Montag, 11. Juni 2018

Impressionen aus dem Landgarten im Frühsommer

Gartentagebuch Anfang Juni 2018


Mein Landgarten im Frühsommer 

Nachdem meine letzten Beiträge eher allgemeinen Charakter hatten, will ich heute die aktuellen Fotos vom Garten zeigen. Aktuell darf man dabei etwas lockerer sehen. Manche Fotos sind zwei Wochen alt und andere heute erst aufgenommen. 

Alle zeigen sie den Garten im Frühsommer. Das frische und saftige Grün überschwängliche Blühen weicht langsam einem etwas ruhigeren, dafür aber auch trockenerem und viel heißerem Sommergeschehen. 

Ein Plätschern schafft es bis ins Radio


Wie gut tut doch da das muntere Plätschern vom "Dorfbrunnen" im unerträglich heißen Vorgarten. Dieses Plätschern empfängt, genau wie die gelbe Golden Celebration und die lila Captain John Ingram jeden, der in den Garten tritt. Dieses Plätschern ist nun auch richtig berühmt geworden, hat es doch den 3 minütigen Beitrag im Radio über mich und meinen Garten eingeleitet. Hörer von Bayern1 und Bayern2 und Bayern3 hatten die Möglichkeit, mich einmal zu hören und nicht immer nur zu lesen. 



Es ist die Zeit der Rosen





Gegenüber dem Brunnen blüht eine rosa Rose. Es ist die Gallica-Rose Empress Joséphine. Herrlich unaufgeräumter Wuchs und riesige duftende Blüten. Leider halten die bei der enormen Hitze hier nur einen Tag, dann ist aus dem  Rosa ein absolut verblasstes schmuddeliges Weiß geworden. 





Die nächste Rose blüht zwar im Schatten, hält aber wegen der allgemeinen Wärme auch nicht lange durch. Die Rede ist vom Rambler im Walnußbaum, dem Paul's Himalayan Musk. Eine vielbekannte Sorte. Winzige Blüten mit etwa nur 2 cm Durchmesser, dafür aber in ungeheurer Anzahl. Ein wenig versteckt blühen sie.  Man muss schon im Baum nach oben sehen. Leider ist es mir noch nie gelungen, das Schauspiel auch so zu fotografieren, dass es hier im Blog gut zu erkennen ist. Die einzelnen Blüten lassen sich noch gut fotografieren. Sie hängen mir direkt vor der Nase. 



Weiter oben dann all ihre Schwestern.



Rechts im Bild sieht man, was ich meine, wenn ich sage, sie hängen direkt vor der Nase. 

Unterm Walnußbaum am Zaun zum Gemüsegarten wächst eine wunder volle weißblühende Clematis. fargesii.




Am anderen Walnußbaum vergnügt sich die Ramblerrose Rose Marie Vieaud, einem Sämling von Veilchenblau. Sie ist stärker gefüllt und etwas rötlicher als ihr Vorfahrin.







Der dritte Rambler wächst einmal nicht in einem Baum, sondern an der Scheunenwand empor. Snowflake blüht etwas später als die andere beiden. Weiße kleine und offene Blüten mit dunkelgelber Mitte tanzen über dunkelgrünem Laub. 






Und wenn man beide Arten von Rosen hat, merkt man den Unterschied sehr deutlich. Die Rede ist von Kletterrosen und Ramblerrosen. 

Die Rambler haben sehr lange und sehr dünne, geschmeidige Triebe. Sie lassen sich auch im Folgejahr noch leicht biegen und binden. 

Kletterrosen, so wie die Climbing  Madame Caroline Testout hier am Rosenbogen, haben unendlich störrische und dicke, rasch verholzende Triebe. Sie müssen bald gebunden werden, sonst lassen sie sich nicht mehr dahin biegen, wo man sie haben möchte. 

So schön ist der Eingang zum Gemüsegarten gerade. Dem Nutzgarten werde ich meinen nächsten Beitrag widmen. 



Ebenfalls am Rosenbogen zum Gemüsegarten steht die moderne Kletterrose Jasmina. Sie wuchs bei der Mutter im Hinterhof im Kübel nicht richtig und so habe ich sie hier her gesetzt. Sie muss den Rosenbogen erst noch erklimmen, blüht aber da unten, wo sie noch ist, schon recht munter. 



Und damit die wunderschönen  bunten und  duftenden Blüten nicht zu schnell verschwinden, werden sie auch wieder getrocknet.





Überall im Garten blühen neue Blüten auf und andere verschwinden wieder. Hier bei der Haferwurzel sind die Blüten sehr schön. Aber genau so interessant finde ich diese fremdartig wirkenden Speere der geschlossenen und verblühten Blüten. Ebenfalls imposant sind dann, wenn die Speere wieder aufgehen, die apfelgroßen Kugeln der Fallschirme mit den Samen. Riesige Pusteblumen sozusagen. 



