Montag, 26. August 2013

Regen, Dunst und Tristesse sorgen automatisch für Besinnung, In-Sich-Gehen und Nachdenken

Mein Lichtwecker rüttelt mich sanft wach. Draußen es es trüb. Ich stehe auf,  Bad, Parterre, Hunde zum Pinkeln rauslassen. Kaffee machen, Brötchen aufbacken und Frühstücken. Die Hunde liegen schnarchend auf ihren Decken. Ich blicke nach draußen. In den vergangenen Wochen war es voll-sonnig, klar, warm und hochsommerlich, als ich zum Wohnzimmerfenster hinausblickte. Heute ist es dunstig, der Himmel ohne Blau aber mit viel verschiedenem Grau. Es nieselt.So beginnt der Herbst. Mit richtig dauerhaft heißem Sommer ist es jetzt erfahrungsgemäß vorbei. Ich bin ein wenig erleichtert, weil ja die arge Hitze über Wochen mir immer Probleme mit dem Gießen im Garten bringt. Außerdem kann man bei der Hitze nichts richtig schaffen im Garten. Wehmütig bin ich auch, weil es dann somit auf den Herbst-Winter und die langen langen dunklen, trüben, kalten und nassen Monate zugeht. Dann wieder ist ein Gefühl dabei, welches den Neustart im Frühjahr vorausahnt. Was werde ich im kommenden Jahr anders machen als dieses Jahr? Aus welchen Fehlern lerne ich, wo habe ich Fehler gemacht? Was lief gut und wird fortgesetzt oder wiederholt?
Dieses Jahr habe ich schon ganz anders gegärtnert als letztes Jahr.  Bewusster, ordentlicher, konsequenter. Ich bin stolz auf mich aus meinen Gefühlen von letztem Jahr gelernt zu haben. Da waren Gefühle von Wiedersprüchen dabei. Ich hatte einen schönen ordentlichen, liebevoll gepflegten Biogarten im Kopf. Dann kam alles so schnell, das Wachstum, die Ernte, die Hitze und Trockenheit, das Ende der Hauptwachstumsperiode, der Herbst. Ich kam ins stolpern, agierte nicht mehr sonder reagiert nur noch und immer einen Tick zu spät und alles zu hastig. Diesjahr habe ich mehr agiert. Geplant. Vor Ende der Hauptwachstumsperiode - jetzt eben - habe ich mir Samen besorgt, die im August und September noch gesät werden. Ich habe schon gesät und vorgezogen. Das Ende trifft mich nicht so abrupt und unerwartet wie im ersten Jahr. Der Anbau geht weiter und jetzt erst wieder richtig los. Gegen die  Weiße Fliege am Kohl habe ich rechtzeitig Niehmöl eingesetzt, sie fast auf Null reduziert. Letztes Jahr habe ich sie zu spät bemerkt und meinen  herrlichen Grünkohl vollständig entsorgen müssen. Ich habe meine in die Wege hängenden Pflanzen hochgebunden und  verschiedenen Stützen und Stecken. Sie liegen nicht unschön kreuz und quer im Garten herum. Und so ist noch einiges, was dieses Jahr besser, erfahrener, schöner, mehr nach meiner Vorstellung verlaufen ist.
Und jetzt bei dem Wetter welches absolut nicht einlädt im Garten zu arbeiten, mache ich Pause. Die Gedanken schweifen ab und ich überlege was war und was ich nächstes Jahr möchte. Das was ich mir vorstelle wird immer mehr Realität. Letztes Jahr, als ich "stolperte" und hetzte hatte ich einen sehr wichtigen Gedanken. Oder sollte ich sagen eine Eingebung? Das Garteln ist für mich Leidenschaft. Mein ein und alles, mein Hobby. Ich lese viele Gartenzeitschriften, Gartenbücher und schau mir gern die Bilder in entsprechenden Magazinen an. Zu beneiden solche Menschen mit den herrlichen Gärten, mit den super romantischen und entspannten Sitzecken, mit den schönen Beeten und dem Gemüse im Garten. Und da viel mir auf, daß es bei mir ja auch so ist, dass ich das ja auch schon habe. Ich sah bei mir immer nur das Unkraut, die Trockenheit, die Krankheiten. Das was noch nicht fertig ist. Und in den Heften ist alles fertig, kein Unkraut am Foto, keine Krankheiten? Nein, schaut man genau hin, sieht man auch zwischen den Gemüsereihen den trockenen rissigen Boden. Oder verfolge ich bei mir den Garten entdecke ich auch die Gemüsereihen wie sie perfekt da stehen. So einen Moment gibt es immer. Danach kann wohl Trockenheit eintreten, der Boden reißen, die Schädlinge kommen und so weiter, aber es gab den Moment wo alles schön war. Ich habe versucht diese Momente und Ausschnitte fotografisch festzuhalten. Wie in den Magazinen. Ein kurzer Ausschnitt und der ist Perfekt. Was davor war und danach ist, sieht man auf dem Foto nicht.
Nein ich habe wirklich so einen Garten wie ich ihn immer wollte. Und ich mache meine Arbeit darin zunehmend entspannter. Bei der Größe und geringen Zeit die ich dafür zur Verfügung habe, komme ich immernoch gerne mal ins Trudeln. Das muß noch und das und dann ist wichtig dass etc. pp. STOP ich mache es weil es Spass macht, weil ich es liebe und daher muß ich es bewußt machen, mit Bedacht und ohne Zwang. Ich will es machen, nicht ich muß es machen. So ist es doch im Leben auch. Immer muß man etwas machen und hofft auf besser, ruhiger Zeiten wo es dann erledigt ist. Und so durchhastet man sein Leben, ist plötzlich 85 oder 90 und liegt im Altenheim im Bett, wartet auf den Tod. Nein, der Weg ist das Ziel. Den Weg sollte man genießen und bewußt wahrnehmen. Was jetzt Probleme sind oder was lästig ist, sieht dann aus der Distanz oder wenn es nicht mehr da ist aus als wäre es das schönste und angenehmste auf Erden, wenn es doch nur (noch) da wäre.
Und so genieße ich die feuchte und erstaunlich milde Luft voller erdiger Geruchsnoten, gehe mit den Hunden Gassi und fahre dann zur Arbeit. Meine Gedanken sind auch während der Fahrt hier und da und resümieren, planen und träumen. Aber nicht damit ich dann, zurück im Garten, etwas tun muß, erledigen muß. Nein, damit ich meinem Traum näher komme. Dem Traum vom schönen romantischen Bio-Garten (als "fertigen" Garten)  UND meinem Ziel von einer schönen, ausgefüllten und  genossenen Lebenszeit  im und für den Garten - also für mich.

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