schnecken die innerhalb sind, zu beseitigen (ich will nicht schon wieder von ermorden sprechen).

Ich habe darin die Asiasalate, Kohlrabi und Winterrettiche angebaut. Ebenso Blattsellerie, Pastinaken, Hirschhornwegerich. Und nichts wurde von Schnecken zerstört. Es war so erleichternd eine Möglichkeit gefunden zu haben die hilft. Ich habe ja wirklich nichts mehr pflanzen können. Sähen schon garnicht, da die aufgehende Saat gefressen wurde, bis ich überhaupt etwas sah.

Heute schließlich war es so weit. Bei blauem Himmel und ganztägig Sonnenschein mit über 10°C habe ich den Schneckenzaun in den endgültigen Ausmassen fertig ausgegraben und wieder eingegraben. Jetzt kann die Saison starten. Von mehreren Stellen habe ich auch erfahren, daß man jetzt zeitig im Frühjahr schon Schneckenkorn ausbringen muß. Es gibt noch nicht viel anderes, die Schnecken sind bereits aktiv und noch klein und fressen eher die Giftkörner, die bei ihnen auch noch besser wirken als bei den großen Sommer-Schnecken. Das habe ich auch heute gleich getan. Im Schneckenzaunbeet und auch auf den anderen Flächen.

Ja die anderen Flächen. Wie wird da wohl das Jahr 2014? Regelt sich die Population auf ein vernünftiges Maß ein? Werde ich auf den ungeschützten Flächen Pflanzen großziehen können?

Schneckenfreie Zone (c) by Joachim Wenk
Schneckenfreie Zone

Und weil ich diese Bilder-Reihen immer sehr schön finde beginne ich hier eine neue Serie an Bildern. Das ist meine Blumenzwiebel-Wiese im Februar. Schneeglöckchen und Krokusse blühen. Narzissen spitzen aus der Erde und Tulpen schlafen noch.

Blumenwziebelwiese im Februar (c) by Joachim Wenk
Blumenwziebelwiese im Februar
Und damit es auch noch ein paar richtige Blüten zu sehen gibt, die man nicht erst auf dem Foto suchen muß, zeige ich hier meine Orchideen an meinem Sekretär an dem ich gerade diesen Text hier schreibe.

Orchideen neben dem Schreibplatz (c) by Joachim Wenk
Orchideen neben dem Schreibplatz

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