Ich finde immer wieder interessant den Wechsel vom schon erwähnten frischen und saftigen, weichen Grün der Frühjahrspflanzen hin zu den trockenheitstolleranten Sonnenanbetern mit völlig anderem Habitus, härterem Wuchs und oft eher behaartem Silbergrau statt saftigen Grün. Hier ist der Frühlingsblüher Zierlauch abgeblüht und eingezogen. Gleichzeitig hat sich der graue, flaumig behaarte Wollziest herausgeputzt und übernimmt jetzt das Blühen. 



Auch die Witwenblume neben dem Ziest blüht wieder reichlich. Sie sät sich regelmäßig selbst aus. 


Nicht nur der Charakter der Pflanzen wechselt in diesem Beet beim Übergang vom Frühjahr zum Sommer. Vielleicht erinnert ihr euch, das ist das Beet mit den unzähligen Akeleien. Es herrschte blau vor, etwas rosa und ab und an dunkles Lila. Jetzt gibt es hier vor allem Gelbtöne und das Pink-Lila wie bei der Witwenblume oder hier der Lichtnelke. Gepaart mit gelber Färberkamille jedes Jahr ein Hingucker. Und überall das filigrane Silbergrau vom Wermut, der sich auch selbst aussät. Wo er passt, darf er stehen bleiben. 


Gelbes Brandkraut, auch mit  behaarten und harten Blättern und Stielen. 



Die Exoten im Beet strecken sich zum Himmel. Die winterharte Banane und davor die Palmlilie mit dem hohen Blütenstängel voller Knospen. 



Diese Jahr im Frühjahr war es deutlich zu sehen. Dem Beet fehlte die Struktur. Hatte ich doch die Weigelie auf den Stock gesetzt und so fehlte ihre Silhouette als Hintergrund. Ich versäumte die letzten Jahre, alte Triebe heraus zu nehmen. Im Ergebnis hatte der Strauch nur noch störriges, halb abgestorbenes Gestrüpp. Letztes Jahr gab es daher auch kaum noch Blüten. Jetzt schiebt sie in ungeheurem Umfang kräftig nach und wird wieder ein schöner grüner Strauch, Nächstes Jahr wird sie mit Sicherheit im Überschwang blühen. 



Schön, wenn die Stauden so leicht übers Beet in den Weg hängen. Die Rose Rose de  Rhest , Frauenmantel und ein blauer Storchschnabel sind hier zu sehen. 



Auf der andere Seite des Beetes blüht die kleine Staudenclematis, Clematis integrifolia. Ich finde sie so hübsch, daß ich mir gerade noch ein paar Staudenclematis für die Staudenbeete gekauft und gepflanzt habe. Größere Exemplare allerdings, damit sie mit den großen Stauden mithalten können. 




Zimbelkraut wohin das Auge reicht. Wie hier nur etwas wachsen kann. Niemals wird gegossen, da es ja eine Betontreppe ist. Die Sonne knallt her und Regen gab es die letzten Wochen keinen. Die Stauden hängen schlapp in den Beeten, aber  in der unwirtlichen Umgebung des Aufgangens, ist  das Zimbelkraut  immer frisch und knackig und blüht wie bekloppt. 




Die Washingtonia hat der Winter im Freien sehr mitgenommen. Sie lebt wenigstens! Aber etliche Blätter waren kaputt und alles was neu nachkommt bis jetzt, ist stark geschädigt und die Spitzen verdorrt. Der Frost, der nicht aus dem Umbau heraus gehalten werden konnte, war zu stark. Nun sind wir fleißig am Planen, was wir im kommenden Winter anstellen werden. 

Banane und Drachenbaum waren ja im beheizten Palmenhaus und sind wie immer schadlos über den Winter gekommen. 




Am mediterranen Platz blüht der Oleander mit sich selbst um die Wette. Die Seerose eifert ihm nach. 





In Kürze umtanzen hellblaue Blütenkugeln die Schmucklilie.



Ja und der Zitrusbaum hier sieht gelb aus. Ok. Aber wer  weiß, wie gelb  und weiß-blass er die letzten Jahre war, wird sagen, der ist ja herrlich grün dieses Jahr. In der Tat. Ich weiß jetzt endlich warum meine Zitruspflanzen hier immer so fürchterlich gelbe Blätter bekamen und eingingen. Es half weder Zitruserde noch Zitrusdünger. Es lag am Brunnenwasser. Entgegen der bislang vertretenen Ansicht brauchen Zitruspflanzen unbedingt Calcium im Wasser, sonst werden die Blätter gelb. Seit ich im Winter anfing, mit Calciumdünger (dem einzigen Kunstdünger den ich verwende) zu gießen verfärben sich die Blätter wieder. Sehr langsam aber man merkt Fortschritte. 




