Sonntag, 5. Januar 2014

Vögel fressen überhaupt keine Erbsen

Ist das nicht eine wunderbare Blüte? Passend für ein Blumenbeet?

Blauwschokker (c) by Joachim Wenk
Blauwschokker
Diese Blüte gehört zu einer Pflanze, die das Gartenjahr 2013 für mich verkörpert. Auf und Ab und Erfolg und Misserfolg.

Aber alles der Reihe nach. Die Pflanze - manch einer kennt vielleicht den Namen - ist eine Erbse. Ich kannte bisher nur die üblichen weiß blühenden Sorten. Dann sah ich im Katalog diese alte Sorte. Kurz darauf in einem Mittelalter - Projekt im Fernsehen in dem mittelalterlich gekleidete Menschen in mittelalterlichen Gemüsegärten werkelten kam sie auch vor. Das hat mein Interesse geweckt und ich bestellte sie.

Es ist eine Pahlerbse, die ja schon ab März gesät werden.  Gut -  2013 und März dürfte jedem Gärtner in Erinnerung sein. Ich konnte also nicht sähen. Ich glaube es war Ende April bis ich den Boden bearbeiten konnte. Die Erbse wird laut Katalog etwa 120-150cm hoch. Also habe ich extra ein höheres Gitter gekauft und mit viel Liebe und Hoffnung diese spannende Erbse gesät.

Es dauerte eine ganze Weile, bis sie endlich an der Erdoberfläche erschien. Dann wuchs sie aber sehr vielversprechend. Nur die Blüten. Da waren keine. Ich untersuchte die Triebspitzen um eventuell vorhandene Knospenansätze sofort zu entdecken. Da war nichts. Meine anderen Erbsen fingen schon an zu blühen nur die so mit Spannung erwartete Blaue nicht. Aber wachsen tat sie sehr gut.

Und dann war es so weit, das Rankgitter war schon lange überwuchert. Mit Schnur und zusammengebundenen Stecken erhöhte ich das Rankgitter und erhöhte und wurde belohnt. Jetzt weiß ich, warum sie noch keine Blüten hat. Die wird nicht 120cm hoch sondern eher 200cm! Und dann blüht sie auf Augenhöhe. Es ist mittlerweile Juli 2013. Fantastisch. Alle meine Erwartungen wurden übertroffen. Eine richtige Elfen-Pflanze (wie die Erbsenblüten ja oft verwendet werden im Zusammenhang mit Elfen).

Blauwschokker (c) by Joachim Wenk
Blauwschokker
 Und die Schoten sind auch in diesem wunderbar andersartigem dunklen Lila gehalten. Die Erbsen darin allerdings sind im gewohnten Grün und schmecken gut.

Blauwschokker (c) by Joachim Wenk
Blauwschokker

Sie haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber den herkömmlichen Erbsen. Sie hängen bequem hoch zum Pflücken und sind sofort zu finden, wegen dem deutlichen Kontrast zum Laub. 

Blauwschokker (c) by Joachim Wenk
Blauwschokker
Die anderen Erbsen führten fast ein vernachlässigtes  Schattendasein so knapp über dem Boden. Trugen aber auch wahnsinnig reich.

normale Erbsen (c) by Joachim Wenk
normale Erbsen
So weit so gut. Die späte Aussaat hat nicht geschadet. Die lange Kälte und Feuchtigkeit im Frühjahr bis Ende Juni ist auch überstanden. Und nun könnte man Erbsen ernten und kochen und einfrieren. So war es gedacht. Aber genau jetzt kommt das große Fest 2013. Wir haben geheiratet. Und wer diese Erfahrung auch schon einmal gemacht hat weiß, so direkt um das Fest herum kommt man nicht unbedingt dazu im Garten Erbsen zu ernten und zu pahlen. Immer wieder zum Naschen ja. Auch die Kinder zu Besuch freuten sich sehr und naschten reichlich.

