Dienstag, 11. Februar 2014

Früher wollte ich immer zaubern können - heute kann ich zumindest die Zukunft voraussagen!

Ja das habe ich mir immer gewünscht. Zaubern:, was hätte ich dafür gegeben, zaubern zu können. Nun heute würde ich sagen, daß ich  weißer Magier geworden wäre, kein böser schwarzer Zauberer. Ich wollte immer alles schön  machen, friedlich, harmonisch. Wenn ich so darüber nachdenke, ist es schon erstaunlich, daß ich schon damals - und es ist leider wirklich schon lange her - nicht nur eigennützig dachte sonder sogar über meine Person hinaus. Und weil es heute wirklich schon lange her ist, daß ich mir das wirklich wünschte und  die Zeit natürlich nicht spurlos an mir vorüber ging, kann ich heute sagen: vielleicht ist es gut, daß ich eben nicht über Zauberkräfte verfüge. Oder könnte einer von euch guten  Gewissens versichern, könnte er oder sie zaubern, immer ein guter, weißer Zauberer zu sein und nichts zum Schaden anderer zu machen?

Da könnt ihr ja jetzt mal in die Tiefen eurer Psyche vordringen und forschen. Bis dahin prahle ich einfach ein wenig über meine Weissagekunst.

Also gut, aufgemerkt: Die Forsythie wird in meinem Garten genau am Frühlingsanfang blühen. Der geliebte duftende Flieder wird bereits in der ersten Maiwoche den Garten in ein Frühjahrsparadies verwandeln.

So, das muß für's Erste ausreichen. Jetzt warten wir einmal ab. Und dann sehen wir, ob meine seherischen Kräfte verlässlich sind.

phänologischer Kalender (c) by Joachim Wenk
Phänomenologischer Kalender


Ok, ich weiß, jetzt wollt ihr sicher wissen, wie ich auf diese Vorhersagen komme. Das ist schnell erklärt. Ich habe meinen phänologischen Kalender befragt. Am Wochenende blühten die Schneeglöckchen und die Haselnuss stand endgültig in voller  Blüte. Also habe ich am Rad des Kalenders gedreht und diese Ereignisse auf den 9. Februar eingestellt. Jetzt kann ich ablesen, wann also in diesem Jahr weitere Wachstums- und Entwicklungserscheinungen in der Natur stattfinden werden. Die Phänologie ist die Lehre von Erscheinungen, so steht es auf dem Kalender. Gemeint sind hier die Blütezeit, Blattenfaltung oder die Fruchtreife der für eine Jahreszeit typischen Pflanzen. Man unterscheidet hier allerdings nicht vier Jahreszeiten sondern 10. Vorfrühling, Erstfrühling, Vollfrühling, Frühsommer, Hochsommer, Spätsommer, Frühherbst, Vollherbst, Spätherbst und Winter.

Den Vorfrühling läuten die blühenden Schneeglöckchen und Haselsträucher ein. Dann geht es "Schlag auf Schlag", in durch langjährige Beobachtungen ermittelter Reihenfolge öffnen sich dann Erlenkätzchen, Huflattichblüte oder die Stachelbeere treibt aus. Die Forsythienblüte markiert den Erstfrühlingsbeginn und der Flieder öffnet seine Blüten zum Höhepunkt des Vollfrühlings.

Die Reihenfolge ist wohl recht zuverlässig. Wie genau meine Weissagung also sein wird, bin ich selbst einmal wieder gespannt. So wie es in der Kalender-Anleitung beschrieben wird können diese vorhersagbaren Zeitpunkte dann allerdings doch wieder um bis zu ein paar Wochen schwanken. Aber eines hat es für sich. Ich warte jetzt auf die  Erlen, die ihre Kätzchen oder Zapfen öffnen, dann den Huflattich mit den gelben Blüten und den wunderbar frühlingsgrünen Austrieb der Stachelbeeren. So soll der Ablauf sein bis dann die  Forsythie im Blütenrausch den Garten erleuchtet. Jedenfalls das hat der Kalender korrekt vorhergesagt, das Interesse für die Rhythmen in der Natur werden geweckt.

phänologischer Kalender (c) by Joachim Wenk
aktueller Ausschnitt

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