Mein Zitronenbusch war auch immer hellgelb mit durchscheinenden Adern.  Der hat sich am schnellsten erholt und erholt sich noch.



Und wer sich nun fragt, warum meine mediterranen Gewächse so chaotisch durcheinander  stehen sieht hier den Grund. 

Im Herbst - Ende Oktober - kamen gerade noch rechtzeitig vor der Wintersaison, die neun Fenster. Da war dann keinen Zeit mehr, das Palmenhaus auch außen her zu richten. Vergangen Woche hat sich Volker dran gemacht, die Holzverkleidung zu erneuern und um die Ecke herum zu führen. Jetzt sieht man hinter der Palme nicht mehr die ganze Unordnung im Carport. Als nächstes wird die Wand noch gestrichen und dann können meine Kübelpflanzen wieder an Ort und Stelle gerückt werden. 




So, nun habe ich wieder einiges erledigt. Der lange Gartentag neigt sich dem Ende zu. Zeit für ein Päuschen auf der grünen Bank gegen über dem mediterranen Platz. Im Schatten des Walnußbaumes der Nachbarn lässt es sich gut aushalten. 

Blicke ich dann nach rechts, sehe ich die Scheune (mit dem Rambler) und den Walnußbaum im Gemüsegarten, ebenfalls mit Rambler. 



Schweift mein Blick etwas nach links, also gerade aus, sehe ich den mediterranen Platz mit Palmenhaus dahinter und Carport daneben. Hinter den Nebengebäuden stehen links die Esche und rechts die Eiche. 



Ich drehe mich abermals weiter nach links und erblicke unsere Baumhaselnuß, den Hausbaum in der Wiese. Dahinter die Werkstatt in braun und der Partyraum "Hüttenzauber" in  grün. Ich nenne diese Gebäudeansammlung ja immer scherzhaft unsere Reihenhaussiedlung....




Wieder gebe ich mir einen Ruck nach links und blick genau hinter mein Obst- und Beerenspalier. 



Bevor ich mir nun die Wirbelsäule endgültig verrenke, gibt es nur noch einen kleine Ruck nach links und ich sehe die Nachbarn. Also eigentlich ja eher die Pferde der Nachbarin. 



Die Temperaturen werden angenehmer, die Sonne steht jetzt tief hinter der Reihenhaussiedlung. Es ist  Zeit, ins Haus zu gehen und endgültig Feierabend zu machen. Aus dem Vorraum, man könnte es auch ganz profan "Schmutzschleuse" nennen, blicke ich ein letztes Mal zurück in den Garten. 

Und? Wer sieht die grüne Bank, auf der ich gerade noch saß?



Dienstag, 5. Juni 2018

Geschichten vom Landleben: Samstagseinkauf und Datenschutzverordnung

ein Dorf in Mittelfranken
Ein Dorf in Mittelfranken


Es ist ein Samstag Ende Mai und ich schreibe gerade meinen Einkaufszettel. Der Wocheneinkauf muss noch erledigt werden.

Im übernächsten Dorf gibt es einen sehr kleinen Supermarkt. Es ist irgenwie der Ableger eines der großen bekannten Discounter. Jedenfalls hat er die Marken und das Sortiment dieses großen Verwandten. Angegliedert ist ein kleiner Getränkemarkt.

Klein ist alles hier, von den Einkaufswägen bis hin zu den Gängen zwischen den Regalen. Und doch erstaunt es mich immer wieder, dass ich dort alles bekomme, was ich zum Kochen und Backen so benötige. Die Utensilien für die Hausarbeit genau wie meine gewohnten Zeitschriften erhalte ich hier ganz in unserer Nähe.

Ist dieser Supermarkt nur klein oder auch anders? Na klar ist es hier anders, wir sind ja am Land auf dem Dorf. Und genau für alles das was hier anders ist, liebe ich das Landleben so sehr.

Ich fahre also mit dem Auto die schmale Straße durch Wiesen und Felder und über einen Bach. Dann kommt der unübersichtliche Buckel bei dem man im Auto das Fahrstuhlgefühl bekommt, wenn man ihn zu schnell nimmt. Werden heute eigentlich  Straßen auch noch so gebaut?

Im Ort angekommen fahre ich am Kindergarten vorbei und biege ab. Ich passiere eine große Gaststätte, die leider für immer geschlossen hat. Es rentierte sich nicht mehr. Dann komme ich an der ehemaligen Bank vorbei. Ein Automat übernimmt fast den kompletten Bankbetrieb. Die Tankstelle gibt es nicht mehr, nur das Dach erinnert noch daran, daß hier einmal Zapfsäulen standen.