Und jetzt kommt wieder das Jahr 2013. Mit einem Mal ist es Hochsommer. Wochenlang über 30°C und absolut Null (ja Null) Regen über mehrere Wochen. Gut dass es Pahl-Erbsen waren. Zum frischen Verzehren waren sie schon zu reif. Also lasse ich sie eben ausreifen.

Blauwschokker (c) by Joachim Wenk
Blauwschokker

Blauwschokker (c) by Joachim Wenk
Blauwschokker
Und wieder ist das dunkle Lila sehr vorteilhaft bei der Ernte. Ich pahle die ersten Erbsen und den Rest lasse ich nachtrocknen und werde sie später pahlen. Im blauen Sieb sind herkömmliche Erbsen und im Metallsieb sind die Blauwschokker.

Pahlerbsen (c) by Joachim Wenk
Pahl-Erbsen
Ich merke schon, daß da aber viele Käfer drin sind in den Erbsen. So viele durchlöchert und zum Aussortieren. Das ist weniger schön. Im Herbst pahlen wir den Rest. Wieder Käfer Käfer Käfer. Mir ist irgendwie nicht wohl bei der Sache. Da muß mehr aussortiert werden als ins "Töpfchen" wandert. Und überall fliegen die schwarzen Käfer. Kein schöner Anblick.

Ein paar Wochen später machte ich mich an die Erbsen, die im Keller eingetuppert auf Verwendung warteten. Erbsensuppe mit Kassler und guter selbstgemachter Rinderbrühe und etwas Wurzelgemüse.

Nun. Was soll ich sagen. Alles klappt gut. Es riecht köstlich in der Küche. Und dann mache ich den Schnellkochtopf auf.

Der Rest ist nur für Menschen mit starken Nerven (FSK 16 würde ich sagen). Die Oberfläche meines Eintopfes ist schwarz! Das gibt es ja nicht. War da in jeder Erbse noch ein Käfer?

Also so etwas ist mir ja noch nie passiert! Ich koche ja viel und probiere noch vielmehr aus, weswegen es oft "Ehekrach" gibt. Weil immer wieder anderes auf den Tisch kommt. Gut. Manches ist nicht so, daß ich es wieder kochen werde. Alles kann einem ja nicht schmecken. Aber gegessen habe/n ich/wir noch immer alles. Ich kann ja nicht einfach gute Lebensmittel wegwerfen. Aber dieses Essen war wirklich mein erstes Essen, das ich direkt aus dem Topf entsorgt habe. Ich war schon mutig und habe einen Löffel probiert. Es hätte wunderbar geschmeckt, so viel kann ich sagen und ich werde das wieder kochen. Ich habe im Bioladen letzthin schon Erbsen gekauft.

Denn nicht nur den Eintopf, sondern auch die Erbsen werden entsorgt. Von den Blauwschokkern hebe ich mir welche auf zum Sähen. Da habe ich jede Erbse nun aber mehrmals gedreht und gewendet und kontrolliert.

Es sollte also doch nicht sein mit meinen Erbsen. Das steht nun fest. Erst zu spät, dann zu nass, dann zu hoch, dann zu wenig Zeit, dann zu heiß und zu trocken und schließlich zu eklig. Was mache ich mit den übrigen gepahlten Erbsen? Heißt es nicht die Guten ins Töpfchen und die schlechten ins Kröpfchen? Waren das Erbsen oder was waren das? Ich probiere es und mische ein paar Erbsen unters Winter-Vogelfutter. Das Ergebnis seht ihr hier. Nicht einmal die Vögel essen diese Erbsen! Sie haben sie einfach aussortiert und unterm Vogelhaus verteilt. Jetzt wachsen dann im Frühjahr wahrscheinlich zu allem Un-Glück in meiner Tulpenwiese die Erbsen....

Das Ende der Erbengeschichte (c) by Joachim Wenk
Das Ende der Erbengeschichte

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