Mittwoch, 8. Januar 2014

Frühling im Januar, reiche Ernte ohne Verwendung und ein grummelnder Mönch: die Themen des heutigen Tages

12°C im Schatten und pur. Dieses Wetter hält doch kein Hobbygärtner in der Stube aus. Und ich hatte mir ja auch ein paar Aufgaben für heute in den Kalender geschrieben.  Wie schön, daß das Wetter mich so unterstützt.

Topinambur in Eimer, steht im Kalender. Ich habe die Tage gelesen, daß man den Topinambur einfach mit Erde in Eimer schlichten soll und die im Freien oder am Haus etwas geschützt aufstellen kann. Ernten und  Einlagern wie Kartoffeln geht nicht, da er zu schnell schrumpelt und vertrocknet. Er ist frostfest und kann draußen überwintern. Nur, wenn jetzt dann der Schnee und Frost kommen, kann man ihn nicht mehr ausgraben. Obwohl er ja sehr nahe an der Oberfläche liegt, wie auf dem ersten Foto zu sehen ist.


Topinambur im Beet (c) by Joachim Wenk
Topinambur im Beet


Der Topinambur ist also rund ums Jahr so pflegeleicht wie nicht gleich wieder eine Gemüsepflanze. Keine Schädlinge, nicht düngen, keine Beete wie bei Kartoffeln, blüht sehr schön und muß nicht zu einer bestimmten Zeit geerntet werden und absolut frosthart. Ein Traum jedes Gemüsegärtners.

Ja aber klar doch hat so viel Positives einen Haken. Und der wiegt, wie ich finde, schon einiges. Er schmeckt mir nicht. Und ich esse doch alles was so wächst inklusive Wildkräuter. Aber mein Topinambur - vielleicht ist es auch nur die Sorte, die ich habe - hat eine Geschmack der schwer zu  beschreiben ist, da sonst nirgends wieder findbar. Und die komische Konsistenz, wenn er gegart ist hilft da auch nicht unbedingt weiter. Am neutralsten ist er noch als Rohkost. Ich habe im Internet so schöne Rezepte gefunden. Zum Beispiel auch gebraten mit Knoblauch in Olivenöl, da ginge der Geschmack ja halbwegs, aber irgendwie ist er gegart einfach komisch matschig. Schade und jetzt habe so viel davon. Heute habe ich, um meinem Kalendereintrag genüge zu sein, zwei Eimer voll geerntet und ins Hühnerhaus gestellt. Vielleicht finde ich ja noch eine Verwendung dafür. Die Schwiegeroma, hatte ihn im Sommer im Garten gesehen und sofort mit einem gewissen Lächeln im Gesicht gesagt, die Schnapskartoffel hast du ja auch..... Ob er mir in dieser Form schmecken könnte?

Topinamburernte (c) by Joachim Wenk
Topinamburernte


Topinambur abgehackt. Was steht noch im Kalender?

Unkraut im "Mäuerchen-Beet" rupfen. Na gut, dann mal an die Arbeit. Ich schwitze schon vom Topinambur ernten. Man erinnere sich, wir haben Anfang Januar! Die Wärme gefällt meinem Unkraut auch ganz besonders. Das sprießt und gedeiht gar prächtig.

Während ich so in der Sonne vor mich hinbuddele mache ich mir den einen oder anderen Gedanken. Die Wildkräuter hier und überall im Garten wachsen, sogar jetzt im Winter. Sie wachsen im Sommer bei großer Trockenheit und vermehren sich und kommen wieder und wieder, selbst wenn man meint, man hat sie ausgegraben. Ist das nicht faszinierend, welche Lebensenergie und Vitalität in ihnen steckt? (Daher nehme ich sie auch immer in meine grünen Smoothies). Und jetzt im Vergleich meine Gemüse- und sonstigen Kulturpflanzen. Schädlinge, Krankheiten, Trockenheit oder Kälte. Immer ist irgendetwas warum sie selbst  bei viel investierter Arbeit nicht so üppig gedeihen wollen, wie ich mir das vorstelle. Außer natürlich der Topinambur. Sind die kultivierten Pflanzen so schwach und degeneriert, dass sie so viel schwächer sind als die Wildkräuter?