Bei aller Freude über das romantische Landleben, muß man natürlich leider auch gerade diesen Tatsachen ins Auge blicken. Früher war hier mehr los.

Jetzt stehe ich vor meinem Super-Märktchen und da fällt mir ein, dass ich ja vor allem über die noch immer schönen Seiten des Landlebens sprechen wollte.

Direkt vor dem Markt haben sechs Autos Platz. Werden es mehr, so kann man auf der anderen Straßenseite bequem parken. Ich hole mir einen Einkaufswagen. Wie noch immer gewohnt, habe ich den Einkaufschip vom Schlüsselbund in der Hand. Ach ja, ich vergaß wieder. Hier braucht man das nicht. Man nimmt einen Wagen aus dem Unterstand und gut. Dass man ihn nach dem Einkauf auch wieder dort hin bringt, ist doch eigentlich selbstverständlich.

Leergutrückgabe ist heute dran. Die ganzen Feiern im Mai haben einiges davon übrig gelassen.

Mit meinem Wagen schiebe ich durch die Eingangstüre und bleibe hinter der Kasse stehen. Ich weiß, die Kassiererin hat mich bemerkt und zieht nur rasch noch die letzten Waren vom Kunden an der Kasse übers Band. Jetzt bin ich dran, sie dreht sich kurz um, wirft einen verstehenden Blick auf mein Kästen und einzelnen Flaschen. Schon habe ich einen winzigen gelben Zettel in der Hand. Darauf notiert sind meine zurück gegebenen Schätze. Die Zeichen darauf sind  für mich nicht entzifferbar, was ja auch nicht notwendig ist. Später an der Kasse kann sie schon ihre Handschrift wieder entziffern. Das weiß ich.

Man schiebt hier nicht die leeren Flaschen und Kästen in anonyme Automaten, die immer nur Piepen, weil etwas nicht stimmt. Hier piept nichts. Dafür erfährt man bei Fehlware in deutlichem Fränkisch, dass man den Kasten hier nicht gekauft hat, weil sie diese Sorte oder Marke nicht führen. Daher können sie ihn auch nicht zurück nehmen. Das Piiieeep im Automaten ist zwar kürzer, aber das Ergebnis das Gleiche. Man nimmt den Kasten halt wieder mit nach Hause.

Meine Kästen haben die Kontrolle erfolgreich durchlaufen. Nach Erhalt des Zettels stelle ich sie "da irgendwo" ab. Wenn es zu voll wird, kommt eine  Mitarbeiterin und karrt alles nach draußen. Ich bestücke jedenfalls meinen Wagen wieder mit Getränken. Mit dabei ist meine Lieblings-Biersorte aus der Brauerei vom Nachbardorf in der anderen Richtung unseres Heimatdorfes.

Heute Abend sind wir auf dem 60. Geburtstag eines Stammtischbruders geladen.  Im Dorfgemeindehaus ein paar Orte weiter, das für solche Festivitäten gemietet werden kann, findet es statt. Schon länger ist vereinbart, dass ich einen Spätzlesalat mit bringe. Das ist so üblich.  Jeder bringt etwas mit vom Salat bis zum Kuchen. Getränke und Hauptspeisen besorgt, wie bei jedem Geburtstag, Jubiläum oder Silvester der jeweilige Gastgeber.

Ich brauche also noch Tomaten, weil meine natürlich noch nicht weit genug sind. Frühlingszwiebeln, weil die bei mir nicht wachsen wollen und einiges anderes. Mehl ist auch dabei, sehe ich auf meinem Einkaufszettel und zucke zusammen.

Ein Stück weiter an der Metzgertheke begrüßt die Verkäuferin den  Gerd, "na seider heit a aweng am schaffn? (Und? Arbeitet ihr heute auch?)  kommt die Frage hinter den Würsten hervor. Sie gilt dem Mann im besten Alter, bekleidet mit einem Blaumann und seinem namentlich nicht weiter erwähnten Begleiter. Beide holen sich etwas für die Brotzeit. "Du meine Güte, schießen mir wilde Gedanken durch den Kopf". "Hoffentlich hat sie sich die schriftliche Erlaubnis dieses Kunden geholt, seinen Namen in der Öffentlichkeit bekannt geben zu dürfen". Sicher aber ist sie als professionelle Teilzeitverläuferin fit in der DSGVO und hat all die nötigen Dokumente und Genehmigungen für ihre Worte in dieser Situation vorher ordnungsgemäß eingeholt.

Wenn ich nur daran denke, dass das früher normal war und an der Tagesordnung, dass der Name solcher bekannten Kunden einfach genannt wurde. Dazu die Information über seine heutige Arbeitstätigkeit am Samstag. Am Ende hätte sie auch noch verraten, dass er üblicherweise immer einen LKW kauft (Leberkäsweckla). Unverantwortlich, die Rechte an den Daten anderer Menschen so missbilligend zu behandeln. Gut, dass heute vieles besser ist.

Aber lange kann ich nicht darüber nachdenken, wie viel besser unser aller Leben jetzt nach der  DSGVO ist, da trifft es mich selbst. Kopflos durch die  vergangene Szene und eigene Gedanken irre ich durch die Regalreihen. Eigentlich bin ich auf der Suche nach Mehl. "Ah, der Achim, willst hier rein?" werde ich aus dem Gang, gefüllt mit ein paar Damen nebst Wägen, die sich über die Ereignisse der Woche unterhalten, gefragt. Ich hatte sie gar nicht gesehen, das ist ja die P. Naja jedenfalls weiß jetzt der ganze Laden, ob sie mich vorher schon kannten oder nicht, dass ich der  Achim bin der hier einkauft. Die P. ist eine Liebe und ich verzeihe ihr diesen Missbrauch meiner  intimsten und persönlichen Daten. Ob das aber auch ein möglicherweise vielleicht zufällig im Laden sich befindliches Mitglied eines Abmahnvereins auch tut?

Ich finde es allerdings schön, wenn man mich kennt. Man ist einfach nicht anonym hier. Man kennt sich eben.

Aber jetzt Schluss mit diesen düsteren Gedanken. "Wenn es bei euch Mehl gibt, dann ja" antworte ich gedankenverloren. "Das steht im anderen Gang" heißt es nur und so störe ich nicht weiter beim Plausch über Land und Leute und Nachbarn. Ich will auch gar nicht wissen, was hier für Datenschutzverletzungen stattgefunden haben mögen.

Gut, daß ich jetzt mein Mehl habe. Die Einkaufsliste ist abgearbeitet und ich schiebe zur Kasse. Mist, an den Zeitschriften muß ich stehen bleiben, die Schlang ist gerade etwas länger. Oh ein Magazin mit Omas Tips für den Haushalt, das macht mich neugierig. Und ein Gartenmagazin, das interessant ist. Wieder zwei Artikel mehr im Wagen. Ich schiebe weiter zum Kassen-Bändchen. Süß, wie im Kaufladen eigentlich. Aber es erfüllt seinen Zweck. Mein gelber Zettel mit Leergut kommt als erstes dran. Und ja, sie kann ihre Handschrift noch lesen. Ich zahle und schmunzle vergnügt in mich herein. Es ist Samstag und daher doch recht viel los. Hinter der Kasse steht eine Kollegin meiner Kassiererin. Sie hat einen Geldbeutel, wie die Bedienung im Gasthaus in der Hand und kassiert bei denen, die nur Getränke holen wollen. Dann geht es schneller, als wenn sie sich durch den Supermarkt schieben müssen und dann die Kassenschlange verlängern. Ist das nicht toll. Da wird mitgedacht und gelebt. Da haben alle was davon, wenn es unkompliziert und flexibel zu geht.

Der Einkauf ist rasch im Auto verstaut. Der Einkaufswagen ohne Pfand-Chip natürlich zurück gestellt und schon geht es heimwärts. Im Ort fegt eine ältere Frau den Bürgersteig. Wir haben ja Samstag. Viele Haustüren stehen offen obwohl niemand im Hof zu sehen ist. Passieren tut da trotzdem nichts. Und die Bewohner können hier vor Diebstahl sicherer sein, als durch all die Gesetzestexte einer Datenschutzverordnung, die einen Datendiebstahl ja ohnehin nicht verhindert.

Es ist ein Samstag Ende Mai und die Sonne scheint sommerlich warm. Ich genieße die wenigen Minuten der Heimfahrt durch unsere wunderschöne Landschaft mit den netten Menschen. Ich freue mich auf unser Haus und Garten, den Tag, die Arbeiten in Küche und Garten und natürlich auf die Feier mit Freunden heute Abend.

Glücklich und auch stolz denke ich, abermals in meinen Bart schmunzelnd, " I bin der Achim und do binni dahamm."


Mittwoch, 30. Mai 2018

Winterharte Sukkulenten im Garten: bunt, pflegeleicht und vielfältig

Das Gegenteil von Wasser im Garten ist?


Vielleicht erinnert ihr euch? Zum Bloggeburtstag Anfang Mai schenkte ich dem Blog einen Beitrag überall das Wasser bei uns im Garten.