Und mir ist eine Geschichte eingefallen, die ich einmal gehört habe und die mir ein verständiges Grinsen gerade in diesem Moment ins Gesicht zauberte.
Ein Wanderer kommt an einem Kloster vorbei und am traumhaft schönen Klostergarten. Darin rackert und wühlt ein Mönch in der Erde (genau wie ich gerade). Der Wanderer spricht den Mönch an und ist begeistert von der Oase des Klostergartens, wie alles blüht, der Bux als Hecklein geschnitten ist und die herrlichsten Gemüse in den Beeten reifen. Er sagt dem Mönch, daß er da ja mit Gottes Hilfe ein Paradies erschaffen hat. Der verschwitzte  und schwer gartelnde Mönch aber grummelte nur: Gottes Hilfe, sie hätten mal vor langer Zeit hier vorbei kommen müssen als der Herrgott den Garten noch allein bewirtschaftet hat, da hat's vielleicht ausgesehen hier. Alles verwildert......

Jedenfalls habe ich aus meinem Beet hier an der Süd-Westseite des Hauses zwei große Säcke mit Unkraut entfernt. Das muß ich schon im Frühjahr nicht mehr machen. Gerade dieses Beet hat mir die letzten beiden Jahre viele Sorgen im Sommer gemacht. Es sollte schön bunt und gepflegt sein, weil es an der Seite des Hauses ist, die man als Passant sieht. Und man will sich ja nicht blamieren mit seinem Garten. Aber da es Hang ist und Süd-West-Seite, läuft Wasser schnell ab und die Sonne strahlt intensiv darauf. Und den ganzen Sommer war ich am Jammern, dass es zu trocken ist. Vorletztes Jahr stand ich am Wochenende stundenlang mit dem Gartenschlauch und letztes Jahr habe ich Schwitzschläuche auf die Erde gelegt. Immer noch was alles zu trocken.

Dann habe ich im Herbst angefangen Stauden zu pflanzen die Hitze mögen und Trockenheit vertragen. Dass ich da nicht früher darauf gekommen bin. Katzenminze, Lavendel, Cistus, Färberkamillen und Witwenblume stehen schon im Beet.Diesjahr kommen noch Pflanzen hinzu.  Das sieht bestimmt schön aus im Sommer und ich muß mir wegen der Trockenheit keine Gedanken mehr machen.


Unkraut wächst selbst im Januar (c) by Joachim Wenk
Unkraut wächst selbst im Januar


Unkraut wächst selbst im Januar (c) by Joachim Wenk
Unkraut wächst selbst im Januar 
So und jetzt ist das Beet, das ich auch immer direkt vor mir habe, wenn ich im Wohnzimmer oder der Küche aus dem Fenster sehe, fertig für das Frühjahr.

Staudenbeet im Winter (c) by Joachim Wenk
Unkraut beseitigt

Staudenbeet im Winter (c) by Joachim Wenk
Unkraut beseitigt

Jetzt, das Mittagessen war köstlich und der Espresso schmeckt hervorragend, sitze ich am Laptop und schreibe diese Zeilen. Draußen wird es von Stunde zu Stunde schöner und die Sonne brennt vom Himmel, wie im April. Dieses Ausnahmewetter und was ich heute gemacht habe im Garten wird auch in unseren 10-Jahres-Buch notiert. Das Buch war ein Weihnachtsgeschenk meiner Schwägerin. Das ist eine ganz tolle Idee, die ich selbst noch nirgends gesehen habe. Ein schönes in Leinen gebundenes dickes Buch. Innen ist jeder Tag eine Seit und ähnlich einem Terminkalender stehen an der Seite Zahlen. Immer eine 20. Man fängt das Buch irgendwann an. Dann macht man aus der obersten 20 eine 2014 - wenn man d´Diesjahr anfängt. Dann kann man in der Zeile kurz etwas schreiben. Heute zum Beispiel "12 °C Unkraut im Mäuerchen-Beet gerupft". Wenn es dann 2015 oder 16 oder 17 ist und man am 8.Januar ist, sieht man auf einen Blick - eben auf dieser Seite - was so in den letzten Jahren genau an dem Tag geschah und was man gemacht hat. Wirklich sehr schöne Idee. Ich werde es ausfüllen. Und jetzt habe ich recherchiert. Das Buch hat eine ISBN Nummer (9783760763477) unter der man es zum Beispiel hier (Buchhandlung am Turm )bestellen kann. Für 19,95€ auch eine echt gute und geistreiche Geschenkidee.

Apropos Kalender, ich habe meine Arbeit für heute erledigt und den Punkt der noch drin stand im Tagesplan, den verschiebe ich. Darüber berichte ich dann, wenn es so weit ist.

10-Jahres-Buch (c) by Joachim Wenk
10-Jahres-Buch

10-Jahres-Buch (c) by Joachim Wenk
10-Jahres-Buch 

10-Jahres-Buch (c) by Joachim Wenk
10-Jahres-Buch 


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