Jetzt, Ende Mai, zu meinem Geburtstag, schenke ich mir einen Artikel zum genauen Gegenteil. Es ist heiß und sehr trocken wieder einmal. Was wächst da besser, als die Sukkulenten?

Die winterharten Formen haben es mir angetan. Farbe und Form, genau wie die Blüten, sind so vielfältig und bunt. Die Pflanzen selbst sind wahnsinnig pflegeleicht, gerade was das Gießen angeht.

Sie erobern so langsam den ganzen Garten. Auf Schritt und Tritt begleiten sie uns. Neugierig geworden? Dann begleite mich doch auch einmal auf der Sukkulenten-Tour durch das Grundstück.



Verschiedene Gewächse für heiße und trockene Standorte


Welche dieser trockenheitstolleranten und winterfesten Genossen findet man also bei mir?

Da sind etwa als größte Gruppe die Semperviren oder Dachwurze zu nennen.



Hinzu kommen winterharte kleine Kakteen.



Sedum wächst ebenfalls hier.




Es gibt auch sehr robuste kleine Stauden für Steingärten oder eben als Begleiter der Sukkulenten. Sie haben ähnliche Standortansprüche.






Von Urlauben mitgebracht habe ich nicht-winterharte Feigenkakteen und eine Aloe von den Kanaren.





Am schrillsten, wenn es um die Blüten geht, sind einfach die winterharten Mittagsblumen.







Pflanzgefäße für die Sukkulenten


Ausgepflanzt in den Garten habe ich bis jetzt noch keine der Sukkulenten. Es fehlt der passende Platz. In den Beeten stehen natürlich erst einmal meine Stauden. Ein reines Sukkulenten-Beet würde mir optisch nicht so gut gefallen. Außerdem ist das Unkraut zu mächtig. Bedrängt es doch sogar größere Stauden. Da hätte ich keine Lust, es aus den Stacheln der Kakteen zu zupfen.

Ein paar wild aufgegangene Trockenheitstollerante wachsen hier und da trotzdem frei im Garten. Dort, wo sie sich eben selbst angesiedelt haben. 

Dazu gehört das Zimbelkraut, 



Mauerpfeffer, 

Walzenwolfsmilch 


und ein anderes Gewächs, dessen Namen ich (noch) nicht kenne.




Bleiben also nur Pflanzgefäße für meine Lieblinge in der Sukkulenten-Sammlung. Und gerade das finde ich so reizvoll.

Sie brauchen kaum Platz im Topf. Da sie naturgemäß wenig Wasser benötigen, reichen auch kleine Pflanzgefäße oder dazu umfunktionierte Behältnisse.

Kleine Pflanzgefäße haben den Vorteil, mobil zu sein. Überall dort, wo ich gerade meine, dass eines hin passen würde, kann ich es auch aufstellen.

Sind die Gefäße etwas größer, werden kleine Landschaften gepflanzt.

Ich verwende als Pflanzgefäße:

Kleine Tontöpfe.



Bunte Übertöpfe (mit Ablußloch im Boden).



Deko-Nippes (mit Abflußloch im Boden).



Eine gebrochene Wasserschale aus Beton für die ehemaligen Hühner.




Eine Rinne aus Ton, gefunden am Parkplatz beim  Gassigehen.




Ein alter Mühlstein mit dem Loch in der Mitte für die Antriebsachse kann auch bepflanzt werden.




Für Bastler und sonst Kreative sind Dachwurze ideal. Hier habe ich mich, angesichts der vielen Ideen im Internet, mit dem Betonguss versucht. Dafür gibt es fertige Mischungen im Bastelfachhandel, die nur mit Wasser angerührt werden müssen. Dann kann man kreativen Formen aus Backformen oder Blumenübertöpfen selbst herstellen.



Sollen zum Beispiel Semperviren gepflanzt werden, muss man darauf achten, dass das Endprodukt frostfest ist! Ich experimentierte mit den Kunststoffübertöpfen aus dem Blumenladen. Zwei unterschiedliche Größen habe ich ineinander gesetzt. Das Ergebnis ist ganz gut, wenn auch schief geworden. Ich habe fest gestellt, dass das nicht zu meinem neuen Hobby wird. Und doch wollte ich den Topf nicht irgendwo ungenutzt in die Ecke stellen.



Selbstverständlich kann man auch fertige  Blumenkübel oder Kästen bepflanzen. 




Ein ausgedienter „Kochtopf“ aus Ton mit hinein gebohrtem Entwässerungsloch. Es ist das Unterteil einer Tajienne, die auf dem Induktionsherd ihre Funktion verloren hatte. 

Opuntie, Sternwurz und Teppichthymian (Thymus praecox Minor)



Eine alte Zinkbadewanne. Wir haben Löcher hinein gebohrt und sie halb mit Styroporabfällen aufgefüllt. Dann kam ein Mulchvliesrest darüber und schließlich das Pflanzsubstrat. Die Wanne voller Erde, wäre zu schwer zum Transportieren und die Kakteen hätten zu viel Erde.

Zinkwanne mit Sukkulenten bepflanzt (winterharte Opuntien und Mittagsblume, stängelloses Leimkraut, Gräser, Teppichmyrtenaster Snowflurry Aster pansus)


Zinkwanne im folgenden Frühjahr



Ein Geburtstagsgeschenk, die Blechsäule mit Pflanzschale. Wenn man nicht jeden Tag gießen kann und nicht alles an die Bewässerung anschließen will, kann man in so einem begrenzten Pflanzraum kaum etwas andere kultivieren.






Und wo stehen jetzt die vielen verschiedenen Gefäße mit Sukkulenten?


Hat man schmale Fensterbretter in voller Sonne, von denen möglichst nicht dauernd Gießwasser herunter tropfen soll? Kein Problem für Semperviren.





Eine öde Betonplatte auf dem Kanalschacht im Staudenbeet störte mich von Anfang an. Warum nicht eine Sammlung an Dachwurzen darauf stellen?







Die Treppe hoch zum Haus ist breit und steinig. Mit ein paar Töpfen der bunten Dachwurze freut man sich Sommer wie Winter beim Heimkommen über die freundliche Begrüßung.



Die hohe Säule ist ein Deko-Element auf der Terrasse.





Dachwurze in der Tonschale auf eine alten Holzstuhl stehen rund ums Jahr neben der Haustüre. Sie sehen immer schön aus und man muss nicht vom Frühjahr bis zum Herbst ständig neu bepflanzen. Und welche Bepflanzung wäre sonst noch im Januar oder Februar attraktiv?

frisch gepflanzte Dachwurze

Schale mit Dachwurzen zwei Jahre später


Die Landschaft in der Badewanne passt gut auf den mediterranen Platz. Zu sehen links neben dem Seerosenbecken aus Beton-Kanalrohren.



Findet man auf einer Gartenmesse Deko-Nippes, den man unbedingt haben muss, kann man ihm mit solchen Pflanzen eine Funktion und damit Sinn verleihen.





Sedum cyaneum Sachalin




Ich finde gerade vor dem Eingangsbereich machen sie sich sehr gut, weil sie nicht ausladend sind und einfach aufgeräumt aussehen. Hier steht die Tonschale auf einem alten Steinguttopf aus der Scheune. 




Sukkulente sind grün, stachelig und langweilig?


Ist das so? Im Garten stehe ich bekannter Maßen total auf Blüten. Als wir den Garten übernahmen, war er aus Altersgründen pflegeleicht gestaltet. Es gab nichts was blühte. Ein Stock hoher Herbstastern. Zwei oder drei einmalblühende große Storchschnäbel und verwilderte Bartnelken neben ein paar Akeleien im Frühjahr. Fast rund ums Jahr war der Garten grün. Ich wollte Blüten und bin jetzt so weit, dass es rund ums Jahr im Garten blüht. Wirklich rund ums Jahr! So dass ich niemals auf „Blumen“ im Garten verzichten muss.

In dem Konzept stören auch die Sukkulenten nicht. Es gibt wohl kaum schrillere und buntere Blüten als bei diesen Pflanzen.

Kakteenblüte:








Semperviren blühen auch sehr auffällig. Die Pflanze geht danach kaputt, was aber meist überhaupt nicht auffällt. Hat sie doch vorher für ein ganzes Büschel neuer Blattrosetten gesorgt.


Unübertroffen bunt und schillernd sind die Mittagsblumen.













Auch die Steingartenstauden als Begleitpflanzen blühen überschwänglich.

Teppichmyrtenaster Snowflurry Aster pansus

Teppichmyrtenaster Snowflurry Aster pansus

stänggelloses Leimkraut




kriechendes Schleierkraut, Gypsophila repens Knuddel


Nicht nur Blüten bringen Farbe und Abwechslung - auch die Wuchsformen können begeistern


Allein schon die vielen Formen und Farben der Dachwurze sind schon eine eigene  Sammlung wert:






































Ein paar Worte zur Pflege der winterharten Sukkulenten

Mögliche Pflanzgefäße habe ich bereits gezeigt. Wichtig ist immer, daß sie frostfest sind und Wasser gut ablaufen kann.

Als Pflanzsubstrat soll man 40 % Blumenerde mit 60 % Sand mischen. Ich nahm die ohnehin schon magere Anzuchterde und habe aber nur etwa 50% Sand darunter gemischt. Anstatt von Sand kann man auch feinen Kies oder Schotter verwenden.

Dahinein werden die gekauften Pflanzen gesetzt.


Wegen der Optik und den darin herumwühlenden Amseln habe ich immer mit kleinen Steinen abgedeckt. Einmal ist es feiner Split, übrig vom Wegebau. Seit kurzem verwende ich die nicht so grauen und eher cremefarbenen kleinen Steine aus dem Baumarkt. So ein Sack kostet nur wenige Euro und man kann sie auch verwenden, um bei Kübelpflanzen unten im Topf eine Drainageschicht ein zu bauen.


Also Dekoelemente dienen Tonscherben, Rindenstücke, Fundsteine vom Feldweg oder morsche Äste.


Gegossen wir jetzt im Sommer ohne Regen und bei sehr hohen Temperaturen zweimal pro Woche. Manchmal dreimal. Ist es kühler oder regnet es ab und zu, gieße ich schon mal eine Woche oder länger gar nicht. Am „meisten“ Feuchtigkeit brauchen die Steingartenstauden, die ich nie ganz austrocknen lasse. Semperviren kommen auch wochenlang ganz ohne Gießen aus.

Gedüngt wird ab März bis Juni mit Flüssigdünger oder ein wenig sehr hoch verdünnter Brennesseljauche. Empfohlen wird Blaukorn, aber das habe ich natürlich im Biogarten überhaupt nicht vorrätig. Im Moment experimentiere ich mit einem anderen Dünger für alle Kübelpflanzen. Den Sukkulenten bekommt er bis jetzt sehr gut. Aber dazu mehr, wenn ich mehr und nur gute Erfahrungen gesammelt haben werde.

Ganz besonders wichtig ist dann der Winter. Die Pflanzen sind laut Katalog zwischen -18°C und bei manchen Sorten bis unter -20°C winterhart. Meine haben den Winter mit tagelang -15°C ohne Schaden überstanden. Einen Schutz brauchen sie nicht.






Einzig notwendig ist bei den Kakteen und Mittagsblumen ein trockener Standort. Ich habe die Schalen im Carport, wo kein Regen hin kommt stehen gehabt. Bereits im Herbst sollte man mit Gießen aufhören. Ich beendete es im Oktober.

Die Kakteen sind wirklich schlau. Sie merken, dass es Winter wird und fangen an, zu schrumpeln. Dann darf man nicht in Panik verfallen und sie mit Wasser überschwemmen. Das Schrumpeln ist ein gutes Zeichen!



Warum? Nun, was macht Wasser, wenn es gefriert. Es dehnt sich aus und sprengt sich den Weg frei. Wäre das in einem prall mit Wasser gefüllten Kaktus wünschenswert? Wohl kaum. Daher entwässert er sich. Bei Frost dehnt sich das restliche Wasser in seinen Zellen aus, kann sie aber nicht zerreißen, weil genügend Platz vorhanden ist.

Gefährlich ist also nicht der Frost, sondern die Feuchtigkeit. Diese würde auch die empfindlichen Wurzeln faulen lassen. Also stelle ich die Pflanzgefäße immer unter Dach.



Semperviren und Sedum bleiben, wo sie sind. Die haben noch jeden Winter überstanden. Wichtig ist natürlich auch hier, dass das Pflanzgefäß Wasser rasch abließen lässt und keine Staunässe entsteht.

Im Frühjahr, wenn es wieder wärmer wird, die Wiese grünt, dann bekommen die Kakteen auch wieder langsam Wasser. Dort, wo Steingartenpflanzen im Gefäß stehen, habe ich auch im Winter ab und an ein wenig die Erde befeuchtet. Ob das nötig war, weiß ich nicht. Ich meine aber, dass Stauden vielleicht nie vollkommen austrocknen sollten. Geschadet hatte es zumindest nicht.







So das war mein Geburtstagsbericht über die Pflanzen, deren Jahreszeit seit einigen Wochen angebrochen ist. Es ist warm, jetzt sogar sehr warm und absolut trocken. Sie lieben es. Wer weiß, wenn das mit dem Regen bei uns so weiter geht, werde ich doch noch die Beete auch mit diesen Genossen bepflanzen und muss dann nicht dauernd auf Regen hoffen.


Hat der Ausflug in die Welt meiner winterharten Sukkulenten gefallen? Jetzt ist die Zeit der Gartenmessen. Und auf denen gibt es immer auch einen Stand mit diesen Pflanzen. Wer Lust bekommen hat, kann jederzeit einmal mit einem kleinen Kaktus oder Dachwurz seine eigene Sammlung anfangen.  


Ach so? Du hast gar keinen Garten? Das macht doch nichts. Das Gleiche geht auch indoor am Wohnzimmerfenster....